Bäume, Holz, Schnee, Eis und Berge

Seid gergüsst!

Die Zeit ist gekommen, in der ich euch jene Sportart näher bringen möchte, derer sich Muktuk Adventures verschrieben hat und die sich so sehr von allen anderen Arten des Sports unterscheidet: Mushing, oder auch Hundeschlitten- Fahren. Es ist schon erstaunlich das das Englische in einem Wort umschreibt, wofür man im Deutschen einen ganzen Satz braucht. Ein deutliches Zeichen dafür wie umständlich das Deutsche und wie einfach das Englische ist. Ja, ich mag Englisch mit jedem Tag mehr und mehr. :) Eines vorweg zum Mushing: Es ist ein großer Spaß!

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Am sechsten Tage des Monats Februar, meinem zweiten freien Tag, stand ich das erste Mal auf einem Hundeschlitten. Und wie mir Mirco zustimmen wird ist es ein großartiges Gefühl wenn man hinten auf einem Schlitten steht und vor einem eine Gruppe Huskies nur so darauf brennt das man die Halteleine löst und es endlich los geht! Lies saß vor mir in dem Schlitten und hat mir alles erklärt was ich für meine erste Tour mit den Huskies wissen muss. Das ist freilich nicht sehr viel – die Grundzüge des Hundeschlitten- Fahrens (doofes Wort, bleiben wir bei Mushing) sind an sich sehr simpel. Bis man mit dem Schlitten richtig gut umgehen kann dauert es hingegen ziemlich lange. Erfahrung ist der Grundstein auf dem das Mushing aufbaut. Es ist ein Sport, den man nicht mal eben so nebenbei machen kann. Die Musher, die auch bei den Rennen mitmachen, sind rundauf mit ihren Hunden beschäftigt. So wie es aussieht haben sie nur wenig Zeit für anderes. Es ist also weniger ein Hobby als vielmehr ein Lebensweg und für manche auch eine Berufung.

Die professionellen Musher fahren oft mit bis zu 12 Hunden – Anfänger haben natürlich etwas weniger. So starte ich mit sieben Hunden, was für einen ersten Trip aber schon recht viel ist (viele fangen mit fünf oder sechs Hunden an). Als Lies mir die Hunde vorstellte mit denen wir hinaus auf den Takhini River rauschten musste ich erst einmal grinsen. An vorderster Front lief unter anderem ein Husky namens „Terror“…ein laut Lies völlig unzutreffender Name. Ich war mir da ja nicht ganz so sicher – Terror ist ein großer, schwarzer Husky. Tatsächlich hat er zu Beginn seinem Name alle Ehre gemacht, sodass Lies seine Position kurzerhand mit der eines jungen, enthusiastischen Huskies mit dem Namen Kwanlin tauschte. Als er nicht mehr an der Leadposition lief, lief Terror wie das gesamte Team super. :) Beim Mushing bilden die Hunde mitnichten alleine sondern zusammen mit dem Musher das Team. Ohne die Hunde ist der Musher in dem Schlitten aufgeschmissen und ohne ihn kommen die Hund genauso wenig voran. Man ist aufeinander angewiesen, agiert gemeinsam und gibt aufeinander Acht.

Die Positionen der Hunde haben bestimmte Namen und es ist erstaunlicherweise nicht zwangsweise vonnöten das sie paarweise laufen. Die beiden Hunde direkt am Schlitten werden „Wheeldogs“, die führenden „Leaddogs“ genannt. Direkt hinter den Leaddogs sind die „Swingdogs“ und alles zwischen Swingdosg und Wheeldogs ist das „Team“. Wenn ihr euch weiter unten die Photos anschaut so werdet ihr sehen, dass bei mir das Team nur aus einem Hund bestand. Wenn man mit fünf oder sechs Hunden läuft hat man überhaupt kein Team. Ich hatte bis ich bei Muktuk angefangen habe zu arbeiten niemals damit gerechnet jemals auf einem Hundeschlitten zu stehen. Mein erster Run war eine eindrucksvolle und sehr schöne Erfahrung! Huskies lieben es im Rudel zu laufen und man sieht ihnen auch an das sie Spaß dabei haben! Kurz bevor die Schlitten starten bellen und ziehen sie und manche springen sogar (bis zu geschätzten eineinhalb Metern!) in die Luft. Besonders letzteres zeigt wie ich finde die große Vorfreude die die Hunde auf das Laufen haben. Das ist etwas was mir beim Hundeschlitten- Fahren, *ähm* Mushing, sehr gut gefällt: Man weiß und spürt das man die Tiere zu nichts zwingt. Sie wollen rennen, sich austoben und fühlen sich in der Gemeinschaft richtig wohl. Sie sind glücklich wenn sie laufen und einen guten Musher haben. Noch während mein Team laut gebellt hat und im Yard es ziemlich laut wurde (denn die anderen Huskies wollen ja auch alle mit) hat mir Lies erklärt wie man startet. Auch nach zweifacher Wiederholung war ich mir nicht ganz sicher was sie meinte. Ich wollte gerade noch einmal nachfragen da ging es auch schon los. Die essenziellen Teile habe ich dann irgendwie (fragt mich nicht wie) automatisch gemacht. Haltetau lösen, auf der Bremse stehen bleiben (da die Huskies ziemlich schnell starten) und ganz laut und oft „Let’s go!!!“ rufen. Schwuuuuuuuuusch. Mein Dogteam war richtig klasse und es hat sehr, sehr viel Spaß gemacht (habe ich schon erwähnt das es großartig war? XD)! Mein Team bei meinem ersten Run bestand aus folgenden Dogs:

Lead: Belle || Kwanlin
Swing: Natascha || Terror
Team: Rudi
Wheel: Oreo || Blizzard

Mittlerweile bin ich weitere zwei Male auf den Takhini River rausgefahren – einmal ganz alleine im Schlitten und gestern mit Stijn zusammen im Schlitten. Bei den letzten beiden Touren hat es stark geschneit (jipphea!), was den an sich sehr einfachen Pfad auf dem Fluss etwas schwerer zugänglich gemacht hat.

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Ich fühle mich hier bei Muktuk Adventures richtig wohl und bin froh, meinen Weg hierhin gefunden zu haben. Die letzten Wochen ist es nicht mehr ganz so busy wie vorher und so haben wir vom Staff auch ein bisschen mehr Zeit zusammen etwas zu unternehmen. So waren wir ein paar Mal im Canadian Game Center (welches ganz untypisch für Whitehorse gewaltig groß ist – mit Eishalle, Schwimmbad, Fitness Center und vielem mehr) schwimmen und auch öfters abends in der Stadt. Vor kurzem zum Beispiel in einer Karaoke Bar, wo ich mit einem unserer Gäste zusammen „We are the Champions“ von Queen gegrö….äh gesungen habe. Jeder dieser Ausflüge ist für uns sehr willkommen, denn wir leben schließlich out of the grid, fernab der Zivilisation. ;) Muktuk ist ein guter Ort mit vielen sehr netten Menschen. Für mich bricht dennoch nun die Zeit an in der ich mich frage, wohin ich als nächstes reisen werde. Meine genauen Gedanken lasse ich hier ungeäussert, nur soviel: Ende März/ Mitte April werde ich meinen Schlafsack einpacken, mein Zelt abbrechen, meinen Blick gen Horizont wenden und weiter ziehen.

Der Sonne entgegen. Den Vögeln lauschend. Unter freiem Himmel.

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Galerie

Endlich auch mehr Photos von mir selbst. :)

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Polarlichter

Die Ureinwohner Canadas sahen und sehen in den Nordlichtern die über ihnen schwebenden Seelen ihrer verstorbenen Ahnen. Um die mystischen Lichter, die den Himmel zum Leben erwecken, ranken sich zahlreiche Legenden und Geschichten. Endlich, endlich habe auch ich die von Sagen umwobenen Lichter gesehen! In dem Moment als sich der nächtliche Himmel in ein hellgrün leuchtendes Kleid hüllte ging ein Traum für mich in Erfüllung.

Aurora Borealis – der Anblick der Nordlichter hat etwas in mir bewegt. Die Pracht, die Farben und der mystische Zauber der von den Nordlichtern ausgeht offenbart einem…….was? – Etwas das in Worte zu fassen den schöpferischen Geist übersteigt.

Ich habe die Nordlichter zwei Mal sehen können. Als ich in Whitehorse war bin ich des Nachts auf gut Glück auf einen nahen bestimmten Hügel gestiegen und habe dort auf die Lichter gewartet. Ohne Erfolg. Kaum bei Muktuk angekommen habe ich an meinem zweiten Abend (28. Jänner 2oo9) hier meine ersten Nordlichter gesehen – schwach und kaum merklich färbte sich der Horizont leicht grün und begann dann nach einer Weile in einem etwas stärkerem Grün zu schimmern und zu leuchten. Ein wunderbares Erlebnis, wenn auch die Lichter weit entfernt waren und ich nur wenig sah. ABER ich sah etwas! Einige Tage später dann entfalteten die Nordlichter erneut ihre Pracht – und diesmal waren sie so überwältigend das ich mit stockendem Atem und großen Augen unter dem grünen Himmel stand. Die folgenden Zeilen erzählen von diesem fantastischen Abend.

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Am 13. Feburar war mir nach einem recht anstrengenden Arbeitstage noch nach einem Spaziergang zumute – ich wollte alleine etwas die nächtliche Natur genießen. So ging ich dann Musik hörend (nicht gerade klassisch für einen ‚ruhigen‘ Spaziergang ;)) und mit ausgeschalteteder Stirnlampe – denn ich liebe es von allen anderen unbemerkt in der Nacht umherzustreifen – die Pfade entlang. Der Weg führte mich zum Zeltplatz von Muktuk von wo aus man einen wunderbaren Blick auf den Takhini River hat. Verträumt schaute ich zu den Sternen auf. In diesem Augenblick begann ich zu begreifen warum vor langer Zeit das Wort „Himmelszelt“ entstanden ist. Ich sah mehr Sterne als je zuvor in meinem Leben und dort wo Orions Gürtel sonst dreifach leuchtet ist selbiger nun umgeben von unzählbaren unterschiedlich stark leuchtenden Himmelskörpern. Ich sah mich um, der Himmel wölbte sich um mich, den Zeltplatz, Yukon, Canada, um die ganze Welt! Ein Himmelszelt auf dem Zeltplatze. Es war einfach unglaublich (wirklich kaum – zu – glauben wie das Wort umschreibt)! Die Erde ist von einem Himmelszelt umgeben. Verträumt wanderte ich weiter.

Wenn ich jetzt darüber nachdenke ist es lustig, wie lange ich tatsächlich nicht gemerkt habe was oben am Himmel vor sich ging. Alles um mich herum genießend, das Knistern der Schuhe im Schnee (welches ich nur hörte wenn das Lied wechselte), das allein- herumwandern, der Sternenhimmel und die nächtlichen Silhouetten der Bäume am Wegesrand. Niemals hätte ich gedacht an diesem Abend Polarlichter zu sehen! Irgendwann dann, nachdem einige Zeit vergangen war und meine Hütte nicht mehr fern war, fiel mir auf, dass der Horizont ein ganz klein wenig grün war. Ein solches leichtes Schimmern hatte ich des abends schon ein, zweimal gesehen – die Nordlichter, welche weit entfernt vorüberzogen, sich dem Blicke entziehend. Doch diesmal sollte es anders sein als bisher!

Als ich an meiner Hütte ankam wurde das Licht ein wenig stärker. Nicht viel, lediglich ein wenig. Ich wartete ein paar Minuten. Ich glaube es waren ein paar mehr als ich zu dem Zeitpunkt annahm und dann wurde das Licht binnen weniger Augenblicke (!) heller und heller! Die Polarlichter kamen in diese Richtung! Südosten über Whitehorse hinweg! Ich genoss das Schauspiel einige Momente und dachte dann an Stijn, der sich schon schlafen gelegt hatte. Wir hatten beide schon einmal Nordlichter verpasst als wir im Bett lagen und uns beide sehr darüber geärgert. Auf die Gefahr hin einen Teil der Auroras zu verpassen rannte ich so schnell ich konnte (!) zu meiner Hütte und holte alle raus die sich in selbiger befanden. Erstaunlich wie schnell man sich anziehen kann wenn der Ruf „Moving Auroras outside!!!“ durch die Hütte schallt.

Wir waren nicht die einzigen draußen und die Polarlichter zogen nun in voller Pracht über uns hinweg. Sie bewegten sich und leuchteten in einem geisterhaften, fabelhaften Grün. Zauberhaft!

Die Auroras nahmen einen ganzen Teil des Himmels ein und auch wenn meine Kamera über ein gutes Weitwinkelobjektiv verfügt konnte sie nur einen Teil der Nordlichter einfangen. Doch auch wenn man die Bilder sieht, das Leuchten in der Wirklichkeit kann keine noch so gute Kamera wiedergeben. Auch bleibt einem das Gefühl, was die Menschen empfinden wenn sie die Nordlichter sehen, beim Betrachten eines Bildes verborgen.

An euch alle die ihr das lest: Wenn ihr in Canada oder Skandinavien seid so begebt euch auf die Suche! Auf die Suche nach den Aurora Borealis, den Polarlichtern – ihr Anblick wird etwas in euch bewegen und euch spüren lassen, wie wunderbar und erhaben die Natur ist.

Wenn ihr euch die Photos anschaut so möchte ich jeden der Lesenden bitten folgendes zu tun: Schaut euch die Bilder an, schließt die Augen und versucht euch die Nordlichter lebhaft vorzustellen, wie sie über euch schweben und alles in ein grünes Licht tauchen. Wenn ihr sie vor euch seht, spielt dieses Lied ab. Beachtenswert sind neben den Melodien auch die Songtexte, die man rechts ablesen kann.

Genießt den Augenblick!

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Galerie

Die Photos der Polarlichter konnten Dank eines ausgeliehenen Stativs entstehen. Vielen Dank dafür, Thomas! // Belichtungszeit: 60 sec

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