Alea iacta est

Die Würfel sind gefallen. Lange habe ich sie in meiner Hand hin- und her gewogen und auf den richtigen Moment gewartet sie rollen zu lassen. In der letzten Woche ist dieser Augenblick eingetroffen und ich habe die Würfel gerollt, das Ergebnis in Fortunas Hände legend. Die Worte Julius Caesars treffen nur allzu gut auf das zu was sich in den letzten Wochen ereignet hat. In diesem Beitrag möchte ich euch von diesen Ereignissen berichten und davon, wohin ich als nächstes im Land der Elche und Bären reisen werde. Und natürlich gibt es auch wieder eine Menge Photos zu bestaunen. :)

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Vor etwa zweieinhalb Monaten habe ich mit Manuela telephoniert und noch am selben Tag habe ich bei Muktuk angefangen zu arbeiten. Wow, die Zeit ist ja sowas von schnell vergangen! Zweieinhalb Monate!! Die Tage und Wochen sind nur so dahin geflogen. Heute, am 15. April, war mein letzter Tag bei Muktuk – ich sitze gerade in einem Greyhound Bus auf dem Weg gen Süden. Wohin und warum gerade jetzt? Das werde ich im folgenden berichten. Am besten haltet ihr schon mal nach einem gemütlichen Platz und einem angenehmen heißen Getränk Ausschau – denn wenn ich mir meine Gedanken gerade so betrachte gibt es eine Menge zu erzählen. ;)

Der Frühling naht. Die Temperaturen steigen, der Schnee beginnt zu schmelzen. Interessanterweise hat dies nicht nur Auswirkungen auf die Zahl der Kleidungsschichten die man trägt (die ganz rapide abnimmt ;)) sondern auch auf den kompletten Tagesablauf bei Muktuk. Auffällig war sofort das in der letzten Zeit weniger Gäste kamen da die Winterzeit und das Yukon Quest vorbei waren. Zudem begann das Eis auf dem Fluss, auf den wir die Gäste in der Regel mit den Schlitten hinaus geleiteten, auch zu schmelzen. Somit wird also innerhalb der nächsten Tage den Schlitten- Ausflügen buchstäblich die Grundlage fehlen. Bald werden zudem die Straßen und der Boden ziemlich matschig sein und wie ich gehört habe ist das die dreckigste Zeit im Jahr und allgemein eher unangenehm. ;) Eines schönen Samstags hat Manuela uns alle damit überrascht das am Abend ein Staff Meeting stattfindet. Ich hatte schon ein paar Mal von jenen legendären Treffen gehört, wo sich angeblich alle Leute von Muktuk treffen, geheime Informationen austauschen und finstere Pläne schmieden. Das wir dann wirklich ein solches Treffen hatten war ebenso überraschend wie interessant. Es wurde viel organisiert und von diesem Tag an waren wir dann im * tamtata * Summer Schedule (= Sommer Zeitplan)! o_O Hui. Ach ja, Pläne haben wir latürnich auch geschmiedet. ;)

Summer Schedule. Diese beiden Wörter haben meine letzten Wochen bei Muktuk nochmal verbessert, auch wenn es am Anfang recht gewöhnungsbedürftig war. Der große Unterschied für mich war, dass jeder Volontär von nun an einen „inside day“ hatte und für die Mahlzeiten etc. zuständig war. Für Stijn und mich war das ein Geschenk. Wir konnten nun beide viel mehr mit den Hunden draußen zusammen arbeiten und Zeit verbringen. Einher mit dem Wechsel des Zeitplans ging auch das das Essen weniger üppig ausfiel als im Winter. Da im Sommer wesentlich weniger Gäste kommen haben wir angefangen zu sparen und ich muss gestehen das es eine große Umstellung für mich war – nach all dem sowohl inhaltlich als auch optisch bravourös Essen welches wir die letzten Monate genießen konnten (und, nicht zu vergessen, selbst zubereiteten!). Meine letzten zwei Wochen waren also durch und durch geprägt von den Huskys: Füttern, die Nägel und das Fell zwischen den Tatzen schneiden, bürsten etc.. Ich habe es sehr genossen! Wirklich sehr. Sehr, sehr sehr. :D Auch gab es immer noch Holz zu hacken und eine Menge Schnee zu schaufeln damit selbiger das hölzerne Fundament des Mainhouse nicht beschädigt wenn er schmilzt.

Aber der neue Zeitplan war nicht einzige was sich in dieser Zeit geändert hat: Viele von der alten Muktuk Crew sind im April – dem Ende der Saison – zurück nach Hause geflogen. Das hat die Atmosphäre ziemlich verändert und es war ein seltsames Gefühl das in so kurzer Zeit so viele Leute auf einmal weg waren. Als erstes ging Thomas, der Schweizer der das Yukon Quest 3oo erfolgreich beendete, dann Yusuke und schließlich Graham & Cara. Gleichzeitig kamen eine Woche lang (!) jeden Tag ein oder zwei neue Volontäre. Veränderungen durchdrangen die Luft. Nun bin auch ich weiter gereist und gegen Ende April werden nochmals mehrere Volontäre ihre Zeit bei Muktuk beenden. Ich möchte an dieser Stelle sagen, dass ich sehr erstaunt war wie schnell sich die neuen Volontäre an das Leben „out of the grid“ gewöhnt haben. Ein gutes und zuverlässiges Team!

Bei vielen Dingen gibt es einen bestimmten Zeitpunkt um etwas zu tun oder eine Entscheidung zu treffen. Ein Zeitpunkt bei dem es sich richtig anfühlt zu tun was man vor hat. Menschliche Zweifel können unter Umständen an einem nagen oder die Stimme der Realität flüstert einem was von „schwer möglich“ zu. Ignoriert die Stimme(n)! Wenn man diesen Moment versäumt stellt sich unter Umständen recht schnell ein Gefühl der inneren Unruhe ein. Man genießt das was man tut vielleicht nicht mehr so wie vorher.

Dieser Zeitpunkt des Wandels bei Muktuk war genau richtig um sich wieder dem Horizont zuzuwenden. Und so tat ich eben dies. Alea iacta est.

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Wenn ich jetzt aus dem Fenster des Greyhound blicke so sehe ich augenblicklich nichts als die tiefe Schwärze der Nacht. Wieder lausche ich dem mystischen Sound von Neil Young aus dem Film Dead Man. Der Bus ist unterwegs gen Süden, ich erwähnte es bereits. In Anbetracht der Tatsache wie weit nördlich ich mich befand ist das allerdings nicht weiter verwunderlich. ;) Um konkreter zu werden: Ich habe meinen Blick auf ein kleines Dorf ,umgeben von den majestätischen Gipfeln der Rocky Mountains, gerichtet. Und es ist nicht Jasper. Banff!

Der laut Lonely Planet recht kleine Ort ist im Herzen des Banff National Park gelegen, welcher den Großteil der südlichen Rocky Mountains umfasst. Nach dem was ich gehört habe sind dort im Sommer eine Menge Touristen unterwegs und auch sonst soll Banff ziemlich genau das sein, was man sich unter einem kleinen Touristendorf vorstellt. An sich mag ich gerade solche Orte überhaupt nicht, es stellt sich also die Frage warum ich dann gerade dort hin reise. Nun, ich glaube inmitten dieses Dorfes einen großartigen Platz gefunden zu haben, der sich sowohl zum arbeiten als auch zum lernen außerordentlich gut eignet:

Das Banff Centre [Link] ist ein international bekannter Ort an dem sich Künstler aus aller Welt treffen um gemeinsam ihre Ideen zu verwirklichen und an Projekten zu arbeiten. Außerdem dient es als Konferenzcenter mit einem imposanten Bergpanorama im Hintergrund. „Inspiring Creativity“ ist das Motto des Banff Centre und was ich darüber bisher in Erfahrung bringen konnte hört sich schlichtweg wundervoll an! Laura, eine Volontärin aus Wales mit einem köstlichen Sinn für Humor (und einer tollen Stimme und Talent im Zeichnen UND schauspielerischen Fähigkeiten!) bevor sie nach Muktuk kam dort gearbeitet. Sie hat mir davon erzählt und viele ihrer Sätze riefen bei mir dieses „Ich will da hin!“ – Gefühl aus. Als sie mir dann erzählte das das Banff Centre praktisch immer Leute sucht machte ich in Gedanken Freudensprünge (hm, vielleicht hüpfte ich auch im Raum ein paar Mal herum^^). Mit Lauras Hilfe habe ich dann ein Resumé und einen Cover Letter erstellt und mich beim Banff Centre als Food & Beverage Server beworben. Ich fand den Job des Kellners und Servierers schon immer sehr interessant und ich wollte es immer mal ausprobieren. Ich hoffe sehr das ich den Job im Banff Centre bekomme! Laura, thank you so much! Wie das ganze ablief war teils sehr lustig: Ich habe Laura erzählt das ich gerne als Server arbeiten wollte, im Banff Center war aber zu dieser Zeit keine Stelle in diesem Bereich offen. Dann habe ich mich entschlossen eine andere Stelle zu wählen – Programm Worker. Doch dann dachte ich kurz bevor ich mich final für diesen Job online bewerben wollte: „Check doch vorher noch mal die Website, vielleicht hat sich ja was getan.“ Und tatsächlich! Jetzt bin ich mir ganz sicher – ich habe definitiv Freudensprünge gemacht als ich sah das das Banff Center Food & Beverage Server sucht. Und gleich drei an der Zahl. Das war ein herrlicher Tag!

Wenn man im Banff Centre arbeitet kommt man in den Genuss von vielen Vorteilen: Man bekommt ein kleines preiswertes Apartment auf dem Campus, Gratiskarten und Vergünstigungen zu Theater, Musical- und Filmveranstaltungen! Das an sich ist schon toll! Zusätzlich kann man sehr günstig das dortige Sportcenter nutzen, wo man unter anderem auch Schwimmen und klettern kann. Okay, eine Kletterwand braucht man denke ich nur zum üben….inmitten der Rocky Mountains. ;) Soooo, der größte Vorteil kommt aber erst noch. Das Banff Centre bietet jedes Jahr eine Vielzahl von Workshops in verschiedenen Bereichen an: Film, Camera, First Aid, Computer, Project Management etc.. Und Staff darf daran meistens kostenlos teilnehmen! :D

Ich denke es ist jetzt ziemlich offensichtlich warum ich gerne dort arbeiten möchte. :) So habe ich also beschlossen mich nach Banff zu begeben, denn es ist immer von Vorteil wenn man schon vor Ort ist. Ich fühle wieder dieses Kribbeln im Bauch – die Aufregung des Reisens, mein Blick schweift neugierig über den Horizont. Was sich wohl dahinter verbergen mag? Wieder wird mir klar wie gigantisch das Land ist und wie wenige Menschen hier im Verhältnis zu Europa leben. Nehmen wir zum Beispiel Nunavut im Nord- Osten Canadas, die Provinz des ewigen Eises: Es ist größer als Mexiko und gleichzeitig leben dort weniger Menschen als in Lichtenstein. In Zahlen: Auf 2 093 190 km² kommen 29 474 Einwohner. Und es hat sage und staune 21 (!) Kilometer asphaltierte Straße! Ja, Canada ist gewaltig und ich glaube das man diese Größe erst dann richtig erahnen kann wenn man hier ist. Obwohl…..nein, selbst hier kann man sie nicht vollkommen erfassen. Ich liebe die Tatsache das man in Canada wenn man will wochenlang durch die Wildnis wandern kann ohne auf eine einzige Menschenseele zu treffen!

Ein magisches Land.

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Der Abschied von Muktuk war gar nicht so einfach. Es ist mir in den zweieinhalb Monaten zu einem zweiten zu Hause geworden. Die netten Menschen, die Gesellschaft, die Hütten, das abendliche Feuer im Kamin. Ich habe mich dort sehr sehr wohlgefühlt! Und es wird nicht das letzte Mal gewesen sein das ich einige der Leute dort getroffen habe. :D An die ganze Crew von Muktuk: Ein ganz großes DANKE an euch alle für die schöne, einzigartige Zeit die wir gemeinsam hatten! / To the whole Muktuk Crew: THANK YOU very much for the awesome and fabulous time we spent together!

Am Abend vor meiner Abreise haben wir uns in unserem Cabin getroffen und ein bisschen gefeiert. Und da habe ich ein so unheimlich gut passendes Abschiedsgeschenk bekommen: Ein Rezept- Buch!!! Aber kein gewöhnliches Rezept- Buch, nein nein. Jeder einzelne von der Crew hat ein Rezept mit Grüssen und Kontaktdaten herein geschrieben – und das ganze mit so viel Humor, so vielen Witzen, das mir vor Lachen die Tränen herunter gekullert sind. Ein wunderbares Geschenk – und Photos von meinem Lieblingshund Belle in einer Muktuk- Kochschürze sind auch eingeklebt! :D Ich habe beschlossen das Buch jedem den ich auf meiner Reise treffe und mit dem ich in Kontakt bleiben möchte in die Hand zu drücken. „Schreib rein was du willst – aber ein Rezept muss rein.“ * zwinker * Schon jetzt ist das mein Lieblingskochbuch. :D Und ja Michi, ich mache dir eine Pizza der besonderen Art. XD

Hach es sind so viele tolle Dinge bei Muktuk geschehen! Wir hatten hier z.B. das Muktuk Filmfestival, bei dem jeder von uns einen kurzen Film gedreht hat. Mit Hilfe der sehr einfach zu bedienenden Mac Software iMovie war es auch jedem möglich selbige zu bearbeiten. Des Weiteren habe ich ein bisschen Nähen gelernt da eine Jeans ein Loch am Knie hatte und eine weitere kaum noch als Jeans zu bezeichnen war. Ich mag meine selbst geflickte Hose jetzt noch mehr als vorher, sieht cool aus. ^^ Und, bevor ich es vergesse, wir haben alle individuelle Muktuk- Kapuzenpullis! Auf einem Ärmel steht jeweils der Name des Lieblingshundes der entsprechenden Person, auf dem anderen Ärmel jeweils etwas was an ein lustiges Erlebnis bei Muktuk erinnert. Das war ein großer Spaß, als wir alle jeweils die Pullis der anderen neugierig in Augenschein benommen haben. :) Von diesen netten Momenten und Augenblicken gab es zahlreiche, zu viele um sie hier anklingen zu lassen.

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Die Entscheidung nach Banff zu gehen war nicht die einzige die ich in den letzten Wochen getroffen habe. Mir ist aufgefallen, dass ich jedes mal wenn ich den Lonely Planet aufschlage neue spannende Orte finde, die es zu erkunden und zu erleben lohnt! Mit anderen Worten: Acht Monate, das ist viel zu kurz. ;) Somit habe ich beschlossen die Gültigkeit meines Visas voll zu nutzen und ein ganzes Jahr in Canada zu bleiben! * Freudensprung macht *. Es ist gibt sooooooooooo viel zu sehen!!! Das Work & Holiday Visum kann man für Canada nur einmal im Leben bekommen – da will ich es auch komplett nutzen. ;) Mit Freude blicke ich in die Zukunft. Alea iacta est.

Liebe Grüsse an euch alle die ihr das lest! Bis zum nächsten Blog- Bericht werdet ihr sicher keinen Monat warten müssen. ^^

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Galerie

Die Photos sind recht wild gemischt. Weitere Bilder, vor allem von den Huskys, kommen mit dem nächsten Beitrag. :)

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Veröffentlicht in Whitehorse. 2 Comments »

2 Antworten to “Alea iacta est”

  1. Michael Says:

    Rabanus. Wow. In allen belangen. Quantität, Qualität, Gefühl – Text, Fotos und ja, schon fast Gerüche, Gesänge und Geschmäcke die du uns in diesem Beitrag näher bringst.

    Jeder Satz den du schreibst lässt mich um so mehr streben gen Norden. Und auch wenn es nur noch ein Monat ist bis ich endlich im Flieger sitze, sollte ich im Prinzip aufhören deine Beiträge zu lesen, sonst dreh ich hier noch am Rappel :P!

    So wie du sagst, dass es zu viele tolle Erinnerungen gibt als dass du sie alle ansprechen könntest, so muss ich sagen, dass es dafür auch in diesem Beitrag zu viele Punkte gibt auf die ich in diesem Kommentar eingehen könnte. Meine nächste E-Mailrückantwort wird sicher mal wieder länger. Wenn du wüsstest was mir in der Zwischenzeit noch für verrückte Ideen gekommen sind! Oh ja, wart’s nur ab!

    Rock on :D!

  2. Mirco Says:

    Herrlicher Bericht! Freut mich, dass die Entscheidung bei Muktuk zu arbeiten so positiv war! Hoffe das Banff ebenfalls so toll wird! Übrigens:

    Rate mal, wo ich in den nächsten Tagen hin reise? :)


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