Muktuk Adventures

So nennt sich der Ort wo ich nun mit viel Freude seit etwa drei Wochen arbeite. In diesen drei Wochen habe ich viele wunderschöne Augenblicke erlebt, so viel gesehen und gehört – Träume sind in Erfüllung gegangen. Mit Muktuk Adventures [Link] habe ich einen Platz gefunden wo die Menschen die Natur wertschätzen und sich dementsprechend verhalten. Dieser Bericht war schon zur Hälfte fertig, da startete im nahen Whitehorse das berühmte Yukon Quest [Link] – das härteste Hundeschlittenrennen auf der Welt! Jedes Jahr aufs neue kämpfen sich zahlreiche Teams von Whitehorse im Yukon nach Fairbanks in Alaska. Dabei wechselt der Startpunkt zwischen den beiden Städten jedes Jahr. Die Route führt Hunde wie Musher auf 1ooo Meilen (~16oo Kilometer) durch die raue Wildnis des Nordens. Auch wenn Frank Turner dieses Jahr selbst nicht daran teilnimmt so schmeißt Muktuk natürlich auch einen Musher ins Rennen. ;) Thomas, ein netter Schweizer, mit dem ich neben Yusuke und Stijn in einer Hütte wohne wird dieses Jahr im Yukon Quest 3oo starten. Das ist ein Qualifikationsrennen für das Yukon Quest und geht – wie der Name schon vermuten lässt – über 3oo Meilen. Aufgrund dieser Rennen besuchen viele Menschen aus aller Welt Whitehorse und auch Muktuk Adventures in diesen Tagen. Denn wir haben hier ein paar Stellen mit einem beeindruckenden Blick auf den Fluss wo die Rennteilnehmer vorbeikommen. Und ein Gespräch mit Frank ist für viele Freunde des Hundeschlittensports natürlich auch sehr interessant. Ich habe übrigens noch einmal nachgefragt – Frank selbst hat sage und schreibe 24 Mal am Yukon Quest teilgenommen!

Als ich mich auf nach Kanada machte war genau solch ein Ort an dem ich mich jetzt befinde das beste was ich mir als Job vorstellen konnte. Mit Huskies zusammen arbeiten! Traumhaft. Ich habe gefunden wonach ich gesucht habe und bin sehr glücklich darüber. Das Leben hier ist geprägt von den Hunden, der Arbeit und vor allem den Menschen die hier verweilen. Nicht ohne Stolz sage ich das ich ein Teil des Teams von Muktuk (einige Photos der Crew könnt ihr euch unter hier anschauen) bin. Die Zusammenarbeit im Team empfinde ich als äußerst angenehm. Die Leute sind alle sehr sehr (ein drittes „sehr“ wäre angebracht aber spätestens jetzt wisst ihr wie sehr ;)) nett und freundlich. Ich fühle mich in ihrer Mitte sehr wohl. Um euch einen Eindruck der Menschen zu geben mit denen ich hier zusammenarbeite möchte ich euch hiermit das Team von Muktuk vorstellen:

Stijn, der Koch (Belgien) ist nicht nur mein Hüttengenosse sondern auch derjenige der jeden Tag aufs neue schmackhafte Gerichte hervorzaubert. Er hat fünf Jahre lang auf einer Koch- Schule studiert und versteht sein Werk wirklich ausgesprochen gut. Aus für jeden Umstehenden offensichtlichen Gründen habe ich die Küche in der ich ihm beim Kochen und Geschirrspülen zur Hand gehe „the kitchen of humor“ getauft. :)

Yusuke, der Schweigsame (Japan) will selbst eines Tages am Yukon Quest teilnehmen und trainiert dafür sehr viel. Er redet ebenso wenig und wie er hart arbeitet. Noch nie habe ich in einem Menschen einen so ursprünglichen Willen gesehen zu tun was es zu tun gilt, egal wie. Wir leben in der gleichen Hütte.

Thomas vom Berg (Schweiz) nimmt wie schon erwähnt am Quest 3oo teil. Er entspricht denke ich recht genau einem Bild das man von einem Menschen vom Gebirge hat. Vom Beruf ist er Schreiner (oder Tischler?). Auch er wohnt in der gleichen Hütte.

Kathrina, die Zigeunerin (Republik von Tschechien) hat einen interessanten Stil der mir sehr gefällt. Warum ich sie als Zigeunerin umschreibe soll an dieser Stelle unerwähnt bleiben. Es ist in jedem Fall als positives Attribut zu verstehen. Kat guided bei Muktuk.

Manuela, die Managerin (Deutschland) die so gar nicht wie eine Managerin wirkt. Sie kommt aus dem Schwarzwald (aus der Nähe von Freiburg XD) und ist das Staff- Oberhaupt. Das merkt man aber kaum – sie ist ebenso ein Teil des Teams wie jeder andere.

Edward, der Brite (Großbritannien) kommt zwar aus England aber aus Northumbria das heute Northumberland heisst. Daher klingt er für mich eher schottisch was mir sehr sympathisch ist. Er hilft beim organisieren der einzelnen Touren und hat viel Humor (britischen, versteht sich ;)).

Lies, die Hundeliebhaberin (Belgien) guided ebenfalls bei Muktuk und ist in der Arbeit mit Huskies sehr erfahren. Ihr gehören sogar selbst zwei der Huskies im Yard, die sie als sie das letzte Mal hier war geschenkt bekommen hat. Einer der Hunde ist schwarz, der andere weiß – Quandlin und Blizzard. Wir alle lieben Hunde bei Muktuk aber ich glaube Lies hat ihr ganzes Leben lang schon mit ihnen zusammen gearbeitet.

Graham, der Superguide (Kanada) leitet viele der Touren bei Muktuk. Er hat sehr viel Erfahrung im Begleiten von Gruppen, versteht sich auf Erste Hilfe und ist ein sehr lustiger Typ. Er hat so eine Art Guiding studiert und ist die ganze Saison über hier.

Cara, die Allrounderin (Kanada) hilft ebenso wie ich mal hier mal dort. Sie arbeitet also drinnen und draußen. Auch holt sie die Gäste vom Flughafen ab und macht das Essen wenn Stijn seinen freien Tag hat.

Eine wild zusammen gewürfelte Truppe und ein großartiges Team! Es macht viel Spaß mit all diesen Menschen zusammenzuarbeiten! Wir sind irgendwie wie eine große Familie.

————————————————————————————————————————————–

Ich arbeite bei Muktuk als ein Volontär – das bedeutet das ich nicht im klassischen Sinne für meine Arbeit bezahlt werde. Ich wohne hier in einer kleinen netten Hütte die latürnich über keine Elektrizität verfügt und mit einem Ofen beheizt wird. Atmosphärisch. Das (vorzügliche) Essen ist selbstverfreilich auch umsonst und man hat hier alles was man braucht. Wir leben „out of the grid“, was bedeutet das wir sozusagen außerhalb der Gesellschaft leben. Der Strom im Haus wird entweder durch einen Diesel betriebenen Generator erzeugt oder kommt von unseren Solar- Panels. Wann der Generator aufgeladen, an und aus geschaltet werden muss ist gar nicht so einfach und man braucht eine Weile bis man sich daran gewöhnt. Jeder kann zwei Mal in der Woche duschen und einmal in der Woche Wäsche waschen. Was sich zunächst wenig anhört ist vollkommen ausreichend. Das Duschen gewinnt gewissermaßen sogar an Wert. * Lies geht grinsend durchs Haus * – „Hi, today is your shower day?“ „Yes!“ Auch recyceln wir so ziemlich alles. Bei allem was wir tun sind wir darauf bedacht möglichst wenig Ressorcen zu verbrauchen und mit der Natur zu leben. :)

„Ja und was arbeitest du da?“ wird sich so mancher fragen.

Hier die Antwort: Mein Arbeitsbereich ist ziemlich vielfältig. Manche Tätigkeiten machen mir natürlich mehr Spaß als andere. Um euch einen Einblick in mein Leben hier zu geben habe ich mir gedacht ich schildere euch einen typischen Tag bei Muktuk Adventures, so wie er für mich aussieht. Vorweg sei noch erwähnt, dass ich zwar eigentlich für den Indoor Bereich eingestellt worden bin, aber oft auch im Outdoor- Bereich mit aushelfe. Und das freut mich bei den hiesigen Witterungsbedingungen sehr. :) Gerade schaue ich aus dem Fenster und sehe wie es wieder schneit und der weiße Schnee der Landschaft wieder ihren Frieden zurück gibt.

So, hier ein typischer Tag bei Muktuk:

7.3o: Nach einem wohligen Schlummer (welcher nur gewährleistet ist wenn wir unsere Hütte am Tag vorher einheizen) träumerisches Erwachen. Schnell angezogen, Stirnlampe auf, Zähne putzen und dann raus in die Kälte. Und das ist wörtlich zu nehmen, denn gerade morgens wenn die Sonne noch nicht am Himmel steht ist es hier echt kalt! Der Marsch von der Hütte zum Haupthaus erfrischt und ersetzt somit in ihrer Wirkung die kalte Dusche am Morgen.

8.oo: Stijn ist in der Regel schon vor mir in der Küche und bereitet das Frühstück vor. Für mich gilt es jetzt den Papiermüll – inklusive den von den Toiletten – zu verbrennen. Und das ist nun wirklich etwas seltsames. Ich meine an sich ist es nicht so toll die Badezimmer zu putzen und das benutzte Klopapier zu entsorgen. Aber irgendwie sieht die Sache ein wenig anders aus wenn man draußen in der Kälte in einer Tonne am frühen Morgen ein Feuer entzündet. Das ist es … anders.

8.3o: Frühstück. Von Cornflakes über Brot, Tee und Dosen- Orangensaft ist alles dabei was man für ein gutes Frühstück braucht. Nicht zu vergessen das selbst gemachte Granola welches mir so mundet das ich mir das Rezept notiert habe. Ab und zu macht Frank selbst Bacon and Eggs (Speck und Spiegeleier) – und glaubt mir danach seid ihr bereit selbst für einen ganzen Tag voller Holz hacken! Am Sonntag gibt es Pancakes (so eine Art kleine Pfannkuchen) mit viiiiiiiel Maple Sirup. Der Ahornsirup schmeckt echt lecker – sehr empfehlenswert. :)

9.oo: Jetzt beginnt die richtige Arbeit. In der Regel räume ich mit Stijn das Geschirr weg, wasche ab, etc.. Bis zum Mittag putze ich dann meistens im Haus, Staubsaugen, Mobben, Bad putzen, aufräumen im allgemeinen. Hin und wieder schauen ein paar Gäste vorbei, die hier ein Teil des Ganzen sind und nicht wie in Hotels außen vor stehen. Staff und Gäste stehen sich hier sehr viel näher. Natürlich sind sie immer noch die ersten die sich vom Organgensaft nehmen dürfen. ;)

11.oo: Stijn und ich beginnen mit den Vorbereitungen für das Mittagessen. Das besteht meistens aus Nudeln oder Suppe, dazu Brot und Kleinigkeiten. Jeder hier weiß das zum 12.oo Uhr herum etwas zum Essen bereit steht und Staff wie Gäste (von denen am Tag aber die allermeisten unterwegs sind) schaut dann bei uns in der Küche vorbei.

12.3o: Nach dem Mittagessen gibt es meistens recht viel abzuwaschen. Stijn widmet sich jetzt in der Regel seiner Lieblingsbeschäftigung: Backen. Ihr glaubt ja gar nicht wie viel Kekse und Kuchen 25 Leute essen können! Auch wenn ich den Eindruck habe, dass der Staff seine Leidenschaft hier ganz besonders auslebt. ;) Ich helfe in der Küche und meistens gibt es dann für mich einen Job außerhalb des Mainhouse. Denn! Es gibt da etwas was ich von Herzen gerne tue und was hier oben in diesen schneereichen Hügeln und Wäldern von großem Vorteil ist: Schneeschaufeln! So bin ich sozusagen immer dort wo Schnee geschaufelt werden muss. Egal ob vereiste Treppen, eingeschneite Anhänger oder ganze Zeltplätze! Rabanus ist da. :D Schneeschaufeln ist erfreulicherweise nicht das einzige was ich draußen mache. Man kann mich hier denke ich als so eine Art Instant Helper bezeichnen – also immer dort wo gerade noch Hilfe gebraucht wird werde ich dann dazu geholt. Ich glaube Manuela hat nicht überhört das ich gerne draußen arbeite. ;) An manchen Tagen gibt es draußen mehr, manchmal weniger zu tun. Je nach dem ist der Nachmittag hin und wieder auch geprägt von vielen Wechseln zwischen drinnen und draußen. Gerade jetzt in der Zeit des Yukon Quest helfe ich öfters mal draußen aus und arbeite dann auch bei den Hunden. Das beste ist wenn man draußen inmitten des Schnees unter scheinender Sonne Holz hackt während plötzlich die ganzen Huskies im Yard anfangen zu heulen. :D Holz- hacken mache ich sogar noch lieber als Schneeschaufeln.

17.oo: Spätestens jetzt stoße ich wieder zu Stijn. Er ist dann schon voll dabei das Abendessen vorzubereiten, was für so viele Leute einiges an Zeit in Anspruch nimmt. Dort gibt es dann immer etwas zu tun – von Salatschneiden über Tisch decken und Säfte vorbereiten.

19.oo: Abendessen. Hier bei Muktuk habe ich gestern zum ersten Mal von Bison und Elk (wohlgemerkt nicht Elch sondern eine Art Hirsch) gekostet. Stijn und ich bekommen viel Lob für das Essen – dann macht das Arbeiten gleich doppelt so viel Spaß. Zu besonderen Anlässen servieren wir auch Wein.

20.oo: Eigentlich war es bei Muktuk immer üblich das diejenigen die gekocht haben nicht abwaschen und abräumen müssen. Stijn hat das geändert; für ihn gehört das alles mit zum Kochen dazu. Manchmal helfen uns die anderen aber auch. ;) Die letzten Tage hatten wir sehr viele Gäste am Abend – über 30 – und waren erst gegen 22.oo Uhr mit der Küche fertig. Danach schläft man gut.^^

21.oo: Nachdem die Küche fertig ist wird oft noch geplaudert, gelesen, man schaut sich einen Film auf dem überdemensionalen Riesenfernseher an (dessen Modernität so gar nicht zum Rest des Hauses passen will) oder macht sonst was einem Spaß macht. Oft ist man auch viel zu müde um dergleichen zu tun und geht möglichst bald schlafen. Durch die Dunkelheit geht es zurück zur Hütte, hoffend das jemand – so man nicht es nicht selbst getan – am Nachmittag ein Feuer entzündet hat. Oft nehmen wir auch Hunde mit in die Hütten und sie dürfen auch in unseren Betten schlafen. Besonders wenn es kalt ist die Wärme des Fells der Huskies sehr angenehm. :)

Und somit endet ein wunderbarer Tag bei Muktuk Adventures und schon in ein paar Stunden beginnt ein neuer aufregender Tag mit neuen Gästen und Geschehnissen. So schließe ich nun mit diesem Bericht und hoffe das ihr zusammen mit den Photos einen guten Eindruck davon bekommt wo ich gerade bin und was ich mache.

Ihr könnt euch schon freuen auf einige weitere kleine Berichte in naher Zukunft über Ereignisse die einen eigenen Blogeintrag verdient haben. Geleitet werden sie von einigen Photos mit beeindruckenden Motiven. Bis dahin! :)
————————————————————————————————————————————–

Galerie

Advertisements
Veröffentlicht in Whitehorse. 4 Comments »