…womit fange ich nur an? Es gibt so viel zu erzählen…

Drei Punkte umschreiben wohl am besten was ich empfand als ich in Vancouver aus dem Flugzeug stieg: Erstaunen. Pures Erstaunen. Mein Herz machte Purzelbäume. An diesem Tag habe ich mit Frankfurt mit Sicherheit einen der hässlichsten und unübersichtlichsten Flughäfen auf der Welt gesehehen – und mit dem Vancouver International Airport das genaue Gegenteil. Auf den Gängen war bis auf die stilvollen kanadischen Polizisten und Polizistinnen (später mehr dazu) niemand zu sehen. Eine angenehme Stille und Leere herrschte hier vor. Der Flughafen machte einem sofort klar wo man sich befand: In Kanada, eines jener Länder auf der Welt, das auf seine Umwelt sehr achtet. Die Schilder sind in dunklem Grün gehalten, die Schrift hebt sich in einem angenehm anzuschauenenden und gut lesbarem Gelb ab. Ja, es ist nur ein Detail. Und trotzdem hat es mich schon überaus beeindruckt. Und welcher Flughafen hat schon einen Wasserfall?

Vancouver International Airport. Nicht nur die Schilder und der überaus schön anzusehenende Wasserfall oder die beeindruckenden (!) indianischen Holzstatuen haben mir förmlich den Atem geraubt. Mit jeder neuen Minute schossen neue Eindrücke auf mich ein und ich habe glaube ich noch nie in so kurzer Zeit so oft in meinem Leben gedacht. „Ganz anders als in Deutschland.“ Die Polizisten tragen hier wie in Österreich coole schwarze Uniformen und sie tun nicht nur cool – sie sind es auch! Das Abzeichen der kanadischen Grenzpolizei schlägt sogar das der Gendarmerie in Austria. ;) Die Leute auf dem Flughafen waren alle sehr freundlich. Der nette Zollbeamte – ebenfalls in stilvoller Uniform – hat mir unkompliziert das Visum ausgestellt.

In Kanada ist alles anders. Alles? Nun gut, nicht alles vielleicht – aber dennoch extrem vieles! Das Land hat mich bisher sehr beeindruckt. Und das aus mehreren Gründen. Noch auf dem Flughafen sind mir einige Dinge aufgefallen, die es in Deutschland nicht gibt. So z.B. die Leute, die einem die Koffer die man sich bei der Ankunft von den Fließbändern abhohlen kann in eine aufrechte Position stellen, sodass man sie gut greifen kann. Oder die „Schülerlotsen“, die unmittelbar bei dem Ausgang des Flughafengebäudes den Verkehr regeln. Alles in allem ist der komplette Vancouver International Airport vermutlich gerade mal so groß wie zwei Landebahnen von Frankfurt. ;)

Bei den Bussen dann die nächste ungewöhnliche Erscheinung: Einer der Busfahrer hatte einen richtigen Turban auf – was sehr stilvoll aussah! Weißes Hemd, schwarzer Turban. Ich habe nachgedacht…in Deutschland habe ich noch nie jemanden einen Turban tragen sehen, geschweige denn in einem öffentlichen Verkehrsmittel. Dank der Hilfe freundlicher Kanadier bin ich schnell zu meinem Bus gekommen und war dann auch kurze Zeit später an meinem vorläufigen Zielort angelangt: Dem HI Hostel Downtown. Auf der Fahrt habe ich mich nett mit einem Kanadier unterhalten. Von diesen spontanen Gesprächen sollten noch vieeeele folgen, was ich aber zu dem Zeitpunkt noch nicht geahnt habe.

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Ich bin also gut in Vancouver BC angekommen. Mittlerweile bin ich seit etwa einer Woche hier. Und_es_ist_großartig! Sofort am ersten Tag habe ich Mirco kennen gelernt, einen coolen Schweizer auf dem Weg zum Yukon Quest, dem mitunter längsten Husky- Rennen in Kanada. Seit meiner Ankunft bin ich viel in Vancouver – vor allem in Downtown – herum gelaufen. Es gibt hier so viel zu sehen und zu erleben das es ich mir sehr gut vorstellen kann, dass man hier öfters hin reisen muss um erst einmal alle touristischen Attraktionen zu erleben. Und dann sind da ja noch die interessanten Dinge fernab des Torusimus. ;)

Natürlich habe ich in meinem Lonley Planet Reiseführer erst einmal nachgeschaut wo die kulinarischen Vorzüge der Stadt liegen. Und es hat sich gelohnt! Mit Mirco habe ich noch am Abend meiner Anreise das Templeton besucht, einen *ähm* ziemlich abgefuckten Laden im 5oer Jahre Stil (zwischen zwei Sex Shops gelegen) mit großzügigen Portionen und einem „snappy“ Service. Hier gibt es hervorragende Burger mit Biofleisch und exzellenten Salat. Eigentlich ist hier alles lecker.^^ Genialer Laden – meine uneingeschränkte Empfehlung!

Ich habe mittlerweile in Vancouver viel gesehen und gehört. Es ist eine tolle Stadt aber nichtsdestotrotz habe ich die falsche Jahreszeit erwischt. Es ist gerade sehr nebelig hier, ein klein wenig regnerisch und irgendwie recht grau – bis des nachts dann tausende von Lichter anspringen und die Stadt aufleuchtet wie ein ganzer Schwarm von Glühwürmchen. Wie gesagt, Vancouver ist sehr schön aber im Frühling oder Sommer soll es noch wesentlich schöner sein. Die Menschen und die Stadt selbst halten gerade so eine Art Winterschlaf (was aber nicht heisst, dass es hier nicht hoch lebendig her geht!).

Aufgrund dessen habe ich beschlossen erst einmal weiter zu reisen und mir an einem anderen Ort mit mehr winterlichem Schnee einen Job zu suchen. Es gibt einige Jobs auf Cypress Mountain in der Nähe von Vancouver, in Whistler ist vielleicht auch etwas frei. Mein Augenmerk liegt derzeit zum einen auf einer Husky Farm im hohen Norden und zum anderen auf das kleine bschauliche Whithorse, ebenfalls im hohen Norden gelegen. Wann genau ich weiter ziehe und wohin es dann geht wird sich bald herausstellen.

Aber jede Stadt hat auch ihre Schattenseiten. Vancouver hat eine große Zahl von Obdachlosen. Es sind wirklich viele und man hört oft irgendein Gemurmel an den Straßenränden. Die Einwohner der Stadt sind sich dem Problem durchaus bewusst und es wird von der Regierung verlangt, dass sich daran bis zu den Olympischen Winterspielen 2o1o etwas ändert. Für die Spiele wird in der Stadt derzeit viel gebaut und zeilweise sind ganze Straßen gesperrt.

Da wo wir in Münster nur zwei Starbucks haben gibt es in Vancouver an nahezu jeder Ecke eines. Wenn man sich umsieht erblickt man immer irgendwo eines der großen grünen runden Schilder. Ich gehe hier ganz gerne zur direkten Konkurrenz, den Blenz Cafés. Als kleiner Tipp für Leute die zufällig auch nach Vancouver wollen – dort gibt es kostenloses schnelles WLAN und köstliche heiße Schokolade. Ich gebe zu, ich habe in dem ein oder anderen Café vielleicht sogar ein bisschen zu viel Zeit verbracht. ;)

Zum Abschluss möchte ich hier noch zwei Dinge ansprechen, die ich an Vancouver wirklich liebe! Das ist zum einen die Offenheit der Menschen. Ich vermute das in Kanada die meisten Menschen diese Offenheit haben. In Cafés und auch sonst kommt es nicht selten vor, dass man spontan angesprochen wird. Und daraus entstehen dann wirklich intensive und interessante Gespräche! Heute habe ich mich z.B. mit einem Einheimischen über Whitehorse und Grizzlybären unterhalten – der Einstieg in das Gespräch war aber mein kleines Netbook welches dem Mann so gut gefallen hat. Einher mit dieser Offenheit geht auch ein ganz anderes Bewusstsein der Menschen. So benutzt man hier beispielsweise keinerlei PIN Nummern um seine Handys zu schützen. Wofür auch?

Der andere Punkt klingt zunächst vielleicht ein bisschen merkwürdig…Straßennamen. Ja ich liebe sie, die Straßennamen! Meine aktuellen Favoriten sind Granville, Burrard, Burnaby und Davie. Ist euch etwas aufgefallen? Ja genau! Ich habe nicht Granville Street o.ä. geschrieben! Die Straßen haben hier so etwas persönliches, sie werden sozusagen personifiziert. „Wo treffen wir uns heute?“ – „An der Ecke Seymour – Robson.“ Herrlich!

So das war ein langer Eintrag. Die nächsten werden denke ich um einiges kürzer. ;) Meine Begeisterung für Kanada und Vancouver ist an der ein oder anderen Stelle vermutlich ein ganz klein wenig durchgedrungen. Mir geht es richtig gut hier! Echt huärä guät do! =)

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Veröffentlicht in Vancouver. 7 Comments »

7 Antworten to “…”

  1. Mirco Says:

    Gruss vom Airport. Free WLAN ;-)

  2. Truchseß de Austria Says:

    Lieber Winrabe,

    die Wahl Deiner Worte in Deiner Beschreibung ist wunderbar; wir konnten uns Dich dabei so richtig gut vorstellen.
    Zu Deiner Bemerkung über der Frankfurter Flughafen: dort wird nun eine zusätzliche Startbahn gebaut, die die Kapazitäten – laut einem Radiobericht – verdoppelt. Er wird also nun sogar doppelt so häßlich. Erstaunlich, daß das sogar noch möglich ist.
    Wenn Magdalena ein Flugzeug sieht ruft sie sofort:“ Wawa (dr)in, ganada“

    Wir denken oft an Dich und sind schon Großmeister in der Canada-Recherche.
    Alles Liebe Dir und gute Reise zum weißen Pferd,
    von Iris,
    Magdalena Rahel Merle Undine Freya Solveig
    Und Dati

  3. onkel martin Says:

    hallo rabanus. sitze hier bei christian und haben deinen reisebericht ausgedruckt. ich werde mich des öfteren melden.ich wünsche dir ganz schöne und interessante erfahrungen. liebe grüße von mir und christian auf die andere seite des ozeans. martin

  4. Christina Says:

    Hallo mein Lieber,

    habe von Dati die Blog-Adresse erhalten. vermutlich bist du nun schon weitergezogen, zu Huskys oder Pferden? Klingt ja alles nach schönen und guten Eindrücken. ich wünsch dir, dass es so bleibt.
    Mein Start hier in Berlin war auch aufregend und anstrengend. Eine irre große Institution, mit irre vielen Menschen, Beziehungen, Kompetenzen, wer dann wo warum mit wem… das wird noch dauern, bis ich das durchblickt habe. Aber es wird – vielleicht so in einem Jahr :-)
    Paß auf dich auf, ich drück dich.

    Christina

  5. Farina Says:

    Hey Rabanus,

    stell auch mal Fotos von dir rein! Natürlich auch hinter kanadischer Landschaft ;). Oh und wo du von Coffeeshops redest: Die haben doch auch Caribu Coffee. Ist mein persönlicher Favorit in Amerika. Unbedingt probieren!

    Lg,

    Farina

  6. Bikerbunny Says:

    Lieber Rabanus! Ich sitze hier mit Oma und wir wollen dir etwas schreiben :) Wir hoffen es geht dir gut und deine Augen werden das funkeln das Dati so schön beschrieben hat nicht verlieren. Pass auf dich auf,Sonja und Oma Nanni

    P.S.:Danke für deine liebe Karte aus Vancouver. Ich hoffe es geht dir gut,denke viel an dich. Ich hab dich lieb Oma Nanni

  7. Bikerbunny Says:

    Lieber Rabanus! Ich hoffe du hast meinen Brief bekommen. Ich denke oft an dich und hoffe es geht dir gut. Hab dich lieb,deine Oma Nanni


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