Goodbye Banff

In meinem letzten Bericht habe ich euch vom Bergsteigen erzählt. Immer wieder staune ich über die Schönheit und Vielfalt der Natur die mich umgibt. Die Bäume, Berge, Flüsse und Seen um Banff herum haben meine Zeit dort geprägt und ich bin sehr dankbar dafür das ich diesen Ort gefunden habe.

Nach viereinhalb Monaten ist nun der Zeitpunkt gekommen die kleine Stadt inmitten der Rocky Mountains zu verlassen und sich all die Gebiete hinter dem Horizont näher anzuschauen. Nicht nur die Umgebung und Lage selbst haben meinen Aufenthalt in Banff so besonders gemacht – es waren auch und vor allem die Menschen. Wenn ich zurückkehren werde werden andere Leute hier wie dort verweilen und das Erlebnis wird bei einer Rückkehr (die nebenbei bemerkt ziemlich wahrscheinlich ist ;)) ein ganz anderes sein. Anders in einem guten Sinne, denn Anders ist Neu und Neu ist Gut.

Gerade in diesem Augenblick bin ich eigentlich ganz wo anders; in einem Bus um genau zu sein (was die Möglichkeiten nicht sooo sehr einschränkt XD) und ich werde in den folgenden Zeilen über die Menschen schreiben, denen ich in Banff begegnet bin und die meine Zeit dort geprägt haben. Es sind einige sehr schräge Vögel darunter, aber hey, das ist an diesem Ort nichts Ungewöhnliches. Zum Abschluss gibt es dann noch einige feine wild durch gemischte Photos. :)

Andre, der Weingeist (Kanada) war an sich Supervisor und somit mein Chef – er war aber auch vom ersten Tag an ein richtig guter Kumpel. Mit ihm zusammen zu arbeiten hat einfach nur Spaß gemacht und wir haben eine Menge (!) gelacht. Er liebt seinen Job ebenso wie den Wein, mit dem er sich als angehender Sommelier beschäftigt . Ich habe viel von ihm über Gastronomie gelernt und yeah, ich bin mir sicher das wir uns wieder sehen werden wenn ich wieder nach Canada komme!

Nute, der Barhäuptige (Kanada) war ebenfalls einer meiner Supervisor… am Anfang dachte ich er mag mich nicht; was vielleicht auch daran lag das mein großer Patzer im Speisesaal geschah als er Dienst hatte. Doch ich habe mich getäuscht. Wir kamen immer besser miteinander klar und haben wenig später nahezu keinen Satz miteinander gesprochen ohne einen Witz hinten dran zu hängen. Ihr könnt euch Nute wie einen großen Kuschelbär vorstellen, der gute Laune hat solange alles läuft wie es soll.

Mick, der Verrückte (Ozeanien) ist latürnich nicht wirklich verrückt (nur ein bisschen ;)). Er hat die Natur um Banff herum gleichermaßen wie die Bars der Stadt unsicher gemacht. Es verging nicht ein Tag an dem er nicht etwas unternommen hätte und war SEHR aktiv, überall und zu jeder Zeit. Du brauchtest ein Teammitglied für einen Wettbewerb? Frag Mick. Du möchtest dir einen Film im Kino ansehen? Frag Mick. Du bist begierig darauf einen der höchsten Berge der Umgebung besteigen? Frag Mick. Er hieß jeden jederzeit zu allerlei Aktivitäten willkommen. Bevor er Banff verließ hat er mich nach Australien eingeladen und falls ich dort hin reisen werde werde ich ihn besuchen.

Alex, die Schöne (Kanada) machte das Konzentrieren auf die Arbeit manchmal gar nicht so einfach… die männlichen Server waren hin und wieder ziemlich abgelenkt. Ein sehr nettes Mädchen mit einem typischen „Kick As“ Humor. Ich benutze dieses Attribut nicht sehr oft für jemanden, Alex kann man allerdings nicht beschreiben ohne das Wort „sexy“ zu benutzen. Denn das ist sie ohne Frage. Wir haben ebenfalls viel zusammen gelacht (irgendwie hatte ich mit nahezu jedem eine Menge Spaß XD).

Sam, der Graskenner (Großbritannien) hat mir beigebracht selbst Mützen zu stricken und war mir von der ersten Millisekunde an sympathisch. Er kiffte manchmal ein wenig zu viel und ich bin mir sicher das er hin und wieder auch mal high bei der Arbeit war. Sehr lustig. Ich habe seine Gegenwart stets genossen und wir hatten viel Spaß gemeinsam. All the best dude! :D

Savannah, das Hippie Girl (Kanada) war für über vier Monate lang eines meiner Roommades. Sie ist für viele Jahre in der Welt herum gereist und ist eine der interessantesten Personen, denen ich je begegnet bin. Seltsam, schräg und aufregend. Sie hielt mich manchmal für ein Alien und ja, wir waren uns da hin und wieder auch nicht so ganz sicher. In jedem Fall hat sie viel zu meiner Mission auf dem Planeten Erde – möglichst viele Informationen über die Menschen herauszufinden – beigetragen. Krovawevnowejlfn-ö

Joe, der Snowboarder (Ozeanien) habe ich immer wieder getroffen und wir haben die verschiedensten Dinge zusammen erlebt. Irgendwann ist mit aufgefallen, dass oftmals wenn ich einen Tag oder einen Abend sehr genossen habe er irgendwie immer mit dabei war. Und in der Tat, wir kamen schlichtweg gut miteinander klar.

James, der Gechillte (Kanada) war genau das. Wir haben uns sofort gut verstanden und auch wenn ich ihn erst spät in Banff kennen gelernt habe wird er mir in Erinnerung bleiben. Unser großer Hike zu Cascade Mountain war großartig und ich habe mich sehr darüber gefreut, als er zu meinem Abschiedsabend kam.

Neben diesen Personen habe ich latürnich noch eine Menge anderer Leute getroffen; zu viele um sie hier aufzuzählen. In Banff kann man jeden Tag eine Hand voll neuer Menschen kennen lernen wenn man möchte. Mir ist aufgefallen, dass die Leute, welche ich in Banff getroffen habe, sich nahezu grundsätzlich von meinen Freunden bei Muktuk unterscheiden. Die Menschen bei Muktuk waren mehr in sich gekehrt und mehr der Natur verbunden als diejenigen in Banff. Dort waren die Menschen eher nach außen gekehrt und beschäftigten sich mit Dingen die der Beschäftigung nicht wert waren. Zwei komplett unterschiedliche Orte – ich habe die Zeit in beiden auf eine unterschiedliche Art und Weise genossen.

Der Zeitpunkt ist gekommen – mit meinen Augen folge ich dem Highway, der sich durch das Tal windet und in der Ferne zwischen den Bergen verschwindet. Ich werde dieser Straße folgen und schon bald die fernen Ufer eines Ortes betreten, den ich bereits seit langer Zeit erkunden möchte. Goodbye Banff.

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Up to the Sky

Ein Bericht über das Besteigen zweier Berge.

Majestätisch erheben sich die zerklüfteten Giganten der Rocky Mountains in den Himmel. Ein starker Wind fegt durch das Bow Tal. Er kommt von weit her und bringt Gedanken ebenso wie die berauschenden wilden Düfte der Natur mit sich – er hat viel gesehen, viel gehört und flüstert dem Wanderer Geschichten ins Ohr. Er berichtet von dem mit Moos bedeckten Findling hinter dem nächsten Baumstamm, dem bezaubernden rauschenden Bach fernab der bekannten Wege und von der Farbe des Himmels hinter dem Horizont. Er berichtet von Abenteuern.

Der Wind, er fegt durch mein Haar. Ich richte meinen Blick auf die mich umgebenden Beschützer der Täler. Mein Blick schweift von Fels zu Fels, von Berg zu Berg. Sie rufen mich. Und ich antworte.

Als ich in Banff eintraf habe ich in vielen Wanderungen die nähere Umgebung der kleinen Stadt erkundet. Eines Tages – der Wind fegte voller Eifer durch das Tal – wanderte ich einen Pfad entlang, der einen nahen Berg hinan führte. Zu diesem Zeitpunkt war der Pfad noch schneebedeckt; ich genoss die Einsamkeit an diesem Ort. Niemand wanderte hier zu dieser Jahreszeit. Ich stieg den Steig weiter hinauf, die Stille auskostend. Der Wind, durch die schneebedeckten Bäume rauschend, war das einzige vernehmbare Geräusch. Einige Zeit später ließ ich mich zur Rast nieder und bestaunte die mit Schnee bedeckten Wälder. Es wurde spät und die Zeit war gekommen umzukehren. So wanderte ich dorthin zurück woher ich gekommen war – nicht ohne zurückzublicken, den Pfad ein letztes Mal musternd. In diesem Moment wusste ich das ich zu diesem Ort zurückkehren würde.

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Seit diesem Tag sind einige Monate vergangen. Die Sonne erwärmt das Bow Tal und kein Schnee ist auf den Gipfeln der Berge zu sehen. Zusammen mit Joe und Mick, beide aus Australien stammend, haben wir an jenem Tag den Berg bestiegen, dessen Pfade ich Monate zuvor erkundet hatte:

Mount Rundle

Als einer der höchsten Berge der näheren Umgebung von Banff übte Mount Rundle eine besondere Faszination auf mich aus. Ich sah den Berg jeden Tag vor mir und der Wunsch den Berg hinaufzuklettern wurde immer stärker. Ich war nicht der einzige der diesen Wunsch verspürte und so machten Joe, Mick und ich uns im frühen Morgen des 2o. Juli auf Mount Rundle zu besteigen. Von diesem Ereignis möchte ich euch nun berichten.

Mount Rundle gilt allgemein als einer der eher schwer zu erkletternden Berge nahe Banff. Und fürwahr, es war ebenso beeindruckend wie anstrengend. Bevor es los ging, verspeisten meine Begleiter und ich ein üppiges Frühstück. Es würde ein anstrengender Tag werden. Wir klatschen in die Hände und ein „Let’s do it!“ schallte durch den Hub. Ausgestattet mit einer Menge Wasser, einigen Müsliriegeln und je zwei Sandwiches machten wir uns dann in aller Frühe auf zum Fuß des Berges. Es war angenehm kühl und während wir vom Banff Centre zur Stadt hinab stiegen erwachte die Welt um uns herum zum Leben. Mit jeder Minute sandte die Sonne mehr Sonnenstrahlen ins Bow Valley. Keine einzige Wolke war am Himmel zu sehen und es versprach ein guter Tag zu werden. Unser Weg zu Mount Rundle führte uns durch Banff, über die Brücke des Bow River, am Banff Springs Fairmont Hotel vorbei hin zum weltbekannten Golf Kurs. Dort gab es einen kleinen versteckten Pfad, der uns direkt zum Fuß des Berges führen würde. Wenig später befanden wir uns auf dem zunächst nur leicht und später steil ansteigenden Weg, der den Beginn unserer Wanderung darstellte. Während ich in meinen Wanderschuhen dem Graugrün des Weges folgte erinnerte ich mich an die Augenblicke, als ich diesen Ort das erste Mal gesehen hatte. Ja, ich bin zurück gekehrt.

Wie sich schnell heraus stellte hatte ich im April lediglich den Beginn des Pfades erkundet und er war wesentlich länger, als ich angenommen hatte. Der ansteigende Pfad führte uns durch die Wälder der unteren Hälfte Mount Rundles und wir gewannen nur langsam an Höhe. Nach etwa einer Stunde erreichten wir dann die erste von zwölf Serpentinen, welche uns schließlich rasch an Höhe gewinnen ließen. Die uns umgebende Natur war herrlich und ich fand das Drei eine ausgesprochen gute Zahl für eine Reisegruppe war. Bereits an diesem Punkt hatten wir eine sehr schöne Aussicht, die uns nur erahnen ließ wie großartig selbige auf der Spitze des Berges sein musste! Nachdem wir die Serpentinen hinter uns gelassen hatten führte der Weg den Berg hinunter. Hinunter? In der Tat, eine Tatsache, die Mick nicht gerade erfreute – wusste er doch das wir jeden Schritt den wir hinunter taten später wieder hinauf gehen mussten. „That’s a mountain, isn’t it? Why are we going downhill?“ Wenig später erreichten wir den Central Gully, eine Schlucht, die den Pfad durchbricht. Dieser Punkt markierte die Grenze zwischen „anstrengend“ zu „extrem anstrengend“ – was wir zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht wussten. Hinter der Schlucht stieg der Pfad steil an und wir mussten das erste Mal unsere Hände benutzen. Wir dachten dieser extreme Anstieg sei lediglich temporär – doch weit gefehlt! Die nächsten Stunden stiegen wir den steil ansteigenden Pfad hinauf, der Baumgrenze entgegen strebend. Während wir am Rücken von Mount Rundle hinauf kletterten stieg die Sonne am Himmel empor.

Nach insgesamt etwa drei Stunden durchbrachen wir schließlich die Baumgrenze. Mit einem Schritt standen wir im Freien und unsere Vermutung bestätigte sich – es war ein herrlicher Tag zum Klettern, die Sonne schien und wie wir war auch sie auf dem Weg zum Zenit. Mount Rundle zu besteigen war ohne Frage außerordentlich fordernd und unser aller Shirts waren bereits an diesem Punkt durch geschwitzt. Somit beschlossen wir an der Baumgrenze eine Pause einzulegen. Die Shirts wurden zum Trocknen ausgelegt, die Sandwiches ausgepackt und mit großem Genuss verspeist. Jahaha! Sandwiches! Ich finde es immer wieder erstaunlich was große Anstrengungen bewirken können. Die Sandwiches, welche wir in einem örtlichen Supermarkt kauften, waren sicherlich nicht viel mehr als Durchschnitt. Doch dort oben, auf Mount Rundle, nachdem wir etwa die Hälfte des Weges hinter uns gebracht hatten, waren diese Sandwiches die f****** besten Sandwiches der ganzen Welt! Sie schmeckten fabelhaft und wie Calvins Sandwiches brachten sie verbrauchte Energie sofort zu 1oo % zurück! :D Einige Photos (von denen zumindest eines wahrscheinlich zensiert werden würde ;)) später und mit frischer Energie aufgeladen schulterten wir kurz darauf unsere Rucksäcke und strebten weiter dem Gipfel des Berges entgegen.

Vor uns lag nun der am härtesten zu besteigende Teil des Berges, The Dragon’s Back. Tatsächlich sah dieser Abschnitt Mount Rundles von der Ferne betrachtet aus wie der Rücken eines Drachen. Ohne den Schutz der Bäume, umgeben von Felsen, Steinen und Staub, gewannen wir weiter an Höhe. Es war zwischen 10 und 11 Uhr und die Sonne sorgte dafür, dass unsere gerade getrockneten T- Shirts sofort wieder nass waren. Der Drachenrücken war sehr steil und erforderte den Einsatz der Hände nahezu durchgehend. Die Sonne brannte auf uns herab, Staub hüllte uns ein. Wäre das nicht ein guter Punkt um umzukehren?

Nope! Jedes Mal wenn sich der Gedanke ans Umkehren einschlich blickten wir nach vorne – und dort sahen wir die Spitze des Berges, den wolkenlosen Himmel im Hintergrund. „Wollte ihr wirklich aufgeben, so kurz vor dem Ziel?“ fragte uns der Berg. „Niemals!“ gaben wir zur Antwort. Schritt für Schritt kämpften wir uns den Drachenrücken hinauf; wie sich heraus stellte waren meine schweren Wanderschuhe für dieses Vorhaben weitaus weniger geeignet als die Laufschuhe meiner beiden Begleiter. Unser Trio kämpfte sich den Berg hinauf, sich gegenseitig anspornende Worte zurufend. Mit jedem Schritt kamen wir dem Gipfel Mount Rundles näher und während wir vor uns hin keuchten kam uns ein alter Japaner mit krausem weißem Haar entgegen. Alte Japaner mit krausem weißen Haar haben diese ganz besondere Ausstrahlung von ehrwürdigen weisen Kampfkunstmeistern. Dieser Japaner schien mir ein Meister seiner Kunst zu sein; geschätzt zwischen 7o und 8o Jahren alt zeigte er weniger Anzeichen der Erschöpfung als wir. Er fragte uns ob wir wüssten wo Mount Temple sei und erzählte uns, dass er gestern Cascade Mountain (der noch höher ist als Mount Rundle) bestiegen habe. Ich bin mir sicher das dieser alte Japaner mehr Berge in einer Woche bestiegen hat als Joe, Mick und ich zusammen in einem Jahr. Wir waren alle verblüfft und wünschten dem alten jungen Mann alles Gute für das Besteigen des nächsten Berges. Alte kauzige Japaner, die alleine Berge besteigen, sind einfach großartig. Und dann war es soweit. „Okay, let’s do that together!“ riefen wir uns gegenseitig zu. Die Spitze Mount Rundles lag direkt vor uns und gemeinsam kletterten wir auf den Gipfel. Wir atmeten tief ein. Was für eine Luft! Was für eine Aussicht! Unter uns erstreckte sich das weitläufige Bow Tal, Reihen von Bergen erstreckten sich in jeder Himmelsrichtung. DAS sind die Rocky Mountains! Wir befanden uns 2949 Metern über dem Meeresspiegel und in den letzten vier Stunden erkletterten wir eine Höhe von über 1577 Metern! Ein starker Wind fegte durch meine Haare. Die Aussicht war atemberaubend und dank des herrlichen Wetters konnten wir nahezu die ganzen Rockies überblicken. In Sekunden waren all die Anstrengungen vergessen. Der Schmerz in den Füßen spielte augenblicklich keine Rolle mehr. Ich liebe dieses Gefühl! Es war hart und nicht einfach gewesen Mount Rundle hinauf zu klettern. Aber dieses Gefühl war die Anstrengungen einfach nur wert. Nichts anderes. Herrlich. Der Gipfel Mount Rundles war sehr lang gezogen, da der Berg an der dem Drachenrücken entgegen gesetzten Seite steil in einer großen Klippe herab fiel. Beeindruckend! Wir alle waren zutiefst bewegt von der Größe und Majestät des Berges. Dort oben, auf einem der etlichen Giganten der Erde, durchdrang mich ein tiefes, wahres Gefühl des Glücks.

Wir aßen unsere letzten Sandwiches, schrieben unsere Namen auf ein kleines Blatt Papier nieder, welches wir in die Box auf der Spitze des Berges legten und machten uns an den Abstieg. Dieser verlief ganz anders als zunächst angenommen und nun kamen meine Wanderschuhe zum Einsatz. Lasst mich erklären: Von uns dreien war ich der einzige der nicht den Drachenrücken herab rutschte – Micks und Joes Laufschuhe boten etwa den Halt einer Bananenschale. Staub (eine Menge Staub!) wirbelte um uns herum auf als wir uns der Baumgrenze mit rasender Geschwindigkeit näherten. Der Abstieg verging wie im Flug – was vielleicht daran lag das wir alle mehr flogen als wanderten. Nachdem wir den Central Gully überquert hatten begannen wir mehr oder weniger den Rest des Berges hinunter zu laufen. Dabei zeigte sich warum Bergsteiger gewöhnlicherweise Stöcke oder Wanderstäbe mitbringen. Das Wetter war weiterhin wundervoll.

Nach etwa 8 Stunden erreichten wir unseren Ausgangspunkt am Fuße des Berges. Wir hatten insgesamt 11 km zurück gelegt. Glücklich machten wir uns auf nach Banff und der Weg zurück zur Stadt kam uns jetzt irgendwie doppelt so lang vor wie zuvor. Unsere Füße, angetrieben durch unsere Magen, steuerten geradewegs zu Melissa’s zu. Dort verspeisten wir Steaks und Burger und stoßen auf diesen großartigen Tag an. Wahrlich ein perfekter Abschluss wie er besser nicht hätte sein können. Wenig später machte ich mich von Melisses auf zu einem Rockclimbing Kurs. Das Besteigen des Berges war eine mehr oder weniger spontane Entscheidung gewesen und so ergab es sich, dass ich diesen Kurs noch am selben Abend hatte. XD Nach dem Kurs beschloss ich dem Pool noch einen kurzen Besuch abzustatten. In dieser Nacht schlief ich wie ein Stein.

Wenn ich an jenen Tag, den 2o. Juli, zurückdenke, dann erscheint ein breites Lächeln auf meinem Gesicht (genau wie in diesem Moment als ich diesen Satz schreibe). Ich liebe das Gefühl der Befreiung hoch oben auf dem Gipfel, welches einen alle Mühen vergessen lässt. Es ist es wert, wie die Photos weiter unten zeigen.

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Einen Monat darauf kam der Tag, an dem ich zusammen mit Joe und James Cascade Mountain, mit 2998 Metern der höchste Berg in der Gegend um Banff, bestieg.

Cascade Mountain

Cascade Mountain wird allgemein als weniger hart als Rundle Mountain eingeschätzt, dafür ist die Wanderung um etwas länger. Ihr fragt euch vielleicht „Wer ist James?“ und „Was ist mit Mick?“ Nun, Mick war zu seiner Weltreise aufgebrochen und James, ein Freund von Joe, war von der Idee Cascade Mountain zu besteigen derartig begeistert, dass wir nicht anders konnten als ihn einfach mitzunehmen. Als ich James am Tag zuvor kennen lernte war er mir sofort sympathisch und wir haben uns auf Anhieb gut verstanden. Am nächsten Morgen trafen wir uns all am Banff Centre und beschlossen den Tag mit einem extravaganten Frühstück in Vistas zu beginnen. Von allen Mahlzeiten die dort serviert werden ist das Frühstück meiner Meinung nach eindeutig das beste: Vom klassischen (hervorragenden!!!) Müsli über Toast, Ei in allerlei Varianten, Würstchen, Bacon, Joghurt und Obstsalat gibt es dort nahezu alles was man sich zum Frühstück wünschen kann. Es war ein seltsames Gefühl von seinen Kollegen bedient zu werden, aber ha! Wir wissen ja wie es hinter den Kulissen aussieht und sahen dementsprechend davon ab, Getränke im zweistelligen Bereich zu bestellen, Tische zu verschieben oder nach Espresso zu fragen, den es eh nicht gibt. XD

Wenig später saßen wir in James Monster Truck, der dieser Bezeichnung mehr als nur gerecht wird. Bis zu neun Leute können darin bequem Platz finden – plus Gepäck plus Snowboards! Auf der netten Bergfahrt zu der Lodge, welche zwischen Cascade Mountain und Mount Norquay gelegen ist, fanden Joe und ich heraus das James nicht nur seinen Truck mit gebracht hatte. Für die Wanderung hatte er auch seine Skaterschuhe eingepackt, die einzigen Schuhe die für diese Wanderung in Frage kamen. Diese Schuhe waren für das Besteigen eines Berges etwa so gut geeignet wie Sandalen. Einige Witzeleien später befanden wir uns dann auf unserem Weg, der hinter der Lodge begann.

Das interessante an Cascade Mountain war, dass man erst zum Beginn des Climb wandern muss. Wir begannen also nicht direkt mit dem Aufstieg, sondern ganz im Gegenteil – wir wanderten zunächst bergab. Der breite Weg hinter der Lodge führte uns hinab zu einem offenen Tal. Der Geruch von frischer Erde und Beeren stieg uns in die Nase. Wir überquerten einen rasch fließenden Gebirgsfluss tief im Tal und machten uns dann an den Aufstieg an der anderen Seite. Der Weg zog sich weit dahin und wir machten Späße darüber, dass wir nach nahezu zwei Stunden Wanderung noch nicht einmal den Beginn der Route erreicht hatten. Drei ist wirklich eine gute Zahl zum Bergsteigen, wie ich auf Mount Rundle schon festgestellt hatte – die Wanderung war ein purer Genuss.

So strebten wir dem Gipfel * ähm *, ich meine dem Beginn des Climb entgegen. Und dann, dort! Die Bäume lichteten sich und wir erblickten das Amphitheater hinter Cascade Mountain. Ihr könnt euch das etwa so vorstellen: Der Berg ist wie ein Halbkreis geformt und hinter den hohen Gipfeln befindet sich erhöht eine Art Krater. Es sah ein wenig so aus wie wenn vor hunderten von Jahren an dieser Stelle ein Komet eingeschlagen hätte. Oder Aliens, die vor Jahrtausenden mit ihren Lasern herumspielten. Von diesem Punkt aus konnten wir den größten Teil der vor uns liegenden Route erkennen. Wir traten auf die mit Gras bewachsene Ebene des Amphitheaters und staunten über die vor uns aufragenden Berggipfel. Es war auffällig, dass wir nicht nur einen Gipfel, sondern derer drei erblickten. Der letzte und höchste Gipfel stellte die Spitze des Berges dar. Nachdem wir beim Verzehren eines Müsliriegels die genossen, schulterten wir wieder unsere Rucksäcke und machten uns auf den Berg zu besteigen. Wir kamen rasch voran und die subalpine Umgebung erinnerte mich stark an zu Hause. Das Wetter war herrlich; warm genug und dennoch nicht zu heiß, da die Sonne ihren Zenit noch nicht erreicht hatte.

Gerade als wir das Gefühl bekamen, dass die Wanderung doch fast schon zu leicht wäre, überraschte uns Cascade Mountain mit……Steinen. Gut, Steine sind auf Bergen eigentlich nicht ganz ungewöhnlich und sollten uns keineswegs überraschen. Diese Steine jedoch waren anders – von einem Meter auf den anderen verwandelte sich der Pfad in eine Menge schwergewichtiger Felsen. Von dunkelgrauer bis schwarzer Farbe hoben sie sich eindeutig von allem ab was wir bisher gesehen hatten. Sie bestätigten die Alien- Theorie, denn sie sahen irgendwie ziemlich verkohlt aus. Es schien, als ob die Steine den Berg bedeckten und nicht Teil von ihm waren. Joe und ich sahen uns an und grinsten – das sah nach einer Herausforderung aus! James blicke auf seine Skaterschuhe und grummelte Unverständliches. Die Felsen erwiesen sich als sehr stabil und so überwanden wir das Steinfeld schneller als zunächst angenommen.

Am Ende der Felsen hatten wir den ersten Gipfel erreicht. Vor uns erhob sich nun die zweite Bergspitze, die zutreffenderweise den Namen False Summit trägt. Von dem ersten Gipfel aus gesehen ist man stark versucht in der zweiten Spitze den höchsten Punkt des Berges zu sehen – doch wir hatten uns informiert und so ahnten wir schon das wir noch nicht so weit waren wie die tolle Aussicht vermuten ließ. Der Pfad führte uns an einer scharfkantigen Klippe entlang, zu der es direkt hinunter ins Amphitheater ging; auf der anderen Seite fiel Cascade Mountain etwas weniger steil zum Tal hinab. Etwa eineinhalb Stunden später erreichten wir False Summit. Der schmale Weg führte um die Spitze herum und als wir auf der anderen Seite ankamen, erblickten wir den höchsten Gipfel von Cascade Mountain in 2998 Metern Höhe. Hoch…sehr hoch…

Wie bei Rundle Mountain waren wir um jeden Müsliriegel und jedes Sandwich froh, das wir mit gebracht hatten. Bevor wir uns jedoch daran machten die zuletzt genannten zu verzehren tauchte die Idee auf sie aufzuheben und ein Festmahl auf der Spitze zu halten. Der Vorschlag wurde von uns allen (nicht so von unseren Magen) mit Begeisterung aufgenommen und so stapften wir einen Müsliriegel und etwas Wasser später weiter unserem Ziel entgegen. Wir erreichten nun den steilsten Teil des Berges, auch wenn dieser bei weitem (!) nicht so anstrengend war wie The Dragon’s Back. Im Gegensatz zu Mount Rundle war die Spitze von Cascade Mountain sehr SEHR windig. Mit jedem Schritt mit dem wir uns den Wolken weiter näherten hießen uns die Luftelementare mit mehr Enthusiasmus willkommen.

Dort! Endlich! Da war es wieder, dieses unsterbliche Gefühl auf dem Gipfel. Nach sechs Stunden hatten James, Joe und ich unser Ziel erreicht. Die Aussicht war wieder atemberaubend und mir fiel als ich die Größe und die Farben der umliegenden Landschaft in mich aufsog folgendes auf: Mount Rundle. Der Riese thronte auf der anderen Seite des Bow Tals und es war ein seltsames, schwer zu beschreibenden Gefühl den Berg auf der anderen Seite zu sehen und zu wissen, dass ich genau dort vor einem Monat stand und dorthin sah, wo ich jetzt in genau diesem Augenblick stand. Fascinating.

Wir waren nicht die einzigen auf der Spitze. Alles in allem war auf Cascade Mountain wesentlich mehr los als auf Mount Rundle. Auch einige Kuriositäten gab es hier zu sehen; so zum Beispiel einige Jungs die mit Golfschlägern unterwegs waren und die kleinen weißen Bälle schwungvoll irgendwo ins Tal befördern. Eine sehr coole Idee! Oder ein Québecer der sich im kalten Wind komplett nackt auszog und sich von seiner Begleiterin photographieren ließ. Er war nebenbei bemerkt ein großer Verfechter eines unabhängigen Québec und es war mir eine Freude mit ihm über diese Belange zu diskutieren. Ein sehr interessantes Thema. Den Japaner, dem wir auf Rundle begegneten, konnte ich leider nicht erspähen, doch er war ziemlich sicher auf einem der Gipfel die ich von hier oben sehen konnte. ;)

Der Abstieg verlief schnell und unspektakulär. Aufgrund James Schuhen versuchten wir die Felsen an der ersten Spitzel zu umgehen und versuchten daher eine alternative Route um die Spitze herum……wie sich dann herausstellte gab es dort genauso viele Felsen. XD Das Wetter blieb fabelhaft und das Klettern war nach wie vor ein großes Vergnügen. Unterhalb der Baumgrenze wunderten wir uns wie lange der Weg hinab ins Tal war und umso freudiger begrüßten wir das erste Murmeln des Baches. Kurz darauf erreichten wir unseren Truck. Nun ja, nicht ganz. Eigentlich wäre dies die Zeile in der so etwas wie „und dann fuhren wir zurück in die Stadt“ zu lesen sein sollte. Tatsächlich jedoch erreichten nur James und Joe den Truck – ich blieb kurz davor stehen.

Da war etwas schwarzes auf einem der Felder von Norquay Mountain. Rasch holte ich meine Kamera hervor und versuchte so nah wie möglich heran zu zoomen um zu sehen ob dort oben vielleicht ein Bär aufgetaucht war! Und tatsächlich, zusammen mit dem optischen und digitalen Zoom konnte ich einen Bären erkennen! Was für ein perfekter Abschluss der Wanderung! :)

So, jetzt aber! Und dann fuhren wir zurück in die Stadt. Und latürnich kehrten wir wieder in einem der örtlichen Restaurants ein; bei einem hervorragenden, mexikanischen Mahl und eiskalten Margaritas – die ich vorher noch nie getrunken hatte, sehr schmackhaft! – entspannten wir uns und sprachen über den Berg (und über James‘ nun unbrauchbaren Skaterschuhe ;)). Wir fühlten uns sehr wohl, wozu auch all die Erdnüsse beitrugen, die man zu Massen kostenlos bekam und deren Schalen man einfach auf den Boden werfen konnte. Irgendwann merkten wir dann das die Pausen zwischen unseren Sätzen immer länger wurden und der Zeitpunkt des Aufbruchs war gekommen. An diesem Tag hatten wir in zehn Stunden eine Strecke von über 18 km zurück gelegt und sind über 1460 m hinauf geklettert. Es war herrlich. :)

Ich liebe die Berge.

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Galerie

Genießt die Aussicht. :D

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