Polarlichter

Die Ureinwohner Canadas sahen und sehen in den Nordlichtern die über ihnen schwebenden Seelen ihrer verstorbenen Ahnen. Um die mystischen Lichter, die den Himmel zum Leben erwecken, ranken sich zahlreiche Legenden und Geschichten. Endlich, endlich habe auch ich die von Sagen umwobenen Lichter gesehen! In dem Moment als sich der nächtliche Himmel in ein hellgrün leuchtendes Kleid hüllte ging ein Traum für mich in Erfüllung.

Aurora Borealis – der Anblick der Nordlichter hat etwas in mir bewegt. Die Pracht, die Farben und der mystische Zauber der von den Nordlichtern ausgeht offenbart einem…….was? – Etwas das in Worte zu fassen den schöpferischen Geist übersteigt.

Ich habe die Nordlichter zwei Mal sehen können. Als ich in Whitehorse war bin ich des Nachts auf gut Glück auf einen nahen bestimmten Hügel gestiegen und habe dort auf die Lichter gewartet. Ohne Erfolg. Kaum bei Muktuk angekommen habe ich an meinem zweiten Abend (28. Jänner 2oo9) hier meine ersten Nordlichter gesehen – schwach und kaum merklich färbte sich der Horizont leicht grün und begann dann nach einer Weile in einem etwas stärkerem Grün zu schimmern und zu leuchten. Ein wunderbares Erlebnis, wenn auch die Lichter weit entfernt waren und ich nur wenig sah. ABER ich sah etwas! Einige Tage später dann entfalteten die Nordlichter erneut ihre Pracht – und diesmal waren sie so überwältigend das ich mit stockendem Atem und großen Augen unter dem grünen Himmel stand. Die folgenden Zeilen erzählen von diesem fantastischen Abend.

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Am 13. Feburar war mir nach einem recht anstrengenden Arbeitstage noch nach einem Spaziergang zumute – ich wollte alleine etwas die nächtliche Natur genießen. So ging ich dann Musik hörend (nicht gerade klassisch für einen ‚ruhigen‘ Spaziergang ;)) und mit ausgeschalteteder Stirnlampe – denn ich liebe es von allen anderen unbemerkt in der Nacht umherzustreifen – die Pfade entlang. Der Weg führte mich zum Zeltplatz von Muktuk von wo aus man einen wunderbaren Blick auf den Takhini River hat. Verträumt schaute ich zu den Sternen auf. In diesem Augenblick begann ich zu begreifen warum vor langer Zeit das Wort „Himmelszelt“ entstanden ist. Ich sah mehr Sterne als je zuvor in meinem Leben und dort wo Orions Gürtel sonst dreifach leuchtet ist selbiger nun umgeben von unzählbaren unterschiedlich stark leuchtenden Himmelskörpern. Ich sah mich um, der Himmel wölbte sich um mich, den Zeltplatz, Yukon, Canada, um die ganze Welt! Ein Himmelszelt auf dem Zeltplatze. Es war einfach unglaublich (wirklich kaum – zu – glauben wie das Wort umschreibt)! Die Erde ist von einem Himmelszelt umgeben. Verträumt wanderte ich weiter.

Wenn ich jetzt darüber nachdenke ist es lustig, wie lange ich tatsächlich nicht gemerkt habe was oben am Himmel vor sich ging. Alles um mich herum genießend, das Knistern der Schuhe im Schnee (welches ich nur hörte wenn das Lied wechselte), das allein- herumwandern, der Sternenhimmel und die nächtlichen Silhouetten der Bäume am Wegesrand. Niemals hätte ich gedacht an diesem Abend Polarlichter zu sehen! Irgendwann dann, nachdem einige Zeit vergangen war und meine Hütte nicht mehr fern war, fiel mir auf, dass der Horizont ein ganz klein wenig grün war. Ein solches leichtes Schimmern hatte ich des abends schon ein, zweimal gesehen – die Nordlichter, welche weit entfernt vorüberzogen, sich dem Blicke entziehend. Doch diesmal sollte es anders sein als bisher!

Als ich an meiner Hütte ankam wurde das Licht ein wenig stärker. Nicht viel, lediglich ein wenig. Ich wartete ein paar Minuten. Ich glaube es waren ein paar mehr als ich zu dem Zeitpunkt annahm und dann wurde das Licht binnen weniger Augenblicke (!) heller und heller! Die Polarlichter kamen in diese Richtung! Südosten über Whitehorse hinweg! Ich genoss das Schauspiel einige Momente und dachte dann an Stijn, der sich schon schlafen gelegt hatte. Wir hatten beide schon einmal Nordlichter verpasst als wir im Bett lagen und uns beide sehr darüber geärgert. Auf die Gefahr hin einen Teil der Auroras zu verpassen rannte ich so schnell ich konnte (!) zu meiner Hütte und holte alle raus die sich in selbiger befanden. Erstaunlich wie schnell man sich anziehen kann wenn der Ruf „Moving Auroras outside!!!“ durch die Hütte schallt.

Wir waren nicht die einzigen draußen und die Polarlichter zogen nun in voller Pracht über uns hinweg. Sie bewegten sich und leuchteten in einem geisterhaften, fabelhaften Grün. Zauberhaft!

Die Auroras nahmen einen ganzen Teil des Himmels ein und auch wenn meine Kamera über ein gutes Weitwinkelobjektiv verfügt konnte sie nur einen Teil der Nordlichter einfangen. Doch auch wenn man die Bilder sieht, das Leuchten in der Wirklichkeit kann keine noch so gute Kamera wiedergeben. Auch bleibt einem das Gefühl, was die Menschen empfinden wenn sie die Nordlichter sehen, beim Betrachten eines Bildes verborgen.

An euch alle die ihr das lest: Wenn ihr in Canada oder Skandinavien seid so begebt euch auf die Suche! Auf die Suche nach den Aurora Borealis, den Polarlichtern – ihr Anblick wird etwas in euch bewegen und euch spüren lassen, wie wunderbar und erhaben die Natur ist.

Wenn ihr euch die Photos anschaut so möchte ich jeden der Lesenden bitten folgendes zu tun: Schaut euch die Bilder an, schließt die Augen und versucht euch die Nordlichter lebhaft vorzustellen, wie sie über euch schweben und alles in ein grünes Licht tauchen. Wenn ihr sie vor euch seht, spielt dieses Lied ab. Beachtenswert sind neben den Melodien auch die Songtexte, die man rechts ablesen kann.

Genießt den Augenblick!

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Galerie

Die Photos der Polarlichter konnten Dank eines ausgeliehenen Stativs entstehen. Vielen Dank dafür, Thomas! // Belichtungszeit: 60 sec

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Veröffentlicht in Whitehorse. 4 Comments »

4 Antworten to “Polarlichter”

  1. Truchseß Says:

    Lieber Windrabe,
    ich konnte nur auf einem Bild etwas erkennen; Bild 4. Vielleicht liegt dies an meinem Bildschirm. Eigentlich aber hoffe ich, daß es allen Betrachtern so gehen möge und alle auf den Text alleine „angewiesen“ sind und sich auf ihn beschränken müssen!
    Deine beschreibenden Worte sind wunderbar; sie vermögen Herzen zu berühren, und dies ist eindrucksvoller, als es die Eindrücke der Augen für uns hier Lebenden vermögen.
    Irgendeine in Whitehorse seiende Naturkraft wollte wohl nicht, daß wir es sehen: Die Eindrücke und Bilder sind nur für Dich!

    Mich hier beschäftigt zurzeit nur eine einzige Frage: Wer ist Rumpel???

    Der klassische Abschiedsgruß „Halt die Ohren steif“ würde Dich vermutlich nur einen Lacher kosten, denn Du bräuchtest um selbigen Zustand real herzustellen wohl nur kurz die Haube abzunehmen.
    Deshoib also; Pfiati, mochs guat, servas batschi.
    Deii Dati

  2. Hacky Says:

    Hey Alter,

    die Bilder sind einfach der Wahnsinn. Ich wünschte ich hätte dabei sein können, aber leider hält mich mein dämliches Studium davon ab.
    Ich sitz noch bis April hier in Passau fest und muss lernen, aber es freut mich, dass du so großartige Erlebnisse sammeln kannst, die wird dir im Leben keiner wegnehmen.
    Ich glaub ich kann schon so eine Woche Urlaub nehmen, wenn du wieder heim kommst, damit ich alles erfahren kann, und zwar in Langfassung und nicht die Short Version.

    Genieß die Zeit, mach fleißig Bilder und schreib auch weiter, ist ein kleiner Lichtpunkt, wenn man weiß, dass es noch schönere Orte gibt als den Schreibtisch ;-)

    Liebe Grüße, dein Freund Hacky

  3. onkel martin Says:

    mein lieber neffe rabanus.langsam wird es zeit mehr als nur ein bißchen „smalltalk“ u schreiben. ich lese deine reisegeschichten meistens abends im Bett( nachdem sie Christian ausgedruckt hat) voll ,ja sagen wir , neugier geilem gefühl und ein wenig mitleben.ich finde es einfach schön ,wie und was du schreibst.als ich zwei jahre älter war als du, bin ich fast ein halbes jahr in spanien und portugal getrampt.der unterschied war nicht nur die themperatur und die entfernung.nein , ich bin mit freunden auf dem weg gewesen und du lernst erst menschen kennen.das finde ich einen großen unterschied.bei mir ist es 25 jahre her, und ich kann so viele gefühle immer noch genauso empfinden und spüren wie damals.die erinnerungen sind so lebendig wie wenn ich erst vor kurzem meine reise beendet hätte.beendet stimmt eigentlich nicht ,dennwenn man etwas nach so langer zeit immer noch so stark in sich spürt muß es etwas besonderes gewesen sein.so wie ich immer wieder etwas neues meinen kindern von meiner reise erzähle, wirst du einmal deinen kindern und wenn gott will auch deinen enkelkindern viele wunderbare erlebte geschichten erzählen.erlebe noch viel auf DEINER reise.ich umarme dich, dein onkel martin

  4. Eddy Says:

    Sehr schön geschrieben! Du kannst echt gut schreiben, solltest Journalist werden ;) Bild 4 ist echt der hammer !! Das wirkt so unwirklich und weltfremd, einfach klasse!

    Liebe Grüße
    Eddy


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