Stories around a small town in the mountains

Es gibt diese Augenblicke die wie dafür geschaffen sind mit einem neuen Reisebericht zu beginnen. Diese treten bei mir bevorzugterweise um zwei Uhr des Nachts in Erscheinung – der Stunde der Schreiberlinge. Gerade jetzt ist ein solcher Moment und mit Begeisterung schreibe ich diese Zeilen! Die letzten zwei Wochen waren voll von herrlichen Ereignissen, von denen einige ausnehmend bemerkenswert waren und mir für eine sehr lange Zeit in Erinnerung bleiben werden. Wenn ich meine Gedanken nun schweifen lasse und noch einmal die Ereignisse näher betrachte, so wird mir wieder einmal klar, dass es unmöglich ist all das Erlebte in allen Einzelheiten zu beschreiben. Aber das ist auch gar nicht nötig. Mit meinen nachfolgenden Worten möchte ich euch mitnehmen auf eine kleine Reise rund um Banff; zu hohen Bergen, eisigen Gletschern, reißenden Flüssen, gewaltigen Seen und … hohen Elektrizitätsmasten. Außerdem erwartet euch eine spektakuläre, vielfältige Photoserie am Ende dieses Beitrags.

Neben meinem Job ist mein Leben in Banff vor allem von zwei Dingen geprägt: Der Natur und der Kunst. Erstere ist allgegenwärtig und wenn man gerade dabei ist sich zu sehr an die Gebirgsszenerie zu gewöhnen erinnert einen der junge Rehbock, der plötzlich hinter einer Ecke hervor schreitet, wieder daran an welchem Ort man sich eigentlich befindet. Die Kunst genieße ich vor allem in Form von Musik und Filmen, von denen ich später noch einiges berichten werde. Ich bin viel gewandert und habe gleichzeitig viele wundervolle Abende im Jazz- Club verbracht. Auch in den letzten Wochen habe ich wieder viel außerhalb der Stadt und innerhalb der Grenzen des Banff Centre erlebt. Lasst uns also mit unserer kleinen Reise rund um Banff beginnen.

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Zunächst schauen wir uns einmal näher auf dem Campus um. Ah, da, direkt neben dem Gebäude, in dem sich Vistas und das Recreation Centre befinden, ist eine Ansammlung von einigen Bäumen zu sehen. Und dort, zwischen den Baumstämmen, können wir einige seltsame Konstruktionen erkennen; Seile hängen zwischen den Bäumen; einige Leute stehen um einen Mast herum und schauen in die Höhe. Das schaut spannend aus, sehen wir uns das einmal näher an!

Das Banff Centre ist wie bereits vielfach erwähnt nicht nur ein Versammlungsort für Kreative, es ist ebenso ein Leadership Development Centre. Manager aus aller Welt bilden sich an diesem Ort weiter und lernen auf vielfache Weise neue Aspekte ihrer Arbeit. Der Standort des Banff Centre fließt auch hier in das Training mit ein. Ein wichtiger Aspekt sind Outdoor Übungen, die auf abwechslungsreiche Art und Weise die einzelnen Punkte verdeutlichen. Eine dieser Übungen ist der so genannte Ropes Course („Seilkurs“) , der Managern die Teamarbeit näher bringen und verdeutlichen soll, dass ein gutes Team und Zusammenarbeit die Basis für ein erfolgreiches Unternehmen ist. Erfreulicherweise wurde im Juni ein solcher Kurs auch für Staff Member angeboten.

Ich habe an dem Kurs teil genommen und hatte schon im Vorhinein viel gutes darüber gehört. Die beiden Kursleiter waren sehr nett (und einer erinnerte mich mit seinem Humor und seiner Offenheit an meinen lieben Onkel Martin in Österreich :D); die zwei unterschiedlichen Übungen, die wir in knapp vier Stunden bewältigten, waren recht….ungewöhnlich. Es sei denn man springt täglich von 10- Meter Masten ins Nichts. o_O Japp, genau das war die erste Übung! Gesichert durch Seile, die von dem Rest des Teams gehalten wurden, kletterte man einen modifizierten ehemaligen Elektrizitätsmast herauf, richtete sich dann oben zu voller Größe auf und…

…sprang. Diejenigen unter euch die öfter ins Schwimmbad gehen sind sicherlich mit den 10- Meter Sprungtürmen vertraut. Der große Unterschied hierbei ist, dass man bei diesen Türmen Wasser unter sich hat und man weiß, das man nicht auf den Boden aufprallt. Nun ja….bei dem Mast blickt man aber eben genau auf eben diesen, den Grund der Erde – und man hat kaum Platz genug für die beiden Füßen zum Stehen! Um dem Sprung ein Ziel zu geben hängt in etwa 1,5 Metern Entfernung vor einem ein Schaumstoff- Dingens (irgendwie trifft dieses Wort ziemlich genau auf das Ding zu ^^), das man hauen, treten oder mit dem Kopf wegbangen kann. Ich habe mich für letzteres entschieden.

*hüpf* … *bang* … *wuhuuu!* :D

Mit dem Kopf gegen das Schaumstoff Ding. Auf dem Mast stehend bedurfte es einer gewissen Überwindung mit dem Kopf voran 1,5 Meter ins Nichts zu springen und zu hoffen, dass die Seile halten. Tatsächlich war das ganze System extrem sicher. So sicher, dass es anstelle von sechs Teammitgliedern, die die Seile mit ihren beiden Händen festhielten, eigentlich nur einer einzigen Person bedarf hätte, die mit zwei Fingern (!) ein Seil hätte halten müssen. Durch viele Verwinklungen der Seile wurde die Kraft minimiert, die benötigt wird um einen menschlichen Corpus zu halten. Übrigens musste keiner springen wenn er nicht wollte. Aber hey, darum waren wir ja hier. ;)

Das Gefühl des Springens war erfüllend wie atemberaubend und kurz. Viele von uns wollten noch einmal springen doch leider hatten wir dazu keine Zeit, denn…

…es gab noch eine zweite Übung! Diese bedurfte noch etwas mehr Teamwork und war insgesamt auch etwas komplizierter. Hm… *grübel* …gar nicht so einfach zu beschreiben was wir da gemacht haben. Nun, ihr könnt euch das in etwa wie folgt vorstellen: Zwischen zwei Bäumen waren zwei Seile gespannt, jedoch nicht komplett parallel. Zwei Teammitglieder, wieder durch Seile gesichert, kletterten einen der Bäume herauf und ihr Ziel war es nun, gemeinsam die andere Seite zu erreichen. Dazu mussten sie beide über die Seile laufen und sich gegenseitig mit den Händen aneinander abstützen. Aufgabe der anderen Mitglieder war es nun die Seile entsprechend zu justieren. Vier Teammitglieder konnten über Seile die Kletterer unterstützen indem sie sie z.B. fest anzogen. Ein weiteres Quartett musste die Seile nachziehen damit sich die Kletterer vorwärts bewegen konnten. Teamwork und Kommunikation spielten bei dieser Übung also eine essenzielle Rolle. Die Übung wurde aufgrund der nicht parallelen Spannseile immer schwerer und schwerer. Zu Beginn waren sie nahezu parallel, dann wurde der Abstand zwischen den Seilen immer größer. Am Ende der Strecke lag man fast waagerecht parallel zum Boden! Besonders spaßig wurde die Übung als ich mit meiner Kletter- Partnerin oben war und der Wind plötzlich zunahm. *schaukel, schaukel* ^^ Auch bei dieser Übung musste man wieder Vertrauen in das Team haben und nur gemeinsam konnte die Aufgabe gelöst werden. Insbesondere mit seinem Kletter- Partner musste man sehr stark zusammen arbeiten. Ich habe den Ropes Course sehr genossen – es hat SEHR viel Spaß gemacht! Wenn er noch einmal angeboten würde würde ich in jedem Fall noch einmal daran teilnehmen. :)

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Nachdem wir nun also gesehen haben, dass man auch innerhalb der Grenzen des Banff Centres abenteuerliche Dinge erleben kann (wie überall an jedem Ort der Welt!), verlassen wir nun das Centre und die kleine Stadt und wenden uns gen Norden.

Im Juni, dem Beginn der Sommer Saison, veranstaltete BanffLife eine Willkommens- Woche. BanffLive ist eine von der Kirche und der Stadt gleichermaßen finanzierte Organisation, die es sich das Ziel gesetzt hat, Neuankömmlingen im viel besuchten Banff den Einstieg zu erleichtern. Jede Woche am Donnerstag ist „Free Pasta Night“ und man trifft viele neue Leute. Über BanffLive lernt man schnell Leute kennen und findet neue Freunde. Das ist zwar etwas aufwendiger als bei Facebook einfach auf „Freund hinzufügen“ zu klicken, währt dafür aber auch länger. ;) In dieser Woche gab es noch mehr Events als sonst und zudem eine große Zahl an Ausflügen, die alle komplett kostenlos waren. Ich kam mit dem Ankreuzen der Ereignisse an denen ich teilnehmen wollte gar nicht mehr hinterher. ^^ Am Banff Centre war in dieser Woche auch einiges los und so musste ich mir sehr genau überlegen, wie ich wann wo hin gehe. Ich habe mich nach einigem überlegen für eine Eiswanderung auf dem Athabasca Gletscher entschieden, der dem berühmten Columbia Icefield entstammt. Gewöhnlicherweise fährt man mit einem gewaltigen Eisbus (in den schönen Farben rot und weiß, siehe Bilder am Ende des Beitrags) den Gletscher empor, hört sich einige Fakten über das Eis an, steigt aus, läuft 20 Minuten in einem kleinen abgesperrten Bereich herum, macht Photos, lässt sich photographieren, steigt wieder in den Bus und fährt zurück. Alles in allem klingt das ziemlich langweilig, oder? Nun, ist es auch. So sagen zumindest einige Leute vom Centre, die diese Tour gemacht haben. Im Endeffekt nicht mehr als eine eindrucksvolle, langsame Busfahrt. Langsam daher, weil die so genannten „Ice Explorer“ maximal 15 km/h fahren können.

Im Gegensatz zu diesen normalen Bus Touren habe ich an einer waschechten Eiswanderung teilgenommen! Yay! :) Nach einer zweieinhalbstündigen Busfahrt mit einem normalen Bus (mit normaler Geschwindigkeit) durch das beeindruckende Panorama der Rocky Mountains war die ganze Gruppe am Boden des Gletschers angekommen. Zusammen mit einem Guide (aus Neuseeland) haben wir uns dann an das Besteigen des Athabrasca Gletschers gemacht. Am Boden war es extrem windig und seit langer Zeit fand mein Yukon-ich-widerstehe-jeder-Kälte-und-halte-dich-warm-und-sehe-auch-noch-gut-aus-Jacket wieder Verwendung. Zwei Stunden lang waren wir auf dem Gletscher, der an seiner dicksten Stelle ca. 300 Meter (!) misst. Wir sind sozusagen auf einem Eis- Eifelturm gelaufen. So beeindruckend die Zahlen über den Gletscher und das über ihm liegende Columbia Iceflied auch waren, wesentlich beeindruckender war für mich das glänzende Weiß an sich. In der Mitte des Gletschers stehend hatte ich mehr als einmal den Eindruck, auf der Oberfläche eines anderen Planeten zu stehen. Wäre das Eis von rötlicher Farbe gewesen hätte ich mich wie auf dem Mars gefühlt. Das Wasser war glasklar und schien durch das darunter liegende Eis in einem hellen, freundlichen Blau. Die Wanderung war ein großer Spaß, was vor allem unserem netten und humorvollen Guide zu verdanken war.

Auf der Rückreise vom Athabrasca Glacier ereignete sich dann etwas, womit ich nicht gerechnet hatte. Und so kam es das uns ein Schwarzbär begegnete. Ihr habt richtig gelesen, ein Schwarzbär! Juhuuu!!! :D Mein Herz hüpfte vor Freude! Mein erster Bär in Canada! Doppeljuhuu!!! :) Der recht kleine Schwarzbär graste (ja, graste) neben dem Highway und verschwand einige Minuten später aufgrund der Touristen, die aus den Autos stiegen um Photos zu machen. Die Photos weiter unten von dem Bären sind aus dem Fahrzeug heraus aufgenommen worden. Der Bär war der perfekte Abschluss der Tour. Welch wundervolle Geschöpfe.

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Im Westen von Banff war es, wo ich ein Erlebnis von solcher Kraft erlebte, dass es auf immerdar in meinen Erinnerungen bleiben wird. Vor nicht allzu langer Zeit habe ich mit Begeisterung, Enthusiasmus (einer Menge davon ;)) und großer Freude an einer weiteren Tour teil genommen. Es gibt nicht viele Dinge auf dieser Welt die SO VIEL SPAß machen das man vor Vergnügen einfach nur noch lacht und lauthals seine Freude in die Welt hinaus schreit. :D Eines dieser Dinge ist Wildwater Rafting auf dem rauschenden Kicking Horse River.

Am 28. Juni bin ich mit zusammen mit einigen anderen Servern und Leuten vom Centre zu einer vierstündigen Wildwater Rafting Tour aufgebrochen. Und_es_war_großartig! Gemeinsam mit etwa 40 anderen Leuten, die sich später auf acht Boote aufgeteilt haben, lauschten wir den Anweisungen der Guides. Bevor es jedoch so weit war rüsteten wir uns mit allerlei Kleidung aus. Um nicht zu nass zu werden (auch wenn das mitunter einer der Gründe ist warum man Wildwater Raften geht) bekommt man einen Ganzkörperanzug, dem von Tauchern nicht unähnlich. Dazu ein entsprechend passendes Paar Gummischuhe. Darüber ein Flies um warm zu bleiben (ggf. auch zwei), darüber wiederum eine Regenjacke. Darüber wiederum eine Schwimmweste. Ein Helm auf den Kopf und man kommt sich vor wie ein Wasser- Murmeltier. Fertig angezogen – was latürnich eine Weile gedauert hat – sind wir vom Basiscamp aus dann zum Kicking Horse gefahren. Die Wrafting Company benutzte dazu ausgediente canadische Schulbusse – die schönen Gelben, die ein bisschen altmodisch aussehen und mir so gut gefallen. :) Nach der Ansprache des Mainguides ging es dann los. Auf ins Nass! Jeder einzelne auf dem Raft blickte mit großen Augen dem Kommenden entgegen. Und jeder suchte mit selbigen den Verlauf des Flusses ab, auf der Suche nach den ersten Stromschnellen…

Die erste halbe Stunde war sehr unspektakulär und mehr ein „ich schau mir die schöne Landschaft an und halte nach Bären Ausschau“- Trip. Unser Guide Rod, der mir sehr sympathisch war und ist, erzählte uns einige amüsante Geschichten und zeigte uns die Gegend vom Fluss aus. Bei all den Guides denen ich bisher begegnet bin (und mit denen ich bei Muktuk zusammen gearbeitet habe) ist mir aufgefallen, dass sie alle über ein großes Repertoire an lustigen Geschichten und Anekdoten verfügen. Für jeden Guide erscheint mir das neben einem kumpelhaften Wesen von großer Wichtigkeit zu sein. In diesem ruhigen Abschnitt der Tour hatten wir alle die Möglichkeit im Fluss schwimmen zu gehen. Wegen der Strömung musste man sich am Raft fest halten. Trotz all der Kleidung war das Wasser unfassbar kalt. So kalt! Direkt von den Bergen – Herrlich! Ein bisschen Stolz schwingt in meiner Stimme mit wenn ich schreibe, dass ich der erste war der ins Wasser sprang. :D

Einige Anekdoten später kamen dann endlich die ersten Stromschnellen in Sicht! Mittlerweile hatte uns Rod mit den unterschiedlichen Leveln vertraut gemacht, in den diese eingeteilt werden. Level 1 ist recht harmlos, es spritzt lediglich etwas Wasser. Bei Level zwei kann man dann schon richtig nass werden und Level 3 garantiert ein unglaubliches Erlebnis. Bei Level vier ist man dann einfach nur noch glücklich und spürt mit jedem einzelnen Wassertropfen das man am Leben ist. YEAH!!!! :D Level fünf….nun Level fünf haben wir nicht ausprobiert da dieser Level als unwraftbar gilt und mit hoher Wahrscheinlichkeit mit dem Tod endet. Der Kicking Horse River hat seinen Namen voll und ganz verdient. Das Raft ist teilweise bis zur Hälfte unter Wasser getaucht! An einer Stelle haben wir auf dem Fluss durch Level 2 – 3 Stromschnellen über 100 Höhenmeter in wenigen Minuten zurück gelegt. Die ein oder zwei Level 4 Stromschnellen sahen schon von weitem beeindruckend aus, ähnlich einem Loch im Wasser. „Wuuuuuuuuuuuuuhuuuuuuuuuuuuu“ erschallte es im Tal als wir mit dem Raft direkt in die Stromschnelle vor schossen. WOW, einfach nur WOW!

Ich glaube ich habe meinen Respekt vor sämtlich Wasserbahnen in Erlebnisparks verloren. Das ist nichts im Vergleich zu echtem Rafting. :) Wildwater Rafting – eine der tollsten Erlebnisse die man erleben kann. Ich empfehle es jedem von euch SEHR. Für diejenigen unter euch die in den Alpen wohnen: Ich habe von einigen tollen Flüssen in der Schweiz gehört, auf denen gewraftet werden kann. Martin, wenn ich das nächste Mal in Kufstein bin weisst du schon was wir alle zusammen machen werden. ;) Auch wenn der Ropes Course und der Athabrasca Glacier toll waren – das Wrafting war für mich der absolute Höhepunkt im Juni und setzte dem Monat gen Ende die Krone auf. :D Für dieses Erlebnis hat die deutsche Sprache nicht genügend Superlative.

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Der Juni war ein durch und durch ereignisreicher Monat, wie sich sicher schon anhand des bisher Geschriebenen erahnen lässt. Neben den oben genannten Touren habe ich latürnich auch wieder an einigen Veranstaltungen am Banff Centre teil genommen. Dabei hat vor allem eine Reihe von Film Vorstellungen meine Aufmerksamkeit erregt. An drei Abenden wurde auf einem großen Bildschirm jeweils eine Auswahl der Filme des Banff Mountain Film Festival von 2oo8 gezeigt. Ich hatte bei BanffLive (Pasta Night ^^) durch Zufall einen der Filme gesehen. Die Aufnahmen waren derart beeindruckend das ich nicht eher aufgestanden bin als das der Film sein Ende erreicht hatte. Diese prächtigen Bilder in mind….ähm….im Kopf, habe ich mich auf die Tickets gestürzt. Die ersten beiden Screenings habe ich mir mit meinem guten Freund Michael zusammen angeschaut.

Meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht! Die Filme waren fern davon als „gewöhnlich“ bezeichnet zu werden und zeigten ein großes Spektrum an Outdoor- Aktivitäten: Base- Jumping, Klettern, Mountain Biking, Kanu- fahren, Ski- fahren, Snowboarden, Paragliding und alles mögliche dazwischen. Hinzu kamen einige Filme über (Berg) Kultur und Expeditionen. So wurde zum Beispiel auch ein Film gezeigt, der von dem Kampf einiger Fischerdörfer in Alaska handelt, welche sich einem Konzern, der dort eine gewaltige neue Miene errichten will, entgegen stellen. Sehr spannend und selten habe ich bei Filmen so lange mit offenem Mund da gesessen. „That’s impossible“ und „These guys are crazy“ waren Sätze die (sicher nicht nur) mir durch den Kopf gingen.

Neben dem sehr beeindruckenden Kletter Film „The Sharp End“ hat mich vor allem „Journey to the Center“ beeindruckt, in dem drei Base Jumper zu einer gewaltigen Grube in der Erde reisen, um sich dort einen Traum zu erfüllen. Wenn auf der Welt ein Meteorit einschlägt und im durch den Aufprall entstehenden Loch im Laufe der Jahrtausende ein Urwald entsteht würde es in etwa so aussehen. Den Trailer zu dem Film könnt ihr euch erstmals hier direkt im Blog anschauen. Sehr stimmugsvoll!

Neben den Filmen habe ich auch eine innovative wie ungewöhnliche Tanzshow gesehen, die den Namen „Busk II“ trägt. In dieser Show zeigen viele junge Tänzer aus Nordamerika und den USA ihr Talent. Die Show war durch und durch beeindruckend, die erste Vorführung dieser Art die ich je gesehen habe. Viele waren von dem Gezeigten sehr angetan und das Feedback für die Choreographin Azure Bartin war sehr positiv. Mir allerdings fehlte etwas bei der Show: Eine Geschichte.

Ich liebe das Theater, Opern und Operetten und in all diesen wird eine Handlung erzählt; Charaktere beherrschen die Bühne und wir lassen uns verzaubern von einer Welt, der dort vor uns im Spiel und Gesang Leben eingehaucht wird. In Ansätzen gab es auch in Busk II immer wieder kurze Handlungstricke, die sich jedoch im Nichts verloren. Man kann es ganz gut mit Filmen vergleichen – die Tanzvorführung erscheint mit wie ein cooles Action- Movie, welches unterhaltsam ist aber darüber hinaus kaum die Gedanken des Zuschauers beschäftigt. Eine Oper wiederum wirft vielleicht einige Fragen auf, über die man später nachdenkt oder man diskutiert mit seinen Freunden über die Charaktere und die schauspielerische Darstellung. Busk II war ohne Frage sehr unterhaltsam und die Tänzer verstanden es mit ihren teilweise sehr unnatürlichen Bewegungen zu beeindrucken; eine gute Tanz- Show mit stimmungsvoller Musikuntermalung. Ich habe erkannt, das ich mich für Tanzshows nicht wirklich begeistern kann – ich bevorzuge Konzerte oder wie bereits erwähnt ein Bühnenstück mit einer Geschichte…

…was mich nicht davon abhielt mir einige Zeit später eine Balletvorführung anzusehen. Es war eine sehr spontane Entscheidung und, nun, nennen wir es „interessant.“ Ich habe schnell (sehr schnell ;)) erkannt das ich Ballet ganz und gar nichts abgewinnen kann. Von Azures Busk II gibt es ein sehenswertes Video auf youtube, welches ich euch allen sehr empfehlen möchte [Link].

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Auf dem nächsten Abschnitt unserer kleinen Reise um Banff herum gesellt sich mein guter Freund Michael zu uns. Hello my friend. ;) Im letzten Monat haben wir beide viel Zeit miteinander verbracht. Wir haben nicht nur zwei der drei Film Vorstellungen des Mountain Film Festivals gesehen, sondern auch sonst eine Menge zusammen gemacht. Über diese Ausflüge möchte ich euch nun berichten – in Michaels Blog kann man schon seit einigen Wochen einen langen und ausführlicher Bericht über unsere gemeinsamen Erlebnisse lesen sowie eine ganze Menge Photos betrachten.

Wie ich in meinem letzten Bericht bereits erwähnte, haben wir zusammen Crazy- Chipmunk- Mountain (auch Sulphur Mountain genannt), bestiegen. Diese kleine Tour war große Klasse und hat uns viel Freude bereitet. Als wir oben auf Sulphur standen, da ahnten wir beide noch nicht das diese Wanderung erst der Beginn zu einer weitaus längeren Tour war. Dazu später mehr. Von der Spitze des Berges aus konnte man weit in das Bow Valley hinaus blicken und die Aussicht war toll! Meine Augen schweiften über das Tal, betrachteten die Wälder, Berge und den Bow River, der sich genügsam zwischen den Bäumen der Waldlandschaft hindurch schlängelte. Und da! Am Horizont, umgeben von einer Reihe hoher Berge, da sah ich etwas glitzern. In einem hellen blau wie man es sich blauer nicht wünschen konnte, sah ich dort einen gewaltigen See. Lake Minnewanka! Ich hatte den See mit indianischem Namen schon beinahe vergessen, war er doch sehr einfach mit einem Auto oder Mountain Bike zu erreichen, zu Fuß jedoch lag er ziemlich weit weg.

In jenem Moment auf Sulphur Mountain entbrannte in mir erneut der Wunsch zu diesem See zu gelangen und so erzählte ich meinem Wandergefährten von meiner neuen Idee. Er war gelinde gesagt begeistert, insbesondere, als ich ihm noch ein wenig mehr über Lake Minnewanka erzählte. Bis wir uns dann tatsächlich zum See aufmachten sollten noch mehrere Tage vergehen – in der Zwischenzeit besuchten wir die Upper Hot Springs, die ich trotz meines mehrere Monate währenden Aufenthalts in Banff noch nicht besucht hatte. Bei Touristen sind Hot Springs generell sehr beliebt und überall wo es welche gibt, kann man davon ausgehen, dass sich viele Menschen um die Badehäuser drängen. Dennoch wäre es irgendwie schade die Hot Springs nicht gesehen zu haben und so entschieden wir uns eines Tages kurzfristig dem Badehaus einen Besuch abzustatten. Es ist ganz nett dort oben, wenn auch nichts besonderes. Die Hot Springs bestanden aus nicht viel mehr als einem Becken sehr (!) heißem Wassers. So heiß, dass es mir unmöglich war unter Wasser die Augen zu öffnen, was ich sonst mir Vorliebe tue. Aber hey, nicht alles muss etwas besonderes sein (wie könnte man sonst auch ein besonderes Erlebnis von einem eher gewöhnlichen unterscheiden?). Erfreulicherweise waren weniger Touristen dort als ich zunächst vermutete. :)

Von der Vorstellung, in von der menschlichen Zivilisation unberührten heißen Quellen auf einem Berg inmitten des Nirgendwo zu baden bin ich nach wie vor entzückt.

Einige Tage später machten Michael und ich uns auf zum See Minnewanka. Wir waren uns beide nicht ganz klar darüber wie weit der See denn nun tatsächlich entfernt war und so haben wir uns zuvor bei Park Canada informiert. Diese empfahlen uns mit dem Bus oder einem Mountain Bike zum stillen Gewässer zu fahren und dann mit unserer Wanderung zu beginnen. Allgemein – so Park Canada – würde kaum jemand zum See wandern, da man in diesem Fall kaum Zeit beim See selbst verbringen könnte. Den Hin- und Rückweg könne man in etwa 8 Stunden bewältigen. Michael und ich schauten uns an und uns war beiden klar das wir kein Geld (der Bus war ziemlich teuer) für den Transport zum See ausgeben wollten. Unser Entschluss stand fest: Wir würden zu Fuß zum See laufen, auch wenn das bedeutete, dass wir erst um 3 Uhr nachts zurück in Banff sein würden. Bevor es los ging statteten wir uns noch mit den nötigen Vorräten aus und haben zudem etwas erstanden, von dem wir beide sehr angetan waren und sind. Michael wollte sich aufgrund des warmen Klimas eine Bandana kaufen und als wir dann in einem leicht abgefreakten Laden mit Mode im 80er Jahre Stil ankamen, war ich von den Bandanas ebenfalls sehr angetan. Sehr praktisch für längere Haare. Leider konnten sowohl der Ladenbesitzer als auch ich Michael nicht davon überzeugen, dass ihm eine rosa Bandana gut stehen würde. :P Er wählte am Ende eine rote aus, ich habe mich mit einem braunen Tuch bestückt. Als wir unsere neuen Hauptbedeckungen aufsetzten (was mir am Anfang gar nicht so leicht viel) kamen wir uns beide wie Piraten vor. Arrrrr! :) Wir verbrachten in Banff etwas mehr Zeit als zunächst angenommen und mittlerweile wurde uns beiden klar, dass wir nicht vor 5 Uhr morgens des nächsten Tages zu Hause ankommen würden. Diese Tatsache haben wir dann gekonnt ignoriert, da wir unbedingt noch an diesem Tag zum See wollten. Der Gedanke an eine Nachtwanderung war zudem ausgesprochen angenehm.

Unser Fußmarsch führte uns zunächst der Länge nach durch Banff (auch durch den Teil, den die Touristen gewöhnlich nicht besuchen) und dann an einer langen Hauptstraße entlang, die zum Highway führte. An diesem ersten Teil der Strecke wäre ein Mountain Bike tatsächlich sehr praktisch gewesen. Neben der Straße laufend, über alles Mögliche und Unmögliche plaudernd, näherten wir uns schnell dem Highway, den wir ebenso schnell hinter uns ließen. Hinter dem Highway bestimmte die Natur rasch wieder das Bild und wir freuten uns beide schon sehr auf den See. Zu unserer Linken erhoben sich majestätische Berge, vor uns stieg der Weg an und verschwand im Dunkelgrün der Wälder. Wir wollten gerade weiter wandern, da fiel mein Blick auf eine Bewegung links von uns. Auf dem Berg, dort, da bewegte sich etwas! Nein, kein Tier, sondern Wasser. Ein Wasserfall! Kaum einen Kilometer vom Highway entfernt glänzten die in die Tiefe fallenden Wassermassen in der Sonne. Wieder blickten Michael und ich uns an und binnen Sekunden fassten wir den Entschluss zum Wasserfall zu wandern. Nahe der Straße fanden wir einen Weg, der mir auf Anhieb sympathisch war: Leicht ansteigend, links und rechts mit Sträuchern und Bäumen bewachsen, die teilweise sich wie Geliebte über dem Pfad trafen. Einige Blumen durchbrachen das Grün. Die Sonne ließ Pflanzen, Steine und Stämme in kräftigen Farben erstrahlen. Und da war es! Von dem Moment an als wir unsere Schritte auf den Pfad lenkten, vernahmen wir dieses wunderbar rein klingende, verheißende Rauschen. Kein plätschern, nein, ein kraftvoller Zeuge des immerwandelnden Elements. Meine Schritte bewegten sich rascher dem Ziel entgegen. Und mit jedem Schritt wurde das Rauschen lauter. Einen Busch beiseite schiebend offenbarte sich mir und meinem Begleiter ein herrlicher Anblick: Vor uns erhob sich der Aufstieg zu einer Gebirgswand, von der das Wasser herunter stürzte. Der Wasserfall war recht hoch und voller Freude über unsere Entdeckung machten Michael und ich uns daran ein wenig höher zu klettern. Wir füllten unsere Wasserflaschen mit dem herrlich kühlen und wohl schmeckenden Gletscherwasser auf und ließen uns etwas weiter oben zu einer Rast nieder. Dort verzehrten wir einen Teil unserer Wegzehrung: Baguette, Früchte und Granola- Bars (auch Müsli- Riegel genannt, klingt aber bei weitem nicht so cool ;)). Während wir aßen genossen wir die Aussicht, den nahen Wasserfall und die Vielfältigkeit unserer Kameras. Unsere Begeisterung für Piraten kombiniert mit unserer Begeisterung für die Bandanas brachte eine große Zahl an Photos hervor, von denen ihr euch auch einige in der Galerie anschauen könnt. Die Zeit die wir rasteten fühlte sich genau richtig an: Nicht zu lange und nicht zu kurz.

Wenig später befanden wir uns wieder auf unserem Weg zu Lake Minnewanka. Wir folgten der Straße durch einen schönen Wald, nebenbei passierten wir ein altes Mienen- Dorf, und schließlich erreichten wir nach einem insgesamt ca. vier Stunden langen Marsch unser Ziel. Es war schon recht spät und die Dämmerung war bereits abzusehen. Kaum am See angekommen, peitschten uns schon die ersten Windböen entgegen – es war wirklich sehr windig. Doch als Pirat sollte man mit Wind klarkommen. ;) So ließen wir uns also an einem netten von Felsen gesäumten Seeufer nieder und machten uns daran den Rest unserer Vorräte zu verspeisen; unter anderem eine tolle runde Wassermelone und eine Papaya. Der Wind nahm weiter zu, dennoch sahen wir uns noch eine kleine Halbinsel nahe des Ufers an. Wie wir uns schon vorher dachten, hatten wir nicht mehr allzu viel Zeit um in der Gegend herum zu wandern. Gestärkt durch unser vorzügliches Mahl machten wir uns also wieder auf den Rückweg. Und dieser sollte anders verlaufen als vermutet. Ganz anders.

An dem Punkt wo Straße und See sich trafen sahen wir auf dem Rückweg einen der typischen canadischen 4×4 Pickup- Trucks; dieser donnerte von Seitenstraße zu Seitenstraße und wir waren uns ziemlich sicher, dass da jemand keine Ahnung hatte wo er lang fahren sollte. Während der Truck also mehrere Male unserem Sichtfeld entschwand, nur um dann mit lautem Motordröhnen wenige Momente später wieder in selbigem aufzutauchen überlegten Michael und ich, ob wir nicht hitchhiken sollten. Auf unserem Weg zurück von Sulphur Mountain hatte das sehr gut funktioniert, doch an diesem Tag übertraf sich die legendäre canadische Gastfreundschaft selbst. Nachdem er anscheinend alle möglichen Wege uns Straßen ausprobiert hatte hielt der Truck plötzlich an und der Fahrer streckte seinen Kopf zum Fenster raus. „Do you guys need a ride?“ Ja klar! Michael und ich waren überrascht. Gewöhnlicherweise ist Hitchhiking eine Geduld erprobende und mitunter langwierige Tätigkeit, doch unsere Erfahrungen zeigten uns das Gegenteil. Nicht nur das uns am Fuße Sulphur Mountains der erste Wagen mitgenommen hatte, nein, jetzt wurde uns sogar angeboten mitzufahren ohne das wir fragten! Wow. Mit diesem Gedanken im Kopf und einem breiten Grinsen im Gesicht warfen Michael und ich uns also auf die (ziemlich gemütlichen) Rücksitze des Wagens. Mike, der Fahrer, war mit seinem Neffen unterwegs und nach einer freundlichen Begrüßung trat Mike dann das Gaspedal. Sein Fahrstil war gelinde gesagt gewöhnungsbedürftig, doch stellte sich rasch heraus, das er die Gegend extrem gut kannte. Auf dem Weg nach Banff überraschte uns Mike dann mit der Frage, ob wir ein paar Bären sehen möchten. Bären? Bären! Mike lebte seit vielen Jahren in Banff und wusste genau wo er Bären finden konnte. Er wollte seinem Neffen einige zeigen und das war auch der Grund warum er all die Straßen absuchte. Mike kannte, nebenbei bemerkt, sogar einen meiner Supervisor ziemlich gut. Und so rauschten wir an Banff vorbei, auf den Highway (der nachts ziemlich cool aussieht) und fuhren weiter zum nahen Skigebiet, Sunshine Village. Die Fahrt dauerte eine Weile und die Gespräche mit Mike und seinem Neffen waren witzig und unterhaltsam. Lange Zeit sahen wir keine Bären, nicht einmal an den Stellen wo sie sonst sehr häufig anzutreffen seien. Gerade wollte Mike kehrt machen, da sahen wir zwei leuchtende Augenpaare in der Dunkelheit! Grizzlys!!! :D Mike fuhr ziemlich nahe an die beiden Wesen heran. In den Bäumen waren die Bären mehr als große, mächtige Schatten auszumachen, doch nach einigen Minuten kamen sie zur Straße herunter. Mike tat alles um ihre Aufmerksamkeit zu erregen; er stieg aus dem Truck und winkte den Grizzlys mit beiden Händen zu. Sein Neffe erzählte uns, dass Mike schon mal von einem Bären verfolgt wurde und auch sonst schon einige Erlebnisse dieser Art hatte. Er sei der Mann in Banff, der am meisten Bären in seinem Leben gesehen hätte.

Es war großartig, die beiden Grizzlys zu sehen – sie ignorierten Mikes Gesten und wanderten die Straße in entgegen gesetzter Richtung nach Sunshine Village entlang. Ich habe mich extrem darüber gefreut, die Bären, die vermutlich Geschwister waren, zu sehen. Die Fahrt mit Mike war ein unwirklich erscheinendes Erlebnis und vielleicht habe ich mir das auch alles nur ausgedacht und Michael und ich sind den ganzen Weg zurück nach Banff gewandert. Nun, wer weiss?

Michael und ich haben unsere Tour nach Lake Minnewanka unwahrscheinlich genossen. Das gemeinsame wandern, das Entdecken des Wasserfalls am Wegesrand, die Natur um uns herum – ein großartiger Wandertag. :) Für mich war der Weg in diesem Fall weitaus reizvoller als das Ziel; am See selbst haben wir im Endeffekt nur wenig Zeit verbracht. Der Wasserfall, den wir entdeckt haben, ist übrigens auf keiner der üblichen Wanderkarten für Banff und Umgebung zu finden. Japp, normalerweise geht niemand den Weg zu Lake Minnewanka – und die meisten verpassen somit das Rauschen, den schönen Pfad und den kurzen Moment der innerlichen Aufregung, bevor man den letzten Busch beiseite schiebt. Der Wasserfall war eine Bereicherung.

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Am 3o. Juni hatten Michael und ich uns zu Lake Minnewanka aufgemacht und am nächsten Morgen, dem ersten Juli, war Canada Day! An diesem Tag haben sich im Jahre 1867 im British North American Act die einzelnen Gebiete Nordamerikas zu einem Staat zusammengeschlossen. Ich bin immer wieder darüber erstaunt wie schnell die Zivilisation sich ausgebreitet hat. Als Abenteurer hätte man hier vor einigen hundert Jahren nichts als Wildnis und einige Ureinwohner vorgefunden. Und wieder beneide ich die Wikinger und Columbus. ;)

Überall in Canada wird der erste Juli mit Paraden, Musik und Tänzen gefeiert. So auch in Banff…..nun ja, fast. Latürnich gab es auch hier eine Parade, doch zum Unterschied zu vielen candischen Städten ist Banff nicht voller Canadier! Gerade im Sommer und im Winter besteht der allergrößte Teil der Bevölkerung aus Touristen. Und das konnte man leider auch bei der Parade spüren. Diese war nett anzuschauen (man ersetze „nett“ mit „großartig“ wenn man ein Fan von Cowboyhüten ist, für alle anderen war es eher kitschig ;)); Gruppen von Musikanten aus ganz Alberta ließen Trompeten und Flöten ertönen, Tänzerinnen zeigten ihr Können und Cowboys präsentierten sich auf nordamerikanischen Pferden. Zahlreiche Wagen fuhren die Straße entlang, die meisten waren von den lokalen Restaurants – typisch für Banff. ^^ Das Publikum säumte die Ränder von Banff Avenue in rot- weiß und überall war die canadische Flagge zu sehen. Eigentlich war alles da was für eine gute Parade gebraucht wird, nur eines – entscheidendes – fehlte: Die Stimmung! Es wurde nahezu kaum gejubelt und fast jeder Versuch die Menschen zu einem Canada- würdigen Jubel anzustimmen blieb unbeachtet. Hin und wieder erhob sich ein Klatschen oder ein Freudengesang, doch ich wage zu behaupten das für viele der Touristen Canada nur ein weiterer, teuer im Reisebüro gebuchter Urlaub ist. Gleich neben den Bildern der Sahara und asiatischer Kultur hatte man sich dieses Jahr für die unberührte Wildnis Canadas entschieden. Michael und ich haben uns davon latürnich nicht aufhalten lassen und den Canada Day genossen. Von der Parade findet ihr weiter unten lediglich eine handvoll Photos; Michael hat in seinem Blog eine große Zahl von schönen Bildern veröffentlicht die ihr euch unbedingt anschauen solltet. Nach der Parade haben Michael und ich den Tag mit Ruhe genossen und blickten mir großer Vorfreude dem Höhepunkt des Tages entgegen: Dem abendlichen Feuerwerk. Als es dann soweit war und die Sonne langsam hinter den Bergen verschwand, machten wir uns auf zum nahen Sleeping Buffalo Mountain (an anderer Stelle als Tunnel Mountain bezeichnet) um eine gute Sicht auf das Feuerwerk zu haben. Als wir auf der Hälfte des Berges angekommen waren kündigte das nahe Donnern über der Stadt an, dass wir etwas zu spät los gegangen waren. Schnell haben wir den nächsten schönen Platz mit freier Sicht gesucht und unsere Augen über Banff schweifen lassen. Und dort sahen wir sie, die Leuchtraketen, welche in vielen verschiedenen Farben explodierten und die Bergszenerie erhellten. Das Feuerwerk war schön wie einfach – sicher gibt es größeres an vielen Orten in Canada, doch die Kulisse war es, die diesem Feuerwerk seinen Reiz verlieh. Canada Day.

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Kurz nach dem Gründungstag Canadas verließ mein guter Freund Banff. Die kleine touristische Stadt in den Rocky Mountains hatte Michael nicht beeindrucken können und da leider auch kein Job in Aussicht stand verließ er Banff nach insgesamt etwa einem Monat. Es zog ihn nach Edmonton, welches im Norden Albertas gelegen und vor allem für seine gewaltige Shopping- Mal (eine der größten der Welt) bekannt ist. An der Greyhound- Station hätte ich am liebsten auch meinen Rucksack geschultert um wieder in die unbekannte Weite aufzubrechen. Ein Reisefieber überkam mich und die nächsten Tage verbrachte ich viel Zeit mit meinem Lonely Planet; welche interessanten Orte gab es noch in Canada (viel zu viele ^^) und wohin wollte ich noch reisen (ebenfalls nicht gerade wenige ;)). Zu diesem Zeitpunkt, als ich diesen Bericht schreibe, weiss ich bereits wann und wohin ich nach Banff weiter reisen werde. Ich freue mich schon sehr darauf all meine Besitztümer in zwei Rucksäcke zu stopfen und mich wieder auf zur Greyhound – Station zu machen. :) Wenn man bedenkt das ich zwischendurch für eineinhalb Tage in Vancouver war ist mir der Platz schon sehr vertraut und symbolisiert für mich die Grenze zwischen einem Ort an dem ich lange verweilte und noch verweile und der unbekannten Straße, auf der einem alles nur erdenkliche begegnen kann.

Als sich Michaels und meine Wege trennten, wussten wir beide, dass dies nicht das letzte Mal war, das wir uns in Canada begegneten.

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Nach dem bisher Geschriebenen hört es sich wahrscheinlich so an, dass ich in Banff vieles unternehme aber kaum arbeite. Nun, dieser Eindruck täuscht. :P Ich arbeite normalerweise fünf Tage die Woche und habe immer wieder zwischen Morgen- und Abendschicht gewechselt um heraus zu finden, welche mir mehr liegt. Mittlerweile habe ich mich klar für die Morgenschichten entschieden, die den großen Vorteil haben, dass sie schon um 2 bzw. 2.30 mittags zu Ende sind und der Großteil des Tages weiterhin vor einem liegt! Yay! Zudem kann ich so am Abend zu Shows oder Vorführungen gehen. Ich habe mich nun komplett in Banff, speziell im Banff Centre, eingelebt. Es ist einfach toll wenn man auf der Straße mit dem Namen gegrüßt wird und ich lerne mehr und mehr Leute kennen, mit denen ich die unterschiedlichsten Sachen unternehme. Wie im letzten Bericht schon angemerkt wurde, lernte ich hier und da auch einige Künstler kennen.

In den letzten Monaten fanden auf dem Campus viele unterschiedliche Veranstaltungen und Feste statt. Davon möchte ich die beiden bemerkenswertesten hervorheben: Das Schweizerfest und den Mittsommer Ball. Niemals hätte ich erwartet auf nordamerikanischem Boden in den Genuß (oder so…..) von schweizerischer Jodelmusik zu kommen. Doch genau das war der Fall! Jedes Jahr trifft sich der schweizerische Jodelclub an einem anderen Ort in der Welt und dieses Jahr hatte er Banff für seine Zusammenkunft ausgewählt. Über 400 Jodler! Habe ich schon erwähnt das unser Dining Room in Vistas maximal um die 360 Leute fasst? Insgesamt, zusammen mit den anderen Künstlern, hatten wir für einige Tage über 500 Leute in dem Speisesaal. o_O Der Service Staff hatte eine Menge zu tun und besonders der hohe Kaffeekonsum der Besucher aus dem Herzen Europas (eine ganze Kanne für einen Tisch, normalerweise reicht eine solche für über drei) bereitete dem Morning Staff (also auch mir) Kopfzerbrechen. Die Schweizer waren ein netter Haufen und zu allen Servern sehr freundlich, was das Arbeiten wesentlich angenehmer machte. Abends, als es eine extra Festveranstaltung für die Jodler gab, machten diese ihrem Namen alle Ehre: Immer wieder erhob ein einzelner Tisch die Stimmen zum traditionellen Gesang woraufhin mehr und mehr Jodler einstimmten und der Saal kurz darauf bebte von schweizerischem Jodelgesang. Wirklich, das kam unerwartet – In Banff……in…..Canada. Am nächsten Morgen musste ich dann breit Grinsen als mein Supervisor fassungslos über die Schweizer war. Er konnte nicht glauben, dass sie am Abend zuvor unsere Weinbestände ernstlich in Gefahr brachten, morgens dann zur Kirche (die in Banff und nicht auf dem Campus ist!) gingen und dennoch die ersten waren die pünktlich um 7 zum Frühstück erschienen. Und latürnich eine Menge Kaffee tranken. ^^ Das hatte irgendwie etwas von einer Lebensweise, wie man sie nur in der Alten Welt finden kann.

Einige Wochen später fand auf dem Banff Centre der Mittsommer Ball statt, das wichtigste Ereignis des Jahres. Jedes Jahr versammeln sich für ein Wochenende gut betuchte Kunstliebhaber vor allem aus Nordamerika in Banff. Dazu gehört z.B. auch der Gouverneur für Kunst von Alberta. Die Créme de la créme der Sponsoren für das Centre versammelt sich auf dem Mittsommer Ball – und dieses ist bestrebt sich von seiner allerbesten Seite zu präsentieren. „When you look good, we look good“, sagte unser Supervisor zu uns. In diesen Tagen wurde „exceptional service“ (außergewöhnlicher Service) mehr als wörtlich genommen. Am Samstag Abend fand der Ball statt und ich habe noch nie einen so luxuriös verzierten Ballsaal gesehen! Alles war so hergerichtet worden, dass es einen Genuss für das Auge zum Betrachten war. Wie die Servierten gefaltet wurden ist mir bis jetzt noch nicht ganz klar und alles glänzte und blinkte. Wow! An diesem Abend trugen wir sogar weiße Handschuhe. Bevor die in extravagante Kleider gekleideten Damen und Boss- Anzüge tragenden Herren den Saal betraten, stand der komplette Service Staff in einer Reihe vor dem Eingang, lächelnd und einen guten Abend wünschend. Ihr könnt euch nicht vorstellen wie hoch die Summe wäre wenn man das Vermögen aller Versammelten zusammen nimmt! Zu dem hervorragenden Menü, welches voll von so ungewöhnlichen Zutaten (und ungebräuchlichen Worten) war, dass ich es nicht einmal zur Hälfte wirklich verstand, wurde erstklassiger Rot- und Weißwein gereicht. Eine Band spielte Live- Musik und Kerzen leuchteten auf den mit allerlei kunstvollem Wunderlichem bestückten Tischen. Und noch einmal: Wow!! Überall an den Wänden des Raumes waren außergewöhnliche Angebote verteilt auf die unsere werten Gäste bieten konnten. Da gab es zum Beispiel zwei VIP Parkplätze zu den Olympischen Spielen 2o1o zu gewinnen, oder auch Autos im Wert von vielen vielen Dollars, die nebenbei gemerkt vor dem Gebäude zum Bestaunen geparkt wurden. Da erklärt es sich auch das jeder, um ein Gebot abzugeben, 1ooo Dollar mit in den Umschlag geben musste. Wohlgemerkt um zu bieten, das garantiert noch lange nicht das man auch gewinnt. Neben VIP Parktplätzen, Weintouren, Autos und Rolex Uhren gab es latürnich auch eine große Zahl an Kunst, vornehmlich Gemälde, auf die geboten werden konnte. Das Geld von den Geboten floss direkt in den Fond für das Banff Centre, unter anderem auch in die Stipendien für junge, talentierte Musiker, Schauspieler, Tänzer etc..

So in etwa dürfte das Leben eines Hollywood- Starts aussehen. Und aus meiner Perspektive – der Server- Perspektive – war dies ausgesprochen beeindruckend! Die VIPs waren zudem sehr freundlich und nett, was ich nicht erwartet hatte. Auf dem Mittsommer Ball zu arbeiten war ein tolles Erlebnis mit viel Glamour drumherum. Es hat richtig viel Spaß gemacht und ja, es war außer-gewöhnlich!

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Oh, und es gibt noch einen außergewöhnlichen Arbeitstag von dem ich berichten möchte! Ganz anders und gleichfalls großartig. Eines Tages im Juli hatte ich das Vergnügen auf einem Konzert zu arbeiten!

Der berühmte australische Hippie Musiker Xavier Rudd besuchte das Centre und da Banff voller Hippies ist (was rockt!) waren die Karten sehr schnell ausverkauft. Ich hatte bis dahin noch nie von ihm gehört. Xavier Rudd spielt viele Instrumente gleichzeitig, neben Gitarre und Flöte latürnich auch das Didgeridoo. Vor dem Amphitheater des Centres wurde eine Bühne errichtet und auf dem in frischem Grün erscheinenden Rund versammelten sich Hippies und ….. Hippies und mehr Hippies. Und hey, wo ein Konzert ist da gibt es auch Essstände und wo es Essstände gibt braucht man auch Leute die das Essen servieren! Und da kommen wir Server ins Spiel. :D

So kam es also das ich das volle Konzert genießen konnte und nebenbei Hotdogs und Hamburger in Brötchen verteilte. Glücklicherweise war unser Stand am Kopf des Amphitheaters und so hatten wir alle eine super Sicht auf die Bühne. Ich übertreibe nicht, dieser Arbeitstag toppt sogar den Mittsommer Ball – die Arbeit an diesem Tag hat einfach so viel Spaß gemacht. Die Stimmung war ausgelassen und jeder war glücklich, betrunken oder beides. ;) Die Musik von Xavier Rudd hat mir überdies so gut gefallen: Chill, Nature, Wheet, Peace. Ich glaube so kann man es zusammen fassen. :P

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Der Tag meiner Abreise von Banff rückt immer näher und ich habe schon einiges vor für die nächsten Monate. Manchmal denke ich darüber nach ob ich diesen Ort, die netten Menschen und all die großartigen sich anbietenden Möglichkeiten vermissen werde – Wahrscheinlich schon. Das Banff Centre ist ein interessanter und vielfältiger Ort; jedes Mal wenn ich aus einem nahen Fenster liebliches Violinenspiel vernehme oder die Stimme einer Opernsängerin über den Campus schallt weiss ich, dass dies ein besonderer Ort ist. Wo sonst hört man Operngesang aus der Sauna (ein bemerkenswertes Ereignis, nebenbei bemerkt)?! Wer weiss, vielleicht werde ich eines Tages wieder hierher zurück kehren?

Mit diesen Worten schließe ich diesen Bericht, von dem ich hoffe das er jeden von euch mindestens einmal zum Lachen gebracht hat. :P Viel Spaß mit den Photos!

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