Goodbye Banff

In meinem letzten Bericht habe ich euch vom Bergsteigen erzählt. Immer wieder staune ich über die Schönheit und Vielfalt der Natur die mich umgibt. Die Bäume, Berge, Flüsse und Seen um Banff herum haben meine Zeit dort geprägt und ich bin sehr dankbar dafür das ich diesen Ort gefunden habe.

Nach viereinhalb Monaten ist nun der Zeitpunkt gekommen die kleine Stadt inmitten der Rocky Mountains zu verlassen und sich all die Gebiete hinter dem Horizont näher anzuschauen. Nicht nur die Umgebung und Lage selbst haben meinen Aufenthalt in Banff so besonders gemacht – es waren auch und vor allem die Menschen. Wenn ich zurückkehren werde werden andere Leute hier wie dort verweilen und das Erlebnis wird bei einer Rückkehr (die nebenbei bemerkt ziemlich wahrscheinlich ist ;)) ein ganz anderes sein. Anders in einem guten Sinne, denn Anders ist Neu und Neu ist Gut.

Gerade in diesem Augenblick bin ich eigentlich ganz wo anders; in einem Bus um genau zu sein (was die Möglichkeiten nicht sooo sehr einschränkt XD) und ich werde in den folgenden Zeilen über die Menschen schreiben, denen ich in Banff begegnet bin und die meine Zeit dort geprägt haben. Es sind einige sehr schräge Vögel darunter, aber hey, das ist an diesem Ort nichts Ungewöhnliches. Zum Abschluss gibt es dann noch einige feine wild durch gemischte Photos. :)

Andre, der Weingeist (Kanada) war an sich Supervisor und somit mein Chef – er war aber auch vom ersten Tag an ein richtig guter Kumpel. Mit ihm zusammen zu arbeiten hat einfach nur Spaß gemacht und wir haben eine Menge (!) gelacht. Er liebt seinen Job ebenso wie den Wein, mit dem er sich als angehender Sommelier beschäftigt . Ich habe viel von ihm über Gastronomie gelernt und yeah, ich bin mir sicher das wir uns wieder sehen werden wenn ich wieder nach Canada komme!

Nute, der Barhäuptige (Kanada) war ebenfalls einer meiner Supervisor… am Anfang dachte ich er mag mich nicht; was vielleicht auch daran lag das mein großer Patzer im Speisesaal geschah als er Dienst hatte. Doch ich habe mich getäuscht. Wir kamen immer besser miteinander klar und haben wenig später nahezu keinen Satz miteinander gesprochen ohne einen Witz hinten dran zu hängen. Ihr könnt euch Nute wie einen großen Kuschelbär vorstellen, der gute Laune hat solange alles läuft wie es soll.

Mick, der Verrückte (Ozeanien) ist latürnich nicht wirklich verrückt (nur ein bisschen ;)). Er hat die Natur um Banff herum gleichermaßen wie die Bars der Stadt unsicher gemacht. Es verging nicht ein Tag an dem er nicht etwas unternommen hätte und war SEHR aktiv, überall und zu jeder Zeit. Du brauchtest ein Teammitglied für einen Wettbewerb? Frag Mick. Du möchtest dir einen Film im Kino ansehen? Frag Mick. Du bist begierig darauf einen der höchsten Berge der Umgebung besteigen? Frag Mick. Er hieß jeden jederzeit zu allerlei Aktivitäten willkommen. Bevor er Banff verließ hat er mich nach Australien eingeladen und falls ich dort hin reisen werde werde ich ihn besuchen.

Alex, die Schöne (Kanada) machte das Konzentrieren auf die Arbeit manchmal gar nicht so einfach… die männlichen Server waren hin und wieder ziemlich abgelenkt. Ein sehr nettes Mädchen mit einem typischen „Kick As“ Humor. Ich benutze dieses Attribut nicht sehr oft für jemanden, Alex kann man allerdings nicht beschreiben ohne das Wort „sexy“ zu benutzen. Denn das ist sie ohne Frage. Wir haben ebenfalls viel zusammen gelacht (irgendwie hatte ich mit nahezu jedem eine Menge Spaß XD).

Sam, der Graskenner (Großbritannien) hat mir beigebracht selbst Mützen zu stricken und war mir von der ersten Millisekunde an sympathisch. Er kiffte manchmal ein wenig zu viel und ich bin mir sicher das er hin und wieder auch mal high bei der Arbeit war. Sehr lustig. Ich habe seine Gegenwart stets genossen und wir hatten viel Spaß gemeinsam. All the best dude! :D

Savannah, das Hippie Girl (Kanada) war für über vier Monate lang eines meiner Roommades. Sie ist für viele Jahre in der Welt herum gereist und ist eine der interessantesten Personen, denen ich je begegnet bin. Seltsam, schräg und aufregend. Sie hielt mich manchmal für ein Alien und ja, wir waren uns da hin und wieder auch nicht so ganz sicher. In jedem Fall hat sie viel zu meiner Mission auf dem Planeten Erde – möglichst viele Informationen über die Menschen herauszufinden – beigetragen. Krovawevnowejlfn-ö

Joe, der Snowboarder (Ozeanien) habe ich immer wieder getroffen und wir haben die verschiedensten Dinge zusammen erlebt. Irgendwann ist mit aufgefallen, dass oftmals wenn ich einen Tag oder einen Abend sehr genossen habe er irgendwie immer mit dabei war. Und in der Tat, wir kamen schlichtweg gut miteinander klar.

James, der Gechillte (Kanada) war genau das. Wir haben uns sofort gut verstanden und auch wenn ich ihn erst spät in Banff kennen gelernt habe wird er mir in Erinnerung bleiben. Unser großer Hike zu Cascade Mountain war großartig und ich habe mich sehr darüber gefreut, als er zu meinem Abschiedsabend kam.

Neben diesen Personen habe ich latürnich noch eine Menge anderer Leute getroffen; zu viele um sie hier aufzuzählen. In Banff kann man jeden Tag eine Hand voll neuer Menschen kennen lernen wenn man möchte. Mir ist aufgefallen, dass die Leute, welche ich in Banff getroffen habe, sich nahezu grundsätzlich von meinen Freunden bei Muktuk unterscheiden. Die Menschen bei Muktuk waren mehr in sich gekehrt und mehr der Natur verbunden als diejenigen in Banff. Dort waren die Menschen eher nach außen gekehrt und beschäftigten sich mit Dingen die der Beschäftigung nicht wert waren. Zwei komplett unterschiedliche Orte – ich habe die Zeit in beiden auf eine unterschiedliche Art und Weise genossen.

Der Zeitpunkt ist gekommen – mit meinen Augen folge ich dem Highway, der sich durch das Tal windet und in der Ferne zwischen den Bergen verschwindet. Ich werde dieser Straße folgen und schon bald die fernen Ufer eines Ortes betreten, den ich bereits seit langer Zeit erkunden möchte. Goodbye Banff.

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Up to the Sky

Ein Bericht über das Besteigen zweier Berge.

Majestätisch erheben sich die zerklüfteten Giganten der Rocky Mountains in den Himmel. Ein starker Wind fegt durch das Bow Tal. Er kommt von weit her und bringt Gedanken ebenso wie die berauschenden wilden Düfte der Natur mit sich – er hat viel gesehen, viel gehört und flüstert dem Wanderer Geschichten ins Ohr. Er berichtet von dem mit Moos bedeckten Findling hinter dem nächsten Baumstamm, dem bezaubernden rauschenden Bach fernab der bekannten Wege und von der Farbe des Himmels hinter dem Horizont. Er berichtet von Abenteuern.

Der Wind, er fegt durch mein Haar. Ich richte meinen Blick auf die mich umgebenden Beschützer der Täler. Mein Blick schweift von Fels zu Fels, von Berg zu Berg. Sie rufen mich. Und ich antworte.

Als ich in Banff eintraf habe ich in vielen Wanderungen die nähere Umgebung der kleinen Stadt erkundet. Eines Tages – der Wind fegte voller Eifer durch das Tal – wanderte ich einen Pfad entlang, der einen nahen Berg hinan führte. Zu diesem Zeitpunkt war der Pfad noch schneebedeckt; ich genoss die Einsamkeit an diesem Ort. Niemand wanderte hier zu dieser Jahreszeit. Ich stieg den Steig weiter hinauf, die Stille auskostend. Der Wind, durch die schneebedeckten Bäume rauschend, war das einzige vernehmbare Geräusch. Einige Zeit später ließ ich mich zur Rast nieder und bestaunte die mit Schnee bedeckten Wälder. Es wurde spät und die Zeit war gekommen umzukehren. So wanderte ich dorthin zurück woher ich gekommen war – nicht ohne zurückzublicken, den Pfad ein letztes Mal musternd. In diesem Moment wusste ich das ich zu diesem Ort zurückkehren würde.

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Seit diesem Tag sind einige Monate vergangen. Die Sonne erwärmt das Bow Tal und kein Schnee ist auf den Gipfeln der Berge zu sehen. Zusammen mit Joe und Mick, beide aus Australien stammend, haben wir an jenem Tag den Berg bestiegen, dessen Pfade ich Monate zuvor erkundet hatte:

Mount Rundle

Als einer der höchsten Berge der näheren Umgebung von Banff übte Mount Rundle eine besondere Faszination auf mich aus. Ich sah den Berg jeden Tag vor mir und der Wunsch den Berg hinaufzuklettern wurde immer stärker. Ich war nicht der einzige der diesen Wunsch verspürte und so machten Joe, Mick und ich uns im frühen Morgen des 2o. Juli auf Mount Rundle zu besteigen. Von diesem Ereignis möchte ich euch nun berichten.

Mount Rundle gilt allgemein als einer der eher schwer zu erkletternden Berge nahe Banff. Und fürwahr, es war ebenso beeindruckend wie anstrengend. Bevor es los ging, verspeisten meine Begleiter und ich ein üppiges Frühstück. Es würde ein anstrengender Tag werden. Wir klatschen in die Hände und ein „Let’s do it!“ schallte durch den Hub. Ausgestattet mit einer Menge Wasser, einigen Müsliriegeln und je zwei Sandwiches machten wir uns dann in aller Frühe auf zum Fuß des Berges. Es war angenehm kühl und während wir vom Banff Centre zur Stadt hinab stiegen erwachte die Welt um uns herum zum Leben. Mit jeder Minute sandte die Sonne mehr Sonnenstrahlen ins Bow Valley. Keine einzige Wolke war am Himmel zu sehen und es versprach ein guter Tag zu werden. Unser Weg zu Mount Rundle führte uns durch Banff, über die Brücke des Bow River, am Banff Springs Fairmont Hotel vorbei hin zum weltbekannten Golf Kurs. Dort gab es einen kleinen versteckten Pfad, der uns direkt zum Fuß des Berges führen würde. Wenig später befanden wir uns auf dem zunächst nur leicht und später steil ansteigenden Weg, der den Beginn unserer Wanderung darstellte. Während ich in meinen Wanderschuhen dem Graugrün des Weges folgte erinnerte ich mich an die Augenblicke, als ich diesen Ort das erste Mal gesehen hatte. Ja, ich bin zurück gekehrt.

Wie sich schnell heraus stellte hatte ich im April lediglich den Beginn des Pfades erkundet und er war wesentlich länger, als ich angenommen hatte. Der ansteigende Pfad führte uns durch die Wälder der unteren Hälfte Mount Rundles und wir gewannen nur langsam an Höhe. Nach etwa einer Stunde erreichten wir dann die erste von zwölf Serpentinen, welche uns schließlich rasch an Höhe gewinnen ließen. Die uns umgebende Natur war herrlich und ich fand das Drei eine ausgesprochen gute Zahl für eine Reisegruppe war. Bereits an diesem Punkt hatten wir eine sehr schöne Aussicht, die uns nur erahnen ließ wie großartig selbige auf der Spitze des Berges sein musste! Nachdem wir die Serpentinen hinter uns gelassen hatten führte der Weg den Berg hinunter. Hinunter? In der Tat, eine Tatsache, die Mick nicht gerade erfreute – wusste er doch das wir jeden Schritt den wir hinunter taten später wieder hinauf gehen mussten. „That’s a mountain, isn’t it? Why are we going downhill?“ Wenig später erreichten wir den Central Gully, eine Schlucht, die den Pfad durchbricht. Dieser Punkt markierte die Grenze zwischen „anstrengend“ zu „extrem anstrengend“ – was wir zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht wussten. Hinter der Schlucht stieg der Pfad steil an und wir mussten das erste Mal unsere Hände benutzen. Wir dachten dieser extreme Anstieg sei lediglich temporär – doch weit gefehlt! Die nächsten Stunden stiegen wir den steil ansteigenden Pfad hinauf, der Baumgrenze entgegen strebend. Während wir am Rücken von Mount Rundle hinauf kletterten stieg die Sonne am Himmel empor.

Nach insgesamt etwa drei Stunden durchbrachen wir schließlich die Baumgrenze. Mit einem Schritt standen wir im Freien und unsere Vermutung bestätigte sich – es war ein herrlicher Tag zum Klettern, die Sonne schien und wie wir war auch sie auf dem Weg zum Zenit. Mount Rundle zu besteigen war ohne Frage außerordentlich fordernd und unser aller Shirts waren bereits an diesem Punkt durch geschwitzt. Somit beschlossen wir an der Baumgrenze eine Pause einzulegen. Die Shirts wurden zum Trocknen ausgelegt, die Sandwiches ausgepackt und mit großem Genuss verspeist. Jahaha! Sandwiches! Ich finde es immer wieder erstaunlich was große Anstrengungen bewirken können. Die Sandwiches, welche wir in einem örtlichen Supermarkt kauften, waren sicherlich nicht viel mehr als Durchschnitt. Doch dort oben, auf Mount Rundle, nachdem wir etwa die Hälfte des Weges hinter uns gebracht hatten, waren diese Sandwiches die f****** besten Sandwiches der ganzen Welt! Sie schmeckten fabelhaft und wie Calvins Sandwiches brachten sie verbrauchte Energie sofort zu 1oo % zurück! :D Einige Photos (von denen zumindest eines wahrscheinlich zensiert werden würde ;)) später und mit frischer Energie aufgeladen schulterten wir kurz darauf unsere Rucksäcke und strebten weiter dem Gipfel des Berges entgegen.

Vor uns lag nun der am härtesten zu besteigende Teil des Berges, The Dragon’s Back. Tatsächlich sah dieser Abschnitt Mount Rundles von der Ferne betrachtet aus wie der Rücken eines Drachen. Ohne den Schutz der Bäume, umgeben von Felsen, Steinen und Staub, gewannen wir weiter an Höhe. Es war zwischen 10 und 11 Uhr und die Sonne sorgte dafür, dass unsere gerade getrockneten T- Shirts sofort wieder nass waren. Der Drachenrücken war sehr steil und erforderte den Einsatz der Hände nahezu durchgehend. Die Sonne brannte auf uns herab, Staub hüllte uns ein. Wäre das nicht ein guter Punkt um umzukehren?

Nope! Jedes Mal wenn sich der Gedanke ans Umkehren einschlich blickten wir nach vorne – und dort sahen wir die Spitze des Berges, den wolkenlosen Himmel im Hintergrund. „Wollte ihr wirklich aufgeben, so kurz vor dem Ziel?“ fragte uns der Berg. „Niemals!“ gaben wir zur Antwort. Schritt für Schritt kämpften wir uns den Drachenrücken hinauf; wie sich heraus stellte waren meine schweren Wanderschuhe für dieses Vorhaben weitaus weniger geeignet als die Laufschuhe meiner beiden Begleiter. Unser Trio kämpfte sich den Berg hinauf, sich gegenseitig anspornende Worte zurufend. Mit jedem Schritt kamen wir dem Gipfel Mount Rundles näher und während wir vor uns hin keuchten kam uns ein alter Japaner mit krausem weißem Haar entgegen. Alte Japaner mit krausem weißen Haar haben diese ganz besondere Ausstrahlung von ehrwürdigen weisen Kampfkunstmeistern. Dieser Japaner schien mir ein Meister seiner Kunst zu sein; geschätzt zwischen 7o und 8o Jahren alt zeigte er weniger Anzeichen der Erschöpfung als wir. Er fragte uns ob wir wüssten wo Mount Temple sei und erzählte uns, dass er gestern Cascade Mountain (der noch höher ist als Mount Rundle) bestiegen habe. Ich bin mir sicher das dieser alte Japaner mehr Berge in einer Woche bestiegen hat als Joe, Mick und ich zusammen in einem Jahr. Wir waren alle verblüfft und wünschten dem alten jungen Mann alles Gute für das Besteigen des nächsten Berges. Alte kauzige Japaner, die alleine Berge besteigen, sind einfach großartig. Und dann war es soweit. „Okay, let’s do that together!“ riefen wir uns gegenseitig zu. Die Spitze Mount Rundles lag direkt vor uns und gemeinsam kletterten wir auf den Gipfel. Wir atmeten tief ein. Was für eine Luft! Was für eine Aussicht! Unter uns erstreckte sich das weitläufige Bow Tal, Reihen von Bergen erstreckten sich in jeder Himmelsrichtung. DAS sind die Rocky Mountains! Wir befanden uns 2949 Metern über dem Meeresspiegel und in den letzten vier Stunden erkletterten wir eine Höhe von über 1577 Metern! Ein starker Wind fegte durch meine Haare. Die Aussicht war atemberaubend und dank des herrlichen Wetters konnten wir nahezu die ganzen Rockies überblicken. In Sekunden waren all die Anstrengungen vergessen. Der Schmerz in den Füßen spielte augenblicklich keine Rolle mehr. Ich liebe dieses Gefühl! Es war hart und nicht einfach gewesen Mount Rundle hinauf zu klettern. Aber dieses Gefühl war die Anstrengungen einfach nur wert. Nichts anderes. Herrlich. Der Gipfel Mount Rundles war sehr lang gezogen, da der Berg an der dem Drachenrücken entgegen gesetzten Seite steil in einer großen Klippe herab fiel. Beeindruckend! Wir alle waren zutiefst bewegt von der Größe und Majestät des Berges. Dort oben, auf einem der etlichen Giganten der Erde, durchdrang mich ein tiefes, wahres Gefühl des Glücks.

Wir aßen unsere letzten Sandwiches, schrieben unsere Namen auf ein kleines Blatt Papier nieder, welches wir in die Box auf der Spitze des Berges legten und machten uns an den Abstieg. Dieser verlief ganz anders als zunächst angenommen und nun kamen meine Wanderschuhe zum Einsatz. Lasst mich erklären: Von uns dreien war ich der einzige der nicht den Drachenrücken herab rutschte – Micks und Joes Laufschuhe boten etwa den Halt einer Bananenschale. Staub (eine Menge Staub!) wirbelte um uns herum auf als wir uns der Baumgrenze mit rasender Geschwindigkeit näherten. Der Abstieg verging wie im Flug – was vielleicht daran lag das wir alle mehr flogen als wanderten. Nachdem wir den Central Gully überquert hatten begannen wir mehr oder weniger den Rest des Berges hinunter zu laufen. Dabei zeigte sich warum Bergsteiger gewöhnlicherweise Stöcke oder Wanderstäbe mitbringen. Das Wetter war weiterhin wundervoll.

Nach etwa 8 Stunden erreichten wir unseren Ausgangspunkt am Fuße des Berges. Wir hatten insgesamt 11 km zurück gelegt. Glücklich machten wir uns auf nach Banff und der Weg zurück zur Stadt kam uns jetzt irgendwie doppelt so lang vor wie zuvor. Unsere Füße, angetrieben durch unsere Magen, steuerten geradewegs zu Melissa’s zu. Dort verspeisten wir Steaks und Burger und stoßen auf diesen großartigen Tag an. Wahrlich ein perfekter Abschluss wie er besser nicht hätte sein können. Wenig später machte ich mich von Melisses auf zu einem Rockclimbing Kurs. Das Besteigen des Berges war eine mehr oder weniger spontane Entscheidung gewesen und so ergab es sich, dass ich diesen Kurs noch am selben Abend hatte. XD Nach dem Kurs beschloss ich dem Pool noch einen kurzen Besuch abzustatten. In dieser Nacht schlief ich wie ein Stein.

Wenn ich an jenen Tag, den 2o. Juli, zurückdenke, dann erscheint ein breites Lächeln auf meinem Gesicht (genau wie in diesem Moment als ich diesen Satz schreibe). Ich liebe das Gefühl der Befreiung hoch oben auf dem Gipfel, welches einen alle Mühen vergessen lässt. Es ist es wert, wie die Photos weiter unten zeigen.

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Einen Monat darauf kam der Tag, an dem ich zusammen mit Joe und James Cascade Mountain, mit 2998 Metern der höchste Berg in der Gegend um Banff, bestieg.

Cascade Mountain

Cascade Mountain wird allgemein als weniger hart als Rundle Mountain eingeschätzt, dafür ist die Wanderung um etwas länger. Ihr fragt euch vielleicht „Wer ist James?“ und „Was ist mit Mick?“ Nun, Mick war zu seiner Weltreise aufgebrochen und James, ein Freund von Joe, war von der Idee Cascade Mountain zu besteigen derartig begeistert, dass wir nicht anders konnten als ihn einfach mitzunehmen. Als ich James am Tag zuvor kennen lernte war er mir sofort sympathisch und wir haben uns auf Anhieb gut verstanden. Am nächsten Morgen trafen wir uns all am Banff Centre und beschlossen den Tag mit einem extravaganten Frühstück in Vistas zu beginnen. Von allen Mahlzeiten die dort serviert werden ist das Frühstück meiner Meinung nach eindeutig das beste: Vom klassischen (hervorragenden!!!) Müsli über Toast, Ei in allerlei Varianten, Würstchen, Bacon, Joghurt und Obstsalat gibt es dort nahezu alles was man sich zum Frühstück wünschen kann. Es war ein seltsames Gefühl von seinen Kollegen bedient zu werden, aber ha! Wir wissen ja wie es hinter den Kulissen aussieht und sahen dementsprechend davon ab, Getränke im zweistelligen Bereich zu bestellen, Tische zu verschieben oder nach Espresso zu fragen, den es eh nicht gibt. XD

Wenig später saßen wir in James Monster Truck, der dieser Bezeichnung mehr als nur gerecht wird. Bis zu neun Leute können darin bequem Platz finden – plus Gepäck plus Snowboards! Auf der netten Bergfahrt zu der Lodge, welche zwischen Cascade Mountain und Mount Norquay gelegen ist, fanden Joe und ich heraus das James nicht nur seinen Truck mit gebracht hatte. Für die Wanderung hatte er auch seine Skaterschuhe eingepackt, die einzigen Schuhe die für diese Wanderung in Frage kamen. Diese Schuhe waren für das Besteigen eines Berges etwa so gut geeignet wie Sandalen. Einige Witzeleien später befanden wir uns dann auf unserem Weg, der hinter der Lodge begann.

Das interessante an Cascade Mountain war, dass man erst zum Beginn des Climb wandern muss. Wir begannen also nicht direkt mit dem Aufstieg, sondern ganz im Gegenteil – wir wanderten zunächst bergab. Der breite Weg hinter der Lodge führte uns hinab zu einem offenen Tal. Der Geruch von frischer Erde und Beeren stieg uns in die Nase. Wir überquerten einen rasch fließenden Gebirgsfluss tief im Tal und machten uns dann an den Aufstieg an der anderen Seite. Der Weg zog sich weit dahin und wir machten Späße darüber, dass wir nach nahezu zwei Stunden Wanderung noch nicht einmal den Beginn der Route erreicht hatten. Drei ist wirklich eine gute Zahl zum Bergsteigen, wie ich auf Mount Rundle schon festgestellt hatte – die Wanderung war ein purer Genuss.

So strebten wir dem Gipfel * ähm *, ich meine dem Beginn des Climb entgegen. Und dann, dort! Die Bäume lichteten sich und wir erblickten das Amphitheater hinter Cascade Mountain. Ihr könnt euch das etwa so vorstellen: Der Berg ist wie ein Halbkreis geformt und hinter den hohen Gipfeln befindet sich erhöht eine Art Krater. Es sah ein wenig so aus wie wenn vor hunderten von Jahren an dieser Stelle ein Komet eingeschlagen hätte. Oder Aliens, die vor Jahrtausenden mit ihren Lasern herumspielten. Von diesem Punkt aus konnten wir den größten Teil der vor uns liegenden Route erkennen. Wir traten auf die mit Gras bewachsene Ebene des Amphitheaters und staunten über die vor uns aufragenden Berggipfel. Es war auffällig, dass wir nicht nur einen Gipfel, sondern derer drei erblickten. Der letzte und höchste Gipfel stellte die Spitze des Berges dar. Nachdem wir beim Verzehren eines Müsliriegels die genossen, schulterten wir wieder unsere Rucksäcke und machten uns auf den Berg zu besteigen. Wir kamen rasch voran und die subalpine Umgebung erinnerte mich stark an zu Hause. Das Wetter war herrlich; warm genug und dennoch nicht zu heiß, da die Sonne ihren Zenit noch nicht erreicht hatte.

Gerade als wir das Gefühl bekamen, dass die Wanderung doch fast schon zu leicht wäre, überraschte uns Cascade Mountain mit……Steinen. Gut, Steine sind auf Bergen eigentlich nicht ganz ungewöhnlich und sollten uns keineswegs überraschen. Diese Steine jedoch waren anders – von einem Meter auf den anderen verwandelte sich der Pfad in eine Menge schwergewichtiger Felsen. Von dunkelgrauer bis schwarzer Farbe hoben sie sich eindeutig von allem ab was wir bisher gesehen hatten. Sie bestätigten die Alien- Theorie, denn sie sahen irgendwie ziemlich verkohlt aus. Es schien, als ob die Steine den Berg bedeckten und nicht Teil von ihm waren. Joe und ich sahen uns an und grinsten – das sah nach einer Herausforderung aus! James blicke auf seine Skaterschuhe und grummelte Unverständliches. Die Felsen erwiesen sich als sehr stabil und so überwanden wir das Steinfeld schneller als zunächst angenommen.

Am Ende der Felsen hatten wir den ersten Gipfel erreicht. Vor uns erhob sich nun die zweite Bergspitze, die zutreffenderweise den Namen False Summit trägt. Von dem ersten Gipfel aus gesehen ist man stark versucht in der zweiten Spitze den höchsten Punkt des Berges zu sehen – doch wir hatten uns informiert und so ahnten wir schon das wir noch nicht so weit waren wie die tolle Aussicht vermuten ließ. Der Pfad führte uns an einer scharfkantigen Klippe entlang, zu der es direkt hinunter ins Amphitheater ging; auf der anderen Seite fiel Cascade Mountain etwas weniger steil zum Tal hinab. Etwa eineinhalb Stunden später erreichten wir False Summit. Der schmale Weg führte um die Spitze herum und als wir auf der anderen Seite ankamen, erblickten wir den höchsten Gipfel von Cascade Mountain in 2998 Metern Höhe. Hoch…sehr hoch…

Wie bei Rundle Mountain waren wir um jeden Müsliriegel und jedes Sandwich froh, das wir mit gebracht hatten. Bevor wir uns jedoch daran machten die zuletzt genannten zu verzehren tauchte die Idee auf sie aufzuheben und ein Festmahl auf der Spitze zu halten. Der Vorschlag wurde von uns allen (nicht so von unseren Magen) mit Begeisterung aufgenommen und so stapften wir einen Müsliriegel und etwas Wasser später weiter unserem Ziel entgegen. Wir erreichten nun den steilsten Teil des Berges, auch wenn dieser bei weitem (!) nicht so anstrengend war wie The Dragon’s Back. Im Gegensatz zu Mount Rundle war die Spitze von Cascade Mountain sehr SEHR windig. Mit jedem Schritt mit dem wir uns den Wolken weiter näherten hießen uns die Luftelementare mit mehr Enthusiasmus willkommen.

Dort! Endlich! Da war es wieder, dieses unsterbliche Gefühl auf dem Gipfel. Nach sechs Stunden hatten James, Joe und ich unser Ziel erreicht. Die Aussicht war wieder atemberaubend und mir fiel als ich die Größe und die Farben der umliegenden Landschaft in mich aufsog folgendes auf: Mount Rundle. Der Riese thronte auf der anderen Seite des Bow Tals und es war ein seltsames, schwer zu beschreibenden Gefühl den Berg auf der anderen Seite zu sehen und zu wissen, dass ich genau dort vor einem Monat stand und dorthin sah, wo ich jetzt in genau diesem Augenblick stand. Fascinating.

Wir waren nicht die einzigen auf der Spitze. Alles in allem war auf Cascade Mountain wesentlich mehr los als auf Mount Rundle. Auch einige Kuriositäten gab es hier zu sehen; so zum Beispiel einige Jungs die mit Golfschlägern unterwegs waren und die kleinen weißen Bälle schwungvoll irgendwo ins Tal befördern. Eine sehr coole Idee! Oder ein Québecer der sich im kalten Wind komplett nackt auszog und sich von seiner Begleiterin photographieren ließ. Er war nebenbei bemerkt ein großer Verfechter eines unabhängigen Québec und es war mir eine Freude mit ihm über diese Belange zu diskutieren. Ein sehr interessantes Thema. Den Japaner, dem wir auf Rundle begegneten, konnte ich leider nicht erspähen, doch er war ziemlich sicher auf einem der Gipfel die ich von hier oben sehen konnte. ;)

Der Abstieg verlief schnell und unspektakulär. Aufgrund James Schuhen versuchten wir die Felsen an der ersten Spitzel zu umgehen und versuchten daher eine alternative Route um die Spitze herum……wie sich dann herausstellte gab es dort genauso viele Felsen. XD Das Wetter blieb fabelhaft und das Klettern war nach wie vor ein großes Vergnügen. Unterhalb der Baumgrenze wunderten wir uns wie lange der Weg hinab ins Tal war und umso freudiger begrüßten wir das erste Murmeln des Baches. Kurz darauf erreichten wir unseren Truck. Nun ja, nicht ganz. Eigentlich wäre dies die Zeile in der so etwas wie „und dann fuhren wir zurück in die Stadt“ zu lesen sein sollte. Tatsächlich jedoch erreichten nur James und Joe den Truck – ich blieb kurz davor stehen.

Da war etwas schwarzes auf einem der Felder von Norquay Mountain. Rasch holte ich meine Kamera hervor und versuchte so nah wie möglich heran zu zoomen um zu sehen ob dort oben vielleicht ein Bär aufgetaucht war! Und tatsächlich, zusammen mit dem optischen und digitalen Zoom konnte ich einen Bären erkennen! Was für ein perfekter Abschluss der Wanderung! :)

So, jetzt aber! Und dann fuhren wir zurück in die Stadt. Und latürnich kehrten wir wieder in einem der örtlichen Restaurants ein; bei einem hervorragenden, mexikanischen Mahl und eiskalten Margaritas – die ich vorher noch nie getrunken hatte, sehr schmackhaft! – entspannten wir uns und sprachen über den Berg (und über James‘ nun unbrauchbaren Skaterschuhe ;)). Wir fühlten uns sehr wohl, wozu auch all die Erdnüsse beitrugen, die man zu Massen kostenlos bekam und deren Schalen man einfach auf den Boden werfen konnte. Irgendwann merkten wir dann das die Pausen zwischen unseren Sätzen immer länger wurden und der Zeitpunkt des Aufbruchs war gekommen. An diesem Tag hatten wir in zehn Stunden eine Strecke von über 18 km zurück gelegt und sind über 1460 m hinauf geklettert. Es war herrlich. :)

Ich liebe die Berge.

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Galerie

Genießt die Aussicht. :D

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Stories around a small town in the mountains

Es gibt diese Augenblicke die wie dafür geschaffen sind mit einem neuen Reisebericht zu beginnen. Diese treten bei mir bevorzugterweise um zwei Uhr des Nachts in Erscheinung – der Stunde der Schreiberlinge. Gerade jetzt ist ein solcher Moment und mit Begeisterung schreibe ich diese Zeilen! Die letzten zwei Wochen waren voll von herrlichen Ereignissen, von denen einige ausnehmend bemerkenswert waren und mir für eine sehr lange Zeit in Erinnerung bleiben werden. Wenn ich meine Gedanken nun schweifen lasse und noch einmal die Ereignisse näher betrachte, so wird mir wieder einmal klar, dass es unmöglich ist all das Erlebte in allen Einzelheiten zu beschreiben. Aber das ist auch gar nicht nötig. Mit meinen nachfolgenden Worten möchte ich euch mitnehmen auf eine kleine Reise rund um Banff; zu hohen Bergen, eisigen Gletschern, reißenden Flüssen, gewaltigen Seen und … hohen Elektrizitätsmasten. Außerdem erwartet euch eine spektakuläre, vielfältige Photoserie am Ende dieses Beitrags.

Neben meinem Job ist mein Leben in Banff vor allem von zwei Dingen geprägt: Der Natur und der Kunst. Erstere ist allgegenwärtig und wenn man gerade dabei ist sich zu sehr an die Gebirgsszenerie zu gewöhnen erinnert einen der junge Rehbock, der plötzlich hinter einer Ecke hervor schreitet, wieder daran an welchem Ort man sich eigentlich befindet. Die Kunst genieße ich vor allem in Form von Musik und Filmen, von denen ich später noch einiges berichten werde. Ich bin viel gewandert und habe gleichzeitig viele wundervolle Abende im Jazz- Club verbracht. Auch in den letzten Wochen habe ich wieder viel außerhalb der Stadt und innerhalb der Grenzen des Banff Centre erlebt. Lasst uns also mit unserer kleinen Reise rund um Banff beginnen.

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Zunächst schauen wir uns einmal näher auf dem Campus um. Ah, da, direkt neben dem Gebäude, in dem sich Vistas und das Recreation Centre befinden, ist eine Ansammlung von einigen Bäumen zu sehen. Und dort, zwischen den Baumstämmen, können wir einige seltsame Konstruktionen erkennen; Seile hängen zwischen den Bäumen; einige Leute stehen um einen Mast herum und schauen in die Höhe. Das schaut spannend aus, sehen wir uns das einmal näher an!

Das Banff Centre ist wie bereits vielfach erwähnt nicht nur ein Versammlungsort für Kreative, es ist ebenso ein Leadership Development Centre. Manager aus aller Welt bilden sich an diesem Ort weiter und lernen auf vielfache Weise neue Aspekte ihrer Arbeit. Der Standort des Banff Centre fließt auch hier in das Training mit ein. Ein wichtiger Aspekt sind Outdoor Übungen, die auf abwechslungsreiche Art und Weise die einzelnen Punkte verdeutlichen. Eine dieser Übungen ist der so genannte Ropes Course („Seilkurs“) , der Managern die Teamarbeit näher bringen und verdeutlichen soll, dass ein gutes Team und Zusammenarbeit die Basis für ein erfolgreiches Unternehmen ist. Erfreulicherweise wurde im Juni ein solcher Kurs auch für Staff Member angeboten.

Ich habe an dem Kurs teil genommen und hatte schon im Vorhinein viel gutes darüber gehört. Die beiden Kursleiter waren sehr nett (und einer erinnerte mich mit seinem Humor und seiner Offenheit an meinen lieben Onkel Martin in Österreich :D); die zwei unterschiedlichen Übungen, die wir in knapp vier Stunden bewältigten, waren recht….ungewöhnlich. Es sei denn man springt täglich von 10- Meter Masten ins Nichts. o_O Japp, genau das war die erste Übung! Gesichert durch Seile, die von dem Rest des Teams gehalten wurden, kletterte man einen modifizierten ehemaligen Elektrizitätsmast herauf, richtete sich dann oben zu voller Größe auf und…

…sprang. Diejenigen unter euch die öfter ins Schwimmbad gehen sind sicherlich mit den 10- Meter Sprungtürmen vertraut. Der große Unterschied hierbei ist, dass man bei diesen Türmen Wasser unter sich hat und man weiß, das man nicht auf den Boden aufprallt. Nun ja….bei dem Mast blickt man aber eben genau auf eben diesen, den Grund der Erde – und man hat kaum Platz genug für die beiden Füßen zum Stehen! Um dem Sprung ein Ziel zu geben hängt in etwa 1,5 Metern Entfernung vor einem ein Schaumstoff- Dingens (irgendwie trifft dieses Wort ziemlich genau auf das Ding zu ^^), das man hauen, treten oder mit dem Kopf wegbangen kann. Ich habe mich für letzteres entschieden.

*hüpf* … *bang* … *wuhuuu!* :D

Mit dem Kopf gegen das Schaumstoff Ding. Auf dem Mast stehend bedurfte es einer gewissen Überwindung mit dem Kopf voran 1,5 Meter ins Nichts zu springen und zu hoffen, dass die Seile halten. Tatsächlich war das ganze System extrem sicher. So sicher, dass es anstelle von sechs Teammitgliedern, die die Seile mit ihren beiden Händen festhielten, eigentlich nur einer einzigen Person bedarf hätte, die mit zwei Fingern (!) ein Seil hätte halten müssen. Durch viele Verwinklungen der Seile wurde die Kraft minimiert, die benötigt wird um einen menschlichen Corpus zu halten. Übrigens musste keiner springen wenn er nicht wollte. Aber hey, darum waren wir ja hier. ;)

Das Gefühl des Springens war erfüllend wie atemberaubend und kurz. Viele von uns wollten noch einmal springen doch leider hatten wir dazu keine Zeit, denn…

…es gab noch eine zweite Übung! Diese bedurfte noch etwas mehr Teamwork und war insgesamt auch etwas komplizierter. Hm… *grübel* …gar nicht so einfach zu beschreiben was wir da gemacht haben. Nun, ihr könnt euch das in etwa wie folgt vorstellen: Zwischen zwei Bäumen waren zwei Seile gespannt, jedoch nicht komplett parallel. Zwei Teammitglieder, wieder durch Seile gesichert, kletterten einen der Bäume herauf und ihr Ziel war es nun, gemeinsam die andere Seite zu erreichen. Dazu mussten sie beide über die Seile laufen und sich gegenseitig mit den Händen aneinander abstützen. Aufgabe der anderen Mitglieder war es nun die Seile entsprechend zu justieren. Vier Teammitglieder konnten über Seile die Kletterer unterstützen indem sie sie z.B. fest anzogen. Ein weiteres Quartett musste die Seile nachziehen damit sich die Kletterer vorwärts bewegen konnten. Teamwork und Kommunikation spielten bei dieser Übung also eine essenzielle Rolle. Die Übung wurde aufgrund der nicht parallelen Spannseile immer schwerer und schwerer. Zu Beginn waren sie nahezu parallel, dann wurde der Abstand zwischen den Seilen immer größer. Am Ende der Strecke lag man fast waagerecht parallel zum Boden! Besonders spaßig wurde die Übung als ich mit meiner Kletter- Partnerin oben war und der Wind plötzlich zunahm. *schaukel, schaukel* ^^ Auch bei dieser Übung musste man wieder Vertrauen in das Team haben und nur gemeinsam konnte die Aufgabe gelöst werden. Insbesondere mit seinem Kletter- Partner musste man sehr stark zusammen arbeiten. Ich habe den Ropes Course sehr genossen – es hat SEHR viel Spaß gemacht! Wenn er noch einmal angeboten würde würde ich in jedem Fall noch einmal daran teilnehmen. :)

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Nachdem wir nun also gesehen haben, dass man auch innerhalb der Grenzen des Banff Centres abenteuerliche Dinge erleben kann (wie überall an jedem Ort der Welt!), verlassen wir nun das Centre und die kleine Stadt und wenden uns gen Norden.

Im Juni, dem Beginn der Sommer Saison, veranstaltete BanffLife eine Willkommens- Woche. BanffLive ist eine von der Kirche und der Stadt gleichermaßen finanzierte Organisation, die es sich das Ziel gesetzt hat, Neuankömmlingen im viel besuchten Banff den Einstieg zu erleichtern. Jede Woche am Donnerstag ist „Free Pasta Night“ und man trifft viele neue Leute. Über BanffLive lernt man schnell Leute kennen und findet neue Freunde. Das ist zwar etwas aufwendiger als bei Facebook einfach auf „Freund hinzufügen“ zu klicken, währt dafür aber auch länger. ;) In dieser Woche gab es noch mehr Events als sonst und zudem eine große Zahl an Ausflügen, die alle komplett kostenlos waren. Ich kam mit dem Ankreuzen der Ereignisse an denen ich teilnehmen wollte gar nicht mehr hinterher. ^^ Am Banff Centre war in dieser Woche auch einiges los und so musste ich mir sehr genau überlegen, wie ich wann wo hin gehe. Ich habe mich nach einigem überlegen für eine Eiswanderung auf dem Athabasca Gletscher entschieden, der dem berühmten Columbia Icefield entstammt. Gewöhnlicherweise fährt man mit einem gewaltigen Eisbus (in den schönen Farben rot und weiß, siehe Bilder am Ende des Beitrags) den Gletscher empor, hört sich einige Fakten über das Eis an, steigt aus, läuft 20 Minuten in einem kleinen abgesperrten Bereich herum, macht Photos, lässt sich photographieren, steigt wieder in den Bus und fährt zurück. Alles in allem klingt das ziemlich langweilig, oder? Nun, ist es auch. So sagen zumindest einige Leute vom Centre, die diese Tour gemacht haben. Im Endeffekt nicht mehr als eine eindrucksvolle, langsame Busfahrt. Langsam daher, weil die so genannten „Ice Explorer“ maximal 15 km/h fahren können.

Im Gegensatz zu diesen normalen Bus Touren habe ich an einer waschechten Eiswanderung teilgenommen! Yay! :) Nach einer zweieinhalbstündigen Busfahrt mit einem normalen Bus (mit normaler Geschwindigkeit) durch das beeindruckende Panorama der Rocky Mountains war die ganze Gruppe am Boden des Gletschers angekommen. Zusammen mit einem Guide (aus Neuseeland) haben wir uns dann an das Besteigen des Athabrasca Gletschers gemacht. Am Boden war es extrem windig und seit langer Zeit fand mein Yukon-ich-widerstehe-jeder-Kälte-und-halte-dich-warm-und-sehe-auch-noch-gut-aus-Jacket wieder Verwendung. Zwei Stunden lang waren wir auf dem Gletscher, der an seiner dicksten Stelle ca. 300 Meter (!) misst. Wir sind sozusagen auf einem Eis- Eifelturm gelaufen. So beeindruckend die Zahlen über den Gletscher und das über ihm liegende Columbia Iceflied auch waren, wesentlich beeindruckender war für mich das glänzende Weiß an sich. In der Mitte des Gletschers stehend hatte ich mehr als einmal den Eindruck, auf der Oberfläche eines anderen Planeten zu stehen. Wäre das Eis von rötlicher Farbe gewesen hätte ich mich wie auf dem Mars gefühlt. Das Wasser war glasklar und schien durch das darunter liegende Eis in einem hellen, freundlichen Blau. Die Wanderung war ein großer Spaß, was vor allem unserem netten und humorvollen Guide zu verdanken war.

Auf der Rückreise vom Athabrasca Glacier ereignete sich dann etwas, womit ich nicht gerechnet hatte. Und so kam es das uns ein Schwarzbär begegnete. Ihr habt richtig gelesen, ein Schwarzbär! Juhuuu!!! :D Mein Herz hüpfte vor Freude! Mein erster Bär in Canada! Doppeljuhuu!!! :) Der recht kleine Schwarzbär graste (ja, graste) neben dem Highway und verschwand einige Minuten später aufgrund der Touristen, die aus den Autos stiegen um Photos zu machen. Die Photos weiter unten von dem Bären sind aus dem Fahrzeug heraus aufgenommen worden. Der Bär war der perfekte Abschluss der Tour. Welch wundervolle Geschöpfe.

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Im Westen von Banff war es, wo ich ein Erlebnis von solcher Kraft erlebte, dass es auf immerdar in meinen Erinnerungen bleiben wird. Vor nicht allzu langer Zeit habe ich mit Begeisterung, Enthusiasmus (einer Menge davon ;)) und großer Freude an einer weiteren Tour teil genommen. Es gibt nicht viele Dinge auf dieser Welt die SO VIEL SPAß machen das man vor Vergnügen einfach nur noch lacht und lauthals seine Freude in die Welt hinaus schreit. :D Eines dieser Dinge ist Wildwater Rafting auf dem rauschenden Kicking Horse River.

Am 28. Juni bin ich mit zusammen mit einigen anderen Servern und Leuten vom Centre zu einer vierstündigen Wildwater Rafting Tour aufgebrochen. Und_es_war_großartig! Gemeinsam mit etwa 40 anderen Leuten, die sich später auf acht Boote aufgeteilt haben, lauschten wir den Anweisungen der Guides. Bevor es jedoch so weit war rüsteten wir uns mit allerlei Kleidung aus. Um nicht zu nass zu werden (auch wenn das mitunter einer der Gründe ist warum man Wildwater Raften geht) bekommt man einen Ganzkörperanzug, dem von Tauchern nicht unähnlich. Dazu ein entsprechend passendes Paar Gummischuhe. Darüber ein Flies um warm zu bleiben (ggf. auch zwei), darüber wiederum eine Regenjacke. Darüber wiederum eine Schwimmweste. Ein Helm auf den Kopf und man kommt sich vor wie ein Wasser- Murmeltier. Fertig angezogen – was latürnich eine Weile gedauert hat – sind wir vom Basiscamp aus dann zum Kicking Horse gefahren. Die Wrafting Company benutzte dazu ausgediente canadische Schulbusse – die schönen Gelben, die ein bisschen altmodisch aussehen und mir so gut gefallen. :) Nach der Ansprache des Mainguides ging es dann los. Auf ins Nass! Jeder einzelne auf dem Raft blickte mit großen Augen dem Kommenden entgegen. Und jeder suchte mit selbigen den Verlauf des Flusses ab, auf der Suche nach den ersten Stromschnellen…

Die erste halbe Stunde war sehr unspektakulär und mehr ein „ich schau mir die schöne Landschaft an und halte nach Bären Ausschau“- Trip. Unser Guide Rod, der mir sehr sympathisch war und ist, erzählte uns einige amüsante Geschichten und zeigte uns die Gegend vom Fluss aus. Bei all den Guides denen ich bisher begegnet bin (und mit denen ich bei Muktuk zusammen gearbeitet habe) ist mir aufgefallen, dass sie alle über ein großes Repertoire an lustigen Geschichten und Anekdoten verfügen. Für jeden Guide erscheint mir das neben einem kumpelhaften Wesen von großer Wichtigkeit zu sein. In diesem ruhigen Abschnitt der Tour hatten wir alle die Möglichkeit im Fluss schwimmen zu gehen. Wegen der Strömung musste man sich am Raft fest halten. Trotz all der Kleidung war das Wasser unfassbar kalt. So kalt! Direkt von den Bergen – Herrlich! Ein bisschen Stolz schwingt in meiner Stimme mit wenn ich schreibe, dass ich der erste war der ins Wasser sprang. :D

Einige Anekdoten später kamen dann endlich die ersten Stromschnellen in Sicht! Mittlerweile hatte uns Rod mit den unterschiedlichen Leveln vertraut gemacht, in den diese eingeteilt werden. Level 1 ist recht harmlos, es spritzt lediglich etwas Wasser. Bei Level zwei kann man dann schon richtig nass werden und Level 3 garantiert ein unglaubliches Erlebnis. Bei Level vier ist man dann einfach nur noch glücklich und spürt mit jedem einzelnen Wassertropfen das man am Leben ist. YEAH!!!! :D Level fünf….nun Level fünf haben wir nicht ausprobiert da dieser Level als unwraftbar gilt und mit hoher Wahrscheinlichkeit mit dem Tod endet. Der Kicking Horse River hat seinen Namen voll und ganz verdient. Das Raft ist teilweise bis zur Hälfte unter Wasser getaucht! An einer Stelle haben wir auf dem Fluss durch Level 2 – 3 Stromschnellen über 100 Höhenmeter in wenigen Minuten zurück gelegt. Die ein oder zwei Level 4 Stromschnellen sahen schon von weitem beeindruckend aus, ähnlich einem Loch im Wasser. „Wuuuuuuuuuuuuuhuuuuuuuuuuuuu“ erschallte es im Tal als wir mit dem Raft direkt in die Stromschnelle vor schossen. WOW, einfach nur WOW!

Ich glaube ich habe meinen Respekt vor sämtlich Wasserbahnen in Erlebnisparks verloren. Das ist nichts im Vergleich zu echtem Rafting. :) Wildwater Rafting – eine der tollsten Erlebnisse die man erleben kann. Ich empfehle es jedem von euch SEHR. Für diejenigen unter euch die in den Alpen wohnen: Ich habe von einigen tollen Flüssen in der Schweiz gehört, auf denen gewraftet werden kann. Martin, wenn ich das nächste Mal in Kufstein bin weisst du schon was wir alle zusammen machen werden. ;) Auch wenn der Ropes Course und der Athabrasca Glacier toll waren – das Wrafting war für mich der absolute Höhepunkt im Juni und setzte dem Monat gen Ende die Krone auf. :D Für dieses Erlebnis hat die deutsche Sprache nicht genügend Superlative.

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Der Juni war ein durch und durch ereignisreicher Monat, wie sich sicher schon anhand des bisher Geschriebenen erahnen lässt. Neben den oben genannten Touren habe ich latürnich auch wieder an einigen Veranstaltungen am Banff Centre teil genommen. Dabei hat vor allem eine Reihe von Film Vorstellungen meine Aufmerksamkeit erregt. An drei Abenden wurde auf einem großen Bildschirm jeweils eine Auswahl der Filme des Banff Mountain Film Festival von 2oo8 gezeigt. Ich hatte bei BanffLive (Pasta Night ^^) durch Zufall einen der Filme gesehen. Die Aufnahmen waren derart beeindruckend das ich nicht eher aufgestanden bin als das der Film sein Ende erreicht hatte. Diese prächtigen Bilder in mind….ähm….im Kopf, habe ich mich auf die Tickets gestürzt. Die ersten beiden Screenings habe ich mir mit meinem guten Freund Michael zusammen angeschaut.

Meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht! Die Filme waren fern davon als „gewöhnlich“ bezeichnet zu werden und zeigten ein großes Spektrum an Outdoor- Aktivitäten: Base- Jumping, Klettern, Mountain Biking, Kanu- fahren, Ski- fahren, Snowboarden, Paragliding und alles mögliche dazwischen. Hinzu kamen einige Filme über (Berg) Kultur und Expeditionen. So wurde zum Beispiel auch ein Film gezeigt, der von dem Kampf einiger Fischerdörfer in Alaska handelt, welche sich einem Konzern, der dort eine gewaltige neue Miene errichten will, entgegen stellen. Sehr spannend und selten habe ich bei Filmen so lange mit offenem Mund da gesessen. „That’s impossible“ und „These guys are crazy“ waren Sätze die (sicher nicht nur) mir durch den Kopf gingen.

Neben dem sehr beeindruckenden Kletter Film „The Sharp End“ hat mich vor allem „Journey to the Center“ beeindruckt, in dem drei Base Jumper zu einer gewaltigen Grube in der Erde reisen, um sich dort einen Traum zu erfüllen. Wenn auf der Welt ein Meteorit einschlägt und im durch den Aufprall entstehenden Loch im Laufe der Jahrtausende ein Urwald entsteht würde es in etwa so aussehen. Den Trailer zu dem Film könnt ihr euch erstmals hier direkt im Blog anschauen. Sehr stimmugsvoll!

Neben den Filmen habe ich auch eine innovative wie ungewöhnliche Tanzshow gesehen, die den Namen „Busk II“ trägt. In dieser Show zeigen viele junge Tänzer aus Nordamerika und den USA ihr Talent. Die Show war durch und durch beeindruckend, die erste Vorführung dieser Art die ich je gesehen habe. Viele waren von dem Gezeigten sehr angetan und das Feedback für die Choreographin Azure Bartin war sehr positiv. Mir allerdings fehlte etwas bei der Show: Eine Geschichte.

Ich liebe das Theater, Opern und Operetten und in all diesen wird eine Handlung erzählt; Charaktere beherrschen die Bühne und wir lassen uns verzaubern von einer Welt, der dort vor uns im Spiel und Gesang Leben eingehaucht wird. In Ansätzen gab es auch in Busk II immer wieder kurze Handlungstricke, die sich jedoch im Nichts verloren. Man kann es ganz gut mit Filmen vergleichen – die Tanzvorführung erscheint mit wie ein cooles Action- Movie, welches unterhaltsam ist aber darüber hinaus kaum die Gedanken des Zuschauers beschäftigt. Eine Oper wiederum wirft vielleicht einige Fragen auf, über die man später nachdenkt oder man diskutiert mit seinen Freunden über die Charaktere und die schauspielerische Darstellung. Busk II war ohne Frage sehr unterhaltsam und die Tänzer verstanden es mit ihren teilweise sehr unnatürlichen Bewegungen zu beeindrucken; eine gute Tanz- Show mit stimmungsvoller Musikuntermalung. Ich habe erkannt, das ich mich für Tanzshows nicht wirklich begeistern kann – ich bevorzuge Konzerte oder wie bereits erwähnt ein Bühnenstück mit einer Geschichte…

…was mich nicht davon abhielt mir einige Zeit später eine Balletvorführung anzusehen. Es war eine sehr spontane Entscheidung und, nun, nennen wir es „interessant.“ Ich habe schnell (sehr schnell ;)) erkannt das ich Ballet ganz und gar nichts abgewinnen kann. Von Azures Busk II gibt es ein sehenswertes Video auf youtube, welches ich euch allen sehr empfehlen möchte [Link].

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Auf dem nächsten Abschnitt unserer kleinen Reise um Banff herum gesellt sich mein guter Freund Michael zu uns. Hello my friend. ;) Im letzten Monat haben wir beide viel Zeit miteinander verbracht. Wir haben nicht nur zwei der drei Film Vorstellungen des Mountain Film Festivals gesehen, sondern auch sonst eine Menge zusammen gemacht. Über diese Ausflüge möchte ich euch nun berichten – in Michaels Blog kann man schon seit einigen Wochen einen langen und ausführlicher Bericht über unsere gemeinsamen Erlebnisse lesen sowie eine ganze Menge Photos betrachten.

Wie ich in meinem letzten Bericht bereits erwähnte, haben wir zusammen Crazy- Chipmunk- Mountain (auch Sulphur Mountain genannt), bestiegen. Diese kleine Tour war große Klasse und hat uns viel Freude bereitet. Als wir oben auf Sulphur standen, da ahnten wir beide noch nicht das diese Wanderung erst der Beginn zu einer weitaus längeren Tour war. Dazu später mehr. Von der Spitze des Berges aus konnte man weit in das Bow Valley hinaus blicken und die Aussicht war toll! Meine Augen schweiften über das Tal, betrachteten die Wälder, Berge und den Bow River, der sich genügsam zwischen den Bäumen der Waldlandschaft hindurch schlängelte. Und da! Am Horizont, umgeben von einer Reihe hoher Berge, da sah ich etwas glitzern. In einem hellen blau wie man es sich blauer nicht wünschen konnte, sah ich dort einen gewaltigen See. Lake Minnewanka! Ich hatte den See mit indianischem Namen schon beinahe vergessen, war er doch sehr einfach mit einem Auto oder Mountain Bike zu erreichen, zu Fuß jedoch lag er ziemlich weit weg.

In jenem Moment auf Sulphur Mountain entbrannte in mir erneut der Wunsch zu diesem See zu gelangen und so erzählte ich meinem Wandergefährten von meiner neuen Idee. Er war gelinde gesagt begeistert, insbesondere, als ich ihm noch ein wenig mehr über Lake Minnewanka erzählte. Bis wir uns dann tatsächlich zum See aufmachten sollten noch mehrere Tage vergehen – in der Zwischenzeit besuchten wir die Upper Hot Springs, die ich trotz meines mehrere Monate währenden Aufenthalts in Banff noch nicht besucht hatte. Bei Touristen sind Hot Springs generell sehr beliebt und überall wo es welche gibt, kann man davon ausgehen, dass sich viele Menschen um die Badehäuser drängen. Dennoch wäre es irgendwie schade die Hot Springs nicht gesehen zu haben und so entschieden wir uns eines Tages kurzfristig dem Badehaus einen Besuch abzustatten. Es ist ganz nett dort oben, wenn auch nichts besonderes. Die Hot Springs bestanden aus nicht viel mehr als einem Becken sehr (!) heißem Wassers. So heiß, dass es mir unmöglich war unter Wasser die Augen zu öffnen, was ich sonst mir Vorliebe tue. Aber hey, nicht alles muss etwas besonderes sein (wie könnte man sonst auch ein besonderes Erlebnis von einem eher gewöhnlichen unterscheiden?). Erfreulicherweise waren weniger Touristen dort als ich zunächst vermutete. :)

Von der Vorstellung, in von der menschlichen Zivilisation unberührten heißen Quellen auf einem Berg inmitten des Nirgendwo zu baden bin ich nach wie vor entzückt.

Einige Tage später machten Michael und ich uns auf zum See Minnewanka. Wir waren uns beide nicht ganz klar darüber wie weit der See denn nun tatsächlich entfernt war und so haben wir uns zuvor bei Park Canada informiert. Diese empfahlen uns mit dem Bus oder einem Mountain Bike zum stillen Gewässer zu fahren und dann mit unserer Wanderung zu beginnen. Allgemein – so Park Canada – würde kaum jemand zum See wandern, da man in diesem Fall kaum Zeit beim See selbst verbringen könnte. Den Hin- und Rückweg könne man in etwa 8 Stunden bewältigen. Michael und ich schauten uns an und uns war beiden klar das wir kein Geld (der Bus war ziemlich teuer) für den Transport zum See ausgeben wollten. Unser Entschluss stand fest: Wir würden zu Fuß zum See laufen, auch wenn das bedeutete, dass wir erst um 3 Uhr nachts zurück in Banff sein würden. Bevor es los ging statteten wir uns noch mit den nötigen Vorräten aus und haben zudem etwas erstanden, von dem wir beide sehr angetan waren und sind. Michael wollte sich aufgrund des warmen Klimas eine Bandana kaufen und als wir dann in einem leicht abgefreakten Laden mit Mode im 80er Jahre Stil ankamen, war ich von den Bandanas ebenfalls sehr angetan. Sehr praktisch für längere Haare. Leider konnten sowohl der Ladenbesitzer als auch ich Michael nicht davon überzeugen, dass ihm eine rosa Bandana gut stehen würde. :P Er wählte am Ende eine rote aus, ich habe mich mit einem braunen Tuch bestückt. Als wir unsere neuen Hauptbedeckungen aufsetzten (was mir am Anfang gar nicht so leicht viel) kamen wir uns beide wie Piraten vor. Arrrrr! :) Wir verbrachten in Banff etwas mehr Zeit als zunächst angenommen und mittlerweile wurde uns beiden klar, dass wir nicht vor 5 Uhr morgens des nächsten Tages zu Hause ankommen würden. Diese Tatsache haben wir dann gekonnt ignoriert, da wir unbedingt noch an diesem Tag zum See wollten. Der Gedanke an eine Nachtwanderung war zudem ausgesprochen angenehm.

Unser Fußmarsch führte uns zunächst der Länge nach durch Banff (auch durch den Teil, den die Touristen gewöhnlich nicht besuchen) und dann an einer langen Hauptstraße entlang, die zum Highway führte. An diesem ersten Teil der Strecke wäre ein Mountain Bike tatsächlich sehr praktisch gewesen. Neben der Straße laufend, über alles Mögliche und Unmögliche plaudernd, näherten wir uns schnell dem Highway, den wir ebenso schnell hinter uns ließen. Hinter dem Highway bestimmte die Natur rasch wieder das Bild und wir freuten uns beide schon sehr auf den See. Zu unserer Linken erhoben sich majestätische Berge, vor uns stieg der Weg an und verschwand im Dunkelgrün der Wälder. Wir wollten gerade weiter wandern, da fiel mein Blick auf eine Bewegung links von uns. Auf dem Berg, dort, da bewegte sich etwas! Nein, kein Tier, sondern Wasser. Ein Wasserfall! Kaum einen Kilometer vom Highway entfernt glänzten die in die Tiefe fallenden Wassermassen in der Sonne. Wieder blickten Michael und ich uns an und binnen Sekunden fassten wir den Entschluss zum Wasserfall zu wandern. Nahe der Straße fanden wir einen Weg, der mir auf Anhieb sympathisch war: Leicht ansteigend, links und rechts mit Sträuchern und Bäumen bewachsen, die teilweise sich wie Geliebte über dem Pfad trafen. Einige Blumen durchbrachen das Grün. Die Sonne ließ Pflanzen, Steine und Stämme in kräftigen Farben erstrahlen. Und da war es! Von dem Moment an als wir unsere Schritte auf den Pfad lenkten, vernahmen wir dieses wunderbar rein klingende, verheißende Rauschen. Kein plätschern, nein, ein kraftvoller Zeuge des immerwandelnden Elements. Meine Schritte bewegten sich rascher dem Ziel entgegen. Und mit jedem Schritt wurde das Rauschen lauter. Einen Busch beiseite schiebend offenbarte sich mir und meinem Begleiter ein herrlicher Anblick: Vor uns erhob sich der Aufstieg zu einer Gebirgswand, von der das Wasser herunter stürzte. Der Wasserfall war recht hoch und voller Freude über unsere Entdeckung machten Michael und ich uns daran ein wenig höher zu klettern. Wir füllten unsere Wasserflaschen mit dem herrlich kühlen und wohl schmeckenden Gletscherwasser auf und ließen uns etwas weiter oben zu einer Rast nieder. Dort verzehrten wir einen Teil unserer Wegzehrung: Baguette, Früchte und Granola- Bars (auch Müsli- Riegel genannt, klingt aber bei weitem nicht so cool ;)). Während wir aßen genossen wir die Aussicht, den nahen Wasserfall und die Vielfältigkeit unserer Kameras. Unsere Begeisterung für Piraten kombiniert mit unserer Begeisterung für die Bandanas brachte eine große Zahl an Photos hervor, von denen ihr euch auch einige in der Galerie anschauen könnt. Die Zeit die wir rasteten fühlte sich genau richtig an: Nicht zu lange und nicht zu kurz.

Wenig später befanden wir uns wieder auf unserem Weg zu Lake Minnewanka. Wir folgten der Straße durch einen schönen Wald, nebenbei passierten wir ein altes Mienen- Dorf, und schließlich erreichten wir nach einem insgesamt ca. vier Stunden langen Marsch unser Ziel. Es war schon recht spät und die Dämmerung war bereits abzusehen. Kaum am See angekommen, peitschten uns schon die ersten Windböen entgegen – es war wirklich sehr windig. Doch als Pirat sollte man mit Wind klarkommen. ;) So ließen wir uns also an einem netten von Felsen gesäumten Seeufer nieder und machten uns daran den Rest unserer Vorräte zu verspeisen; unter anderem eine tolle runde Wassermelone und eine Papaya. Der Wind nahm weiter zu, dennoch sahen wir uns noch eine kleine Halbinsel nahe des Ufers an. Wie wir uns schon vorher dachten, hatten wir nicht mehr allzu viel Zeit um in der Gegend herum zu wandern. Gestärkt durch unser vorzügliches Mahl machten wir uns also wieder auf den Rückweg. Und dieser sollte anders verlaufen als vermutet. Ganz anders.

An dem Punkt wo Straße und See sich trafen sahen wir auf dem Rückweg einen der typischen canadischen 4×4 Pickup- Trucks; dieser donnerte von Seitenstraße zu Seitenstraße und wir waren uns ziemlich sicher, dass da jemand keine Ahnung hatte wo er lang fahren sollte. Während der Truck also mehrere Male unserem Sichtfeld entschwand, nur um dann mit lautem Motordröhnen wenige Momente später wieder in selbigem aufzutauchen überlegten Michael und ich, ob wir nicht hitchhiken sollten. Auf unserem Weg zurück von Sulphur Mountain hatte das sehr gut funktioniert, doch an diesem Tag übertraf sich die legendäre canadische Gastfreundschaft selbst. Nachdem er anscheinend alle möglichen Wege uns Straßen ausprobiert hatte hielt der Truck plötzlich an und der Fahrer streckte seinen Kopf zum Fenster raus. „Do you guys need a ride?“ Ja klar! Michael und ich waren überrascht. Gewöhnlicherweise ist Hitchhiking eine Geduld erprobende und mitunter langwierige Tätigkeit, doch unsere Erfahrungen zeigten uns das Gegenteil. Nicht nur das uns am Fuße Sulphur Mountains der erste Wagen mitgenommen hatte, nein, jetzt wurde uns sogar angeboten mitzufahren ohne das wir fragten! Wow. Mit diesem Gedanken im Kopf und einem breiten Grinsen im Gesicht warfen Michael und ich uns also auf die (ziemlich gemütlichen) Rücksitze des Wagens. Mike, der Fahrer, war mit seinem Neffen unterwegs und nach einer freundlichen Begrüßung trat Mike dann das Gaspedal. Sein Fahrstil war gelinde gesagt gewöhnungsbedürftig, doch stellte sich rasch heraus, das er die Gegend extrem gut kannte. Auf dem Weg nach Banff überraschte uns Mike dann mit der Frage, ob wir ein paar Bären sehen möchten. Bären? Bären! Mike lebte seit vielen Jahren in Banff und wusste genau wo er Bären finden konnte. Er wollte seinem Neffen einige zeigen und das war auch der Grund warum er all die Straßen absuchte. Mike kannte, nebenbei bemerkt, sogar einen meiner Supervisor ziemlich gut. Und so rauschten wir an Banff vorbei, auf den Highway (der nachts ziemlich cool aussieht) und fuhren weiter zum nahen Skigebiet, Sunshine Village. Die Fahrt dauerte eine Weile und die Gespräche mit Mike und seinem Neffen waren witzig und unterhaltsam. Lange Zeit sahen wir keine Bären, nicht einmal an den Stellen wo sie sonst sehr häufig anzutreffen seien. Gerade wollte Mike kehrt machen, da sahen wir zwei leuchtende Augenpaare in der Dunkelheit! Grizzlys!!! :D Mike fuhr ziemlich nahe an die beiden Wesen heran. In den Bäumen waren die Bären mehr als große, mächtige Schatten auszumachen, doch nach einigen Minuten kamen sie zur Straße herunter. Mike tat alles um ihre Aufmerksamkeit zu erregen; er stieg aus dem Truck und winkte den Grizzlys mit beiden Händen zu. Sein Neffe erzählte uns, dass Mike schon mal von einem Bären verfolgt wurde und auch sonst schon einige Erlebnisse dieser Art hatte. Er sei der Mann in Banff, der am meisten Bären in seinem Leben gesehen hätte.

Es war großartig, die beiden Grizzlys zu sehen – sie ignorierten Mikes Gesten und wanderten die Straße in entgegen gesetzter Richtung nach Sunshine Village entlang. Ich habe mich extrem darüber gefreut, die Bären, die vermutlich Geschwister waren, zu sehen. Die Fahrt mit Mike war ein unwirklich erscheinendes Erlebnis und vielleicht habe ich mir das auch alles nur ausgedacht und Michael und ich sind den ganzen Weg zurück nach Banff gewandert. Nun, wer weiss?

Michael und ich haben unsere Tour nach Lake Minnewanka unwahrscheinlich genossen. Das gemeinsame wandern, das Entdecken des Wasserfalls am Wegesrand, die Natur um uns herum – ein großartiger Wandertag. :) Für mich war der Weg in diesem Fall weitaus reizvoller als das Ziel; am See selbst haben wir im Endeffekt nur wenig Zeit verbracht. Der Wasserfall, den wir entdeckt haben, ist übrigens auf keiner der üblichen Wanderkarten für Banff und Umgebung zu finden. Japp, normalerweise geht niemand den Weg zu Lake Minnewanka – und die meisten verpassen somit das Rauschen, den schönen Pfad und den kurzen Moment der innerlichen Aufregung, bevor man den letzten Busch beiseite schiebt. Der Wasserfall war eine Bereicherung.

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Am 3o. Juni hatten Michael und ich uns zu Lake Minnewanka aufgemacht und am nächsten Morgen, dem ersten Juli, war Canada Day! An diesem Tag haben sich im Jahre 1867 im British North American Act die einzelnen Gebiete Nordamerikas zu einem Staat zusammengeschlossen. Ich bin immer wieder darüber erstaunt wie schnell die Zivilisation sich ausgebreitet hat. Als Abenteurer hätte man hier vor einigen hundert Jahren nichts als Wildnis und einige Ureinwohner vorgefunden. Und wieder beneide ich die Wikinger und Columbus. ;)

Überall in Canada wird der erste Juli mit Paraden, Musik und Tänzen gefeiert. So auch in Banff…..nun ja, fast. Latürnich gab es auch hier eine Parade, doch zum Unterschied zu vielen candischen Städten ist Banff nicht voller Canadier! Gerade im Sommer und im Winter besteht der allergrößte Teil der Bevölkerung aus Touristen. Und das konnte man leider auch bei der Parade spüren. Diese war nett anzuschauen (man ersetze „nett“ mit „großartig“ wenn man ein Fan von Cowboyhüten ist, für alle anderen war es eher kitschig ;)); Gruppen von Musikanten aus ganz Alberta ließen Trompeten und Flöten ertönen, Tänzerinnen zeigten ihr Können und Cowboys präsentierten sich auf nordamerikanischen Pferden. Zahlreiche Wagen fuhren die Straße entlang, die meisten waren von den lokalen Restaurants – typisch für Banff. ^^ Das Publikum säumte die Ränder von Banff Avenue in rot- weiß und überall war die canadische Flagge zu sehen. Eigentlich war alles da was für eine gute Parade gebraucht wird, nur eines – entscheidendes – fehlte: Die Stimmung! Es wurde nahezu kaum gejubelt und fast jeder Versuch die Menschen zu einem Canada- würdigen Jubel anzustimmen blieb unbeachtet. Hin und wieder erhob sich ein Klatschen oder ein Freudengesang, doch ich wage zu behaupten das für viele der Touristen Canada nur ein weiterer, teuer im Reisebüro gebuchter Urlaub ist. Gleich neben den Bildern der Sahara und asiatischer Kultur hatte man sich dieses Jahr für die unberührte Wildnis Canadas entschieden. Michael und ich haben uns davon latürnich nicht aufhalten lassen und den Canada Day genossen. Von der Parade findet ihr weiter unten lediglich eine handvoll Photos; Michael hat in seinem Blog eine große Zahl von schönen Bildern veröffentlicht die ihr euch unbedingt anschauen solltet. Nach der Parade haben Michael und ich den Tag mit Ruhe genossen und blickten mir großer Vorfreude dem Höhepunkt des Tages entgegen: Dem abendlichen Feuerwerk. Als es dann soweit war und die Sonne langsam hinter den Bergen verschwand, machten wir uns auf zum nahen Sleeping Buffalo Mountain (an anderer Stelle als Tunnel Mountain bezeichnet) um eine gute Sicht auf das Feuerwerk zu haben. Als wir auf der Hälfte des Berges angekommen waren kündigte das nahe Donnern über der Stadt an, dass wir etwas zu spät los gegangen waren. Schnell haben wir den nächsten schönen Platz mit freier Sicht gesucht und unsere Augen über Banff schweifen lassen. Und dort sahen wir sie, die Leuchtraketen, welche in vielen verschiedenen Farben explodierten und die Bergszenerie erhellten. Das Feuerwerk war schön wie einfach – sicher gibt es größeres an vielen Orten in Canada, doch die Kulisse war es, die diesem Feuerwerk seinen Reiz verlieh. Canada Day.

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Kurz nach dem Gründungstag Canadas verließ mein guter Freund Banff. Die kleine touristische Stadt in den Rocky Mountains hatte Michael nicht beeindrucken können und da leider auch kein Job in Aussicht stand verließ er Banff nach insgesamt etwa einem Monat. Es zog ihn nach Edmonton, welches im Norden Albertas gelegen und vor allem für seine gewaltige Shopping- Mal (eine der größten der Welt) bekannt ist. An der Greyhound- Station hätte ich am liebsten auch meinen Rucksack geschultert um wieder in die unbekannte Weite aufzubrechen. Ein Reisefieber überkam mich und die nächsten Tage verbrachte ich viel Zeit mit meinem Lonely Planet; welche interessanten Orte gab es noch in Canada (viel zu viele ^^) und wohin wollte ich noch reisen (ebenfalls nicht gerade wenige ;)). Zu diesem Zeitpunkt, als ich diesen Bericht schreibe, weiss ich bereits wann und wohin ich nach Banff weiter reisen werde. Ich freue mich schon sehr darauf all meine Besitztümer in zwei Rucksäcke zu stopfen und mich wieder auf zur Greyhound – Station zu machen. :) Wenn man bedenkt das ich zwischendurch für eineinhalb Tage in Vancouver war ist mir der Platz schon sehr vertraut und symbolisiert für mich die Grenze zwischen einem Ort an dem ich lange verweilte und noch verweile und der unbekannten Straße, auf der einem alles nur erdenkliche begegnen kann.

Als sich Michaels und meine Wege trennten, wussten wir beide, dass dies nicht das letzte Mal war, das wir uns in Canada begegneten.

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Nach dem bisher Geschriebenen hört es sich wahrscheinlich so an, dass ich in Banff vieles unternehme aber kaum arbeite. Nun, dieser Eindruck täuscht. :P Ich arbeite normalerweise fünf Tage die Woche und habe immer wieder zwischen Morgen- und Abendschicht gewechselt um heraus zu finden, welche mir mehr liegt. Mittlerweile habe ich mich klar für die Morgenschichten entschieden, die den großen Vorteil haben, dass sie schon um 2 bzw. 2.30 mittags zu Ende sind und der Großteil des Tages weiterhin vor einem liegt! Yay! Zudem kann ich so am Abend zu Shows oder Vorführungen gehen. Ich habe mich nun komplett in Banff, speziell im Banff Centre, eingelebt. Es ist einfach toll wenn man auf der Straße mit dem Namen gegrüßt wird und ich lerne mehr und mehr Leute kennen, mit denen ich die unterschiedlichsten Sachen unternehme. Wie im letzten Bericht schon angemerkt wurde, lernte ich hier und da auch einige Künstler kennen.

In den letzten Monaten fanden auf dem Campus viele unterschiedliche Veranstaltungen und Feste statt. Davon möchte ich die beiden bemerkenswertesten hervorheben: Das Schweizerfest und den Mittsommer Ball. Niemals hätte ich erwartet auf nordamerikanischem Boden in den Genuß (oder so…..) von schweizerischer Jodelmusik zu kommen. Doch genau das war der Fall! Jedes Jahr trifft sich der schweizerische Jodelclub an einem anderen Ort in der Welt und dieses Jahr hatte er Banff für seine Zusammenkunft ausgewählt. Über 400 Jodler! Habe ich schon erwähnt das unser Dining Room in Vistas maximal um die 360 Leute fasst? Insgesamt, zusammen mit den anderen Künstlern, hatten wir für einige Tage über 500 Leute in dem Speisesaal. o_O Der Service Staff hatte eine Menge zu tun und besonders der hohe Kaffeekonsum der Besucher aus dem Herzen Europas (eine ganze Kanne für einen Tisch, normalerweise reicht eine solche für über drei) bereitete dem Morning Staff (also auch mir) Kopfzerbrechen. Die Schweizer waren ein netter Haufen und zu allen Servern sehr freundlich, was das Arbeiten wesentlich angenehmer machte. Abends, als es eine extra Festveranstaltung für die Jodler gab, machten diese ihrem Namen alle Ehre: Immer wieder erhob ein einzelner Tisch die Stimmen zum traditionellen Gesang woraufhin mehr und mehr Jodler einstimmten und der Saal kurz darauf bebte von schweizerischem Jodelgesang. Wirklich, das kam unerwartet – In Banff……in…..Canada. Am nächsten Morgen musste ich dann breit Grinsen als mein Supervisor fassungslos über die Schweizer war. Er konnte nicht glauben, dass sie am Abend zuvor unsere Weinbestände ernstlich in Gefahr brachten, morgens dann zur Kirche (die in Banff und nicht auf dem Campus ist!) gingen und dennoch die ersten waren die pünktlich um 7 zum Frühstück erschienen. Und latürnich eine Menge Kaffee tranken. ^^ Das hatte irgendwie etwas von einer Lebensweise, wie man sie nur in der Alten Welt finden kann.

Einige Wochen später fand auf dem Banff Centre der Mittsommer Ball statt, das wichtigste Ereignis des Jahres. Jedes Jahr versammeln sich für ein Wochenende gut betuchte Kunstliebhaber vor allem aus Nordamerika in Banff. Dazu gehört z.B. auch der Gouverneur für Kunst von Alberta. Die Créme de la créme der Sponsoren für das Centre versammelt sich auf dem Mittsommer Ball – und dieses ist bestrebt sich von seiner allerbesten Seite zu präsentieren. „When you look good, we look good“, sagte unser Supervisor zu uns. In diesen Tagen wurde „exceptional service“ (außergewöhnlicher Service) mehr als wörtlich genommen. Am Samstag Abend fand der Ball statt und ich habe noch nie einen so luxuriös verzierten Ballsaal gesehen! Alles war so hergerichtet worden, dass es einen Genuss für das Auge zum Betrachten war. Wie die Servierten gefaltet wurden ist mir bis jetzt noch nicht ganz klar und alles glänzte und blinkte. Wow! An diesem Abend trugen wir sogar weiße Handschuhe. Bevor die in extravagante Kleider gekleideten Damen und Boss- Anzüge tragenden Herren den Saal betraten, stand der komplette Service Staff in einer Reihe vor dem Eingang, lächelnd und einen guten Abend wünschend. Ihr könnt euch nicht vorstellen wie hoch die Summe wäre wenn man das Vermögen aller Versammelten zusammen nimmt! Zu dem hervorragenden Menü, welches voll von so ungewöhnlichen Zutaten (und ungebräuchlichen Worten) war, dass ich es nicht einmal zur Hälfte wirklich verstand, wurde erstklassiger Rot- und Weißwein gereicht. Eine Band spielte Live- Musik und Kerzen leuchteten auf den mit allerlei kunstvollem Wunderlichem bestückten Tischen. Und noch einmal: Wow!! Überall an den Wänden des Raumes waren außergewöhnliche Angebote verteilt auf die unsere werten Gäste bieten konnten. Da gab es zum Beispiel zwei VIP Parkplätze zu den Olympischen Spielen 2o1o zu gewinnen, oder auch Autos im Wert von vielen vielen Dollars, die nebenbei gemerkt vor dem Gebäude zum Bestaunen geparkt wurden. Da erklärt es sich auch das jeder, um ein Gebot abzugeben, 1ooo Dollar mit in den Umschlag geben musste. Wohlgemerkt um zu bieten, das garantiert noch lange nicht das man auch gewinnt. Neben VIP Parktplätzen, Weintouren, Autos und Rolex Uhren gab es latürnich auch eine große Zahl an Kunst, vornehmlich Gemälde, auf die geboten werden konnte. Das Geld von den Geboten floss direkt in den Fond für das Banff Centre, unter anderem auch in die Stipendien für junge, talentierte Musiker, Schauspieler, Tänzer etc..

So in etwa dürfte das Leben eines Hollywood- Starts aussehen. Und aus meiner Perspektive – der Server- Perspektive – war dies ausgesprochen beeindruckend! Die VIPs waren zudem sehr freundlich und nett, was ich nicht erwartet hatte. Auf dem Mittsommer Ball zu arbeiten war ein tolles Erlebnis mit viel Glamour drumherum. Es hat richtig viel Spaß gemacht und ja, es war außer-gewöhnlich!

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Oh, und es gibt noch einen außergewöhnlichen Arbeitstag von dem ich berichten möchte! Ganz anders und gleichfalls großartig. Eines Tages im Juli hatte ich das Vergnügen auf einem Konzert zu arbeiten!

Der berühmte australische Hippie Musiker Xavier Rudd besuchte das Centre und da Banff voller Hippies ist (was rockt!) waren die Karten sehr schnell ausverkauft. Ich hatte bis dahin noch nie von ihm gehört. Xavier Rudd spielt viele Instrumente gleichzeitig, neben Gitarre und Flöte latürnich auch das Didgeridoo. Vor dem Amphitheater des Centres wurde eine Bühne errichtet und auf dem in frischem Grün erscheinenden Rund versammelten sich Hippies und ….. Hippies und mehr Hippies. Und hey, wo ein Konzert ist da gibt es auch Essstände und wo es Essstände gibt braucht man auch Leute die das Essen servieren! Und da kommen wir Server ins Spiel. :D

So kam es also das ich das volle Konzert genießen konnte und nebenbei Hotdogs und Hamburger in Brötchen verteilte. Glücklicherweise war unser Stand am Kopf des Amphitheaters und so hatten wir alle eine super Sicht auf die Bühne. Ich übertreibe nicht, dieser Arbeitstag toppt sogar den Mittsommer Ball – die Arbeit an diesem Tag hat einfach so viel Spaß gemacht. Die Stimmung war ausgelassen und jeder war glücklich, betrunken oder beides. ;) Die Musik von Xavier Rudd hat mir überdies so gut gefallen: Chill, Nature, Wheet, Peace. Ich glaube so kann man es zusammen fassen. :P

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Der Tag meiner Abreise von Banff rückt immer näher und ich habe schon einiges vor für die nächsten Monate. Manchmal denke ich darüber nach ob ich diesen Ort, die netten Menschen und all die großartigen sich anbietenden Möglichkeiten vermissen werde – Wahrscheinlich schon. Das Banff Centre ist ein interessanter und vielfältiger Ort; jedes Mal wenn ich aus einem nahen Fenster liebliches Violinenspiel vernehme oder die Stimme einer Opernsängerin über den Campus schallt weiss ich, dass dies ein besonderer Ort ist. Wo sonst hört man Operngesang aus der Sauna (ein bemerkenswertes Ereignis, nebenbei bemerkt)?! Wer weiss, vielleicht werde ich eines Tages wieder hierher zurück kehren?

Mit diesen Worten schließe ich diesen Bericht, von dem ich hoffe das er jeden von euch mindestens einmal zum Lachen gebracht hat. :P Viel Spaß mit den Photos!

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Banff Centre Experiences

Das Leben ist wundervoll. :)

Seit ich an diesem Bericht begonnen habe zu schreiben sind nun schon mehrere Wochen vergangen. In dieser Zeit habe ich eine unglaubliche Zahl an interessanten und schönen Dingen erlebt, unter anderem einige tolle Überraschungen. Das Leben hat mich besonders in den letzten Tagen mit vielen wundervollen, wahren Momenten beschenkt. Darüber bin ich sehr glücklich.

Dieser Bericht, den ich gerade schreibe, beschreibt meine Zeit auf dem Banff Centre und die Erfahrungen, die ich hier gemacht habe und mache. Das ist mittlerweile schon eine ganze Menge und dementsprechend umfangreich ist auch mein Bericht. Dem geneigten Leser lege ich dementsprechend nahe sich mit heißem Tee (Kaffee, Kakao) und Keksen auszustatten. Nicht jede Kleinigkeit werde ich ansprechen und einiges wird in späteren Blog- Berichten womöglich Erwähnung finden. Habt ihr ein heißes Getränk und Kekse? Gut, dann auf hinein ins Geschehen!

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Der Beginn meines neuen Jobs als Server war mit großen, schmerzhaften Verlusten verbunden. Genauer gesagt dem Verlust von tausenden von Barthaaren! Diese Tatsache alleine disqualifiziert diesen Beruf vermutlich für den ein oder anderen (unter euch?). Denn niemand rasiert sich gerne die so lange gepflegten und in Ordnung gebrachten/ gestalteten Barthaare ab. So war auch ich davon nicht gerade begeistert. Aber hey, Barthaare wachsen nach und diese Jobmöglichkeit ist nahezu einzigartig. So zückte ich also meine Rasierklingen und tat was getan werden musste. Da wir während der Arbeit das Banff Centre repräsentieren wird von uns Servern allgemein ein gepflegtes Äußeres und ein höfliches Auftreten erwartet. Auch wenn ich das für selbstverständlich halte habe ich nicht damit gerechnet das hier ein so großer Wert darauf gelegt wird.

Meine Vorbereitungen auf meinen neuen Job waren umfassend. Ich war überrascht wie viele Dinge zu besorgen galt. Einen Korkenzieher, eine schwarze Hose, zwei weiße T- Shirts, ein weißes Hemd, schwarze Schuhe, mehrere Paar schwarze Socken und Haarwachs. Bei letzterem habe ich mich sehr darüber gefreut, dass es in Banff einen Body Shop gibt! Dort habe ich Bienenwachs von hoher Qualität gefunden, dessen Geruch ich sehr mag. :) Für all die anderen Dinge habe ich einen speziellen Server Store in Banff aufgesucht, über dessen Existenz ich ebenfalls recht erstaunt war. So ein Geschäft habe ich bisher noch nie gesehen. Ein eigenes Geschäft mit Kleidung nur für Servierer und Kellner. Die Bedienung war sehr nett und hat mir geholfen, mich binnen einer halben Stunde in einen Pinguin zu verwandeln. XD Die Uniform wird komplettiert von einer Schürze und einer Weste vom Banff Centre sowie einem fency Namensschild.

„May I offer you a tea or a coffee, Sir?“ Hui, diesen Satz sage ich in einigen Variationen unzählige Male am Tag. Um es in wenigen Worten zusammen zu fassen: Ich mag meinen Job! :) Mit großer Freude stelle ich fest, dass meine Vermutungen diesbezüglich nicht falsch waren. Servieren macht mir Spaß! Es ist ein gutes Gefühl zu wissen das ein guter Service den bisher nicht so toll verlaufenden Tag eines Gastes um einiges erhellen kann. Man kann Menschen eine Freude machen und vor allem dazu beitragen, dass sie sich wohl fühlen. In meinem Job- Interview sagte ich, dass es mein Ziel als Server sei, das die Gäste mit dem Gefühl nach Hause gehen das richtige Etablissement für den Abend gewählt zu haben. Und das habe ich nicht nur so gesagt, das meine ich auch so! Ich genieße es zwischen Tischen- Säubern, Servieren und planlosem hin- und her rennen ein paar Worte mit einem Gast zu wechseln. Oft wird dabei gelacht. Japp, ich mag diesen Job zweifelsohne.

Das Banff Centre unterhält eine große Zahl von Etablissements. Das Dining Centre besteht neben Vistas Restaurant aus dem Fine Dining Restaurant Three Ravens und einer Weinbar. Ich arbeite in Vistas, zudem bedienen wir auch Versammlungen und Meetings an anderen Orten des Banff Centres. In Vistas bringen wir den Gästen eigentlich nur Getränke, da es eher ein großes Buffet als ein Restaurant ist. Bis zu drei Mal täglich sitzen hier Manager, Künstler und andere Gäste zum Essen beisammen. Der Raum fasst circa 340 Personen und ist sehr schön angelegt: Im obersten Stockwerk des Gebäudes mit Glaswänden, sodass die Gäste den wundervollen Ausblick auf Banff und insbesondere die Berge genießen können. Es gibt Tage an denen die Arbeit in Vistas ziemlich langweilig ist, umso mehr freut sich jeder Server wenn er auf einer Versammlung arbeiten kann. Dort gibt es dann öfters auch „plated dinner”, es wird also das Essen direkt serviert. Das macht großen Spaß und ich denke im Moment darüber nach mir in einem Restaurant in der Stadt einen zweiten Job zu suchen.

Mit den anderen Servern komme ich sehr gut klar. Einige sind mir ausgesprochen sympathisch, wie zum Beispiel Sam aus England. Die Supervisor, unsere direkten Vorgesetzten, sind nahezu alle richtig coole Typen. Es ist angenehm mit ihnen zusammen zu arbeiten: Auf der einen Seite sind sie witzig und drücken auch mal ein Auge zu, auf der anderen Seite wissen sie aber auch ganz genau was geht und was nicht und machen das auch deutlich. Ich kann also vollauf sagen das ich mich in meiner Arbeitsumgebung wohl fühle. Mein kleines Apartment teile ich mit Tim, einem Schauspieler aus Toronto. Manchmal ist es etwas chaotisch im Zimmer, aber eben nur manchmal. ;) Ich bin sehr zufrieden mit meiner Unterkunft.

Das Leben eines Kellners ist manchmal sehr witzig. So empfinde ich es zumindest. :) Es wird oft über die Gäste geredet. Jemand nervt mit Fragen nach Dingen die wir nicht anbieten? Der Typ ist wieder da, dem man direkt eine ganze Kanne Kaffee hinstellen kann? Knapp bekleidete Schönheiten am Tisch rechts am Fenster? Ja, es wird über die Gäste geredet und wenn ihr das nächste Mal in einem Restaurant seid dann werdet auch ihr vielleicht den Gesprächsstoff hinter den Kulissen bilden. ;) Hoffentlich im positiven Sinne. ^^ Neben Gästen gibt es manchmal auch oft lustige Geschichten. Beliebt sind die Schilderungen des übelsten „Drops“, also was man fallen gelassen hat. Heißer Tee über eine Dame geschüttet? Autsch. Heißer Kaffee? Ganz übel….nun ich toppe das alles. o_O Ähm ja…und so… *schnell weiter im Text*

Inspiring Creativity – Das Motto des Banff Centre. In meinen vorigen Blog- Einträgen habe ich genauer beschrieben warum ich so gerne an genau diesem Ort arbeiten möchte und einer der wichtigsten Punkte dabei machte dabei die künstlerische Umgebung aus. Ein Ort der Kunst, von hohen Bergen umgeben, inmitten eines Nationalparks? Das klang fabelhaft – und so ist es auch! Es gibt dazu ein Video vom Banff Centre [Link] welches ihr euch anschauen könnt. Auch wenn es ein wenig sehr euphorisch ist so vermittelt es doch einen guten Eindruck davon was das Banff Centre eigentlich ist vor allem was es so besonders macht. Und ich kenne einige der Leute in dem Video. ;) Tatsächlich komme ich hier mit so einigen Künstlern in Kontakt. Mit machen mehr, mit manchen weniger. An diesem Ort versammeln sich tatsächlich Künstler aus den verschiedensten Bereichen, von den unterschiedlichsten Plätzen der Welt kommend. So habe ich zum Beispiel einen kolumbianischen Komponisten kennen gelernt. Oder Jazz Musiker aus Norwegen, Canada, Australien, Irland etc..

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In Banff und den es umgebenden Rocky Mountains gibt es eine Menge zu erleben. Und zwar wirklich EINE MENGE.

Als Staff- Member habe ich den Vorzug das viele Konzerte und Kunstveranstaltungen umsonst oder sehr günstig sind. Jedes Staff- Mitglied hat somit die Möglichkeit vielen unterschiedlichen Veranstaltungen beizuwohnen wenn es möchte. Es ist allerdings sehr erstaunlich wie wenig manche Mitglieder der Belegschaft diese Möglichkeiten nutzen. Ein Großteil der Leute, die hier arbeiten, gehen abends oft in Nachtclubs und trinken eine Menge Alkohol. Es trifft durchaus zu was ich in einem Wochenblatt gelesen habe: Der durchschnittliche Bewohner von Banff ist 25, kommt aus Australien und hat einen Kater. XD Nachts wird es in Banff ziemlich laut, Betrunkene und Taxen beherrschen die Straßen. Dieses sehr lebendige Nachtleben liegt mir nicht und ich merke immer wieder das mir in Banff auch etwas fehlt: Die Ruhe und Stille der Wälder, das sanfte Rauschen des Baches und das Flüstern des Windes. All dies findet sich allerdings in der Umgebung des kleinen canadischen Städtchens. :) Die Zeit im Yukon war großartig und prägend. Hm, ich glaube ich habe mich noch immer nicht ganz an die Zivilisation gewöhnt. ;P

Ich gehe oft Kanu fahren – und ich genieße es sehr!! Zudem gehe ich oft im Recreation Centre schwimmen (und in die Sauna); in der Sporthalle spielen wir Basketball und Badminton. Ich würde sehr gerne Floor Hockey spielen, doch bisher haben sich noch nicht genug Leute dafür gefunden. Wie sich erahnen lässt gibt es sehr viele Indoor- und Outdoor Aktivitäten und für jeden ist etwas dabei. Ich genieße diese Möglichkeiten sehr – es ist zum Beispiel einfach toll vor der Arbeit eine Runde schwimmen zu gehen.

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Der Mai war im Banff Centre der Jazz Monat. Von der ganzen Welt kamen bereits erfolgreiche Musiker oder solche mit viel Potenzial um von den ganz Großen zu lernen. Etwa jeden zweiten Abend gab es ein Konzert von den Jazz- Musikern – für drei Wochen! Yay! :D Die Bands entstanden mehr oder weniger spontan, manche haben sich erst eine Stunde vor Konzertbeginn getroffen. Die Musik war jeden Abend anders und diese Vielfalt hat dem Ganzen einen bestimmten Flair gegeben. Gespielt wurde im Club (der auch genauso heißt) auf dem Campus. Der Club liegt mitten in einem Gebäude und vermittelt eine typische Keller- Atmosphäre. Eine Bühne, ein paar wackelige Stühle (mit teilweise leicht abgewetztem Bezug), eine Bar. Und Jazz. Ein hervorragender Ort für Jazz- Live Musik!! Meine Photos von einem der Konzerte vermitteln gut die Stimmung im Club. Ich habe einen Großteil der Konzerte gesehen und war sehr sehr glücklich diese Möglichkeit gehabt zu haben! Mit einigen der Jazz Musiker habe ich mich nach den Konzerten oftmals unterhalten und sie waren immer eine Bereicherung im Restaurant. Es ist schwierig zu beschreiben, die Atmosphäre im Banff Centre war für drei Wochen irgendwie „jazzig“. Ich gewöhnte mich daran abends nach der Arbeit zu einem Jazz-Konzert zu gehen und im Club den Tönen der Musiker zu lauschen. Als das Jazz Festival vorbei war war es ganz eigenartig. Für ein paar Tage wirkte das Banff Centre farblos und öde. Der Jazz war eine große Bereicherung. :)

Eine der Jazz- Musikerinnen, die aus Norwegen stammt, hat mich zudem zu einem Gedicht inspiriert. Die Art wie sie Piano spielte hat mich meines Atems beraubt. Erotische Anspielungen und in den Zeilen liegende Doppeldeutigkeiten sind nicht ganz zufällig. Ich werde das Gedicht hier nicht veröffentlichen, doch ich schicke es mit Freude jedem, der es lesen möchte. Schickt mir einfach eine email an windrabe@web.de.

Neben dem Jazz habe ich noch etwas anderes im Mai erlebt, von dem ich ganz und gar begeistert war. Ein Theaterstück: The Erotic Anguish of Don Juan (Die Erotischen Qualen des Don Juan) von „The Old Trout Puppet Workshop“ [Link] (Der alte Forellen- Puppen Workshop….fragt mich nicht warum der so heißt! Aber „trout“ heisst definitiv Forelle. XD). It was hilarious!!!!! Das Stück wurde von vier Schauspielern und einer Hand voll Puppen aufgeführt (die wiederum von den Schauspielern mit Leben erfüllt wurden). Direkt von den Schauspielern verkörpert wurden die folgenden vier Charaktere: The Ghost of Don Juan, The Devil and Two Demonic Minions. Wie der Titel schon verrät handelt das Stück von den Erotischen Leiden des Don Juan und die Geschichte ist einfach wunderbar erzählt. Das Stück begannt in der Hölle, in der Don Juan den Rest seiner Existenz verbringen musste. Wie es dazu kam berichtete sein Geist mit viel Humor und grandiosem Charakterplay. Eine meiner Lieblingsszenen war und ist wie Don Juan mit einer Rose (anstatt eines Degens) gegen die Dreizacke der dämonischen Schergen kämpft. Ein herrliches Bild.

Nach der Vorstellung hatte man die Möglichkeit mit den Schauspielern zu sprechen und ihnen Fragen zu stellen. Das war außerordentlich informativ (und lustig) und nach diesem Artist Talk habe ich durch einen Zufall die Bekanntschaft von einigen netten Leuten gemacht. Mit diesen und einem der Schauspieler bin ich dann in den Pub auf dem Campus gegangen und der Abend erfuhr eine außerordentlich interessante Fortsetzung. Ich habe diesen Abend in all seinen Facetten sehr genossen.

Ich liebe das Theater! :D

Wie ich aus zuverlässiger Quelle erfahren habe wird The Old Trout Puppet Workshop nächstes Jahr wahrscheinlich auch in den englisch- und französisch sprachigen Ländern Europas ihre Stücke präsentieren. Sie werden soweit ich weiß auch in Belgien sein! Für all diejenigen unter euch die Dramatik und Theater lieben: Lasst euch diese Chance umwerfende Komik in prachtvollem, ungewohntem Gewandt zu erleben nicht entgehen! Der beste Weg über die zukünftigen Aufführungen der Gruppe zu erfahren ist den Newsletter auf ihrer Seite zu abonnieren. Enden möchte ich diesen Abschnitt mit Don Juans Worten: „You are a beautiful flower…I love you.“ (das sagte er zu geschätzt vier Frauen im Publikum, oder mehr…..hm wahrscheinlich mehr ;))

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Wo war ich? Ahja! Ich war gerade dabei mich auf dem Campus einzugewöhnen als mich eine freudige Botschaft erreichte. Mein Freund Atsushi, ein Japaner den ich in Muktuk kennen gelernt habe (er ist auch auf einem der Photos des vorletzten Beitrags zu sehen), wollte mich in Banff besuchen. Er hatte sich nach seiner Zeit bei Muktuk ein Motorrad gekauft und reiste damit nun durchs Land. Bilder von abendlichen Gesprächen, Camping und Magic- Bus Besuchen tauchten sofort wieder auf. Einige Tage später ging ich mit großer Freude zu dem vereinbarten Treffpunkt. Und siehe da! Athushi…

…und Melanie? Und Melanie! Ja, die beiden haben sich zufällig (!) in einem Hostel in Vancouver wieder getroffen und beschlossen mich zu besuchen. Das Atshi kam wusste ich, aber Melanies Ankunft war eine große Überraschung. Sie kommt aus Deutschland und hat ebenfalls bei Muktuk gearbeitet. Wir sahen uns die Cave & Basin in Banff an – eine unspektakuläre Höhle, deren Entdeckung aber für die Gründung des Parks entscheidend war. Mit Atsushi war zudem ich Kanu- fahren. Es war sein erstes Mal mit einem Kanu auf dem Wasser und wir hatten eine Menge Spaß. Nach einigen Tagen bekam Atshi Fernweh, schwang sich auf sein (stylisches!) Motorrad und machte sich auf zu den Queen Charlotte Islands an der Westküste. Melanie blieb noch einen Tag länger und machte sich danach auf zum Yukon. Zum Yukon? Da kam sie doch her? Joa, aber es ist ein faszinierender Ort, der eine gewisse Anziehungskraft ausübt. Diese reicht augenscheinlich auch bis nach Banff: Sie arbeitet im Moment in Whitehorse. ;) Ich habe mich über den Besuch der beiden sehr gefreut und die Zeit mit ihnen war großartig!

Zu diesem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht, dass bald eine weitere große Überraschung folgen sollte. Eine die noch unerwarteter kam (warum nur habe ich das Gefühl das einer meiner Leser ganz genau weiß wovon ich schreibe? XD).

Eines Morgens klopfte es an unserer Tür. Ich war noch am schlafen und langte noch im Halbschlaf nach der Türklinke. „That will be one of the other guys“, dachte ich mir. Doch weit gefehlt. Es war eine Mitarbeiterin von den Staff Accommodations, die mir mitteilte, dass da jemand am Haupteingang auf mich wartet. Darüber war ich sehr erstaunt, denn gewöhnlicherweise wartet niemand am Haupteingang. Die anderen Staff- Mitglieder die ich kenne haben alle einen Schlüssel für das Gebäude, da sie selbst hier wohnen. Wer könnte das sein? Für eine Sekunde hatte ich einen abwegigen Gedanken. Nein, das ist nicht möglich. Er ist in Vancouver. Wie dem auch sei, schnell habe ich mich also angezogen und noch etwas schlaftrunken auf zum Haupteingang gemacht. Und wer stand da breit (sehr breit XD) grinsend in der Tür?

Mein Freund Michael! :) Yay! Er sollte eigentlich laut seinen Blog- Einträgen in Vancouver oder Seattle sein, hat mich aber geschickt eben dadurch getäuscht. Gefakte Einträge, sowas muss ich auch mal machen. ^^ Die Tür wurde aufgerissen, eine stürmische Umarmung und ein Wirrwarr aus Worten, da ich ständig zwischen Deutsch und Englisch hin und her wechselte. Michael in Banff! :) Ich liebe es Menschen zu überraschen und ebenso liebe ich es überrascht zu werden. Und das war eine Überraschung der besonderen Art! Ich lege euch nahe diese Geschichte auch noch mal aus der anderen Perspektive zu lesen: In Michaels (tikurions) Blog, der in meiner Linkliste zu finden ist.

Am selben Tag sind wir auf den Pfaden nahe Tunnel Mountain (der früher von den First Nations Sleeping Buffalo genannt wurde ) gewandert und haben viel geredet. An einem großen Fels hielten wir dann inne. Unter uns rauschte der Bow- River vorbei, vor uns erhob sich der gewaltige Mount Rundle und unsere Blicke schweiften über das breite Bow Valley, welches uns in diesem Augenblick seine ganze Schönheit offenbarte. Und uns wurde etwas klar: Wir waren beide unabhängig voneinander von Europa aus aufgebrochen und nun sehen wir uns hier wieder: Tausende von Meilen von zu Hause entfernt, in einem sonnigen Tal, von Bergen gesäumt.

Seit diesem Tag sind nun grob geschätzt zweieinhalb Wochen vergangen. Michael und ich haben, soweit das mit der Arbeit zu vereinbaren war, einige Tage zusammen verbracht und hatten eine Menge Spaß! Wir waren zum Beispiel ebenfalls Kanu- fahren und haben gemeinsam Sulphur Mountain bestiegen. Von diesen Ereignissen findet ihr auch einige Photos weiter unten in der Galerie. An dieser Stelle noch mal Danke Michi für die kleine Photo- Lehrstunde. ;) Wie lange Michael noch in Banff bleiben wird ist ungewiss – in jedem Fall haben wir noch einige tolle Dinge die wir gemeinsam erleben wollen. :)

Unglaublicherweise haben vor einigen Tagen zwei liebenswerte Menschen von Muktuk mir geschrieben, dass auch sie in Banff auf einen Besuch vorbei schauen. Es mag jetzt so erscheinen als wären hier ständig Leute die mich besuchen würden, über einen größeren Zeitraum gesehen liegt zwischen den einzelnen Besuchen aber doch etwas Raum. Lies und Stijn, meine beiden Lieblings- Belgier sind vorgestern in Banff angekommen. Gestern haben wir uns getroffen und sind zusammen auf Sleeping Buffalo geklettert. Das war schööön. Schon jetzt steht fest das ich in absehbarer Zeit in das idylische Brügge fahren werde um die beiden dort zu besuchen. Morgen werden wir uns wiedersehen und mal schauen was wir so machen. I look forward to it! :)

Mit all diesen netten Menschen habe ich bzw. verbringe ich gerade eine wunderbare Zeit. Es ist ein großartiges Erlebnis solch ihnen immer wieder zu begegnen!

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Zum Abschluss meines Berichtes möchte ich noch auf einige Neuigkeiten den Blog betreffend aufmerksam machen. Zum einen gibt es jetzt auch ein Suchfeld (das eines Tages einfach im Blog auftauchte, keine Ahnung wieso XD) das wir eigentlich ein Finden- Feld nennen sollten. Zudem gibt es immer wieder mal etwas „Trash“, der seinen Weg zwar nicht in die Beiträge aber in den Blog gefunden hat. So zum Beispiel einige Zitate und ein kleines Rezept. *grins*

Außerdem möchte ich euch einen neuen kleinen Blog mit ganz reizenden Beiträgen wärmstens empfehlen: Der Reiseblog meiner lieben Freundin Farina, die seit etwa einer Woche in Äthiopien verweilt und dort ein Praktikum macht. :) Den Link zu dem Blog findet ihr rechts unter Links unter dem Namen „Fines Blog“. Mein schweizerischer Freund Mirco, ohne den dieses Blog in dieser Form nicht existieren würde, hat mittlerweile seine große Amerika- Reise beendet und ist wieder im heimischen Gebirge angekommen. Mirco, es war mir eine große Freude dich so oft (und an so vielen Orten so unvorhergesehen) zu treffen! Wir sehen uns in der Schweiz! :D

So, Tee (Kakao, Kaffee) und Kekse dürften nach diesem langen Bericht aufgebraucht sein. Ich danke euch für euer Interesse. Bis zum nächsten Bericht wird es definitiv keinen ganzen Monat dauern. :) Liebe Grüße!

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You are in Bear Country

So formuliert es die Broschüre von Park Canada „Keep the Wild in Wildlife“. Und tatsächlich: Banff befindet sich unmittelbar in der Heimat der Grizzly- und Schwarzbären. Die Bären und all die anderen Tiere, die in den vier Nationalparks der Rocky Mountains leben, spielen hier im alltäglichen Leben eine große Rolle. Die Tiere haben es mir angetan und bei mir einige Gedanken ausgelöst die es wert sind auszudrücken. In diesem Sinne ist dies also nicht nur ein Beitrag über meine erste Woche in Banff und die es umgebende Natur sondern auch und gerade um einige Gedanken die ich mir so mache. Zudem möchte ich einen kleinen kritischen Blick auf das kanadische Umweltbewusstsein werfen, welches näher zu betrachten sehr interessant ist. Also, auf geht’s!

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Wie ich in meinem letzten Beitrag schon erwähnt habe lebt Banff durch und durch vom Tourismus. Die kleine Stadt (die bei uns als Dorf bezeichnet würde ;)) ist größer als das ebenfalls sehr bekannte Jasper im Norden der Rocky Mountains. An der Banff Avenue, der Hauptstraße der Stadt, reiht sich Souvenir Laden an Snowboard- und Outdoor Geschäfte. Ich habe das große Glück mich gerade zwischen der Winter- und Sommersaison hier aufzuhalten, in denen es hier mehr als voll von Menschen ist. Die Wintersaison ist noch nicht ganz vorbei, dennoch merkt man das die meisten Snowboard- und Skifahrer auf dem Weg nach Hause sind. Trotzdem gefällt mir die Stadt als solche nicht. Man merkt das sie nahezu ausschließlich vom Tourismus lebt. Wie überall in Canada sind die Menschen ausgesprochen freundlich. Was mir dafür umso mehr gefällt sind die Berge um Banff herum!

Zu Beginn konnte ich zwischen den hiesigen Rocky Mountains und den heimischen Alpen keine größeren Unterschiede feststellen. Latürnich ist das Gebirge schon anders, aber wenn man die Alpen kennt sieht man eine große Zahl von Übereinstimmungen. So dachte ich zumindest die ersten ein, zwei Tage. Seit ich hier bin wanderte ich nahezu jeden Tag und mit ein bisschen Stolz in der Stimme schreibe ich das mir mittlerweile die Wanderwege in der Nähe der Stadt ausgehen. :D Weitere Wanderungen in die Tiefen des Nationalparks bleiben mir leider verwehrt da ich kein Zelt habe und das mit guten Freunden zusammen für mich mehr Reiz hätte (Zelten….11 Leute- Tippi….Schweden!!! :D). Normalerweise würde man auf den Pfaden in der Nähe der Stadt wohl mehreren Leuten begegnen, doch das raue Wetter der letzten Tage veranlasst die meisten von ihnen eher in der Stadt zu bleiben. So bin ich auf meinen Wanderungen nur selten anderen Menschen begegnet, oftmals auch niemandem, was ich sehr begrüße. So ein Wetter- Forecast der Regen voraussagt der dann aber nicht kommt ist schon toll. ;)

Auf jeder Wanderung bin ich einem oder mehreren der Tiere begegnet die in den Wäldern der Rocky Mountains leben. So habe ich Wapiti Hirsche (= Elk), Rehe (= Deer), einige schöne Vögel und vor allem viele viele Eichkatzal (= Squirrel) gesehen. Einige der Hirsche und Rehe haben sich schon so sehr an die Anwesenheit der Menschen gewohnt das sie ganz gerne mal durch die Stadt wandern und in den örtlichen Gärten grasen. Ein lustiger Anblick, der einem klar macht, dass man tatsächlich mitten in einem Nationalpark ist und nicht nur am Rande dessen. Hm, habe ich nicht ein wohl bekanntes Tier übersehen? Ach ja! – You are in Bears Country! Bevor ich mich hinaus auf die Pfade inmitten der Wildnis begeben habe habe ich mich bei Park Canada über Bären informiert. In dem Informationscenter habe ich mich mit einem netten älteren Herren unterhalten, der mir ganz viel über Bären und auch Pumas, die es hier auch gibt, erzählt hat. Ich habe gespannt zugehört und war erstaunt das man das, was man tun sollte wenn man einem Bären begegnet, tatsächlich in zwei Sätze zusammen fassen konnte. Ich hatte im Vorhinein sehr viel gehört was man tun und was lassen sollte und daher wollte ich mir bei Leuten die Erfahrung mit Bären haben Gewissheit verschaffen. Die Prospekte von Park Canada über Bären und Wildlife generell kann ich nur empfehlen, sehr aufschlussreich! Nachdem ich also wusste was im Fall eines Zusammentreffens zu tun ist machte ich mich frohgemut, ein Liedchen pfeifend (denn entgegen meiner Erwartung soll man immer schön laut sein – Bären schätzen Überraschungen gar nicht^^), auf den Weg hinaus aus der Stadt. Belustigend fand ich in der Broschüre, dass man, wenn ein Bär einem auflauert und absichtlich angreift, sich mit allem wehren soll was man hat….ich denke es ist jedem klar wie die Chancen eines Menschen dann aussehen. Vielleicht wären die guten alten Reißzähne, die wir als Affen noch hatten, doch gar nicht so unpraktisch. ;)

Die Natur………sie ist schlichtweg atemberaubend! Wunderschön in ihrer Gestalt, einnehmend in ihrer Ruhe und großzügig mit den hinreißenden Augenblicken, die sie dem einsamen Wanderer schenkt. Ich habe viele Photos gemacht und doch werden sie die Realität nur schwer wiedergeben können. Mit jeder Wanderung verspüre ich mehr den Wunsch für eine lange Zeit raus campen zu gehen. Und mit jeder Wanderung fällt mir der heftige Kontrast zwischen der Freiheit in den Wäldern und der Eingeengtheit in der Stadt auf. In eben diesem Moment bin ich selbst erstaunt über die Worte die ich gewählt habe. o_O Aber es ist tatsächlich so, dass ich mich auf den Asphalt Straßen und inmitten einer Menge von Menschen bei weitem nicht so wohl fühle wie auf den Pfaden außerhalb der Stadtgrenze, umgeben von Strauch und Baum und dem Eichkätzchen das geschickt durch das Unterholz hüpft. Das bedeutet nicht das ich mich in Städten generell nicht wohl fühle , doch ich spüre eindeutig das man dort nicht die Freiheit hat, welche man draußen in den Bergen und Wäldern genießen kann. Hier gibt es keine gesellschaftlichen Pflichten sondern nur den Weg vor einem, den man Schritt für Schritt geht.

Den folgenden Absatz sollten all diejenigen überspringen die noch vor haben die canadischen Wälder auf eigene Faust zu erkunden. * zwinker *

Das Gefühl durch die Wälder hier zu streifen unterscheidet sich maßgeblich davon wenn man das selbe in Österreich oder Deutschland tut. Warum? Die Antwort ist ebenso simpel wie nicht- offensichtlich. Wenn man in Europa wandern geht dann ist man – abgesehen von den skandinavischen Wäldern – sozusagen selbst das gefährlichste Raubtier. Obwohl das wohl nicht das richtige Wort ist….schließlich haben wir ja keine Reißzähne mehr. ;) Man wandert und wandert und genießt die Umgebung. Die canadischen Wälder hingegen sind urtümlicher und mit Bär und Puma gibt es zwei Tiere die auf der Nahrungspyramide über uns stehen. Ein schöner Satz, nicht wahr? In diesem Blog ist es ein einfacher Satz, doch draußen auf den Pfaden gewinnt er an einer enormen Bedeutung. Als ich die letzten Tage gewandert bin hat mich dieses Gefühl gewissermaßen fasziniert – und tut es immer noch! Es ist komplett neu. Denn normalerweise haben wir ja niemanden der uns ernsthaft gefährlich werden kann. Normalerweise haben wir unsere Waffen und unsere Technik. Doch da draußen haben wir bestenfalls ein Messer, unsere furchteinflößenden Fingernägel und….argh wo sind unsere Reißzähne? XD Mit anderen Worten: In der canadischen Natur sind wir nicht mehr die Herren die Schöpfung. Die Neuheit dieses Gefühls hat mich zutiefst beeindruckt und in mir einen Gedanken geweckt:

Welch erfüllende Empfindung muss es sein wenn man ein bisher vollkommen unbekanntes Gebiet erkundet. Stellt euch vor, ihr wisst nicht was sich hinter dem Berg vor euch befindet. Ihr werft einen Blick auf eure Karte und stellt fest das an besagter Stelle ein großer weißer Fleck ist. In Tagen mühevollen Voranschreitens kommt ihr dann endlich in das Gebiet hinter dem Berg und vor euch eröffnet sich eine Szenerie, die in ihrer Schlichtheit und Unverändertheit euch durch und durch erfüllt. Ich beneide ein bisschen all die Entdecker, die an vielen Stellen nicht nur weiße Flecken sondern komplett weiße Karten hatten. Ich wünschte ich könnte Teil einer solchen Expedition sein, die in die Ferne der Welt aufbrach um dort Abenteuer zu erleben die niemand zuvor vorraussagen konnte. Tatsächlich gibt es laut Lonely Planet in Canada einige solcher kaum erkundeter Gebiete. Jedenfalls für uns – die First Nations kennen diese Ländereien recht gut. Ich sehe ein das meine Erfahrung im Moment (noch) zu gering ist um tatsächlich ein solches Vorhaben zu wagen – dennoch ist der Gedanke an besagten Ort zu reisen ausgesprochen reizvoll. Die alten Wikinger, Marco Polo – die Entdecker dieser unserer Welt sind zu beneiden. :)

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Da sich das Banff Centre bisher noch nicht gemeldet hat habe ich sie vor kurzem angerufen und nach dem aktuellen Stand der Dinge gefragt. Mit wurde zugesichert das mein Resumé an die zuständige Stelle weiter geleitet wird, was aber an sich schon längst geschehen sein sollte, da ich ich mich ca. vor einem Monat online beworben hatte. Ich werde bald bei dem Centre selbst vorstellig. Von verschiedenen Leuten aus den Youth Hostels habe ich gehört das es im Moment schwer ist in Banff Jobs zu finden, da die Touristen aufgrund der schlechten Wirtschaftssituation in der westlichen Welt dieses Jahr nicht so viel Geld ausgegeben haben wie sonst. Anscheinend soll es wieder einfacher werden Jobs zu bekommen wenn in etwa zwei Wochen die ersten Sommer Touristen eintrudeln. Es steht noch nicht fest, aber ich werde voraussichtlich nicht mehr lange in Banff bleiben. Und dabei habe ich gerade erst eine neue Blog Kategorie für den Ort eröffnet. ;) Wie vielleicht schon an der ein oder anderen Stelle durchgeschimmert ist mag ich die Stadt an sich nicht so gerne, auch wenn die sie umgebende Natur wunderschön ist. Banff ist schlichtweg zu kommerziell. So lasse ich – während ich auf eine email vom Banff Centre warte – meine Blicke in die nähere Umgebung schweifen. Und meine Augen haben etwas gefunden deren Anblick sie ganz und gar verzückt. Etwas, was verhältnismäßig so unbekannt ist, dass viele Touristen in Banff es nicht kennen. Und doch ist es sehr verlockend und ein Besuch des umschriebenen Ortes würde mich sehr freuen. Wie gewohnt steht noch nichts genaueres fest…wer weiß was sich so alles ergibt?

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Die meisten von euch kennen vermutlich „Lonley Planet“, die Reiseführer-Reihe für Low- Budget Reisende, also vor allem für Backpacker. Seit dem ersten 1972 erschienen Buch hat der Verlag zahlreiche neue Reiseführer herausgegeben, die mittlerweile einen großen Teil der Welt abdecken. Mein Lonley Planet Canada ist mir ein treuer Begleiter, welcher in vielfacher Hinsicht sehr nützlich ist. Ob generelle Informationen, Geheimtipps, abgelegene Restaurants mit kulinarischen Köstlichkeiten, Youth Hostels und andere Unterkünfte, es ist alles mit dabei. Wirklich ein sehr empfehlenswertes Buch! Das außergewöhnliche an Lonley Planet ist, dass es Informationen von vielen Reisenden in die Entwicklung von Neuauflagen mit einbezieht. Einige Lonley- Planet Autoren reisen glaube ich mehr oder weniger gezielt (so genau weiss ich das nicht ;)) durch die Welt und berichten von ihren Erlebnissen. Ich habe beschlossen auch dazu beizutragen das die Lonley Planet Reiseführer weiterhin lesenswert und auch aktuell sind. So werde ich in Zukunft Informationen über feine kleine Lokal(itäten), nicht- mehr existierende Youth Hostels und ähnliches zu Lonley Plante schicken.

Eine kleine Anekdote nebenbei: Als ich vor ein paar Tagen durch die Straßen von Banff gegangen bin wurde mir durch ein kleines Ereignis schlagartig nochmals bewusst das ich mich jenseits des Atlantiks befinde. Ich sah ein paar Jugendliche sich auf einem Rasenplatz versammeln. Latürnich dachte ich das sie jetzt gleich Jacken oder ähnliches nehmen würden um Fußball Tore aufzubauen. Als sie dann auf einmal anfingen sich aufeinander zu werfen und auf den Boden zu drücken war ich einen Moment lang verdutzt. Dann zeichnete sich ein Grinsen auf meinem Gesicht ab. XD Ich sah einen Ball – doch er war nicht rund sondern eiförmig. Die Jungs spielten Rugby und es war ein Genuss ihnen dabei eine Weile zuzusehen. „Japp, das ist Canada“, dachte ich mir, weiterhin grinsend. Eine nette Anekdote, solche Dinge sind einfach toll. :D

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Ich finde es immer wieder erstaunlich wenn mir klar wird, dass manche Dinge, die vor hunderten von Jahren gesagt wurden, heute immer noch zutreffen: „[Das Volk braucht] Brot und Spiele“, so sprach der römische Dichter Juvenal . Und es ist wirklich so: Wenn die Menschen genug zu Essen und einen Zeitvertreib haben dann sind sie in der Regel zufrieden. Selbst wenn ein Diktator an der Macht ist – wenn diese beiden Faktoren erfüllt sind, warum sollte das Volk dann etwas ändern? In vielen großen Städten Canadas gibt es eine internationale (Westen) bzw. französisch angehauchte (Osten) Küche = Brot. Hockey hat hier etwa den Status wie bei uns Fußball = Spiele. Je mehr ich darüber nachdenke desto erstaunlicher finde ich es, dass diese beiden Faktoren allein tatsächlich ein überaus stabiles Gerüst für eine zufriedene, nicht revolutions- freudige Gesellschaft bilden. Manchmal erscheinen mir Dinge im Moment so simpel. Man kann viele Worte daran setzen sie genauer zu definieren oder über ihre Bedeutung zu sprechen. Und doch scheint mir bei manchen Dingen gar kein Bedarf da zu sein das zu tun. Ich liebe (philosophische) Diskussionen / Gedankengänge. :)

Mit diesem Anklang von Politik möchte ich zum Abschluss dieses Beitrags auf das von mir angekündigte Umweltbewusstsein der Canadier eingehen. Ich finde das Thema überaus spannend und habe daher beschlossen an dieser Stelle davon zu berichten. Einige der Hintergrundinformationen hierzu habe ich aus dem Lonely Planet entnommen, anderes selbst im Laufe meiner bisherigen Reise erfahren. Ohne Zweifel wirkt Canada auf den ersten Blick wie die Personifizierung des Landes, dass die Welt vor all dem Müll, den wir produzieren, retten wird. Dies ist das Land in dem Greenpeace gegründet wurde und in dem sich überall Hinweise dazu finden wie man umweltbewusster leben kann. Es gibt viele Fair – Trade und Bio Geschäfte. Die im ganzen Kontinent (ich schließe Amerika hier bewusst mit ein) weit verbreitete Kaffeeladen- Kette Starbucks wirbt mit ihrer Umweltfreundlichkeit. Zunächst dachte ich das die Pappbecher extrem verschwenderisch sind. Es wirkt schließlich so: Man wirft sie einfach weg. Später habe ich dann erfahren das die Pappbecher zu großen Teilen aus recyceltem Papier bestehen und das sie die Umwelt weniger belasten als wenn man gewöhnliche Tassen benutzt und all das heiße Wasser + Spülmittel hinzurechnet, die zum sauber machen benötigt werden. Was nun wirklich umweltfreundlicher ist sei dahin gestellt. Ein weiteres Beispiel: Die Busse in Banff und die Yellow Cabs in Vancouver verbrauchen alle weniger Benzin als die gewöhnlichen Varianten und sind sozusagen umweltfreundliche öffentliche Transportmittel. Banff darf nebenbei bemerkt auch nicht mehr weiter ausgebaut werden. In der Stadt dürfen weiterhin neue Gebäude errichten werden, doch die Stadtgrenzen sind klar definiert werden aufgrund der Wanderwege der Tiere nicht mehr erweitert. Finde ich super!!! :) Überall – und zwar tatsächlich an sehr vielen Stellen – wird man darum gebeten auf die Natur Rücksicht zu nehmen. Es ist allgegenwärtig. In Banff sind diese Hinweise noch mal häufiger da es inmitten eines Nationalparks liegt. Ich habe den Eindruck das die Menschen, welche hier leben, sich redlich bemühen mit der Natur in Einklang zu leben. Wie das bei den Touristen ist kann ich schwer beurteilen. Park Canada wacht über die Benutzung der Pfade. Die große Zahl der Besucher soll die Pflanzen so wenig wie möglich beschädigen und die Tiere so weit es möglich ist nicht stören. Es gibt hierzu zahlreiche Broschüren und Informationsheftchen.

Canada macht also durch und durch den Eindruck ein Land zu sein dem an seiner unberührten Natur gelegen ist. In der Gesellschaft wird denke ich viel über diese Thematik nachgedacht. Werfen wir nun einen Blick auf die andere Seite der Münze. Und diese Seite ist nicht so glänzend wie erwartet sondern ziemlich dreckig.

Um den an sich unwirtlichen Norden für eine große Zahl von Menschen bewohnbar zu machen gibt die canadische Regierung jährlich geschätzt ein viertel aller Steuergelder aus. Der Yukon, die Nothwest- Territories und Nunavut müssen nahezu alles importieren und die Wege sind laaaaaaaaaaaaaa(…)ng. Den Menschen dort ein komfortables Leben, welches dem westlichen Standard entspricht, zu ermöglichen ist ziemlich kostspielig. Eine ähnliche Schwierigkeit für Canada ist seine pure Größe: Es ist nicht nur weit in den Norden sondern auch von Westen nach Osten. Jeder kennt aus Filmen die gigantischen Trucks, die wie ich finde sehr cool aussehen. ABER sie verbrauchen auch ziemlich viel Energie! Ähnlich ist es mit den Autos in Canada. Wie die Trucks sind auch diese um einiges größer als in Europa, was vielleicht damit zu tun hat man hier auch überall mehr Platz hat. Nahezu an jedem Ort den ich bisher besucht habe – auch in großen Städten von Vancouver – gibt es eine Menge großer (!) Geländewagen und Pickup Trucks. Im Yukon kann ich das sehr gut nachvollziehen da man die Pickups dort tatsächlich braucht. In Vancouver allerdings….eher nicht. Im Bereich Fortbewegungsmittel könnte Canada denke ich wesentlich umweltfreundlicher sein – hier ist aber eher der einzelne Verbraucher angesprochen als der Staat, der eine Menge guter öffentlicher Verkehrsmittel zur Verfügung stellt. In Alberta wird eine Menge Öl aus so genanntem „Ölsand“ abgebaut (keine Ahnung wie das funktioniert). Der springende Punkt ist das die Gewinnung des Öls extrem umweltschädigend und alles andere als Ressourcen sparend ist. Canada spielt als Öl- Exportant ganz vorne mit und verdient daran entsprechend. In Alberta sind sehr viele Menschen direkt oder indirekt in der Ölindustrie tätig.

Stichwort Klimaveränderung. An zahlreichen anderen Stellen in Zeitungen, Internet und anderen öffentlichen Medien wurde und wird darüber bereits genug diskutiert. Ich möchte das hier also nur kurz aufgreifen. Meiner Meinung nach ist es eine Tatsache das sich das Klima verändert – inwieweit der Mensch darauf einwirkt kann man breit und lang diskutieren, was aber nichts daran ändert, dass es sich nun mal verändert. Natürlicher Rhythmus und menschliche Aktivitäten auf dem Planeten Erde wirken meiner Ansicht nach zusammen. Ich erwähne die Klimaerwärmung hier deshalb, weil man sie hoch oben im Yukon schön spürt. Der Schnee schmilzt früher als sonst, was besonders Leuten auffällt die ihr ganzes Leben dort verbracht haben. In Nunavut werden die seit Jahrhunderten von den Inuit benutzten Jägerpfade ziemlich gefährlich, da auf einmal weniger Eis da ist wo es vorher Meter dick war. Das ganze hat – ich muss es eigentlich kaum noch erwähnen – auch große Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt.

Alles in allem tut Canada viel um seine Natur zu erhalten. Die Klimaerwärmung steht im Mittelpunkt allgemeiner Diskussionen, was Lösungsansätze fördert. Trotzdem gibt es noch viel zu tun, insbesondere bei der Nutzung großer Trucks und Pickups. Ich hoffe euch mit diesem kleinen Essay einen guten Einblick in das Umweltbewusstsein Canadas gegeben zu haben. Über Feedback würde ich mich freuen. :)

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Ich weiss das ich irgend einen Punkt übersehen habe…..hmmm….er ist mir gerade entfallen. XD Wie dem auch sei (nebenbei bemerkt: die englischen Wörter „however“ und „anyway“ rocken!), ich wünsche euch viele schöne Momente wo auch immer ihr gerade seid! :)

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Galerie

Hier die versprochenen sehenswerten Bilder von Muktuk. :) Dem interessierten Leser sei empfohlen beim Betrachten der Bilder vom Banff National Park eine Landkarte zu Hilfe zu nehmen, um einen guten Eindruck von der Umgebung zu bekommen. Ich habe vieeeeeeeel zu viele Photos gemacht – diese sind ein Teil von denen, die nicht im Papierkorb verschwanden. ;)

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