Adventstage bei Brot und Kerzenschein

Ich wünsche einen angenehmen Abend. Mit den nachfolgenden Worten möchte ich euch von den vergangenen zwei Monaten erzählen, deren Ereignisse mit immerdar währender Tinte in das Buch der Erinnerungen geschrieben wurden. Lasst mich euch erzählen vom Leben in Wald und Jurte, köstlicher traditioneller englischer Küche (japp, ihr habt richtig gelesen) und hart arbeitenden, liebevollen Menschen.

Auf meiner Reise durch die östlichen Provinzen Canadas begann ich um Oktober herum nach einem Ort zu suchen, wo ich den Winter verbringen konnte. Die Winter in Canada sind bekanntlich hart und lang – und ebenso fordernd wie unvergesslich. Meine Liebe für diese Jahreszeit hatte mich im Januar letzten Jahres in den atemberaubenden Yukon geführt und ich war fest entschlossen auch diesen Winter wieder viel beschneite Gebiete aufzusuchen. Ich hatte keinen genauen Plan wohin ich reisen wollte; mit neugierigem Blick schaute ich mich nach dem Einzigartigen, Besonderen und Unvergesslichen um. Etwas, was ich nur in Canada erleben konnte. Und so kam es, dass ich zu Beginn des November meine Schritte in eine kleine Gemeinde mit dem wohl klingenden Wolfville lenkte. Der Name dieses Ortes, in Nova Scotia gelegen, hatte mich vom Klang her von jenem ersten Moment an fasziniert, als er mir zufällig beim Durchblättern meines Lonely Planet ins Auge fiel. In Wolfville habe ich – dessen bin ich mir sicher – einen der kleinen, abseits des Weges gelegenen Schätze gefunden, die nur wenige Reisende zu Gesicht bekommen. Die kleine Stadt ist inmitten des Annapolis Valley gelegen und in Canada berühmt für seine Äpfel, Früchte, Gemüse und Bauernmärkte im Allgemeinen. Ein kleiner Ort, bestehend aus einer Hauptstraße, zwei drei Cafés und einer Hand voll Geschäfte. Was Wolfville von vielen anderen Gemeinden im Valley – wie die Einheimischen die Gegend nennen – unterscheidet, ist die Acadia University. Die Universität genießt sowohl national als auch international einen guten Ruf und ist dementsprechend begehrt und teuer. Die knapp 2ooo Studenten prägen maßgeblich das Stadtbild der Stadt. Den zweiten Teil der Bevölkerung stellen die Einheimischen und Bauern dar; die Locals. Ein ruhiges, munteres Völkchen mit teilweise schottischen und irischen Wurzeln. Die Stadt hat sich ganz dem Leben in der Community verschrieben, was sich unter anderem am wöchentlichen Markt zeigt.

Jeden Samstag fand ein in der ganzen Gegend bekannter Farmers Market statt, an dem man Freunde auf einen Kaffee traf und sich die feil gebotenen Handwerkswaren sowie fische Nahrungsmittel aus der Umgebung näher anschaute. Äpfel und Birnen in Kisten stapelten sich neben Roten Rüben, Salaten und Süßkartoffeln. Bäcker aus Germanischen, Fränkischen und Östlichen Landen boten ihre Brote und Kuchen zum Verkauf an. Der Duft von handgefertigten Bienenwachskerzen hing in der Luft. Kinder huschten zwischen den Beinen der Marktbesucher umher, ein allgemeines Gemurmel und Gelächter erhob sich in den Hallen. Örtlicher Klatsch und Tratsch wurde ausgetauscht, nebenbei lauschte man der Live Musik von der Bühne. Hin und wieder wurde auf dieser auch ein traditioneller oder moderner Tanz aufgeführt, der die Blicke der Anwesenden auf das Podium fesselte. In meiner Zeit in Wolfville wohnte ich dem Farmers Market jede Woche bei und spürte dabei wie stark die Verbindung der örtlichen Community war. Die Menschen legten großen Wert auf Biologische Güter, Fair Trade und die Unterstützung der lokalen Geschäfte. Wolfville ist sicherlich von keinem großem Interesse für Touristen, denn abgesehen von einigen netten Wanderungen gibt es hier wenig zu sehen oder zu tun. Der Reiz der Ortschaft liegt voll und ganz darin hier eine längere Zeit zu verbringen und sich einzuleben. Über das wwoofing Netzwerk [Link] hatte ich hier eine junge Familie gefunden bei denen ich für Unterkunft und Verpflegung arbeiten würde.

Zu Beginn des November 2oo9 traf ich bei meinen Gastgebern ein, die in einem kleinen Haus im Gaspereau Valley nahe Wolfville leben. In dem kleinen Familienbusiness Little Foot Yurts [Link], welches man so sehr in Nova Scotia erwarten würde wie Schnee in den Fürhlingsmonaten, fand ich Ruhe und Abgeschiedenheit, neue Freunde und wunderbare Menschen, Arbeit und ein Dach über dem Kopf. Ein ganz besonderes Dach, wohlgemerkt. Alex und Selene Cole haben zweifelsohne ihre wahre Berufung gefunden. Sie bauen Jurten im alten traditionellen Stil der Mongolen, wie zu den Zeiten Dschingis Khans. In South Wales bauten sie erstmals ein Rundhaus aus dem Eisenzeitalter nach, weitere Bauprojekte folgten. Nach und nach lernten Alex und Selene mehr über die Gebäude längst vergangener Kulturen – und die Jurte weckte ihre Leidenschaft. Little Foot Yurts baut Jurten auf Nachfrage, verleiht sie und richtet Hochzeiten in den alten Holzstrukturen aus. Ich kam also an diesen besonderen Ort und fand ein Dreigespann von Familie vor, das auf chaotische und zugleich unheimlich liebevollen Art und Weise gemeinsam am Wagen des Familienunternehmens zog. Alex, aus Britannien stammend, war gelernter Chef und vermochte wohlschmeckende Gerichte am Ende eines arbeitsreichen Tages auf den Tisch zu zaubern. Er war extrem chaotisch und schaffte es irgendwie immer wieder aus einem Haufen Crap etwas nützliches zu bauen. Selene, ursprünglich aus Winnipeg kommend, ist so ziemlich genau das Gegenteil von Alex und hat alles ganz gerne geordnet. Beide arbeiteten in einer Mischung aus Chaotik und Ordnung zusammen bei der am Ende meistens genau das heraus kam was heraus kommen sollte. Verwunderlich. Erstaunlich. Und hin und wieder zum Schmunzeln. Seit Februar vergangenen Jahres haben Alex und Selene eine kleine Tochter mit dem schönen Namen Yara. Sie ist nun etwa acht Monate alt und erfüllte das Familienleben in Little Foot Yurts mit noch mehr Energie und Lebensfreude.

Die Arbeit bei dem Familienunternehmen war hart; es gab stets etwas zu tun…eigentlich immer mehr als man zunächst annahm. Am Tag arbeitete ich meistens mit Alex zusammen. In den ersten zwei Wochen half ich ihm das alte Haus für den kommenden Winter vorzubereiten. Es galt Kamin und Ofen zu versetzen (!) sowie das Wassersystem zu reparieren. Nachdem dies getan war konnten wir mit dem beginnen was wir beide unheimlich gerne taten: Mit Holz arbeiten. Wir fällten Bäume in den Akadischen Wäldern und zwei Mal schlugen wir in einem anderen Waldgebiet unsere Jurtenzelte auf um dort Stangen für neue Jurten zu suchen. Das zweite Mal blieben Alex, ich und ein weiterer wwoofer nahezu eine ganze Woche in den Wäldern wo wir arbeiteten. Alex war und ist Kundiger in der alten Kunst des „Coppiceing“. Dabei handelt es sich um eine spezielle Methode, nach der man jedes Jahr alle Bäume in einem kleinen Gebiet eines Waldes fällt. Im darauf folgenden Jahr fällt man die Bäume in einem angrenzenden Gebiet gleicher Größe. Durch das einfallende Licht wachsen die neuen Bäume rasch heran und die Tierwelt finden weiterhin Unterschlupf im angrenzenden Wald. Je nach der Baumsorte – und dem damit verbundenen Zyklus – kann man auf diese Art und Weise eine sich selbst erneuernde Quelle an Feuerholz und gegebenenfalls Jurtstangen genießen, die zudem die umliegende Natur in keinster Weise schädigt. Einst wurde in ganz England Coppiceing betrieben, doch das Wissen darum ging mit der Industrialisierung mehr und mehr verloren. Für Nova Scotia, in dem viele Häuser außerhalb der Städte mittels Holzöfen betrieben werden, stellt Coppiceing eine hervorragende Möglichkeit für das Beschaffen von Holzfeuer dar. Alex liebt die Wälder und Holz. Es war eine Freude mit ihm Zeit zu verbringen und zu arbeiten. Neben der Arbeit in den Wäldern, dem Entrinden der Stämme für die Jurtstangen und dem Auf- und Abbauen von Jurten habe ich oft auch auf Yara aufgepasst. Sie ist ein sehr glückliches Kind und wir hatten eine hatten eine Menge Spaß gemeinsam! Mitunter begann sie ihre ersten Wörter zu sprechen; Alex und ich unterhielten uns bei der Arbeit manchmal mit kleinen Insider- Witzen, die man auf Yaras Kinderbücher und ihre Worte zurückführen konnte. („Can you do it?“ – „I can do it!“) In meinen zwei Monaten bei Little Foot Yurts bin ich einer Vielzahl unterschiedlichster Tätigkeiten nachgegangen und habe viel Neues gelernt.

Während dieser Zeit lebte ich in einer 17′ foot Yurt, die Alex und ich gemeinsam errichteten. Die Jurte befand sich auf einer Anhöhe inmitten der Akadischen Wälder; lediglich einen kurzen munteren Fußmarsch vom Haus und den beiden Scheunen entfernt. Dieser Platz, die Jurte, wurde für zwei Monate lang zu meinem zu Hause. Ich genoss die Ruhe und Abgeschiedenheit, das Knistern des abendlichen Feuers im Kamin und den Schnee, der die umliegenden Wälder in ein friedliches Weiß hüllte. Mit großem Spaß hackte ich jeden Tag Feuerholz für die Nacht und brachte Trinkwasser den Hügel herauf. Und auch wenn die Mäuse mir in den ersten Nächten den Schlaf raubten, so trafen wir schon bald ein vorzügliches Arrangement welches Schlaf und Würmereinlagerung zu beider Seiten Zufriedenheit garantierte. Hin und wieder fegte ein Sturm über die Jurte hinweg und diese Augenblicke waren es, in denen ich mich am meisten heimisch fühlte. Denn unabhängig von der Stärke des Windes hielt die Jurte stand.

In dieser meiner neuen Heimat war es, in der ich die Heilige Adventszeit erlebte. Dieser Advent, der erste fern von heimischen Gefilden, war von einem himmlischen Frieden erfüllt. Meine liebe Familie hatte mir von zu Hause einen Adventskalender geschickt dessen Bilder ich jeden Morgen mit dem größten Vergnügen bei Tee und Honigbrot (oder einem typisch- amerikanischen Mandelbutter- Brot) öffnete. Ich genoss die kalten Dezembertages sehr, bei Brot und Kerzenschein. Meine Familie überbot sich immer wieder selbst erfolgreich mit Paketen, Briefen und Postkarten. Sie haben sich sehr bemüht einen Hauch von österreichisch- katholischer Tradition über den großen Ozean bis hier her nach Canada in meine Jurte zu bringen. Sie machten diese ohnehin schon besonderen Adventstage mit ihren liebevollen Gesten auf ewig unvergesslich. Und dafür Danke ich ihnen von Herzen. Es war eine wunderbare, friedliche Zeit.

Nun liegen die Adventstage und das Heilige Christfest hinter uns. Ich wünsche einem jeden von euch, die ihr diese Zeilen lest, wunderbare Dezembertage im Alten Jahr und wundervolle Januartage im Neujahr. Mögen eure Tage erfüllt sein mit friedvollen Momenten, wunderschönen Augenblicken und fröhlichem Gelächter. :)

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Road to the East

Vor mir liegt der geheimnissvolle Pfad des Lebens. Der Weg ist Hinweis auf Orte, die in Ferne und Zukunft vor dem Reisenden liegen. Eine Straße. Sie schreitet fort und fort. Mit jedem Schritt den ich auf dieser Straße voran schreite verändert sich mein Leben auf wundersame Weise. Erfahrungen zieren sie; Wegkreuzungen eröffnen neue Möglichkeiten. Der Asphalt leuchtet im warmen Licht der aufgehenden Sonne. Ein neuer Tag erwacht und mit ihm der Geist des Reisenden, des Lernenden und Erkundenden. Berge wachsen riesenhaft aus dem Horizont; die Hänge leuchten im frischen Grün der Bäume. Ein kühlender Wind weht von Osten her. Hinter der Bergkette liegt das Ungewisse. Noch ungesehen, unbetrachtet. Der Wind bringt Kunde von den hinter den Bergen liegenden Geheimnissen und Erfahrungen. Ich schultere meinen Rucksack, streiche mein langes Haar aus dem Gesicht und mache mich freudigen Schrittes auf . Der Sonne entgegen. Dem Unbekannten entgegen. Der Straße des Lebens folgend. Wohin wird sie führen?

Ich werde es heraus finden!

Der Rabe breitet seine Schwingen aus und fliegt mit dem Wind in neue Gebiete. Ländereien, die bisher nur ein Punkt, ein Name, auf der Landkarte waren werden gefüllt mit Bildern, Gerüchen und Menschen.  Farben fließen über Wiese, Berg und Tal. Landstriche werden zum Leben erweckt und Geschichten entstehen aus Gedanken.

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In diesem Bericht werde ich von den vergangenen zwei Monden erzählen, welche so farbenreich und vielfältig waren wie die Blätter der Herbstbäume, die die Hügel säumen. Sie sind voll von phantastischen Ereignissen und Momenten. In diesen zwei Monaten habe ich einige ganz besondere Augenblicke erlebt, die für mich persönlich einzigartig waren, sind und immer sein werden. Dieser Beitrag ist in mehrere Abschnitte eingeteilt, welche von Orten und Erlebnissen berichten, die von der Mannigfaltigkeit und Schönheit des Lebens zeugen. Zwischen jeder der folgenden Zeilen liegt so viel mehr als das Lesbare; Erzählungen, Anekdoten und Erinnerungen an besondere Menschen, Orte und Momente. Wenn ihr mehr über diese kleinen, oftmals verborgenen, Schätze meiner Reise erfahren möchtet wird es mir eine Freude sein euch bei einem Tee (Kakao, Kaffee, Met, Wein) davon zu berichten.

Und Augen glänzen.

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Auftakt einer großen Tour – Banff, AB

Ich stand an der Bushaltestelle von Banff. Es regnete und donnerte. Durch den Regenvorhang blickte ich zu Mount Rundle, den ich auf eigenartige Art und Weise vermissen werde. Ich atmete tief ein. Ja, das war sie – die herrlich frische Luft die der Regen mit sich brachte. Ich schloss meine Augen und nahm innerlich Abschied von diesem Ort, der für vier Monate mein zu Hause war. Ein wenig später ertönte ein Dröhnen von der Straße her und ich sah den Greyhound herandonnern. Die Reise begann…

…mit einer stürmischen Umarmung! Da kam ein Bärtiger aus dem Bus gerannt und warf sich in meine Arme. Michael, mein guter Freund aus Münster! Herzliche Worte der Begrüßung wurden gesprochen und im Bus standen die Zungen mehrere Stunden lang nicht still. Wir hatten schon vor einiger Zeit beschlossen gemeinsam eine Tour zu unternehmen und nach mehreren Wochen der Planung war nun endlich der Moment gekommen. Ursprünglich hatten wir einen Road Trip durch Kanada geplant was sich dann allerdings als zu teuer herausstellte. Somit hatte ich eine kleine (für kanadische Verhältnisse) und überaus feine Route ausgearbeitet, die uns zu einigen sehr schönen Orten führen sollte. Das besondere an dieser Route war, dass die erste Hälfte recht akkurat geplant war, die zweite jedoch komplett offen stand und uns somit den Raum für alles Mögliche und vor allem Unmögliche gab. Also, auf geht’s!

Gastronomische und cineastische Verführung – Vancouver, BC

Der Greyhound brachte uns über Nacht nach Vancouver und die Stadt stellte den Beginn unserer kleinen großen Tour dar. Wir wussten, das wir lediglich einen Tag in der Stadt verbringen würden und hatten uns somit einige kleine Leckerbissen heraus gesucht, die wir uns näher anschauen wollten. Leckerbissen wortwörtlich, denn am frühen Abend besuchten wir das ‚Nu‘, ein Restaurant, welches im Lonely Planet wärmstens emfpohlen wurde und von dem Michael in seinem Blog [Link] bereits reichlich geschwärmt hatte. Das Nu – der Name hat es mir sehr angetan – lag am Hafen von Vancouver und man konnte eine sehr schöne Aussicht auf Granville Island genießen. Das Restaurant bot eine feine Küche und war spezialisiert auf alles was aus dem Meer kam. Sowohl das Ambiente als auch die Kleidung der Bedienung sowie die extravagante Weinkarte ließen mich zunächst vermuten dass es sich hierbei um ein Fine- Dining- Restaurant handelte. Tatsächlich kann man das Nu als ein höherklassiges Restaurant bezeichnen, knapp unter Fine Dining. Als Vorspeise bestellten wir ein vorzügliches Brot, welches mit Salz und Butter serviert wurde. Köstlich! Als Hauptgang bestellte ich einen Tomatensalat. Moment…Tomatensalat? Als Hauptspeise?! Japp. Und, wow, das nenne ich einen Tomatensalat! Auch wenn der Teller nur mit wenigen Tomaten – in rot und gelb – gefüllt war, waren sie mit Oliven und Mandeln garniert; eine wohlschmeckende würzige Sauce machte den Salat vollends zu einem außergewöhnlichen Geschmackserlebnis. Dieser Salat war ein echter Genuss für den Gaumen. Mir wurde klar warum in Fine- Dining- Restaurants nur kleine Mengen gereicht werden. Zu dem Salat hatte ich mir noch eine einzelne Auster bestellt, da ich noch nie eine solche probiert hatte und dieses Restaurant mir als guter Platz schien um eine solche zu kosten. In einem Wort: Salzig. In zwei: Zu salzig. Wie ich mir bereits gedacht hatte bin ich kein Muschel- und Austerfan. Nun habe ich Gewissheit. ;) Wir schlossen unser königliches Mahl mit einer Schockoladeneiscreme ab, die so cremig und schockoladig war, dass sie wörtlich auf der Zunge zerfloss. Alle Gerichte waren wirklich hervorragend und hochzufrieden machten Michael und ich uns auf zu dem zweiten Leckerbissen, den wir uns für diesen Abend heraus gesucht hatten…

Unser Weg führte uns zum Cinémathèque [Link]. Dieses außer-gewöhnliche Lichtspielhaus findet seinen Ursprung in Frankreich und hat es sich zur Aufgabe gemacht alte (Kunst)Filme zu bewahren und zur Diskussion über alte wie moderne Werke anzuregen. Die Cinémathèques bieten auch eine Vielzahl von Movie Workshops an. Zudem kann man hin und wieder nach der Vorführung mit einigen Schauspielern oder dem Regisseur des gesehenen Filmes sprechen. Ein Ort für Independent Movies und solche, die ungewöhnliche Wege beschreiten. Mit anderen Worten: Ein Ort der mein Interesse regte. Gewöhnlicherweise werden nur ein oder zwei Filme pro Abend gezeigt. Michael und ich wussten nicht was an diesem Abend laufen würde und so waren wir sehr überrascht als wir dann in ‚The Girlfriend Experience‘ landeten. Hier die Beschreibung von der offiziellen Website des Cinémathèque: “Adult film star Sasha Grey stars in this scintillating drama where everyone is selling — and for sale.“ Ein Film mit einem Porn- Star in der Hauptrolle über die ausgefallene Geschäftsidee einer Edel- Prostituierten. Independent Movie, seeehr ausgefallen.

„Hey look! It’s a Three- Headed- Monkey!“ – Seattle, WA

In der amerikanischen Metropole Seattle, nahe der kanadischen Grenze, erwartete Michael und mich eine Veranstaltung, auf die wir beide uns schon seit Wochen freuten: Die Penny Arcade Expo 2oo9, eine der größten Gameconventions Amerikas. Lautes Treiben, Menschenmassen und haufenweise Nintendo DS‘ in den Händen der Besucher. Mich trieb ein ganz besonderer Grund an diesen Ort, oder besser gesagt eine besondere Person: Ron Gilbert. Yay! :D Mit seiner Schöpfung The Secret of Monkey Island hat er mich und tausende (!) treuer Fans sehr glücklich gemacht. Ihr könnt euch das in etwa so vorstellen als wenn ihr die Chance erhaltet eurem Lieblingsautor einen Besuch abzustatten. Monkey Island, die berühmte Adventure- Computerspielserie, gehört für mich persönlich zu den Spielen der besonderen Art. Nicht der Mutimedia- Stumpfsinn der größtenteils für die Massen produziert wird. Monkey Island ist die Art von Spiel, die euch mit seinem Humor und einfallsreichen wie liebevoll gestalteten Charakteren wirklich berührt. Die Geschichten, die in den einzelnen Teilen der Serie erzählt werden, sind unvergleichlich. Eine phantastische Story über Piraten, Affen, Liebe und natürlich, Guybrush Threepwood (die Hauptfigur des Spiels , Mighty Pirate™ )! Monkey Island ist eine Legende. Ron Gilbert, der Vater der Spieleserie, hielt die Eröffnungsrede auf die ich schon sehr gespannt war.

PAX war in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich. Es gab eine Menge geekiges zu sehen und auszuprobieren. Ich dachte das Ron Gilberts Keynote der Höhepunkt für mich sein würde; und ich täuschte mich. Ein Ereignis, welches für viele nichts besonders sein würde, machte den Tag noch großartiger. Was dort geschah kam mit einem so großen innerlichen Affen-Freudentaumel-Jubel-Das-Ist-Einfach-Unglaublich-Großartig mit sich, dass ich es kaum in Worte fassen kann. Brisajhfjumadu! Ich traf Dominic Armato, den Sprecher von Guybrush Threepwood!! Wir haben ein bisschen miteinander geplaudert und dann hat jemand sogar ein Photo von uns beiden gemacht!!! In diesem Augenblick schwebte ich glaube ich auf einer puren Wolke des Glücks (eine der stylischen Monkey Island Wolken, von Bill Tiller gezeichnet). Monkey Island, Ron Gilbert, Dominic Armato und die ganze Crew sind einfach toll!

Neben PAX habe ich mir in Seattle auch die Space Needle angeschaut und wir haben meinen neuen Daunen- Schlafsack bei dem kleinen Unternehmen ‚Feathered Friends‘ abgeholt. Ein netter kleiner Laden. Michael und ich hatten eine Menge Spaß in Seattle! :)

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Mystische Insel der Baumriesen und Felsenküsten – Vancouver Island, BC

Zwei Tage nachdem wir Seattle erreicht hatten verließen wir die Stadt wieder, diesmal per Schiff. Wir befanden uns auf dem Weg zu einer Insel auf der wir die nächsten Wochen verbringen würden: Vancouver Island, dem felsigen Paradies an der Westküste Nordamerikas. Wie ein großes Mysterium erhob sich die Insel aus dem dichten Nebel. Tiefe, unberührte Regenwälder erstreckten sich über das Eiland, uralte Baumriesen ragten weit in den Himmel hinaus. Mächtige Wellen donnerten gegen die Felsklippen und abgelegene Berge erhoben sich im Zentrum.

Michael und ich waren etwa eine Woche in der Hauptstadt der Provinz, Victoria. Wir wurden von sonnigem Wetter begrüßt. Schon beim ersten wandern durch Gassen und Straßen war mir Victoria wesentlich sympathischer als das nahe und bekanntere Vancouver. Victoria gibt sich – ganz wie der Name vermuten lässt – viktorianisch. Immer wieder fühlte ich mich in eine idlyllische Kolonialstadt vergangener Zeiten versetzt wie man sie nur im British Empire finden konnte. Rote Doppeldeckerbusse schaukelten gemütlich Passagiere von einem Ende des Hafens zum anderen, wohl gepflegte Gärten wohin man blickte. Im Zentrum der (an sich eher kleinen) Stadt erhob sich das beeindruckende Parlamentsgebäude sowie das nicht minder schön anzusehende Empress Fairmont Hotel. Doch diese Pracht war nicht was mir so gut gefiel. Es waren die kleinen Gassen, die zum Erkunden einluden; kleine, nette Coffee- Shops schmiegten sich an zahlreiche Boutiquen. Straßenmusikanten erfüllten die belebten Straßen mit Musik. Und Science Fiction Fans erwartete hier eine Begegnung der besonderen Art (siehe Photos). Im Hafen landeten und starteten Wasserflugzeuge, die mir sehr gut gefielen. Vom Wasser in die Lüfte, sehr cool! Die Studenten der örtlichen Universität brachten eine Menge Leben in die bis dato eher etwas angestaubte Stadt.

Beim umherstreifen stoßen Michael und ich nicht nur auf einen Buchladen mit verblüffender Architektur sondern fanden auch einen Comic Shop mit einigen bemerkenswerten Werken. Sehr beeindruckt waren wir zudem von dem British Columbia Royal Museum, welches dem Besucher in interessanter Form die Geschichte BCs, vom Mesozoikum über das Kolonialzeitalter bis hin zur frühen Moderne näher bringt. Besonders gefiel uns beiden der Teil der sich mit den First Nations beschäftigte. Ich interessierte mich schon seit längerer Zeit für die Kultur der Ureinwohner Nordamerikas, insbesondere der Nootka (Nuu– chah– nulth) von der Westküste Vancouver Islands. Sehr spannend. Zusätzlich zu der permanenten Ausstellung des Museums besuchte ich noch eine Gastaustellung in der Schätze aus aller Welt gezeigt wurden. Zur Verfügung gestellt vom British Museum zu London wurden Stücke aus Ägypten, Zentralafrika, dem Mittleren Osten, China, Japan, Neuseeland, etc. gezeigt. Ich stieg von einem Staunen in das nächste über und einige Gegenstände haben mich so fasziniert dass ich mich tatsächlich Minuten lang nicht einen Zentimeter bewegte. Gedanken und Bilder wurden entfesselt.

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Während wir in Victoria verweilten diskutierten Michael und ich darüber wo wir als nächstes hin gehen wollten. Wir entschieden uns für das bekannte Tofino, welches international für seine Wellen – und seine Surfszene – bekannt ist. Wir kalkulierten ein bisschen herum und machten uns dann auf. Zur Busstation? Zum Autoverleih? Nein, zum Stadtrand! Dort angekommen ließen wir uns am Rand des Highway 1 nieder und hielten ein Stück Pappe den kommenden Fahrzeugen entgegen. “TOFINO“ stand darauf in großen Lettern geschrieben. Wir waren beide wie zuvor berichtet schon einige Male hitchhking; allerdings über kurze oder sehr kurze Distanz. Die 300 km Entfernung zwischen Victoria und Tofino waren etwas komplett Neues für uns. Michael und ich wussten das, falls uns niemand mitnehmen würde, wir mitunter unsere Zelte spontan an einem Ort des Zufalls aufschlagen mussten. Doch, heya, wir sind in Canada! :) Zudem könnte man Vancouver Island auch Hippie Island nennen und Weed ist vermutlich die am meisten kultivierte Pflanze. VW Busse – von ramponiert mit Peace Zeichen bis hin zu komplett aufpoliert – sind uns schon in Victoria in großer Zahl aufgefallen. Hier würde es sicher nicht schwer sein zu Hitchhiken. Und tatsächlich! Nach kurzer Zeit hielt ein VW Bus (yay! :D) an und wir waren auf und davon. Hier bekamen wir von einem erfahrenen Hitchhiker nützliche Tips zur „Kunst des per- Anhalter- Fahrens“. Sehr praktisch. Es war der erste Ride von fünf. Auf unserem Weg nach Tofino wurden wir unter anderem von einer in einem roten Cabrio heran rauschenden alten Lady auf ein Eis (es war ein heißer Tag) und eine kleine Kanu- Tour eingeladen. Ein tolles Erlebnis! Mit unseren beiden großen Rucksäcken passten wir kaum in das Automobil. Auf unserer Reise begegneten wir nur einem Typen, der merkwürdig war. Wir waren allerdings nicht lange mit ihm unterwegs und Michael und ich fanden ihn eher seltsam als gefährlich. Am frühen Abend erreichten wir Nanaimo und lange Zeit hielt kein Auto an. Wir hatten uns schon mit dem Gedanken die Nacht in der Nähe zu verbringen (mehr oder weniger) angefreundet , als kurz vor Einbruch der Dunkelheit ein Wagen mit großer Geschwindigkeit heranbrauste, vorbeibrauste…..und anhielt?! Wenige Minuten später waren wir auf dem Weg zur nächsten Stadt. Extrem laute Rockmusik und das Quietschen der Reifen begleitete uns auf einer der rasantesten und wohl eine der schnellsten Fahrten die ich je erlebt habe durch die Dunkelheit. Durch die Fenster betrachteten wir die Sonne, die in rot- lilanem Licht im nahen Ozean versank.

Der Abend war schon weit voran geschritten als wir schließlich Port Alberni erreichten. Dieses kleine Städten lag auf halben Wege zwischen Nanaimo und dem wesentlich bekannteren Tofino. Mit einer sonderbar anmutenden Nachricht, die wir einem Bekannten in einem Hippie- Dorf nahe Tofino ausrichten sollten, setzte uns unser Fahrer direkt neben dem Eingang des einzigen Hostels der Stadt ab. Mein Begleiter und ich ahnten zu diesem Zeitpunkt noch nicht was für eine wichtige Rolle dieser Platz in den kommenden Tagen und Wochen für uns spielen würde. Und ich denke er wird mir aus ganzem Herzen zustimmen wenn ich sage, dass wir hier einen wahren Schatz gefunden haben, den wir beide für unser Leben nicht vergessen werden. Die leuchtend gelbe Fassade des ‚Fat Salmon Backpackers‘ strahlte eine muntere Freundlichkeit aus. Im Vorgarten saßen zwei uns begrüßende Kerle, der Geruch von Weed stieg uns in die Nase. Ein Geruch, der auf Vancouver Island allgegenwärtig war. Einer der beiden stellte sich als der Besitzer des Hostels heraus, Chris. „We’ve got cheap, very cheap and extremely cheap.“ Diese Auswahl kam uns sehr entgegen. Wir ließen uns in einem 10- Bett Dorm Room nieder und waren angenehm überrascht, als wir diesen für uns hatten. Praktischerweise gab es ein chinesisches Familienrestaurant unvermittelt neben dem Hostel und so stillten wir dort unseren Hunger. Hervorragende Speisen wurden uns dort serviert. Auch wenn es schon recht spät war hingen wir noch mit Chris im Vorgarten rum und stellten fest, das er nicht nur sehr freundlich sondern auch ausgesprochen lustig (okay, und bekifft) war. Michael und ich fühlten uns richtig wohl und die Tatsache, dass die Betten freakige Namen hatten, ließ uns mit einem Lächeln auf dem Gesicht einschlafen. Was für ein Tag voller Überraschungen!

Am nächsten Morgen ging es weiter mit Hitchhiken. Am Rande Port Albernis angelangt mussten wir nicht lange warten bis jemand auf unser Schild und unsere freundlich drein blickenden Gesichter reagierte. Ein großer Truck samt kleinem Wohnwagen hielt an und so lernten wir Dylan kennen. Er war mir sehr sympathisch. In seinem Truck brachte er uns nach Tofino und wir verbrachten auch die nächsten Tage zusammen. Die Zeltplätze in Tofino waren aufgrund der hohen Popularität exorbitant teuer. Daher bot Dylan uns an zusammen mit ihm auf dem Platz zu zelten, wo er seinen Truck und kleinen Wohnwagen abstellen wollte. Wir waren sehr froh über diese Fügung, da wir andererseits nicht sehr viel Zeit in Tofino hätten verbringen können. Die Zeit mit Dylan war große Klasse. Gemeinsam erkundeten wir Tofino und die Umgebung. Wir führten witzige sowie tief gehende Gespräche. Ich habe zudem einiges von ihm gelernt. In Bezug auf Selbstständig- und Unabhängigkeit machte Dylan vieles anders als was das man als „gewöhnlich“ bezeichnen würde und das machte ihn zu einer sehr interessanten Person. Begeistert waren wir alle drei vor allem von einem Trail, den wir bei unserem Vorhaben – vom Campingplatz zu Tofino durch den Urwald zu wandern – entdeckten. Er führte uns quer durch den Regenwald und war offensichtlich noch nicht sehr ausgebaut. Der Weg führte uns nahe vorbei an moosbewachsenen Baumriesen, tellergroßen Pilzen und tiefen Erdlöchern. Mehr als nur einmal verloren wir die Orientierung. Der besondere Reiz lag darin, dass wir nicht wussten wie lang dieser Pfad sein würde. Wir waren irgendwo zwischen Küste und Straße. Nach drei Stunden erreichten wir die zuletzt genannte und stellten später fest, dass wir nicht mehr als drei oder vier Kilometer im Regenwald zurück gelegt hatten. Mit Abstand eine der besten Tageswanderungen die ich je unternommen habe! Ein riesiger Spaß!

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In Tofino stellte sich heraus, dass wir aufgrund der versteckten kanadischen Steuern den Nootka Trail auf Nootka Island nicht wandern konnten, was wir bis dahin vor hatten. Dieser hätte uns auf einer drei- bis fünftägigen Wanderung zu dem kleinen First Nation Dorf Yuquot geführt. Per Wasserflugzeug wären wir zu dem kleinen Eiland, welches im Nordwesten von Vancouver Island gelegen ist, geflogen. Michael und mir war klar, dass wir eine längere Wandertour miteinander unternehmen wollten und suchten somit nach einer Alternative. Nach einigen Überlegungen erschien auf unser beider Gesicht ein breites Grinsen der Übereinkunft. Somit verabschiedeten wir uns nach vier Tagen in Tofino von Dylan, bestiegen ein kleines Versorgungsschiff und…

…erreichten wenige Stunden später Port Alberni. Was? Schon wieder? Japp, wie bereits erwähnt sollte das Fat Salmon Backpackers noch eine große Rolle in unserer Reise spielen. DMichael und ich quartierten uns voller Vorfreude gleich für ein paar Tage mehr ein. Wir erkundeten Port Alberni, planten unsere Tour und rüsteten uns mit Verpflegung aus. Dabei lernten wir Chirs und Charmead , seine Frau, näher kennen. Sie haben zwei kleine Söhne und betreiben das Hostel als Familie. Mit jedem Tag den wir dort verbrachten genossen wir unseren Aufenthalt mehr. So freundliche Leute! So coole Bettwäsche! Der Geruch von Weed hing jeden Abend zuverlässig in der Luft und auch Magic Mushrooms waren mit dabei.

Für unsere Tour brauchten Michael und ich ein Kanu und somit erkundigten wir uns bei Chris über die örtlichen Anbieter. Es gab nur einen einzelnen Kanuverleih, dessen Preise und Geschäftspolitik allerdings niemandem in ganz Port Alberni zusagten. Chris gab uns deshalb einen Geheimtipp (oh ja!). Und dieser Geheimtipp war es, der meinem Begleiter und mir eine Tour ermöglichte, die einfach nur atemberaubend war (in zweierlei Sinn). Ben Potter, ein Mann der die Insel wie seine Westentasche kannte, war so local wie man nur local sein kann. Er lieh uns sein Kanu aus, holte uns vom Hostel ab und setzte uns dort nach unserer Tour wieder ab. Für einen viel zu niedrigen Preis. Aufgrund dessen wollten wir dem guten Ben eine Flasche Wein oder ähnliches kaufen, doch er lehnte dankend ab. Er hatte schlichtweg eine große Freude daran, dass er uns beiden Fremden die Gegend näher bringen konnte. Auf der Fahrt erzählte er uns viel über Vancouver Island, Bäume, Bären und sich im Wald verirrende Jäger. Moment, die Fahrt wohin?

Vancouver Island beherbergt eine Vielzahl von geheimnisvollen, abgelegenen Orten; auf Bergen, in Höhlen, inmitten der Wälder und in abgelegenen Buchten. Einer dieser Orte sind die Della Falls, mit 440 Metern die höchsten Wasserfälle Nordamerikas. In Kanada gibt es Wasserfälle in großer Zahl und zwei der bekanntesten befinden sich unmittelbar neben den Highways im Banff bzw. Jasper National Park. Die Della Falls hingegen unterscheiden sich von den meisten dieser Wasserfälle. Sie sind inmitten der Natur gelegen, in schwer zugänglichem Gelände. Schwer zugängliches Gelände? Eine mehrtägige Tour? Wandern und Kanu- Fahrt? Das klang nach der Herausforderung, die Michael und ich gesucht hatten.

Nun denn, auf zu den Della Falls!

Tag 1: Juhuuu! Mit viel Enthusiasmus starteten Michael und ich unsere Tour. Die Rucksäcke waren voll gepackt mit neuer Camping Ausrüstung und genügend Verpflegung für über zwei Wochen. Die Wanderung zu den Della Falls begann am Ende des Great Central Lake, der, wie der Name schon vermuten lässt, ziemlich genau in der Mitte Vancouver Islands liegt. Wir paddelten den ganzen Tag über und Erinnerungen an Schweden wurden wach. Die uns umgebende Natur nahm uns schnell in ihren Bann; mit jedem Paddelschlag verschwanden die Häuser am Ufer mehr und mehr. Offene, hohe Hügel erhoben sich um den See herum und wuchsen später zu mit Bäumen bewachsenen Bergen heran. Um uns herum sahen wir die tiefen Wälder Vancouver Islands und begannen langsam die Größe der Regenwälder zu erahnen. Tiefer und tiefer drangen wir in die Wildnis vor. Kurz bevor wir am frühen Abend des ersten Tages an Land gehen wollten setzte von einer Minute auf die andere ein gewaltiger Sturzregen ein. Dem Regen trotzend zogen wir unser Kanu an Land und errichteten unser Lager für die Nacht. Uns wurde bewusst, dass wir uns in einem Regen-wald befanden; selbiger hielt an und nachdem die Zelte errichten waren und die Pocketrocket gezündet wurde (unser Kocher) waren wir ziemlich durchnässt. Umso mehr freuten wir uns über unser heißes Abendmahl aus der Dose (jammy!) und Tee. We were on our way!

Tag 2: Der nächste Morgen kündigte sich mit Sonnenschein an; die Regenwolken waren kurz vor Sonnenaufgang weiter gezogen. Nach einem Stückchen frühen Früh-stücks machten wir uns auf unseren Weg. 17 Kilometer Pfad durch Wälder, über Ströme und Felsen lagen vor uns. Mit entschlossenem Schritt folgten wir dem Weg in Richtung Norden. Was für eine Szenerie uns erwartete! Ein Uhu erhob sich mit breiten Schwingen in die Lüfte und entlockte mir und meinem Begleiter einen Ausruf des Erstaunens. Aufgrund des Regens waren über Nacht kleine Rinnsale entstanden und Bäche führten mehr Wasser als üblich. So zogen wir unsere Wanderstiefel aus und überquerten zwei, drei Creeks dieser Art. Das Wasser war erfrischend kühl und der Gedanke hier einen Wasserfilter zu nutzen erschien mir nun als ein Absurdum. Zudem hatten sich Teile des Pfades ebenfalls in kleine Bäche verwandelt und so wateten wir eine Weile durch seichtes Wasser, Pfützen und Schlamm. Unsere wasserfesten Wanderstiefel leisteten uns gute Dienste. Trotz des vielen Wassers war der erste Teil des Weges sehr einfach und wir kamen gut voran. Durch das Blätterdach der hohen (!) Bäume erblickten wir zu unserer Linken einen Berg; das Rauschen eines breiten Flusses begleitete uns auf unserem Weg. Wie breit dieser Fluss wirklich war sollten wir schon bald heraus finden….

Hatte ich schon erwähnt das der Trail zu den Della Falls offiziell geschlossen war? Nein? Nun, ein Sturm hatte eine der Brücken über einen der Flüsse zerstört. Offiziell sei kein alternativer Weg bekannt – doch Ben hatte uns von einer Stelle einige hundert Meter stromaufwärts erzählt, wo wir den Fluss überqueren konnten. Die demolierte Brücke war ein pures Beispiel der Kraft der Natur; nachdem wir sie näher betrachtet hatten erkundeten wir zunächst die Gegend. Eine Flagge an einem Ast kündete den stromaufwärts führenden Seitenpfad an. Da die Brücke vor noch nicht allzu langer Zeit eingestürzt war, lies sich der Weg mit Recht als unzugänglich beschreiben. Dieser hielt für uns nicht nur einige Anstrengungen bereit, sondern belohnte uns auch mit der meiner Meinung nach schönsten Stelle der ganzen Wanderung! Und tatsächlich, der Pfad führte uns zu einer gewöhnlicherweise recht seichten Stelle im oberen Stromverlauf. Die Überquerung des Flusses war mit Abstand der schwierigste zu bewältigende Punkt der Tour. Unsere Ausrüstung war vom Regenguss der vorigen Nacht immer noch mehr als nass. Wir wussten das wir uns nahe eines Campingplatzes befanden – ebenso wussten wir das bald der Zeitpunkt gekommen sein wird, der den Anbruch der Nacht ankündigen würde. Sobald dieser Moment eintreten würde hätten wir noch etwa eine halbe Stunde Zeit bis die Dunkelheit ein weiter wandern in unbekanntem Gebiet unmöglich (er, sagen wir unklug) gemacht hätte. Wo befand sich der Camping Platz? Sollten wir weiter suchen oder in der Umgebung einen Platz zum Rasten™ suchen? Die Zeit schritt weiter voran und wir beschlossen auf einer kleinen Insel inmitten des Flusses unsere Zelte für die Nacht aufzuschlagen. Michaels Zelt war komplett durchnässt, ebenso unsere Schuhe. Somit schmiss ich eine kleine Feier in meinem Black Diamond HiLight Zelt (das mir nebenbei bemerkt ebenfalls sehr gute Dienste auf der Tour geleistet hat); wir wärmten uns am Feuer des Kochers und genossen einen hervorragenden Irischen Eintopf. :D

Tag 3: Am darauf folgenden Morgen schien erneut die Sonne, genau auf unseren Rastplatz. Wir begrüßten mit Freude die Sonnenstrahlen, die uns die Möglichkeit gaben unsere Ausrüstung zu trocknen. In trockenen Socken und mit neu erwachtem Elan ging es weiter, tiefer in den Regenwald hinein, sich mit jedem Schritt weiter von der Zivilisation entfernend. Es zeigte sich das wir eine gute Wahl am Vorabend getroffen hatten. Kurz nach der Überquerung des Flusses verliefen wir uns und fanden für eine ganze Weile den Weg nicht. Zwei Pfade führten in dieselbe Richtung und vereinten sich dann in, so schien es uns, einem Kreis. Das Gebiet war von sehr hohem Gras, bis zu ca. 1,70 Meter hoch, bewachsen und erschwerte das Auffinden des richtigen Weges. Nachdem wir die Gegend näher erkundet hatten fanden wir schließlich den Weg und setzten unsere Wanderung fort. Das Gelände wandelte sich zunehmend und wir begannen subalpines Terrain zu betreten. Am Nachmittag des selben Tages war es, als wir, auf einer der zahlreichen Brücken stehend, das erste Mal in unserem Leben die Della Falls sahen. Wow! Was für ein Anblick! Wir hielten einen Augenblick lang inne und lauschten in das Tal hinein. Ja, wir konnten sie hören! Dort, in der Ferne, doch eigentlich gar nicht mehr so fern, stürzten die Wassermaßen des höchsten Wasserfalls Nordamerikas in die Tiefe. Der Anblick beflügelte uns. Am Nachmittag, die Sonne stand hoch am Himmel, erreichten wir den Ort um den sich unsere Gedanken seit Tagen drehten. Bei jedem Hindernis, welches auf unserem Weg auftauchte, hatten wir unsere Gedanken auf die Belohnung der Mühen am Ende unseres Weges gerichtet.

Wie beim Besteigen eines Berges waren alle Mühen augenblicklich vergessen als ich die Della Falls erblickte. Ein großes Gefühl des Glücks und der Zufriedenheit gesellte sich zu mir; die Tatsache, dass es ein nicht einfacher Weg zum Ziel gewesen war und nicht jeder die damit verbundenen Anstrengungen auf sich nahm hat mich umso mehr gefreut. Michael und ich erkundeten gemeinsam den Fuß des Wasserfalls. Wir kosteten das reine Wasser, welches vom Della Lake seinen Weg über 440 Meter bis hierher findet. Selten habe ich so köstliches Wasser getrunken. Am Abend feierten wir unsere Ankunft.

Tag 4: In aller Frühe brachen wir zu unserem Rückweg auf. Wir nahmen Abschied von den Della Falls und machten uns mit wesentlich leichteren Rucksäcken auf zu unserem Kanu. Es war erstaunlich welch großen Unterschied es machte wenn man einen Weg schon einmal gegangen ist. Um unser Treffen mit Ben nicht zu versäumen mussten wir an diesem Tag bis zum Hauptlager am Great Central Lake wandern. Die Übernachtung auf dem Hinweg war eigentlich und auch uneingentlich nicht geplant gewesen. Das Wetter war wunderschön; der Wald leuchtete im warmen Licht des Sommertages, die Bäche glitzerten freudig. Seit Beginn unserer Wanderung hatte es nicht geregnet und somit war das Überqueren des breiteren Flusses und kleinerer Bäche nun wesentlich einfacher. Wohlgemut kletterten wir über Steine, duckten uns unter schräg stehenden Baumstämmen hindurch, wateten durch Wasser und hielten vor Staunen inne um die Schönheit der Natur zu bewundern. Am Spätnachmittag erreichten wir schließlich den uns wohl vertrauten Lagerplatz.

Tag 5: Am letzten Tag der Tour paddelten wir unser rotes und wohl ausbalanciertes Kanu zurück zu dem Strand, an dem wir später am Tag Ben trafen. Diesmal waren wir es, die vor Begeisterung sprichwörtlich wie ein Wasserfall redeten und vor allem: Schwärmten. Ben grinste und war, denke ich, überglücklich mit uns in die Wildnis gefahren zu sein. Vielen, vielen Dank dafür, Ben! Insgesamt waren Michael und ich fünf Tage lang in der Wildnis Vancouver Islands um eines der zahllosen Wunder dieses Planeten zu sehen. Was für eine großartige Wanderung!!!

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Zurück in Port Alberni bedankten wir uns bei Chris in flüssiger Form (wir hatten gerade keine Magic Mushrooms zur Hand) dafür, dass er uns mit Ben in Kontakt gebracht hatte. Es war eine große Tour und Michael und ich haben es sehr, sehr genossen. Wir verbrachten noch zwei Tage im Fat Salmon Hostel, die wir vornehmend mit Rasten™ und den Gedanken um die Weiterreise verbrachten. Nach ausgeprägten Überlegungen (oder eher einer sehr spontanen Entscheidung um 3 Uhr nachts) beschloss ich möglichst bald weiterzureisen. So stand ich dann mit einem Pappschild erneut am Straßenrand und hitchhikte nach Nanaimo um von dort aus die Fähre nach Vancouver zu nehmen. Mein Reisegefährte Michael und ich hatten etwa drei Wochen gemeinsam auf Vancouver Island, der Insel der Bäume, Felsen und Wasserfälle, verbracht. Der Moment des Abschiednehmes war gekommen. Michael machte sich kurz nach mir mit dem Flugzeug auf ins ferne Toronto. Ich hingegen hatte eine andere Stadt zum Ziel, die Schauplatz eines Ereignisses war, dem ich schon seit Monaten mit großer (!) Freude entgegen blickte. Und so führte mich mein Weg in die…

Stadt der Winde, Winnipeg, MB

Unabhängig davon wen man fragt, die Antwort auf die Frage ob sich ein Besuch in Manitoba und Saskatchewan lohne, ist nahezu überall die gleiche: Überspringe die beiden als Prärieprovinzen bekannte Gebiete. Es gebe nahezu nichts zu sehen und in der flatten Ebene sei es allgemein ziemlich langweilig. Nun denn, diesem kann ich nach dem was ich vom Greyhound aus gesehen habe nur zustimmen; dennoch gibt es auch hier einige Orte von Interesse. Winnipeg, Provinzhauptstadt von Manitoba, ist bekannt für seine florierende Kunst- und vor allem Musikszene. Der Geist des Wilden Westens ist hier immer noch gegenwärtig und dementsprechend rau geht es hier in einigen Gegenden zu. Winnipeg ist den heftigen Winden der Prärie schutzlos ausgeliefert und japp, es war wirklich sehr windig. Bemerkenswert. Hier fand ein Konzert meiner Lieblingsbands statt:

STRATOVARIUS!

Die finnische Powermetal Band startete ihre Nordamerika- Tour kurz nach der Veröffentlichung ihrer neuen Platte Polaris. Als ich auf der Webseite der Band sah, dass Stratovarius wieder auf Tour war habe ich mich riesig gefreut. Noch mehr gefreut habe ich mich als ich mir die Liste der Locations durch las. Toronto, Ottawa, Montréal, Québec City, Winnipeg, Regina, Vancouver und andere große kanadische Städte sollten in den Genuss finnischen Powermetals kommen. Mein Gesicht zierte ein breites Grinsen, mein Herz machte nicht nur Freudensprünge, sondern ganze Dreifach- und Vierfachsaltos. Wow, wow, WOW. Stratovarius war auf Tour und ich würde die Gelegenheit haben sie zu sehen! Die Jungs aus Finnland begannen im Osten Canadas und da ich mich im Westen befand, war es nahe liegend sie irgendwo in der Mitte zu treffen. Aufgrund der bereits erwähnten großen Musikszene habe ich mich dann für das Konzert in Winnipeg entschieden.

Etwa eine Stunde vor offiziellem Einlass fand ich mich im West End Cultural Centre ein. Ich hatte mir vorweg ein V.I.P. Ticket gesichert, dessen Beschreibung im Internet erahnen ließ, dass man die Band treffen würde! Als dann endlich nach ungeduldigem Warten die Pforten geöffnet wurden saßen dort wahrhaftig Timo Kotipelto, Jens Johansson, Lauri Porra, Matias Kupiainen und Jörg Michael. Habe ich schon erwähnt das ich skandinavische Namen mag? Ich lieeebe skandinavische Namen. Wir bekamen Stratovarius V.I.P. Shirts und Plakate, die ich von den begabten Musikern signieren ließ (jeweils ein Plakat für mich und eines für meinen guten Freund Paul, der ebenfalls ein großer Strato- Fan ist). Und yeah, dann konnte man Photos mit der Band machen! Ich wechselte einige Worte mit dem Bassisten Lauri Porra und fragte ihn nach seinem neuen Soloalbum, welches nur sehr schwer aufzutreiben ist. Es verschlug mir fast den Atem als er antwortete: „Hm, ya, I have one or two CDs in the bus. After the show I can bring you one.“ O_O Ich war verblüfft – und begeistert von Lauris überaus coolem Akzent.

Wenig später begann das Konzert. Der Saal war nicht einmal zur Hälfte gefüllt, offensichtlich war Stratovarius in der Gegend nicht sehr populär. Es war fast schon beschämend sich um zudrehen und zu sehen das dort keine Massen von Fans standen, die begierig darauf warteten, dass Stratovarius seine Instrumente zum Leben erweckte. Die Band kümmerte sich nicht um die geringe Zahl der Erschienenen und startete das Ton- Feuerwerk mit einem epischen Destiny [Link]. Yeah, einer meiner Lieblingssongs! Es folgten Tunes vom neuen Album Polaris sowie von zahlreichen älteren (darunter sogar sehr alten) Platten, die mich alles um mich herum vergessen ließen. Ich stand in der ersten Reihe und die Leute in den ersten Reihen gaben alles, um die fehlende Masse an Leuten lautstark wieder wett zu machen. Stratovarius rockte die Bühne und es offenbarte sich ein jedem das große Talent der Musiker. Gesang, E- Gitarre, Bass, Schlagzeug und Keyboard- Töne hüllten mich ein in einen musikalisch- phantastischen Rausch. Farben verschwommen und ich war eins mit der Musik. Danke Stratovarius für die tolle Show! Wer eine Kostprobe von dem Konzert haben möchtet ist herzlich dazu eingeladen sich dieses Video anzuschauen (es wird gemunkelt das 07:36 eine kleine Überraschung beinhaltet ;)):

Und hier ein beeindruckendes Guitar/ Bass Solo:

Es war ein herrlicher Abend und ich dachte nicht, dass er noch besser werden könnte. Doch ai, dem war so als Lauri nach dem Konzert kam und mit einigen der Fans sprach. Er verkaufte mir seine neue Platte All Children Have Superpowers und signierte sie! Die einzige handsignierte CD in ganz Nordamerika! O_O Lauri war extrem lustig und signierte danach alles, was sich signieren lies (der Stift war ja schon mal da XD). Darunter Mobiltelephone und sogar eine PSP. Und er sprach eine urkomische Ansage auf das Anrufbeantworterband des Handys eines Fans. Alle fühlten sich richtig wohl und hatten eine Menge Spaß. Und es ging noch weiter!

Vor dem Konzert hatte ich mit dem Merchandise- Verkäufer gesprochen. Er kam aus dem Ruhrpott und war sehr froh jemanden zu treffen der Deutsch sprach. Er hatte angeboten mir den Tourbus (!!!) zu zeigen und so suchte ich ihn nach dem Konzert auf. Stoni, danke für alles was du möglich gemacht hast! Er zeigte mir den Tourbus von innen, den ich mit großen Augen betrachtete. Ich fühlte mich wie ein kleiner Junge in einem wahr gewordenen Traum. Und es ging noch weiter!

Nahe des Busses hing die Band around und ich gesellte mich zu den Finnen und dem deutschen Schlagzeuger. Ich wechselte einige Worte mit Jens, dem Keyboarder, und einige Worte mehr mit Jörg, dem Schlagzeuger und natürlich Lauri, dem Bassisten. Letzterer ist in dieser Nacht zu einem meiner Lieblingsmusiker avanciert – sein neues Album ist sehr stimmungsvoll.

Irgendwann wurde es spät und die Band machte sich auf nach Regina für die nächste Show. Die Crowd war nicht groß gewesen in Winnipeg, doch die Stimmung war super und jeder hatte Spaß. Schwankend vor Glück machte ich mich auf den Rückweg zum Hostel. Was für ein Abend! Und wie ich am nächsten Morgen feststellte war es kein Traum. Es war tatsächlich passiert. Im Februar 2o1o werde ich mir Stratovarius zusammen mit meinem Freund Paul erneut anhören – und dann werden wir vielleicht beide Backstage sein.

Stratovarius rockt!

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Tee und Geschichte (und nicht umgekehrt ^^) – Ottawa, ON

Nach einer wunderschönen, stimmungsvollen Fahrt vorbei an Wäldern und Seen hatte ich nach insgesamt etwa vier Tagen im Greyhound den Osten Canadas erreicht. Welch ein gewaltiges Land. Nach Winnipeg reiste ich nach Ottawa, der zweisprachigen Hauptstadt Canadas. Ottawa markierte für mich einen wichtigen Punkt in meiner einjährigen Reise in Canada: Denn nun befand ich mich in einem durchweg anderen Teil des Landes und auf der anderen Seite des zweitgrößten Kontinents der Erde.

Verglichen mit meinen letzten Wochen war Ottawa recht unspektakulär. Eine Unspektakulärtheit die mir sehr gefiel. Ich schaute mich schon am ersten Tag nach einem netten Plätzchen um, wo ich etwas abgeschieden vom städtischen Trubel sein konnte. Ein solches fand ich dann in einem kleinen Teehaus, welches mit über 15o Teesorten aus aller Welt zu beeindrucken wusste. Ein ruhiger Ort den ich in den kommenden Tagen mehrmals und immer wieder gerne aufsuchte. Ich verbrachte zwei oder drei Tage in Ottawa. Im Canadian Museum of Civilisation lernte ich einige interessante Dinge über kanadische Geschichte; die Parlamentsgebäude waren auch für europäische Verhältnisse sehens- und bestaunenswert.

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Die hohe Zahl der Ausrufezeichen in diesem Beitrag zeigen denke ich das Offensichtliche. Ich war und bin begeistert und zutiefst angetan von dem Erlebten. Erlaubt mir zusammenfassen: Mit Michael in Leckereien schwelgen in Vancouver, mit Dominic Armato plaudern auf der PAX in Seattle, große und kleine Wanderungen auf Vancouver Island, insbesondere die großartigen Della Falls, Stratovarius- Konzert in Winnipeg und zuletzt aber nicht unerwähnt ein ruhiger, netter Teeladen in Ottawa.

Tief berührende Augenblicke, riesige Freude und großes Staunen.

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Galerie

Für die Photos unserer Wanderung zu den Della Falls möchte ich mich bei Michael herzlichst bedanken, der seine wohl verpackte Kamera immer wieder aus den unendlichen Weiten seines Rucksack heraus hohlte um diese Bilder zu schießen. :)

Goodbye Banff

In meinem letzten Bericht habe ich euch vom Bergsteigen erzählt. Immer wieder staune ich über die Schönheit und Vielfalt der Natur die mich umgibt. Die Bäume, Berge, Flüsse und Seen um Banff herum haben meine Zeit dort geprägt und ich bin sehr dankbar dafür das ich diesen Ort gefunden habe.

Nach viereinhalb Monaten ist nun der Zeitpunkt gekommen die kleine Stadt inmitten der Rocky Mountains zu verlassen und sich all die Gebiete hinter dem Horizont näher anzuschauen. Nicht nur die Umgebung und Lage selbst haben meinen Aufenthalt in Banff so besonders gemacht – es waren auch und vor allem die Menschen. Wenn ich zurückkehren werde werden andere Leute hier wie dort verweilen und das Erlebnis wird bei einer Rückkehr (die nebenbei bemerkt ziemlich wahrscheinlich ist ;)) ein ganz anderes sein. Anders in einem guten Sinne, denn Anders ist Neu und Neu ist Gut.

Gerade in diesem Augenblick bin ich eigentlich ganz wo anders; in einem Bus um genau zu sein (was die Möglichkeiten nicht sooo sehr einschränkt XD) und ich werde in den folgenden Zeilen über die Menschen schreiben, denen ich in Banff begegnet bin und die meine Zeit dort geprägt haben. Es sind einige sehr schräge Vögel darunter, aber hey, das ist an diesem Ort nichts Ungewöhnliches. Zum Abschluss gibt es dann noch einige feine wild durch gemischte Photos. :)

Andre, der Weingeist (Kanada) war an sich Supervisor und somit mein Chef – er war aber auch vom ersten Tag an ein richtig guter Kumpel. Mit ihm zusammen zu arbeiten hat einfach nur Spaß gemacht und wir haben eine Menge (!) gelacht. Er liebt seinen Job ebenso wie den Wein, mit dem er sich als angehender Sommelier beschäftigt . Ich habe viel von ihm über Gastronomie gelernt und yeah, ich bin mir sicher das wir uns wieder sehen werden wenn ich wieder nach Canada komme!

Nute, der Barhäuptige (Kanada) war ebenfalls einer meiner Supervisor… am Anfang dachte ich er mag mich nicht; was vielleicht auch daran lag das mein großer Patzer im Speisesaal geschah als er Dienst hatte. Doch ich habe mich getäuscht. Wir kamen immer besser miteinander klar und haben wenig später nahezu keinen Satz miteinander gesprochen ohne einen Witz hinten dran zu hängen. Ihr könnt euch Nute wie einen großen Kuschelbär vorstellen, der gute Laune hat solange alles läuft wie es soll.

Mick, der Verrückte (Ozeanien) ist latürnich nicht wirklich verrückt (nur ein bisschen ;)). Er hat die Natur um Banff herum gleichermaßen wie die Bars der Stadt unsicher gemacht. Es verging nicht ein Tag an dem er nicht etwas unternommen hätte und war SEHR aktiv, überall und zu jeder Zeit. Du brauchtest ein Teammitglied für einen Wettbewerb? Frag Mick. Du möchtest dir einen Film im Kino ansehen? Frag Mick. Du bist begierig darauf einen der höchsten Berge der Umgebung besteigen? Frag Mick. Er hieß jeden jederzeit zu allerlei Aktivitäten willkommen. Bevor er Banff verließ hat er mich nach Australien eingeladen und falls ich dort hin reisen werde werde ich ihn besuchen.

Alex, die Schöne (Kanada) machte das Konzentrieren auf die Arbeit manchmal gar nicht so einfach… die männlichen Server waren hin und wieder ziemlich abgelenkt. Ein sehr nettes Mädchen mit einem typischen „Kick As“ Humor. Ich benutze dieses Attribut nicht sehr oft für jemanden, Alex kann man allerdings nicht beschreiben ohne das Wort „sexy“ zu benutzen. Denn das ist sie ohne Frage. Wir haben ebenfalls viel zusammen gelacht (irgendwie hatte ich mit nahezu jedem eine Menge Spaß XD).

Sam, der Graskenner (Großbritannien) hat mir beigebracht selbst Mützen zu stricken und war mir von der ersten Millisekunde an sympathisch. Er kiffte manchmal ein wenig zu viel und ich bin mir sicher das er hin und wieder auch mal high bei der Arbeit war. Sehr lustig. Ich habe seine Gegenwart stets genossen und wir hatten viel Spaß gemeinsam. All the best dude! :D

Savannah, das Hippie Girl (Kanada) war für über vier Monate lang eines meiner Roommades. Sie ist für viele Jahre in der Welt herum gereist und ist eine der interessantesten Personen, denen ich je begegnet bin. Seltsam, schräg und aufregend. Sie hielt mich manchmal für ein Alien und ja, wir waren uns da hin und wieder auch nicht so ganz sicher. In jedem Fall hat sie viel zu meiner Mission auf dem Planeten Erde – möglichst viele Informationen über die Menschen herauszufinden – beigetragen. Krovawevnowejlfn-ö

Joe, der Snowboarder (Ozeanien) habe ich immer wieder getroffen und wir haben die verschiedensten Dinge zusammen erlebt. Irgendwann ist mit aufgefallen, dass oftmals wenn ich einen Tag oder einen Abend sehr genossen habe er irgendwie immer mit dabei war. Und in der Tat, wir kamen schlichtweg gut miteinander klar.

James, der Gechillte (Kanada) war genau das. Wir haben uns sofort gut verstanden und auch wenn ich ihn erst spät in Banff kennen gelernt habe wird er mir in Erinnerung bleiben. Unser großer Hike zu Cascade Mountain war großartig und ich habe mich sehr darüber gefreut, als er zu meinem Abschiedsabend kam.

Neben diesen Personen habe ich latürnich noch eine Menge anderer Leute getroffen; zu viele um sie hier aufzuzählen. In Banff kann man jeden Tag eine Hand voll neuer Menschen kennen lernen wenn man möchte. Mir ist aufgefallen, dass die Leute, welche ich in Banff getroffen habe, sich nahezu grundsätzlich von meinen Freunden bei Muktuk unterscheiden. Die Menschen bei Muktuk waren mehr in sich gekehrt und mehr der Natur verbunden als diejenigen in Banff. Dort waren die Menschen eher nach außen gekehrt und beschäftigten sich mit Dingen die der Beschäftigung nicht wert waren. Zwei komplett unterschiedliche Orte – ich habe die Zeit in beiden auf eine unterschiedliche Art und Weise genossen.

Der Zeitpunkt ist gekommen – mit meinen Augen folge ich dem Highway, der sich durch das Tal windet und in der Ferne zwischen den Bergen verschwindet. Ich werde dieser Straße folgen und schon bald die fernen Ufer eines Ortes betreten, den ich bereits seit langer Zeit erkunden möchte. Goodbye Banff.

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Up to the Sky

Ein Bericht über das Besteigen zweier Berge.

Majestätisch erheben sich die zerklüfteten Giganten der Rocky Mountains in den Himmel. Ein starker Wind fegt durch das Bow Tal. Er kommt von weit her und bringt Gedanken ebenso wie die berauschenden wilden Düfte der Natur mit sich – er hat viel gesehen, viel gehört und flüstert dem Wanderer Geschichten ins Ohr. Er berichtet von dem mit Moos bedeckten Findling hinter dem nächsten Baumstamm, dem bezaubernden rauschenden Bach fernab der bekannten Wege und von der Farbe des Himmels hinter dem Horizont. Er berichtet von Abenteuern.

Der Wind, er fegt durch mein Haar. Ich richte meinen Blick auf die mich umgebenden Beschützer der Täler. Mein Blick schweift von Fels zu Fels, von Berg zu Berg. Sie rufen mich. Und ich antworte.

Als ich in Banff eintraf habe ich in vielen Wanderungen die nähere Umgebung der kleinen Stadt erkundet. Eines Tages – der Wind fegte voller Eifer durch das Tal – wanderte ich einen Pfad entlang, der einen nahen Berg hinan führte. Zu diesem Zeitpunkt war der Pfad noch schneebedeckt; ich genoss die Einsamkeit an diesem Ort. Niemand wanderte hier zu dieser Jahreszeit. Ich stieg den Steig weiter hinauf, die Stille auskostend. Der Wind, durch die schneebedeckten Bäume rauschend, war das einzige vernehmbare Geräusch. Einige Zeit später ließ ich mich zur Rast nieder und bestaunte die mit Schnee bedeckten Wälder. Es wurde spät und die Zeit war gekommen umzukehren. So wanderte ich dorthin zurück woher ich gekommen war – nicht ohne zurückzublicken, den Pfad ein letztes Mal musternd. In diesem Moment wusste ich das ich zu diesem Ort zurückkehren würde.

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Seit diesem Tag sind einige Monate vergangen. Die Sonne erwärmt das Bow Tal und kein Schnee ist auf den Gipfeln der Berge zu sehen. Zusammen mit Joe und Mick, beide aus Australien stammend, haben wir an jenem Tag den Berg bestiegen, dessen Pfade ich Monate zuvor erkundet hatte:

Mount Rundle

Als einer der höchsten Berge der näheren Umgebung von Banff übte Mount Rundle eine besondere Faszination auf mich aus. Ich sah den Berg jeden Tag vor mir und der Wunsch den Berg hinaufzuklettern wurde immer stärker. Ich war nicht der einzige der diesen Wunsch verspürte und so machten Joe, Mick und ich uns im frühen Morgen des 2o. Juli auf Mount Rundle zu besteigen. Von diesem Ereignis möchte ich euch nun berichten.

Mount Rundle gilt allgemein als einer der eher schwer zu erkletternden Berge nahe Banff. Und fürwahr, es war ebenso beeindruckend wie anstrengend. Bevor es los ging, verspeisten meine Begleiter und ich ein üppiges Frühstück. Es würde ein anstrengender Tag werden. Wir klatschen in die Hände und ein „Let’s do it!“ schallte durch den Hub. Ausgestattet mit einer Menge Wasser, einigen Müsliriegeln und je zwei Sandwiches machten wir uns dann in aller Frühe auf zum Fuß des Berges. Es war angenehm kühl und während wir vom Banff Centre zur Stadt hinab stiegen erwachte die Welt um uns herum zum Leben. Mit jeder Minute sandte die Sonne mehr Sonnenstrahlen ins Bow Valley. Keine einzige Wolke war am Himmel zu sehen und es versprach ein guter Tag zu werden. Unser Weg zu Mount Rundle führte uns durch Banff, über die Brücke des Bow River, am Banff Springs Fairmont Hotel vorbei hin zum weltbekannten Golf Kurs. Dort gab es einen kleinen versteckten Pfad, der uns direkt zum Fuß des Berges führen würde. Wenig später befanden wir uns auf dem zunächst nur leicht und später steil ansteigenden Weg, der den Beginn unserer Wanderung darstellte. Während ich in meinen Wanderschuhen dem Graugrün des Weges folgte erinnerte ich mich an die Augenblicke, als ich diesen Ort das erste Mal gesehen hatte. Ja, ich bin zurück gekehrt.

Wie sich schnell heraus stellte hatte ich im April lediglich den Beginn des Pfades erkundet und er war wesentlich länger, als ich angenommen hatte. Der ansteigende Pfad führte uns durch die Wälder der unteren Hälfte Mount Rundles und wir gewannen nur langsam an Höhe. Nach etwa einer Stunde erreichten wir dann die erste von zwölf Serpentinen, welche uns schließlich rasch an Höhe gewinnen ließen. Die uns umgebende Natur war herrlich und ich fand das Drei eine ausgesprochen gute Zahl für eine Reisegruppe war. Bereits an diesem Punkt hatten wir eine sehr schöne Aussicht, die uns nur erahnen ließ wie großartig selbige auf der Spitze des Berges sein musste! Nachdem wir die Serpentinen hinter uns gelassen hatten führte der Weg den Berg hinunter. Hinunter? In der Tat, eine Tatsache, die Mick nicht gerade erfreute – wusste er doch das wir jeden Schritt den wir hinunter taten später wieder hinauf gehen mussten. „That’s a mountain, isn’t it? Why are we going downhill?“ Wenig später erreichten wir den Central Gully, eine Schlucht, die den Pfad durchbricht. Dieser Punkt markierte die Grenze zwischen „anstrengend“ zu „extrem anstrengend“ – was wir zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht wussten. Hinter der Schlucht stieg der Pfad steil an und wir mussten das erste Mal unsere Hände benutzen. Wir dachten dieser extreme Anstieg sei lediglich temporär – doch weit gefehlt! Die nächsten Stunden stiegen wir den steil ansteigenden Pfad hinauf, der Baumgrenze entgegen strebend. Während wir am Rücken von Mount Rundle hinauf kletterten stieg die Sonne am Himmel empor.

Nach insgesamt etwa drei Stunden durchbrachen wir schließlich die Baumgrenze. Mit einem Schritt standen wir im Freien und unsere Vermutung bestätigte sich – es war ein herrlicher Tag zum Klettern, die Sonne schien und wie wir war auch sie auf dem Weg zum Zenit. Mount Rundle zu besteigen war ohne Frage außerordentlich fordernd und unser aller Shirts waren bereits an diesem Punkt durch geschwitzt. Somit beschlossen wir an der Baumgrenze eine Pause einzulegen. Die Shirts wurden zum Trocknen ausgelegt, die Sandwiches ausgepackt und mit großem Genuss verspeist. Jahaha! Sandwiches! Ich finde es immer wieder erstaunlich was große Anstrengungen bewirken können. Die Sandwiches, welche wir in einem örtlichen Supermarkt kauften, waren sicherlich nicht viel mehr als Durchschnitt. Doch dort oben, auf Mount Rundle, nachdem wir etwa die Hälfte des Weges hinter uns gebracht hatten, waren diese Sandwiches die f****** besten Sandwiches der ganzen Welt! Sie schmeckten fabelhaft und wie Calvins Sandwiches brachten sie verbrauchte Energie sofort zu 1oo % zurück! :D Einige Photos (von denen zumindest eines wahrscheinlich zensiert werden würde ;)) später und mit frischer Energie aufgeladen schulterten wir kurz darauf unsere Rucksäcke und strebten weiter dem Gipfel des Berges entgegen.

Vor uns lag nun der am härtesten zu besteigende Teil des Berges, The Dragon’s Back. Tatsächlich sah dieser Abschnitt Mount Rundles von der Ferne betrachtet aus wie der Rücken eines Drachen. Ohne den Schutz der Bäume, umgeben von Felsen, Steinen und Staub, gewannen wir weiter an Höhe. Es war zwischen 10 und 11 Uhr und die Sonne sorgte dafür, dass unsere gerade getrockneten T- Shirts sofort wieder nass waren. Der Drachenrücken war sehr steil und erforderte den Einsatz der Hände nahezu durchgehend. Die Sonne brannte auf uns herab, Staub hüllte uns ein. Wäre das nicht ein guter Punkt um umzukehren?

Nope! Jedes Mal wenn sich der Gedanke ans Umkehren einschlich blickten wir nach vorne – und dort sahen wir die Spitze des Berges, den wolkenlosen Himmel im Hintergrund. „Wollte ihr wirklich aufgeben, so kurz vor dem Ziel?“ fragte uns der Berg. „Niemals!“ gaben wir zur Antwort. Schritt für Schritt kämpften wir uns den Drachenrücken hinauf; wie sich heraus stellte waren meine schweren Wanderschuhe für dieses Vorhaben weitaus weniger geeignet als die Laufschuhe meiner beiden Begleiter. Unser Trio kämpfte sich den Berg hinauf, sich gegenseitig anspornende Worte zurufend. Mit jedem Schritt kamen wir dem Gipfel Mount Rundles näher und während wir vor uns hin keuchten kam uns ein alter Japaner mit krausem weißem Haar entgegen. Alte Japaner mit krausem weißen Haar haben diese ganz besondere Ausstrahlung von ehrwürdigen weisen Kampfkunstmeistern. Dieser Japaner schien mir ein Meister seiner Kunst zu sein; geschätzt zwischen 7o und 8o Jahren alt zeigte er weniger Anzeichen der Erschöpfung als wir. Er fragte uns ob wir wüssten wo Mount Temple sei und erzählte uns, dass er gestern Cascade Mountain (der noch höher ist als Mount Rundle) bestiegen habe. Ich bin mir sicher das dieser alte Japaner mehr Berge in einer Woche bestiegen hat als Joe, Mick und ich zusammen in einem Jahr. Wir waren alle verblüfft und wünschten dem alten jungen Mann alles Gute für das Besteigen des nächsten Berges. Alte kauzige Japaner, die alleine Berge besteigen, sind einfach großartig. Und dann war es soweit. „Okay, let’s do that together!“ riefen wir uns gegenseitig zu. Die Spitze Mount Rundles lag direkt vor uns und gemeinsam kletterten wir auf den Gipfel. Wir atmeten tief ein. Was für eine Luft! Was für eine Aussicht! Unter uns erstreckte sich das weitläufige Bow Tal, Reihen von Bergen erstreckten sich in jeder Himmelsrichtung. DAS sind die Rocky Mountains! Wir befanden uns 2949 Metern über dem Meeresspiegel und in den letzten vier Stunden erkletterten wir eine Höhe von über 1577 Metern! Ein starker Wind fegte durch meine Haare. Die Aussicht war atemberaubend und dank des herrlichen Wetters konnten wir nahezu die ganzen Rockies überblicken. In Sekunden waren all die Anstrengungen vergessen. Der Schmerz in den Füßen spielte augenblicklich keine Rolle mehr. Ich liebe dieses Gefühl! Es war hart und nicht einfach gewesen Mount Rundle hinauf zu klettern. Aber dieses Gefühl war die Anstrengungen einfach nur wert. Nichts anderes. Herrlich. Der Gipfel Mount Rundles war sehr lang gezogen, da der Berg an der dem Drachenrücken entgegen gesetzten Seite steil in einer großen Klippe herab fiel. Beeindruckend! Wir alle waren zutiefst bewegt von der Größe und Majestät des Berges. Dort oben, auf einem der etlichen Giganten der Erde, durchdrang mich ein tiefes, wahres Gefühl des Glücks.

Wir aßen unsere letzten Sandwiches, schrieben unsere Namen auf ein kleines Blatt Papier nieder, welches wir in die Box auf der Spitze des Berges legten und machten uns an den Abstieg. Dieser verlief ganz anders als zunächst angenommen und nun kamen meine Wanderschuhe zum Einsatz. Lasst mich erklären: Von uns dreien war ich der einzige der nicht den Drachenrücken herab rutschte – Micks und Joes Laufschuhe boten etwa den Halt einer Bananenschale. Staub (eine Menge Staub!) wirbelte um uns herum auf als wir uns der Baumgrenze mit rasender Geschwindigkeit näherten. Der Abstieg verging wie im Flug – was vielleicht daran lag das wir alle mehr flogen als wanderten. Nachdem wir den Central Gully überquert hatten begannen wir mehr oder weniger den Rest des Berges hinunter zu laufen. Dabei zeigte sich warum Bergsteiger gewöhnlicherweise Stöcke oder Wanderstäbe mitbringen. Das Wetter war weiterhin wundervoll.

Nach etwa 8 Stunden erreichten wir unseren Ausgangspunkt am Fuße des Berges. Wir hatten insgesamt 11 km zurück gelegt. Glücklich machten wir uns auf nach Banff und der Weg zurück zur Stadt kam uns jetzt irgendwie doppelt so lang vor wie zuvor. Unsere Füße, angetrieben durch unsere Magen, steuerten geradewegs zu Melissa’s zu. Dort verspeisten wir Steaks und Burger und stoßen auf diesen großartigen Tag an. Wahrlich ein perfekter Abschluss wie er besser nicht hätte sein können. Wenig später machte ich mich von Melisses auf zu einem Rockclimbing Kurs. Das Besteigen des Berges war eine mehr oder weniger spontane Entscheidung gewesen und so ergab es sich, dass ich diesen Kurs noch am selben Abend hatte. XD Nach dem Kurs beschloss ich dem Pool noch einen kurzen Besuch abzustatten. In dieser Nacht schlief ich wie ein Stein.

Wenn ich an jenen Tag, den 2o. Juli, zurückdenke, dann erscheint ein breites Lächeln auf meinem Gesicht (genau wie in diesem Moment als ich diesen Satz schreibe). Ich liebe das Gefühl der Befreiung hoch oben auf dem Gipfel, welches einen alle Mühen vergessen lässt. Es ist es wert, wie die Photos weiter unten zeigen.

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Einen Monat darauf kam der Tag, an dem ich zusammen mit Joe und James Cascade Mountain, mit 2998 Metern der höchste Berg in der Gegend um Banff, bestieg.

Cascade Mountain

Cascade Mountain wird allgemein als weniger hart als Rundle Mountain eingeschätzt, dafür ist die Wanderung um etwas länger. Ihr fragt euch vielleicht „Wer ist James?“ und „Was ist mit Mick?“ Nun, Mick war zu seiner Weltreise aufgebrochen und James, ein Freund von Joe, war von der Idee Cascade Mountain zu besteigen derartig begeistert, dass wir nicht anders konnten als ihn einfach mitzunehmen. Als ich James am Tag zuvor kennen lernte war er mir sofort sympathisch und wir haben uns auf Anhieb gut verstanden. Am nächsten Morgen trafen wir uns all am Banff Centre und beschlossen den Tag mit einem extravaganten Frühstück in Vistas zu beginnen. Von allen Mahlzeiten die dort serviert werden ist das Frühstück meiner Meinung nach eindeutig das beste: Vom klassischen (hervorragenden!!!) Müsli über Toast, Ei in allerlei Varianten, Würstchen, Bacon, Joghurt und Obstsalat gibt es dort nahezu alles was man sich zum Frühstück wünschen kann. Es war ein seltsames Gefühl von seinen Kollegen bedient zu werden, aber ha! Wir wissen ja wie es hinter den Kulissen aussieht und sahen dementsprechend davon ab, Getränke im zweistelligen Bereich zu bestellen, Tische zu verschieben oder nach Espresso zu fragen, den es eh nicht gibt. XD

Wenig später saßen wir in James Monster Truck, der dieser Bezeichnung mehr als nur gerecht wird. Bis zu neun Leute können darin bequem Platz finden – plus Gepäck plus Snowboards! Auf der netten Bergfahrt zu der Lodge, welche zwischen Cascade Mountain und Mount Norquay gelegen ist, fanden Joe und ich heraus das James nicht nur seinen Truck mit gebracht hatte. Für die Wanderung hatte er auch seine Skaterschuhe eingepackt, die einzigen Schuhe die für diese Wanderung in Frage kamen. Diese Schuhe waren für das Besteigen eines Berges etwa so gut geeignet wie Sandalen. Einige Witzeleien später befanden wir uns dann auf unserem Weg, der hinter der Lodge begann.

Das interessante an Cascade Mountain war, dass man erst zum Beginn des Climb wandern muss. Wir begannen also nicht direkt mit dem Aufstieg, sondern ganz im Gegenteil – wir wanderten zunächst bergab. Der breite Weg hinter der Lodge führte uns hinab zu einem offenen Tal. Der Geruch von frischer Erde und Beeren stieg uns in die Nase. Wir überquerten einen rasch fließenden Gebirgsfluss tief im Tal und machten uns dann an den Aufstieg an der anderen Seite. Der Weg zog sich weit dahin und wir machten Späße darüber, dass wir nach nahezu zwei Stunden Wanderung noch nicht einmal den Beginn der Route erreicht hatten. Drei ist wirklich eine gute Zahl zum Bergsteigen, wie ich auf Mount Rundle schon festgestellt hatte – die Wanderung war ein purer Genuss.

So strebten wir dem Gipfel * ähm *, ich meine dem Beginn des Climb entgegen. Und dann, dort! Die Bäume lichteten sich und wir erblickten das Amphitheater hinter Cascade Mountain. Ihr könnt euch das etwa so vorstellen: Der Berg ist wie ein Halbkreis geformt und hinter den hohen Gipfeln befindet sich erhöht eine Art Krater. Es sah ein wenig so aus wie wenn vor hunderten von Jahren an dieser Stelle ein Komet eingeschlagen hätte. Oder Aliens, die vor Jahrtausenden mit ihren Lasern herumspielten. Von diesem Punkt aus konnten wir den größten Teil der vor uns liegenden Route erkennen. Wir traten auf die mit Gras bewachsene Ebene des Amphitheaters und staunten über die vor uns aufragenden Berggipfel. Es war auffällig, dass wir nicht nur einen Gipfel, sondern derer drei erblickten. Der letzte und höchste Gipfel stellte die Spitze des Berges dar. Nachdem wir beim Verzehren eines Müsliriegels die genossen, schulterten wir wieder unsere Rucksäcke und machten uns auf den Berg zu besteigen. Wir kamen rasch voran und die subalpine Umgebung erinnerte mich stark an zu Hause. Das Wetter war herrlich; warm genug und dennoch nicht zu heiß, da die Sonne ihren Zenit noch nicht erreicht hatte.

Gerade als wir das Gefühl bekamen, dass die Wanderung doch fast schon zu leicht wäre, überraschte uns Cascade Mountain mit……Steinen. Gut, Steine sind auf Bergen eigentlich nicht ganz ungewöhnlich und sollten uns keineswegs überraschen. Diese Steine jedoch waren anders – von einem Meter auf den anderen verwandelte sich der Pfad in eine Menge schwergewichtiger Felsen. Von dunkelgrauer bis schwarzer Farbe hoben sie sich eindeutig von allem ab was wir bisher gesehen hatten. Sie bestätigten die Alien- Theorie, denn sie sahen irgendwie ziemlich verkohlt aus. Es schien, als ob die Steine den Berg bedeckten und nicht Teil von ihm waren. Joe und ich sahen uns an und grinsten – das sah nach einer Herausforderung aus! James blicke auf seine Skaterschuhe und grummelte Unverständliches. Die Felsen erwiesen sich als sehr stabil und so überwanden wir das Steinfeld schneller als zunächst angenommen.

Am Ende der Felsen hatten wir den ersten Gipfel erreicht. Vor uns erhob sich nun die zweite Bergspitze, die zutreffenderweise den Namen False Summit trägt. Von dem ersten Gipfel aus gesehen ist man stark versucht in der zweiten Spitze den höchsten Punkt des Berges zu sehen – doch wir hatten uns informiert und so ahnten wir schon das wir noch nicht so weit waren wie die tolle Aussicht vermuten ließ. Der Pfad führte uns an einer scharfkantigen Klippe entlang, zu der es direkt hinunter ins Amphitheater ging; auf der anderen Seite fiel Cascade Mountain etwas weniger steil zum Tal hinab. Etwa eineinhalb Stunden später erreichten wir False Summit. Der schmale Weg führte um die Spitze herum und als wir auf der anderen Seite ankamen, erblickten wir den höchsten Gipfel von Cascade Mountain in 2998 Metern Höhe. Hoch…sehr hoch…

Wie bei Rundle Mountain waren wir um jeden Müsliriegel und jedes Sandwich froh, das wir mit gebracht hatten. Bevor wir uns jedoch daran machten die zuletzt genannten zu verzehren tauchte die Idee auf sie aufzuheben und ein Festmahl auf der Spitze zu halten. Der Vorschlag wurde von uns allen (nicht so von unseren Magen) mit Begeisterung aufgenommen und so stapften wir einen Müsliriegel und etwas Wasser später weiter unserem Ziel entgegen. Wir erreichten nun den steilsten Teil des Berges, auch wenn dieser bei weitem (!) nicht so anstrengend war wie The Dragon’s Back. Im Gegensatz zu Mount Rundle war die Spitze von Cascade Mountain sehr SEHR windig. Mit jedem Schritt mit dem wir uns den Wolken weiter näherten hießen uns die Luftelementare mit mehr Enthusiasmus willkommen.

Dort! Endlich! Da war es wieder, dieses unsterbliche Gefühl auf dem Gipfel. Nach sechs Stunden hatten James, Joe und ich unser Ziel erreicht. Die Aussicht war wieder atemberaubend und mir fiel als ich die Größe und die Farben der umliegenden Landschaft in mich aufsog folgendes auf: Mount Rundle. Der Riese thronte auf der anderen Seite des Bow Tals und es war ein seltsames, schwer zu beschreibenden Gefühl den Berg auf der anderen Seite zu sehen und zu wissen, dass ich genau dort vor einem Monat stand und dorthin sah, wo ich jetzt in genau diesem Augenblick stand. Fascinating.

Wir waren nicht die einzigen auf der Spitze. Alles in allem war auf Cascade Mountain wesentlich mehr los als auf Mount Rundle. Auch einige Kuriositäten gab es hier zu sehen; so zum Beispiel einige Jungs die mit Golfschlägern unterwegs waren und die kleinen weißen Bälle schwungvoll irgendwo ins Tal befördern. Eine sehr coole Idee! Oder ein Québecer der sich im kalten Wind komplett nackt auszog und sich von seiner Begleiterin photographieren ließ. Er war nebenbei bemerkt ein großer Verfechter eines unabhängigen Québec und es war mir eine Freude mit ihm über diese Belange zu diskutieren. Ein sehr interessantes Thema. Den Japaner, dem wir auf Rundle begegneten, konnte ich leider nicht erspähen, doch er war ziemlich sicher auf einem der Gipfel die ich von hier oben sehen konnte. ;)

Der Abstieg verlief schnell und unspektakulär. Aufgrund James Schuhen versuchten wir die Felsen an der ersten Spitzel zu umgehen und versuchten daher eine alternative Route um die Spitze herum……wie sich dann herausstellte gab es dort genauso viele Felsen. XD Das Wetter blieb fabelhaft und das Klettern war nach wie vor ein großes Vergnügen. Unterhalb der Baumgrenze wunderten wir uns wie lange der Weg hinab ins Tal war und umso freudiger begrüßten wir das erste Murmeln des Baches. Kurz darauf erreichten wir unseren Truck. Nun ja, nicht ganz. Eigentlich wäre dies die Zeile in der so etwas wie „und dann fuhren wir zurück in die Stadt“ zu lesen sein sollte. Tatsächlich jedoch erreichten nur James und Joe den Truck – ich blieb kurz davor stehen.

Da war etwas schwarzes auf einem der Felder von Norquay Mountain. Rasch holte ich meine Kamera hervor und versuchte so nah wie möglich heran zu zoomen um zu sehen ob dort oben vielleicht ein Bär aufgetaucht war! Und tatsächlich, zusammen mit dem optischen und digitalen Zoom konnte ich einen Bären erkennen! Was für ein perfekter Abschluss der Wanderung! :)

So, jetzt aber! Und dann fuhren wir zurück in die Stadt. Und latürnich kehrten wir wieder in einem der örtlichen Restaurants ein; bei einem hervorragenden, mexikanischen Mahl und eiskalten Margaritas – die ich vorher noch nie getrunken hatte, sehr schmackhaft! – entspannten wir uns und sprachen über den Berg (und über James‘ nun unbrauchbaren Skaterschuhe ;)). Wir fühlten uns sehr wohl, wozu auch all die Erdnüsse beitrugen, die man zu Massen kostenlos bekam und deren Schalen man einfach auf den Boden werfen konnte. Irgendwann merkten wir dann das die Pausen zwischen unseren Sätzen immer länger wurden und der Zeitpunkt des Aufbruchs war gekommen. An diesem Tag hatten wir in zehn Stunden eine Strecke von über 18 km zurück gelegt und sind über 1460 m hinauf geklettert. Es war herrlich. :)

Ich liebe die Berge.

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Galerie

Genießt die Aussicht. :D

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Stories around a small town in the mountains

Es gibt diese Augenblicke die wie dafür geschaffen sind mit einem neuen Reisebericht zu beginnen. Diese treten bei mir bevorzugterweise um zwei Uhr des Nachts in Erscheinung – der Stunde der Schreiberlinge. Gerade jetzt ist ein solcher Moment und mit Begeisterung schreibe ich diese Zeilen! Die letzten zwei Wochen waren voll von herrlichen Ereignissen, von denen einige ausnehmend bemerkenswert waren und mir für eine sehr lange Zeit in Erinnerung bleiben werden. Wenn ich meine Gedanken nun schweifen lasse und noch einmal die Ereignisse näher betrachte, so wird mir wieder einmal klar, dass es unmöglich ist all das Erlebte in allen Einzelheiten zu beschreiben. Aber das ist auch gar nicht nötig. Mit meinen nachfolgenden Worten möchte ich euch mitnehmen auf eine kleine Reise rund um Banff; zu hohen Bergen, eisigen Gletschern, reißenden Flüssen, gewaltigen Seen und … hohen Elektrizitätsmasten. Außerdem erwartet euch eine spektakuläre, vielfältige Photoserie am Ende dieses Beitrags.

Neben meinem Job ist mein Leben in Banff vor allem von zwei Dingen geprägt: Der Natur und der Kunst. Erstere ist allgegenwärtig und wenn man gerade dabei ist sich zu sehr an die Gebirgsszenerie zu gewöhnen erinnert einen der junge Rehbock, der plötzlich hinter einer Ecke hervor schreitet, wieder daran an welchem Ort man sich eigentlich befindet. Die Kunst genieße ich vor allem in Form von Musik und Filmen, von denen ich später noch einiges berichten werde. Ich bin viel gewandert und habe gleichzeitig viele wundervolle Abende im Jazz- Club verbracht. Auch in den letzten Wochen habe ich wieder viel außerhalb der Stadt und innerhalb der Grenzen des Banff Centre erlebt. Lasst uns also mit unserer kleinen Reise rund um Banff beginnen.

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Zunächst schauen wir uns einmal näher auf dem Campus um. Ah, da, direkt neben dem Gebäude, in dem sich Vistas und das Recreation Centre befinden, ist eine Ansammlung von einigen Bäumen zu sehen. Und dort, zwischen den Baumstämmen, können wir einige seltsame Konstruktionen erkennen; Seile hängen zwischen den Bäumen; einige Leute stehen um einen Mast herum und schauen in die Höhe. Das schaut spannend aus, sehen wir uns das einmal näher an!

Das Banff Centre ist wie bereits vielfach erwähnt nicht nur ein Versammlungsort für Kreative, es ist ebenso ein Leadership Development Centre. Manager aus aller Welt bilden sich an diesem Ort weiter und lernen auf vielfache Weise neue Aspekte ihrer Arbeit. Der Standort des Banff Centre fließt auch hier in das Training mit ein. Ein wichtiger Aspekt sind Outdoor Übungen, die auf abwechslungsreiche Art und Weise die einzelnen Punkte verdeutlichen. Eine dieser Übungen ist der so genannte Ropes Course („Seilkurs“) , der Managern die Teamarbeit näher bringen und verdeutlichen soll, dass ein gutes Team und Zusammenarbeit die Basis für ein erfolgreiches Unternehmen ist. Erfreulicherweise wurde im Juni ein solcher Kurs auch für Staff Member angeboten.

Ich habe an dem Kurs teil genommen und hatte schon im Vorhinein viel gutes darüber gehört. Die beiden Kursleiter waren sehr nett (und einer erinnerte mich mit seinem Humor und seiner Offenheit an meinen lieben Onkel Martin in Österreich :D); die zwei unterschiedlichen Übungen, die wir in knapp vier Stunden bewältigten, waren recht….ungewöhnlich. Es sei denn man springt täglich von 10- Meter Masten ins Nichts. o_O Japp, genau das war die erste Übung! Gesichert durch Seile, die von dem Rest des Teams gehalten wurden, kletterte man einen modifizierten ehemaligen Elektrizitätsmast herauf, richtete sich dann oben zu voller Größe auf und…

…sprang. Diejenigen unter euch die öfter ins Schwimmbad gehen sind sicherlich mit den 10- Meter Sprungtürmen vertraut. Der große Unterschied hierbei ist, dass man bei diesen Türmen Wasser unter sich hat und man weiß, das man nicht auf den Boden aufprallt. Nun ja….bei dem Mast blickt man aber eben genau auf eben diesen, den Grund der Erde – und man hat kaum Platz genug für die beiden Füßen zum Stehen! Um dem Sprung ein Ziel zu geben hängt in etwa 1,5 Metern Entfernung vor einem ein Schaumstoff- Dingens (irgendwie trifft dieses Wort ziemlich genau auf das Ding zu ^^), das man hauen, treten oder mit dem Kopf wegbangen kann. Ich habe mich für letzteres entschieden.

*hüpf* … *bang* … *wuhuuu!* :D

Mit dem Kopf gegen das Schaumstoff Ding. Auf dem Mast stehend bedurfte es einer gewissen Überwindung mit dem Kopf voran 1,5 Meter ins Nichts zu springen und zu hoffen, dass die Seile halten. Tatsächlich war das ganze System extrem sicher. So sicher, dass es anstelle von sechs Teammitgliedern, die die Seile mit ihren beiden Händen festhielten, eigentlich nur einer einzigen Person bedarf hätte, die mit zwei Fingern (!) ein Seil hätte halten müssen. Durch viele Verwinklungen der Seile wurde die Kraft minimiert, die benötigt wird um einen menschlichen Corpus zu halten. Übrigens musste keiner springen wenn er nicht wollte. Aber hey, darum waren wir ja hier. ;)

Das Gefühl des Springens war erfüllend wie atemberaubend und kurz. Viele von uns wollten noch einmal springen doch leider hatten wir dazu keine Zeit, denn…

…es gab noch eine zweite Übung! Diese bedurfte noch etwas mehr Teamwork und war insgesamt auch etwas komplizierter. Hm… *grübel* …gar nicht so einfach zu beschreiben was wir da gemacht haben. Nun, ihr könnt euch das in etwa wie folgt vorstellen: Zwischen zwei Bäumen waren zwei Seile gespannt, jedoch nicht komplett parallel. Zwei Teammitglieder, wieder durch Seile gesichert, kletterten einen der Bäume herauf und ihr Ziel war es nun, gemeinsam die andere Seite zu erreichen. Dazu mussten sie beide über die Seile laufen und sich gegenseitig mit den Händen aneinander abstützen. Aufgabe der anderen Mitglieder war es nun die Seile entsprechend zu justieren. Vier Teammitglieder konnten über Seile die Kletterer unterstützen indem sie sie z.B. fest anzogen. Ein weiteres Quartett musste die Seile nachziehen damit sich die Kletterer vorwärts bewegen konnten. Teamwork und Kommunikation spielten bei dieser Übung also eine essenzielle Rolle. Die Übung wurde aufgrund der nicht parallelen Spannseile immer schwerer und schwerer. Zu Beginn waren sie nahezu parallel, dann wurde der Abstand zwischen den Seilen immer größer. Am Ende der Strecke lag man fast waagerecht parallel zum Boden! Besonders spaßig wurde die Übung als ich mit meiner Kletter- Partnerin oben war und der Wind plötzlich zunahm. *schaukel, schaukel* ^^ Auch bei dieser Übung musste man wieder Vertrauen in das Team haben und nur gemeinsam konnte die Aufgabe gelöst werden. Insbesondere mit seinem Kletter- Partner musste man sehr stark zusammen arbeiten. Ich habe den Ropes Course sehr genossen – es hat SEHR viel Spaß gemacht! Wenn er noch einmal angeboten würde würde ich in jedem Fall noch einmal daran teilnehmen. :)

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Nachdem wir nun also gesehen haben, dass man auch innerhalb der Grenzen des Banff Centres abenteuerliche Dinge erleben kann (wie überall an jedem Ort der Welt!), verlassen wir nun das Centre und die kleine Stadt und wenden uns gen Norden.

Im Juni, dem Beginn der Sommer Saison, veranstaltete BanffLife eine Willkommens- Woche. BanffLive ist eine von der Kirche und der Stadt gleichermaßen finanzierte Organisation, die es sich das Ziel gesetzt hat, Neuankömmlingen im viel besuchten Banff den Einstieg zu erleichtern. Jede Woche am Donnerstag ist „Free Pasta Night“ und man trifft viele neue Leute. Über BanffLive lernt man schnell Leute kennen und findet neue Freunde. Das ist zwar etwas aufwendiger als bei Facebook einfach auf „Freund hinzufügen“ zu klicken, währt dafür aber auch länger. ;) In dieser Woche gab es noch mehr Events als sonst und zudem eine große Zahl an Ausflügen, die alle komplett kostenlos waren. Ich kam mit dem Ankreuzen der Ereignisse an denen ich teilnehmen wollte gar nicht mehr hinterher. ^^ Am Banff Centre war in dieser Woche auch einiges los und so musste ich mir sehr genau überlegen, wie ich wann wo hin gehe. Ich habe mich nach einigem überlegen für eine Eiswanderung auf dem Athabasca Gletscher entschieden, der dem berühmten Columbia Icefield entstammt. Gewöhnlicherweise fährt man mit einem gewaltigen Eisbus (in den schönen Farben rot und weiß, siehe Bilder am Ende des Beitrags) den Gletscher empor, hört sich einige Fakten über das Eis an, steigt aus, läuft 20 Minuten in einem kleinen abgesperrten Bereich herum, macht Photos, lässt sich photographieren, steigt wieder in den Bus und fährt zurück. Alles in allem klingt das ziemlich langweilig, oder? Nun, ist es auch. So sagen zumindest einige Leute vom Centre, die diese Tour gemacht haben. Im Endeffekt nicht mehr als eine eindrucksvolle, langsame Busfahrt. Langsam daher, weil die so genannten „Ice Explorer“ maximal 15 km/h fahren können.

Im Gegensatz zu diesen normalen Bus Touren habe ich an einer waschechten Eiswanderung teilgenommen! Yay! :) Nach einer zweieinhalbstündigen Busfahrt mit einem normalen Bus (mit normaler Geschwindigkeit) durch das beeindruckende Panorama der Rocky Mountains war die ganze Gruppe am Boden des Gletschers angekommen. Zusammen mit einem Guide (aus Neuseeland) haben wir uns dann an das Besteigen des Athabrasca Gletschers gemacht. Am Boden war es extrem windig und seit langer Zeit fand mein Yukon-ich-widerstehe-jeder-Kälte-und-halte-dich-warm-und-sehe-auch-noch-gut-aus-Jacket wieder Verwendung. Zwei Stunden lang waren wir auf dem Gletscher, der an seiner dicksten Stelle ca. 300 Meter (!) misst. Wir sind sozusagen auf einem Eis- Eifelturm gelaufen. So beeindruckend die Zahlen über den Gletscher und das über ihm liegende Columbia Iceflied auch waren, wesentlich beeindruckender war für mich das glänzende Weiß an sich. In der Mitte des Gletschers stehend hatte ich mehr als einmal den Eindruck, auf der Oberfläche eines anderen Planeten zu stehen. Wäre das Eis von rötlicher Farbe gewesen hätte ich mich wie auf dem Mars gefühlt. Das Wasser war glasklar und schien durch das darunter liegende Eis in einem hellen, freundlichen Blau. Die Wanderung war ein großer Spaß, was vor allem unserem netten und humorvollen Guide zu verdanken war.

Auf der Rückreise vom Athabrasca Glacier ereignete sich dann etwas, womit ich nicht gerechnet hatte. Und so kam es das uns ein Schwarzbär begegnete. Ihr habt richtig gelesen, ein Schwarzbär! Juhuuu!!! :D Mein Herz hüpfte vor Freude! Mein erster Bär in Canada! Doppeljuhuu!!! :) Der recht kleine Schwarzbär graste (ja, graste) neben dem Highway und verschwand einige Minuten später aufgrund der Touristen, die aus den Autos stiegen um Photos zu machen. Die Photos weiter unten von dem Bären sind aus dem Fahrzeug heraus aufgenommen worden. Der Bär war der perfekte Abschluss der Tour. Welch wundervolle Geschöpfe.

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Im Westen von Banff war es, wo ich ein Erlebnis von solcher Kraft erlebte, dass es auf immerdar in meinen Erinnerungen bleiben wird. Vor nicht allzu langer Zeit habe ich mit Begeisterung, Enthusiasmus (einer Menge davon ;)) und großer Freude an einer weiteren Tour teil genommen. Es gibt nicht viele Dinge auf dieser Welt die SO VIEL SPAß machen das man vor Vergnügen einfach nur noch lacht und lauthals seine Freude in die Welt hinaus schreit. :D Eines dieser Dinge ist Wildwater Rafting auf dem rauschenden Kicking Horse River.

Am 28. Juni bin ich mit zusammen mit einigen anderen Servern und Leuten vom Centre zu einer vierstündigen Wildwater Rafting Tour aufgebrochen. Und_es_war_großartig! Gemeinsam mit etwa 40 anderen Leuten, die sich später auf acht Boote aufgeteilt haben, lauschten wir den Anweisungen der Guides. Bevor es jedoch so weit war rüsteten wir uns mit allerlei Kleidung aus. Um nicht zu nass zu werden (auch wenn das mitunter einer der Gründe ist warum man Wildwater Raften geht) bekommt man einen Ganzkörperanzug, dem von Tauchern nicht unähnlich. Dazu ein entsprechend passendes Paar Gummischuhe. Darüber ein Flies um warm zu bleiben (ggf. auch zwei), darüber wiederum eine Regenjacke. Darüber wiederum eine Schwimmweste. Ein Helm auf den Kopf und man kommt sich vor wie ein Wasser- Murmeltier. Fertig angezogen – was latürnich eine Weile gedauert hat – sind wir vom Basiscamp aus dann zum Kicking Horse gefahren. Die Wrafting Company benutzte dazu ausgediente canadische Schulbusse – die schönen Gelben, die ein bisschen altmodisch aussehen und mir so gut gefallen. :) Nach der Ansprache des Mainguides ging es dann los. Auf ins Nass! Jeder einzelne auf dem Raft blickte mit großen Augen dem Kommenden entgegen. Und jeder suchte mit selbigen den Verlauf des Flusses ab, auf der Suche nach den ersten Stromschnellen…

Die erste halbe Stunde war sehr unspektakulär und mehr ein „ich schau mir die schöne Landschaft an und halte nach Bären Ausschau“- Trip. Unser Guide Rod, der mir sehr sympathisch war und ist, erzählte uns einige amüsante Geschichten und zeigte uns die Gegend vom Fluss aus. Bei all den Guides denen ich bisher begegnet bin (und mit denen ich bei Muktuk zusammen gearbeitet habe) ist mir aufgefallen, dass sie alle über ein großes Repertoire an lustigen Geschichten und Anekdoten verfügen. Für jeden Guide erscheint mir das neben einem kumpelhaften Wesen von großer Wichtigkeit zu sein. In diesem ruhigen Abschnitt der Tour hatten wir alle die Möglichkeit im Fluss schwimmen zu gehen. Wegen der Strömung musste man sich am Raft fest halten. Trotz all der Kleidung war das Wasser unfassbar kalt. So kalt! Direkt von den Bergen – Herrlich! Ein bisschen Stolz schwingt in meiner Stimme mit wenn ich schreibe, dass ich der erste war der ins Wasser sprang. :D

Einige Anekdoten später kamen dann endlich die ersten Stromschnellen in Sicht! Mittlerweile hatte uns Rod mit den unterschiedlichen Leveln vertraut gemacht, in den diese eingeteilt werden. Level 1 ist recht harmlos, es spritzt lediglich etwas Wasser. Bei Level zwei kann man dann schon richtig nass werden und Level 3 garantiert ein unglaubliches Erlebnis. Bei Level vier ist man dann einfach nur noch glücklich und spürt mit jedem einzelnen Wassertropfen das man am Leben ist. YEAH!!!! :D Level fünf….nun Level fünf haben wir nicht ausprobiert da dieser Level als unwraftbar gilt und mit hoher Wahrscheinlichkeit mit dem Tod endet. Der Kicking Horse River hat seinen Namen voll und ganz verdient. Das Raft ist teilweise bis zur Hälfte unter Wasser getaucht! An einer Stelle haben wir auf dem Fluss durch Level 2 – 3 Stromschnellen über 100 Höhenmeter in wenigen Minuten zurück gelegt. Die ein oder zwei Level 4 Stromschnellen sahen schon von weitem beeindruckend aus, ähnlich einem Loch im Wasser. „Wuuuuuuuuuuuuuhuuuuuuuuuuuuu“ erschallte es im Tal als wir mit dem Raft direkt in die Stromschnelle vor schossen. WOW, einfach nur WOW!

Ich glaube ich habe meinen Respekt vor sämtlich Wasserbahnen in Erlebnisparks verloren. Das ist nichts im Vergleich zu echtem Rafting. :) Wildwater Rafting – eine der tollsten Erlebnisse die man erleben kann. Ich empfehle es jedem von euch SEHR. Für diejenigen unter euch die in den Alpen wohnen: Ich habe von einigen tollen Flüssen in der Schweiz gehört, auf denen gewraftet werden kann. Martin, wenn ich das nächste Mal in Kufstein bin weisst du schon was wir alle zusammen machen werden. ;) Auch wenn der Ropes Course und der Athabrasca Glacier toll waren – das Wrafting war für mich der absolute Höhepunkt im Juni und setzte dem Monat gen Ende die Krone auf. :D Für dieses Erlebnis hat die deutsche Sprache nicht genügend Superlative.

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Der Juni war ein durch und durch ereignisreicher Monat, wie sich sicher schon anhand des bisher Geschriebenen erahnen lässt. Neben den oben genannten Touren habe ich latürnich auch wieder an einigen Veranstaltungen am Banff Centre teil genommen. Dabei hat vor allem eine Reihe von Film Vorstellungen meine Aufmerksamkeit erregt. An drei Abenden wurde auf einem großen Bildschirm jeweils eine Auswahl der Filme des Banff Mountain Film Festival von 2oo8 gezeigt. Ich hatte bei BanffLive (Pasta Night ^^) durch Zufall einen der Filme gesehen. Die Aufnahmen waren derart beeindruckend das ich nicht eher aufgestanden bin als das der Film sein Ende erreicht hatte. Diese prächtigen Bilder in mind….ähm….im Kopf, habe ich mich auf die Tickets gestürzt. Die ersten beiden Screenings habe ich mir mit meinem guten Freund Michael zusammen angeschaut.

Meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht! Die Filme waren fern davon als „gewöhnlich“ bezeichnet zu werden und zeigten ein großes Spektrum an Outdoor- Aktivitäten: Base- Jumping, Klettern, Mountain Biking, Kanu- fahren, Ski- fahren, Snowboarden, Paragliding und alles mögliche dazwischen. Hinzu kamen einige Filme über (Berg) Kultur und Expeditionen. So wurde zum Beispiel auch ein Film gezeigt, der von dem Kampf einiger Fischerdörfer in Alaska handelt, welche sich einem Konzern, der dort eine gewaltige neue Miene errichten will, entgegen stellen. Sehr spannend und selten habe ich bei Filmen so lange mit offenem Mund da gesessen. „That’s impossible“ und „These guys are crazy“ waren Sätze die (sicher nicht nur) mir durch den Kopf gingen.

Neben dem sehr beeindruckenden Kletter Film „The Sharp End“ hat mich vor allem „Journey to the Center“ beeindruckt, in dem drei Base Jumper zu einer gewaltigen Grube in der Erde reisen, um sich dort einen Traum zu erfüllen. Wenn auf der Welt ein Meteorit einschlägt und im durch den Aufprall entstehenden Loch im Laufe der Jahrtausende ein Urwald entsteht würde es in etwa so aussehen. Den Trailer zu dem Film könnt ihr euch erstmals hier direkt im Blog anschauen. Sehr stimmugsvoll!

Neben den Filmen habe ich auch eine innovative wie ungewöhnliche Tanzshow gesehen, die den Namen „Busk II“ trägt. In dieser Show zeigen viele junge Tänzer aus Nordamerika und den USA ihr Talent. Die Show war durch und durch beeindruckend, die erste Vorführung dieser Art die ich je gesehen habe. Viele waren von dem Gezeigten sehr angetan und das Feedback für die Choreographin Azure Bartin war sehr positiv. Mir allerdings fehlte etwas bei der Show: Eine Geschichte.

Ich liebe das Theater, Opern und Operetten und in all diesen wird eine Handlung erzählt; Charaktere beherrschen die Bühne und wir lassen uns verzaubern von einer Welt, der dort vor uns im Spiel und Gesang Leben eingehaucht wird. In Ansätzen gab es auch in Busk II immer wieder kurze Handlungstricke, die sich jedoch im Nichts verloren. Man kann es ganz gut mit Filmen vergleichen – die Tanzvorführung erscheint mit wie ein cooles Action- Movie, welches unterhaltsam ist aber darüber hinaus kaum die Gedanken des Zuschauers beschäftigt. Eine Oper wiederum wirft vielleicht einige Fragen auf, über die man später nachdenkt oder man diskutiert mit seinen Freunden über die Charaktere und die schauspielerische Darstellung. Busk II war ohne Frage sehr unterhaltsam und die Tänzer verstanden es mit ihren teilweise sehr unnatürlichen Bewegungen zu beeindrucken; eine gute Tanz- Show mit stimmungsvoller Musikuntermalung. Ich habe erkannt, das ich mich für Tanzshows nicht wirklich begeistern kann – ich bevorzuge Konzerte oder wie bereits erwähnt ein Bühnenstück mit einer Geschichte…

…was mich nicht davon abhielt mir einige Zeit später eine Balletvorführung anzusehen. Es war eine sehr spontane Entscheidung und, nun, nennen wir es „interessant.“ Ich habe schnell (sehr schnell ;)) erkannt das ich Ballet ganz und gar nichts abgewinnen kann. Von Azures Busk II gibt es ein sehenswertes Video auf youtube, welches ich euch allen sehr empfehlen möchte [Link].

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Auf dem nächsten Abschnitt unserer kleinen Reise um Banff herum gesellt sich mein guter Freund Michael zu uns. Hello my friend. ;) Im letzten Monat haben wir beide viel Zeit miteinander verbracht. Wir haben nicht nur zwei der drei Film Vorstellungen des Mountain Film Festivals gesehen, sondern auch sonst eine Menge zusammen gemacht. Über diese Ausflüge möchte ich euch nun berichten – in Michaels Blog kann man schon seit einigen Wochen einen langen und ausführlicher Bericht über unsere gemeinsamen Erlebnisse lesen sowie eine ganze Menge Photos betrachten.

Wie ich in meinem letzten Bericht bereits erwähnte, haben wir zusammen Crazy- Chipmunk- Mountain (auch Sulphur Mountain genannt), bestiegen. Diese kleine Tour war große Klasse und hat uns viel Freude bereitet. Als wir oben auf Sulphur standen, da ahnten wir beide noch nicht das diese Wanderung erst der Beginn zu einer weitaus längeren Tour war. Dazu später mehr. Von der Spitze des Berges aus konnte man weit in das Bow Valley hinaus blicken und die Aussicht war toll! Meine Augen schweiften über das Tal, betrachteten die Wälder, Berge und den Bow River, der sich genügsam zwischen den Bäumen der Waldlandschaft hindurch schlängelte. Und da! Am Horizont, umgeben von einer Reihe hoher Berge, da sah ich etwas glitzern. In einem hellen blau wie man es sich blauer nicht wünschen konnte, sah ich dort einen gewaltigen See. Lake Minnewanka! Ich hatte den See mit indianischem Namen schon beinahe vergessen, war er doch sehr einfach mit einem Auto oder Mountain Bike zu erreichen, zu Fuß jedoch lag er ziemlich weit weg.

In jenem Moment auf Sulphur Mountain entbrannte in mir erneut der Wunsch zu diesem See zu gelangen und so erzählte ich meinem Wandergefährten von meiner neuen Idee. Er war gelinde gesagt begeistert, insbesondere, als ich ihm noch ein wenig mehr über Lake Minnewanka erzählte. Bis wir uns dann tatsächlich zum See aufmachten sollten noch mehrere Tage vergehen – in der Zwischenzeit besuchten wir die Upper Hot Springs, die ich trotz meines mehrere Monate währenden Aufenthalts in Banff noch nicht besucht hatte. Bei Touristen sind Hot Springs generell sehr beliebt und überall wo es welche gibt, kann man davon ausgehen, dass sich viele Menschen um die Badehäuser drängen. Dennoch wäre es irgendwie schade die Hot Springs nicht gesehen zu haben und so entschieden wir uns eines Tages kurzfristig dem Badehaus einen Besuch abzustatten. Es ist ganz nett dort oben, wenn auch nichts besonderes. Die Hot Springs bestanden aus nicht viel mehr als einem Becken sehr (!) heißem Wassers. So heiß, dass es mir unmöglich war unter Wasser die Augen zu öffnen, was ich sonst mir Vorliebe tue. Aber hey, nicht alles muss etwas besonderes sein (wie könnte man sonst auch ein besonderes Erlebnis von einem eher gewöhnlichen unterscheiden?). Erfreulicherweise waren weniger Touristen dort als ich zunächst vermutete. :)

Von der Vorstellung, in von der menschlichen Zivilisation unberührten heißen Quellen auf einem Berg inmitten des Nirgendwo zu baden bin ich nach wie vor entzückt.

Einige Tage später machten Michael und ich uns auf zum See Minnewanka. Wir waren uns beide nicht ganz klar darüber wie weit der See denn nun tatsächlich entfernt war und so haben wir uns zuvor bei Park Canada informiert. Diese empfahlen uns mit dem Bus oder einem Mountain Bike zum stillen Gewässer zu fahren und dann mit unserer Wanderung zu beginnen. Allgemein – so Park Canada – würde kaum jemand zum See wandern, da man in diesem Fall kaum Zeit beim See selbst verbringen könnte. Den Hin- und Rückweg könne man in etwa 8 Stunden bewältigen. Michael und ich schauten uns an und uns war beiden klar das wir kein Geld (der Bus war ziemlich teuer) für den Transport zum See ausgeben wollten. Unser Entschluss stand fest: Wir würden zu Fuß zum See laufen, auch wenn das bedeutete, dass wir erst um 3 Uhr nachts zurück in Banff sein würden. Bevor es los ging statteten wir uns noch mit den nötigen Vorräten aus und haben zudem etwas erstanden, von dem wir beide sehr angetan waren und sind. Michael wollte sich aufgrund des warmen Klimas eine Bandana kaufen und als wir dann in einem leicht abgefreakten Laden mit Mode im 80er Jahre Stil ankamen, war ich von den Bandanas ebenfalls sehr angetan. Sehr praktisch für längere Haare. Leider konnten sowohl der Ladenbesitzer als auch ich Michael nicht davon überzeugen, dass ihm eine rosa Bandana gut stehen würde. :P Er wählte am Ende eine rote aus, ich habe mich mit einem braunen Tuch bestückt. Als wir unsere neuen Hauptbedeckungen aufsetzten (was mir am Anfang gar nicht so leicht viel) kamen wir uns beide wie Piraten vor. Arrrrr! :) Wir verbrachten in Banff etwas mehr Zeit als zunächst angenommen und mittlerweile wurde uns beiden klar, dass wir nicht vor 5 Uhr morgens des nächsten Tages zu Hause ankommen würden. Diese Tatsache haben wir dann gekonnt ignoriert, da wir unbedingt noch an diesem Tag zum See wollten. Der Gedanke an eine Nachtwanderung war zudem ausgesprochen angenehm.

Unser Fußmarsch führte uns zunächst der Länge nach durch Banff (auch durch den Teil, den die Touristen gewöhnlich nicht besuchen) und dann an einer langen Hauptstraße entlang, die zum Highway führte. An diesem ersten Teil der Strecke wäre ein Mountain Bike tatsächlich sehr praktisch gewesen. Neben der Straße laufend, über alles Mögliche und Unmögliche plaudernd, näherten wir uns schnell dem Highway, den wir ebenso schnell hinter uns ließen. Hinter dem Highway bestimmte die Natur rasch wieder das Bild und wir freuten uns beide schon sehr auf den See. Zu unserer Linken erhoben sich majestätische Berge, vor uns stieg der Weg an und verschwand im Dunkelgrün der Wälder. Wir wollten gerade weiter wandern, da fiel mein Blick auf eine Bewegung links von uns. Auf dem Berg, dort, da bewegte sich etwas! Nein, kein Tier, sondern Wasser. Ein Wasserfall! Kaum einen Kilometer vom Highway entfernt glänzten die in die Tiefe fallenden Wassermassen in der Sonne. Wieder blickten Michael und ich uns an und binnen Sekunden fassten wir den Entschluss zum Wasserfall zu wandern. Nahe der Straße fanden wir einen Weg, der mir auf Anhieb sympathisch war: Leicht ansteigend, links und rechts mit Sträuchern und Bäumen bewachsen, die teilweise sich wie Geliebte über dem Pfad trafen. Einige Blumen durchbrachen das Grün. Die Sonne ließ Pflanzen, Steine und Stämme in kräftigen Farben erstrahlen. Und da war es! Von dem Moment an als wir unsere Schritte auf den Pfad lenkten, vernahmen wir dieses wunderbar rein klingende, verheißende Rauschen. Kein plätschern, nein, ein kraftvoller Zeuge des immerwandelnden Elements. Meine Schritte bewegten sich rascher dem Ziel entgegen. Und mit jedem Schritt wurde das Rauschen lauter. Einen Busch beiseite schiebend offenbarte sich mir und meinem Begleiter ein herrlicher Anblick: Vor uns erhob sich der Aufstieg zu einer Gebirgswand, von der das Wasser herunter stürzte. Der Wasserfall war recht hoch und voller Freude über unsere Entdeckung machten Michael und ich uns daran ein wenig höher zu klettern. Wir füllten unsere Wasserflaschen mit dem herrlich kühlen und wohl schmeckenden Gletscherwasser auf und ließen uns etwas weiter oben zu einer Rast nieder. Dort verzehrten wir einen Teil unserer Wegzehrung: Baguette, Früchte und Granola- Bars (auch Müsli- Riegel genannt, klingt aber bei weitem nicht so cool ;)). Während wir aßen genossen wir die Aussicht, den nahen Wasserfall und die Vielfältigkeit unserer Kameras. Unsere Begeisterung für Piraten kombiniert mit unserer Begeisterung für die Bandanas brachte eine große Zahl an Photos hervor, von denen ihr euch auch einige in der Galerie anschauen könnt. Die Zeit die wir rasteten fühlte sich genau richtig an: Nicht zu lange und nicht zu kurz.

Wenig später befanden wir uns wieder auf unserem Weg zu Lake Minnewanka. Wir folgten der Straße durch einen schönen Wald, nebenbei passierten wir ein altes Mienen- Dorf, und schließlich erreichten wir nach einem insgesamt ca. vier Stunden langen Marsch unser Ziel. Es war schon recht spät und die Dämmerung war bereits abzusehen. Kaum am See angekommen, peitschten uns schon die ersten Windböen entgegen – es war wirklich sehr windig. Doch als Pirat sollte man mit Wind klarkommen. ;) So ließen wir uns also an einem netten von Felsen gesäumten Seeufer nieder und machten uns daran den Rest unserer Vorräte zu verspeisen; unter anderem eine tolle runde Wassermelone und eine Papaya. Der Wind nahm weiter zu, dennoch sahen wir uns noch eine kleine Halbinsel nahe des Ufers an. Wie wir uns schon vorher dachten, hatten wir nicht mehr allzu viel Zeit um in der Gegend herum zu wandern. Gestärkt durch unser vorzügliches Mahl machten wir uns also wieder auf den Rückweg. Und dieser sollte anders verlaufen als vermutet. Ganz anders.

An dem Punkt wo Straße und See sich trafen sahen wir auf dem Rückweg einen der typischen canadischen 4×4 Pickup- Trucks; dieser donnerte von Seitenstraße zu Seitenstraße und wir waren uns ziemlich sicher, dass da jemand keine Ahnung hatte wo er lang fahren sollte. Während der Truck also mehrere Male unserem Sichtfeld entschwand, nur um dann mit lautem Motordröhnen wenige Momente später wieder in selbigem aufzutauchen überlegten Michael und ich, ob wir nicht hitchhiken sollten. Auf unserem Weg zurück von Sulphur Mountain hatte das sehr gut funktioniert, doch an diesem Tag übertraf sich die legendäre canadische Gastfreundschaft selbst. Nachdem er anscheinend alle möglichen Wege uns Straßen ausprobiert hatte hielt der Truck plötzlich an und der Fahrer streckte seinen Kopf zum Fenster raus. „Do you guys need a ride?“ Ja klar! Michael und ich waren überrascht. Gewöhnlicherweise ist Hitchhiking eine Geduld erprobende und mitunter langwierige Tätigkeit, doch unsere Erfahrungen zeigten uns das Gegenteil. Nicht nur das uns am Fuße Sulphur Mountains der erste Wagen mitgenommen hatte, nein, jetzt wurde uns sogar angeboten mitzufahren ohne das wir fragten! Wow. Mit diesem Gedanken im Kopf und einem breiten Grinsen im Gesicht warfen Michael und ich uns also auf die (ziemlich gemütlichen) Rücksitze des Wagens. Mike, der Fahrer, war mit seinem Neffen unterwegs und nach einer freundlichen Begrüßung trat Mike dann das Gaspedal. Sein Fahrstil war gelinde gesagt gewöhnungsbedürftig, doch stellte sich rasch heraus, das er die Gegend extrem gut kannte. Auf dem Weg nach Banff überraschte uns Mike dann mit der Frage, ob wir ein paar Bären sehen möchten. Bären? Bären! Mike lebte seit vielen Jahren in Banff und wusste genau wo er Bären finden konnte. Er wollte seinem Neffen einige zeigen und das war auch der Grund warum er all die Straßen absuchte. Mike kannte, nebenbei bemerkt, sogar einen meiner Supervisor ziemlich gut. Und so rauschten wir an Banff vorbei, auf den Highway (der nachts ziemlich cool aussieht) und fuhren weiter zum nahen Skigebiet, Sunshine Village. Die Fahrt dauerte eine Weile und die Gespräche mit Mike und seinem Neffen waren witzig und unterhaltsam. Lange Zeit sahen wir keine Bären, nicht einmal an den Stellen wo sie sonst sehr häufig anzutreffen seien. Gerade wollte Mike kehrt machen, da sahen wir zwei leuchtende Augenpaare in der Dunkelheit! Grizzlys!!! :D Mike fuhr ziemlich nahe an die beiden Wesen heran. In den Bäumen waren die Bären mehr als große, mächtige Schatten auszumachen, doch nach einigen Minuten kamen sie zur Straße herunter. Mike tat alles um ihre Aufmerksamkeit zu erregen; er stieg aus dem Truck und winkte den Grizzlys mit beiden Händen zu. Sein Neffe erzählte uns, dass Mike schon mal von einem Bären verfolgt wurde und auch sonst schon einige Erlebnisse dieser Art hatte. Er sei der Mann in Banff, der am meisten Bären in seinem Leben gesehen hätte.

Es war großartig, die beiden Grizzlys zu sehen – sie ignorierten Mikes Gesten und wanderten die Straße in entgegen gesetzter Richtung nach Sunshine Village entlang. Ich habe mich extrem darüber gefreut, die Bären, die vermutlich Geschwister waren, zu sehen. Die Fahrt mit Mike war ein unwirklich erscheinendes Erlebnis und vielleicht habe ich mir das auch alles nur ausgedacht und Michael und ich sind den ganzen Weg zurück nach Banff gewandert. Nun, wer weiss?

Michael und ich haben unsere Tour nach Lake Minnewanka unwahrscheinlich genossen. Das gemeinsame wandern, das Entdecken des Wasserfalls am Wegesrand, die Natur um uns herum – ein großartiger Wandertag. :) Für mich war der Weg in diesem Fall weitaus reizvoller als das Ziel; am See selbst haben wir im Endeffekt nur wenig Zeit verbracht. Der Wasserfall, den wir entdeckt haben, ist übrigens auf keiner der üblichen Wanderkarten für Banff und Umgebung zu finden. Japp, normalerweise geht niemand den Weg zu Lake Minnewanka – und die meisten verpassen somit das Rauschen, den schönen Pfad und den kurzen Moment der innerlichen Aufregung, bevor man den letzten Busch beiseite schiebt. Der Wasserfall war eine Bereicherung.

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Am 3o. Juni hatten Michael und ich uns zu Lake Minnewanka aufgemacht und am nächsten Morgen, dem ersten Juli, war Canada Day! An diesem Tag haben sich im Jahre 1867 im British North American Act die einzelnen Gebiete Nordamerikas zu einem Staat zusammengeschlossen. Ich bin immer wieder darüber erstaunt wie schnell die Zivilisation sich ausgebreitet hat. Als Abenteurer hätte man hier vor einigen hundert Jahren nichts als Wildnis und einige Ureinwohner vorgefunden. Und wieder beneide ich die Wikinger und Columbus. ;)

Überall in Canada wird der erste Juli mit Paraden, Musik und Tänzen gefeiert. So auch in Banff…..nun ja, fast. Latürnich gab es auch hier eine Parade, doch zum Unterschied zu vielen candischen Städten ist Banff nicht voller Canadier! Gerade im Sommer und im Winter besteht der allergrößte Teil der Bevölkerung aus Touristen. Und das konnte man leider auch bei der Parade spüren. Diese war nett anzuschauen (man ersetze „nett“ mit „großartig“ wenn man ein Fan von Cowboyhüten ist, für alle anderen war es eher kitschig ;)); Gruppen von Musikanten aus ganz Alberta ließen Trompeten und Flöten ertönen, Tänzerinnen zeigten ihr Können und Cowboys präsentierten sich auf nordamerikanischen Pferden. Zahlreiche Wagen fuhren die Straße entlang, die meisten waren von den lokalen Restaurants – typisch für Banff. ^^ Das Publikum säumte die Ränder von Banff Avenue in rot- weiß und überall war die canadische Flagge zu sehen. Eigentlich war alles da was für eine gute Parade gebraucht wird, nur eines – entscheidendes – fehlte: Die Stimmung! Es wurde nahezu kaum gejubelt und fast jeder Versuch die Menschen zu einem Canada- würdigen Jubel anzustimmen blieb unbeachtet. Hin und wieder erhob sich ein Klatschen oder ein Freudengesang, doch ich wage zu behaupten das für viele der Touristen Canada nur ein weiterer, teuer im Reisebüro gebuchter Urlaub ist. Gleich neben den Bildern der Sahara und asiatischer Kultur hatte man sich dieses Jahr für die unberührte Wildnis Canadas entschieden. Michael und ich haben uns davon latürnich nicht aufhalten lassen und den Canada Day genossen. Von der Parade findet ihr weiter unten lediglich eine handvoll Photos; Michael hat in seinem Blog eine große Zahl von schönen Bildern veröffentlicht die ihr euch unbedingt anschauen solltet. Nach der Parade haben Michael und ich den Tag mit Ruhe genossen und blickten mir großer Vorfreude dem Höhepunkt des Tages entgegen: Dem abendlichen Feuerwerk. Als es dann soweit war und die Sonne langsam hinter den Bergen verschwand, machten wir uns auf zum nahen Sleeping Buffalo Mountain (an anderer Stelle als Tunnel Mountain bezeichnet) um eine gute Sicht auf das Feuerwerk zu haben. Als wir auf der Hälfte des Berges angekommen waren kündigte das nahe Donnern über der Stadt an, dass wir etwas zu spät los gegangen waren. Schnell haben wir den nächsten schönen Platz mit freier Sicht gesucht und unsere Augen über Banff schweifen lassen. Und dort sahen wir sie, die Leuchtraketen, welche in vielen verschiedenen Farben explodierten und die Bergszenerie erhellten. Das Feuerwerk war schön wie einfach – sicher gibt es größeres an vielen Orten in Canada, doch die Kulisse war es, die diesem Feuerwerk seinen Reiz verlieh. Canada Day.

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Kurz nach dem Gründungstag Canadas verließ mein guter Freund Banff. Die kleine touristische Stadt in den Rocky Mountains hatte Michael nicht beeindrucken können und da leider auch kein Job in Aussicht stand verließ er Banff nach insgesamt etwa einem Monat. Es zog ihn nach Edmonton, welches im Norden Albertas gelegen und vor allem für seine gewaltige Shopping- Mal (eine der größten der Welt) bekannt ist. An der Greyhound- Station hätte ich am liebsten auch meinen Rucksack geschultert um wieder in die unbekannte Weite aufzubrechen. Ein Reisefieber überkam mich und die nächsten Tage verbrachte ich viel Zeit mit meinem Lonely Planet; welche interessanten Orte gab es noch in Canada (viel zu viele ^^) und wohin wollte ich noch reisen (ebenfalls nicht gerade wenige ;)). Zu diesem Zeitpunkt, als ich diesen Bericht schreibe, weiss ich bereits wann und wohin ich nach Banff weiter reisen werde. Ich freue mich schon sehr darauf all meine Besitztümer in zwei Rucksäcke zu stopfen und mich wieder auf zur Greyhound – Station zu machen. :) Wenn man bedenkt das ich zwischendurch für eineinhalb Tage in Vancouver war ist mir der Platz schon sehr vertraut und symbolisiert für mich die Grenze zwischen einem Ort an dem ich lange verweilte und noch verweile und der unbekannten Straße, auf der einem alles nur erdenkliche begegnen kann.

Als sich Michaels und meine Wege trennten, wussten wir beide, dass dies nicht das letzte Mal war, das wir uns in Canada begegneten.

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Nach dem bisher Geschriebenen hört es sich wahrscheinlich so an, dass ich in Banff vieles unternehme aber kaum arbeite. Nun, dieser Eindruck täuscht. :P Ich arbeite normalerweise fünf Tage die Woche und habe immer wieder zwischen Morgen- und Abendschicht gewechselt um heraus zu finden, welche mir mehr liegt. Mittlerweile habe ich mich klar für die Morgenschichten entschieden, die den großen Vorteil haben, dass sie schon um 2 bzw. 2.30 mittags zu Ende sind und der Großteil des Tages weiterhin vor einem liegt! Yay! Zudem kann ich so am Abend zu Shows oder Vorführungen gehen. Ich habe mich nun komplett in Banff, speziell im Banff Centre, eingelebt. Es ist einfach toll wenn man auf der Straße mit dem Namen gegrüßt wird und ich lerne mehr und mehr Leute kennen, mit denen ich die unterschiedlichsten Sachen unternehme. Wie im letzten Bericht schon angemerkt wurde, lernte ich hier und da auch einige Künstler kennen.

In den letzten Monaten fanden auf dem Campus viele unterschiedliche Veranstaltungen und Feste statt. Davon möchte ich die beiden bemerkenswertesten hervorheben: Das Schweizerfest und den Mittsommer Ball. Niemals hätte ich erwartet auf nordamerikanischem Boden in den Genuß (oder so…..) von schweizerischer Jodelmusik zu kommen. Doch genau das war der Fall! Jedes Jahr trifft sich der schweizerische Jodelclub an einem anderen Ort in der Welt und dieses Jahr hatte er Banff für seine Zusammenkunft ausgewählt. Über 400 Jodler! Habe ich schon erwähnt das unser Dining Room in Vistas maximal um die 360 Leute fasst? Insgesamt, zusammen mit den anderen Künstlern, hatten wir für einige Tage über 500 Leute in dem Speisesaal. o_O Der Service Staff hatte eine Menge zu tun und besonders der hohe Kaffeekonsum der Besucher aus dem Herzen Europas (eine ganze Kanne für einen Tisch, normalerweise reicht eine solche für über drei) bereitete dem Morning Staff (also auch mir) Kopfzerbrechen. Die Schweizer waren ein netter Haufen und zu allen Servern sehr freundlich, was das Arbeiten wesentlich angenehmer machte. Abends, als es eine extra Festveranstaltung für die Jodler gab, machten diese ihrem Namen alle Ehre: Immer wieder erhob ein einzelner Tisch die Stimmen zum traditionellen Gesang woraufhin mehr und mehr Jodler einstimmten und der Saal kurz darauf bebte von schweizerischem Jodelgesang. Wirklich, das kam unerwartet – In Banff……in…..Canada. Am nächsten Morgen musste ich dann breit Grinsen als mein Supervisor fassungslos über die Schweizer war. Er konnte nicht glauben, dass sie am Abend zuvor unsere Weinbestände ernstlich in Gefahr brachten, morgens dann zur Kirche (die in Banff und nicht auf dem Campus ist!) gingen und dennoch die ersten waren die pünktlich um 7 zum Frühstück erschienen. Und latürnich eine Menge Kaffee tranken. ^^ Das hatte irgendwie etwas von einer Lebensweise, wie man sie nur in der Alten Welt finden kann.

Einige Wochen später fand auf dem Banff Centre der Mittsommer Ball statt, das wichtigste Ereignis des Jahres. Jedes Jahr versammeln sich für ein Wochenende gut betuchte Kunstliebhaber vor allem aus Nordamerika in Banff. Dazu gehört z.B. auch der Gouverneur für Kunst von Alberta. Die Créme de la créme der Sponsoren für das Centre versammelt sich auf dem Mittsommer Ball – und dieses ist bestrebt sich von seiner allerbesten Seite zu präsentieren. „When you look good, we look good“, sagte unser Supervisor zu uns. In diesen Tagen wurde „exceptional service“ (außergewöhnlicher Service) mehr als wörtlich genommen. Am Samstag Abend fand der Ball statt und ich habe noch nie einen so luxuriös verzierten Ballsaal gesehen! Alles war so hergerichtet worden, dass es einen Genuss für das Auge zum Betrachten war. Wie die Servierten gefaltet wurden ist mir bis jetzt noch nicht ganz klar und alles glänzte und blinkte. Wow! An diesem Abend trugen wir sogar weiße Handschuhe. Bevor die in extravagante Kleider gekleideten Damen und Boss- Anzüge tragenden Herren den Saal betraten, stand der komplette Service Staff in einer Reihe vor dem Eingang, lächelnd und einen guten Abend wünschend. Ihr könnt euch nicht vorstellen wie hoch die Summe wäre wenn man das Vermögen aller Versammelten zusammen nimmt! Zu dem hervorragenden Menü, welches voll von so ungewöhnlichen Zutaten (und ungebräuchlichen Worten) war, dass ich es nicht einmal zur Hälfte wirklich verstand, wurde erstklassiger Rot- und Weißwein gereicht. Eine Band spielte Live- Musik und Kerzen leuchteten auf den mit allerlei kunstvollem Wunderlichem bestückten Tischen. Und noch einmal: Wow!! Überall an den Wänden des Raumes waren außergewöhnliche Angebote verteilt auf die unsere werten Gäste bieten konnten. Da gab es zum Beispiel zwei VIP Parkplätze zu den Olympischen Spielen 2o1o zu gewinnen, oder auch Autos im Wert von vielen vielen Dollars, die nebenbei gemerkt vor dem Gebäude zum Bestaunen geparkt wurden. Da erklärt es sich auch das jeder, um ein Gebot abzugeben, 1ooo Dollar mit in den Umschlag geben musste. Wohlgemerkt um zu bieten, das garantiert noch lange nicht das man auch gewinnt. Neben VIP Parktplätzen, Weintouren, Autos und Rolex Uhren gab es latürnich auch eine große Zahl an Kunst, vornehmlich Gemälde, auf die geboten werden konnte. Das Geld von den Geboten floss direkt in den Fond für das Banff Centre, unter anderem auch in die Stipendien für junge, talentierte Musiker, Schauspieler, Tänzer etc..

So in etwa dürfte das Leben eines Hollywood- Starts aussehen. Und aus meiner Perspektive – der Server- Perspektive – war dies ausgesprochen beeindruckend! Die VIPs waren zudem sehr freundlich und nett, was ich nicht erwartet hatte. Auf dem Mittsommer Ball zu arbeiten war ein tolles Erlebnis mit viel Glamour drumherum. Es hat richtig viel Spaß gemacht und ja, es war außer-gewöhnlich!

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Oh, und es gibt noch einen außergewöhnlichen Arbeitstag von dem ich berichten möchte! Ganz anders und gleichfalls großartig. Eines Tages im Juli hatte ich das Vergnügen auf einem Konzert zu arbeiten!

Der berühmte australische Hippie Musiker Xavier Rudd besuchte das Centre und da Banff voller Hippies ist (was rockt!) waren die Karten sehr schnell ausverkauft. Ich hatte bis dahin noch nie von ihm gehört. Xavier Rudd spielt viele Instrumente gleichzeitig, neben Gitarre und Flöte latürnich auch das Didgeridoo. Vor dem Amphitheater des Centres wurde eine Bühne errichtet und auf dem in frischem Grün erscheinenden Rund versammelten sich Hippies und ….. Hippies und mehr Hippies. Und hey, wo ein Konzert ist da gibt es auch Essstände und wo es Essstände gibt braucht man auch Leute die das Essen servieren! Und da kommen wir Server ins Spiel. :D

So kam es also das ich das volle Konzert genießen konnte und nebenbei Hotdogs und Hamburger in Brötchen verteilte. Glücklicherweise war unser Stand am Kopf des Amphitheaters und so hatten wir alle eine super Sicht auf die Bühne. Ich übertreibe nicht, dieser Arbeitstag toppt sogar den Mittsommer Ball – die Arbeit an diesem Tag hat einfach so viel Spaß gemacht. Die Stimmung war ausgelassen und jeder war glücklich, betrunken oder beides. ;) Die Musik von Xavier Rudd hat mir überdies so gut gefallen: Chill, Nature, Wheet, Peace. Ich glaube so kann man es zusammen fassen. :P

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Der Tag meiner Abreise von Banff rückt immer näher und ich habe schon einiges vor für die nächsten Monate. Manchmal denke ich darüber nach ob ich diesen Ort, die netten Menschen und all die großartigen sich anbietenden Möglichkeiten vermissen werde – Wahrscheinlich schon. Das Banff Centre ist ein interessanter und vielfältiger Ort; jedes Mal wenn ich aus einem nahen Fenster liebliches Violinenspiel vernehme oder die Stimme einer Opernsängerin über den Campus schallt weiss ich, dass dies ein besonderer Ort ist. Wo sonst hört man Operngesang aus der Sauna (ein bemerkenswertes Ereignis, nebenbei bemerkt)?! Wer weiss, vielleicht werde ich eines Tages wieder hierher zurück kehren?

Mit diesen Worten schließe ich diesen Bericht, von dem ich hoffe das er jeden von euch mindestens einmal zum Lachen gebracht hat. :P Viel Spaß mit den Photos!

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Galerie

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Banff Centre Experiences

Das Leben ist wundervoll. :)

Seit ich an diesem Bericht begonnen habe zu schreiben sind nun schon mehrere Wochen vergangen. In dieser Zeit habe ich eine unglaubliche Zahl an interessanten und schönen Dingen erlebt, unter anderem einige tolle Überraschungen. Das Leben hat mich besonders in den letzten Tagen mit vielen wundervollen, wahren Momenten beschenkt. Darüber bin ich sehr glücklich.

Dieser Bericht, den ich gerade schreibe, beschreibt meine Zeit auf dem Banff Centre und die Erfahrungen, die ich hier gemacht habe und mache. Das ist mittlerweile schon eine ganze Menge und dementsprechend umfangreich ist auch mein Bericht. Dem geneigten Leser lege ich dementsprechend nahe sich mit heißem Tee (Kaffee, Kakao) und Keksen auszustatten. Nicht jede Kleinigkeit werde ich ansprechen und einiges wird in späteren Blog- Berichten womöglich Erwähnung finden. Habt ihr ein heißes Getränk und Kekse? Gut, dann auf hinein ins Geschehen!

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Der Beginn meines neuen Jobs als Server war mit großen, schmerzhaften Verlusten verbunden. Genauer gesagt dem Verlust von tausenden von Barthaaren! Diese Tatsache alleine disqualifiziert diesen Beruf vermutlich für den ein oder anderen (unter euch?). Denn niemand rasiert sich gerne die so lange gepflegten und in Ordnung gebrachten/ gestalteten Barthaare ab. So war auch ich davon nicht gerade begeistert. Aber hey, Barthaare wachsen nach und diese Jobmöglichkeit ist nahezu einzigartig. So zückte ich also meine Rasierklingen und tat was getan werden musste. Da wir während der Arbeit das Banff Centre repräsentieren wird von uns Servern allgemein ein gepflegtes Äußeres und ein höfliches Auftreten erwartet. Auch wenn ich das für selbstverständlich halte habe ich nicht damit gerechnet das hier ein so großer Wert darauf gelegt wird.

Meine Vorbereitungen auf meinen neuen Job waren umfassend. Ich war überrascht wie viele Dinge zu besorgen galt. Einen Korkenzieher, eine schwarze Hose, zwei weiße T- Shirts, ein weißes Hemd, schwarze Schuhe, mehrere Paar schwarze Socken und Haarwachs. Bei letzterem habe ich mich sehr darüber gefreut, dass es in Banff einen Body Shop gibt! Dort habe ich Bienenwachs von hoher Qualität gefunden, dessen Geruch ich sehr mag. :) Für all die anderen Dinge habe ich einen speziellen Server Store in Banff aufgesucht, über dessen Existenz ich ebenfalls recht erstaunt war. So ein Geschäft habe ich bisher noch nie gesehen. Ein eigenes Geschäft mit Kleidung nur für Servierer und Kellner. Die Bedienung war sehr nett und hat mir geholfen, mich binnen einer halben Stunde in einen Pinguin zu verwandeln. XD Die Uniform wird komplettiert von einer Schürze und einer Weste vom Banff Centre sowie einem fency Namensschild.

„May I offer you a tea or a coffee, Sir?“ Hui, diesen Satz sage ich in einigen Variationen unzählige Male am Tag. Um es in wenigen Worten zusammen zu fassen: Ich mag meinen Job! :) Mit großer Freude stelle ich fest, dass meine Vermutungen diesbezüglich nicht falsch waren. Servieren macht mir Spaß! Es ist ein gutes Gefühl zu wissen das ein guter Service den bisher nicht so toll verlaufenden Tag eines Gastes um einiges erhellen kann. Man kann Menschen eine Freude machen und vor allem dazu beitragen, dass sie sich wohl fühlen. In meinem Job- Interview sagte ich, dass es mein Ziel als Server sei, das die Gäste mit dem Gefühl nach Hause gehen das richtige Etablissement für den Abend gewählt zu haben. Und das habe ich nicht nur so gesagt, das meine ich auch so! Ich genieße es zwischen Tischen- Säubern, Servieren und planlosem hin- und her rennen ein paar Worte mit einem Gast zu wechseln. Oft wird dabei gelacht. Japp, ich mag diesen Job zweifelsohne.

Das Banff Centre unterhält eine große Zahl von Etablissements. Das Dining Centre besteht neben Vistas Restaurant aus dem Fine Dining Restaurant Three Ravens und einer Weinbar. Ich arbeite in Vistas, zudem bedienen wir auch Versammlungen und Meetings an anderen Orten des Banff Centres. In Vistas bringen wir den Gästen eigentlich nur Getränke, da es eher ein großes Buffet als ein Restaurant ist. Bis zu drei Mal täglich sitzen hier Manager, Künstler und andere Gäste zum Essen beisammen. Der Raum fasst circa 340 Personen und ist sehr schön angelegt: Im obersten Stockwerk des Gebäudes mit Glaswänden, sodass die Gäste den wundervollen Ausblick auf Banff und insbesondere die Berge genießen können. Es gibt Tage an denen die Arbeit in Vistas ziemlich langweilig ist, umso mehr freut sich jeder Server wenn er auf einer Versammlung arbeiten kann. Dort gibt es dann öfters auch „plated dinner”, es wird also das Essen direkt serviert. Das macht großen Spaß und ich denke im Moment darüber nach mir in einem Restaurant in der Stadt einen zweiten Job zu suchen.

Mit den anderen Servern komme ich sehr gut klar. Einige sind mir ausgesprochen sympathisch, wie zum Beispiel Sam aus England. Die Supervisor, unsere direkten Vorgesetzten, sind nahezu alle richtig coole Typen. Es ist angenehm mit ihnen zusammen zu arbeiten: Auf der einen Seite sind sie witzig und drücken auch mal ein Auge zu, auf der anderen Seite wissen sie aber auch ganz genau was geht und was nicht und machen das auch deutlich. Ich kann also vollauf sagen das ich mich in meiner Arbeitsumgebung wohl fühle. Mein kleines Apartment teile ich mit Tim, einem Schauspieler aus Toronto. Manchmal ist es etwas chaotisch im Zimmer, aber eben nur manchmal. ;) Ich bin sehr zufrieden mit meiner Unterkunft.

Das Leben eines Kellners ist manchmal sehr witzig. So empfinde ich es zumindest. :) Es wird oft über die Gäste geredet. Jemand nervt mit Fragen nach Dingen die wir nicht anbieten? Der Typ ist wieder da, dem man direkt eine ganze Kanne Kaffee hinstellen kann? Knapp bekleidete Schönheiten am Tisch rechts am Fenster? Ja, es wird über die Gäste geredet und wenn ihr das nächste Mal in einem Restaurant seid dann werdet auch ihr vielleicht den Gesprächsstoff hinter den Kulissen bilden. ;) Hoffentlich im positiven Sinne. ^^ Neben Gästen gibt es manchmal auch oft lustige Geschichten. Beliebt sind die Schilderungen des übelsten „Drops“, also was man fallen gelassen hat. Heißer Tee über eine Dame geschüttet? Autsch. Heißer Kaffee? Ganz übel….nun ich toppe das alles. o_O Ähm ja…und so… *schnell weiter im Text*

Inspiring Creativity – Das Motto des Banff Centre. In meinen vorigen Blog- Einträgen habe ich genauer beschrieben warum ich so gerne an genau diesem Ort arbeiten möchte und einer der wichtigsten Punkte dabei machte dabei die künstlerische Umgebung aus. Ein Ort der Kunst, von hohen Bergen umgeben, inmitten eines Nationalparks? Das klang fabelhaft – und so ist es auch! Es gibt dazu ein Video vom Banff Centre [Link] welches ihr euch anschauen könnt. Auch wenn es ein wenig sehr euphorisch ist so vermittelt es doch einen guten Eindruck davon was das Banff Centre eigentlich ist vor allem was es so besonders macht. Und ich kenne einige der Leute in dem Video. ;) Tatsächlich komme ich hier mit so einigen Künstlern in Kontakt. Mit machen mehr, mit manchen weniger. An diesem Ort versammeln sich tatsächlich Künstler aus den verschiedensten Bereichen, von den unterschiedlichsten Plätzen der Welt kommend. So habe ich zum Beispiel einen kolumbianischen Komponisten kennen gelernt. Oder Jazz Musiker aus Norwegen, Canada, Australien, Irland etc..

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In Banff und den es umgebenden Rocky Mountains gibt es eine Menge zu erleben. Und zwar wirklich EINE MENGE.

Als Staff- Member habe ich den Vorzug das viele Konzerte und Kunstveranstaltungen umsonst oder sehr günstig sind. Jedes Staff- Mitglied hat somit die Möglichkeit vielen unterschiedlichen Veranstaltungen beizuwohnen wenn es möchte. Es ist allerdings sehr erstaunlich wie wenig manche Mitglieder der Belegschaft diese Möglichkeiten nutzen. Ein Großteil der Leute, die hier arbeiten, gehen abends oft in Nachtclubs und trinken eine Menge Alkohol. Es trifft durchaus zu was ich in einem Wochenblatt gelesen habe: Der durchschnittliche Bewohner von Banff ist 25, kommt aus Australien und hat einen Kater. XD Nachts wird es in Banff ziemlich laut, Betrunkene und Taxen beherrschen die Straßen. Dieses sehr lebendige Nachtleben liegt mir nicht und ich merke immer wieder das mir in Banff auch etwas fehlt: Die Ruhe und Stille der Wälder, das sanfte Rauschen des Baches und das Flüstern des Windes. All dies findet sich allerdings in der Umgebung des kleinen canadischen Städtchens. :) Die Zeit im Yukon war großartig und prägend. Hm, ich glaube ich habe mich noch immer nicht ganz an die Zivilisation gewöhnt. ;P

Ich gehe oft Kanu fahren – und ich genieße es sehr!! Zudem gehe ich oft im Recreation Centre schwimmen (und in die Sauna); in der Sporthalle spielen wir Basketball und Badminton. Ich würde sehr gerne Floor Hockey spielen, doch bisher haben sich noch nicht genug Leute dafür gefunden. Wie sich erahnen lässt gibt es sehr viele Indoor- und Outdoor Aktivitäten und für jeden ist etwas dabei. Ich genieße diese Möglichkeiten sehr – es ist zum Beispiel einfach toll vor der Arbeit eine Runde schwimmen zu gehen.

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Der Mai war im Banff Centre der Jazz Monat. Von der ganzen Welt kamen bereits erfolgreiche Musiker oder solche mit viel Potenzial um von den ganz Großen zu lernen. Etwa jeden zweiten Abend gab es ein Konzert von den Jazz- Musikern – für drei Wochen! Yay! :D Die Bands entstanden mehr oder weniger spontan, manche haben sich erst eine Stunde vor Konzertbeginn getroffen. Die Musik war jeden Abend anders und diese Vielfalt hat dem Ganzen einen bestimmten Flair gegeben. Gespielt wurde im Club (der auch genauso heißt) auf dem Campus. Der Club liegt mitten in einem Gebäude und vermittelt eine typische Keller- Atmosphäre. Eine Bühne, ein paar wackelige Stühle (mit teilweise leicht abgewetztem Bezug), eine Bar. Und Jazz. Ein hervorragender Ort für Jazz- Live Musik!! Meine Photos von einem der Konzerte vermitteln gut die Stimmung im Club. Ich habe einen Großteil der Konzerte gesehen und war sehr sehr glücklich diese Möglichkeit gehabt zu haben! Mit einigen der Jazz Musiker habe ich mich nach den Konzerten oftmals unterhalten und sie waren immer eine Bereicherung im Restaurant. Es ist schwierig zu beschreiben, die Atmosphäre im Banff Centre war für drei Wochen irgendwie „jazzig“. Ich gewöhnte mich daran abends nach der Arbeit zu einem Jazz-Konzert zu gehen und im Club den Tönen der Musiker zu lauschen. Als das Jazz Festival vorbei war war es ganz eigenartig. Für ein paar Tage wirkte das Banff Centre farblos und öde. Der Jazz war eine große Bereicherung. :)

Eine der Jazz- Musikerinnen, die aus Norwegen stammt, hat mich zudem zu einem Gedicht inspiriert. Die Art wie sie Piano spielte hat mich meines Atems beraubt. Erotische Anspielungen und in den Zeilen liegende Doppeldeutigkeiten sind nicht ganz zufällig. Ich werde das Gedicht hier nicht veröffentlichen, doch ich schicke es mit Freude jedem, der es lesen möchte. Schickt mir einfach eine email an windrabe@web.de.

Neben dem Jazz habe ich noch etwas anderes im Mai erlebt, von dem ich ganz und gar begeistert war. Ein Theaterstück: The Erotic Anguish of Don Juan (Die Erotischen Qualen des Don Juan) von „The Old Trout Puppet Workshop“ [Link] (Der alte Forellen- Puppen Workshop….fragt mich nicht warum der so heißt! Aber „trout“ heisst definitiv Forelle. XD). It was hilarious!!!!! Das Stück wurde von vier Schauspielern und einer Hand voll Puppen aufgeführt (die wiederum von den Schauspielern mit Leben erfüllt wurden). Direkt von den Schauspielern verkörpert wurden die folgenden vier Charaktere: The Ghost of Don Juan, The Devil and Two Demonic Minions. Wie der Titel schon verrät handelt das Stück von den Erotischen Leiden des Don Juan und die Geschichte ist einfach wunderbar erzählt. Das Stück begannt in der Hölle, in der Don Juan den Rest seiner Existenz verbringen musste. Wie es dazu kam berichtete sein Geist mit viel Humor und grandiosem Charakterplay. Eine meiner Lieblingsszenen war und ist wie Don Juan mit einer Rose (anstatt eines Degens) gegen die Dreizacke der dämonischen Schergen kämpft. Ein herrliches Bild.

Nach der Vorstellung hatte man die Möglichkeit mit den Schauspielern zu sprechen und ihnen Fragen zu stellen. Das war außerordentlich informativ (und lustig) und nach diesem Artist Talk habe ich durch einen Zufall die Bekanntschaft von einigen netten Leuten gemacht. Mit diesen und einem der Schauspieler bin ich dann in den Pub auf dem Campus gegangen und der Abend erfuhr eine außerordentlich interessante Fortsetzung. Ich habe diesen Abend in all seinen Facetten sehr genossen.

Ich liebe das Theater! :D

Wie ich aus zuverlässiger Quelle erfahren habe wird The Old Trout Puppet Workshop nächstes Jahr wahrscheinlich auch in den englisch- und französisch sprachigen Ländern Europas ihre Stücke präsentieren. Sie werden soweit ich weiß auch in Belgien sein! Für all diejenigen unter euch die Dramatik und Theater lieben: Lasst euch diese Chance umwerfende Komik in prachtvollem, ungewohntem Gewandt zu erleben nicht entgehen! Der beste Weg über die zukünftigen Aufführungen der Gruppe zu erfahren ist den Newsletter auf ihrer Seite zu abonnieren. Enden möchte ich diesen Abschnitt mit Don Juans Worten: „You are a beautiful flower…I love you.“ (das sagte er zu geschätzt vier Frauen im Publikum, oder mehr…..hm wahrscheinlich mehr ;))

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Wo war ich? Ahja! Ich war gerade dabei mich auf dem Campus einzugewöhnen als mich eine freudige Botschaft erreichte. Mein Freund Atsushi, ein Japaner den ich in Muktuk kennen gelernt habe (er ist auch auf einem der Photos des vorletzten Beitrags zu sehen), wollte mich in Banff besuchen. Er hatte sich nach seiner Zeit bei Muktuk ein Motorrad gekauft und reiste damit nun durchs Land. Bilder von abendlichen Gesprächen, Camping und Magic- Bus Besuchen tauchten sofort wieder auf. Einige Tage später ging ich mit großer Freude zu dem vereinbarten Treffpunkt. Und siehe da! Athushi…

…und Melanie? Und Melanie! Ja, die beiden haben sich zufällig (!) in einem Hostel in Vancouver wieder getroffen und beschlossen mich zu besuchen. Das Atshi kam wusste ich, aber Melanies Ankunft war eine große Überraschung. Sie kommt aus Deutschland und hat ebenfalls bei Muktuk gearbeitet. Wir sahen uns die Cave & Basin in Banff an – eine unspektakuläre Höhle, deren Entdeckung aber für die Gründung des Parks entscheidend war. Mit Atsushi war zudem ich Kanu- fahren. Es war sein erstes Mal mit einem Kanu auf dem Wasser und wir hatten eine Menge Spaß. Nach einigen Tagen bekam Atshi Fernweh, schwang sich auf sein (stylisches!) Motorrad und machte sich auf zu den Queen Charlotte Islands an der Westküste. Melanie blieb noch einen Tag länger und machte sich danach auf zum Yukon. Zum Yukon? Da kam sie doch her? Joa, aber es ist ein faszinierender Ort, der eine gewisse Anziehungskraft ausübt. Diese reicht augenscheinlich auch bis nach Banff: Sie arbeitet im Moment in Whitehorse. ;) Ich habe mich über den Besuch der beiden sehr gefreut und die Zeit mit ihnen war großartig!

Zu diesem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht, dass bald eine weitere große Überraschung folgen sollte. Eine die noch unerwarteter kam (warum nur habe ich das Gefühl das einer meiner Leser ganz genau weiß wovon ich schreibe? XD).

Eines Morgens klopfte es an unserer Tür. Ich war noch am schlafen und langte noch im Halbschlaf nach der Türklinke. „That will be one of the other guys“, dachte ich mir. Doch weit gefehlt. Es war eine Mitarbeiterin von den Staff Accommodations, die mir mitteilte, dass da jemand am Haupteingang auf mich wartet. Darüber war ich sehr erstaunt, denn gewöhnlicherweise wartet niemand am Haupteingang. Die anderen Staff- Mitglieder die ich kenne haben alle einen Schlüssel für das Gebäude, da sie selbst hier wohnen. Wer könnte das sein? Für eine Sekunde hatte ich einen abwegigen Gedanken. Nein, das ist nicht möglich. Er ist in Vancouver. Wie dem auch sei, schnell habe ich mich also angezogen und noch etwas schlaftrunken auf zum Haupteingang gemacht. Und wer stand da breit (sehr breit XD) grinsend in der Tür?

Mein Freund Michael! :) Yay! Er sollte eigentlich laut seinen Blog- Einträgen in Vancouver oder Seattle sein, hat mich aber geschickt eben dadurch getäuscht. Gefakte Einträge, sowas muss ich auch mal machen. ^^ Die Tür wurde aufgerissen, eine stürmische Umarmung und ein Wirrwarr aus Worten, da ich ständig zwischen Deutsch und Englisch hin und her wechselte. Michael in Banff! :) Ich liebe es Menschen zu überraschen und ebenso liebe ich es überrascht zu werden. Und das war eine Überraschung der besonderen Art! Ich lege euch nahe diese Geschichte auch noch mal aus der anderen Perspektive zu lesen: In Michaels (tikurions) Blog, der in meiner Linkliste zu finden ist.

Am selben Tag sind wir auf den Pfaden nahe Tunnel Mountain (der früher von den First Nations Sleeping Buffalo genannt wurde ) gewandert und haben viel geredet. An einem großen Fels hielten wir dann inne. Unter uns rauschte der Bow- River vorbei, vor uns erhob sich der gewaltige Mount Rundle und unsere Blicke schweiften über das breite Bow Valley, welches uns in diesem Augenblick seine ganze Schönheit offenbarte. Und uns wurde etwas klar: Wir waren beide unabhängig voneinander von Europa aus aufgebrochen und nun sehen wir uns hier wieder: Tausende von Meilen von zu Hause entfernt, in einem sonnigen Tal, von Bergen gesäumt.

Seit diesem Tag sind nun grob geschätzt zweieinhalb Wochen vergangen. Michael und ich haben, soweit das mit der Arbeit zu vereinbaren war, einige Tage zusammen verbracht und hatten eine Menge Spaß! Wir waren zum Beispiel ebenfalls Kanu- fahren und haben gemeinsam Sulphur Mountain bestiegen. Von diesen Ereignissen findet ihr auch einige Photos weiter unten in der Galerie. An dieser Stelle noch mal Danke Michi für die kleine Photo- Lehrstunde. ;) Wie lange Michael noch in Banff bleiben wird ist ungewiss – in jedem Fall haben wir noch einige tolle Dinge die wir gemeinsam erleben wollen. :)

Unglaublicherweise haben vor einigen Tagen zwei liebenswerte Menschen von Muktuk mir geschrieben, dass auch sie in Banff auf einen Besuch vorbei schauen. Es mag jetzt so erscheinen als wären hier ständig Leute die mich besuchen würden, über einen größeren Zeitraum gesehen liegt zwischen den einzelnen Besuchen aber doch etwas Raum. Lies und Stijn, meine beiden Lieblings- Belgier sind vorgestern in Banff angekommen. Gestern haben wir uns getroffen und sind zusammen auf Sleeping Buffalo geklettert. Das war schööön. Schon jetzt steht fest das ich in absehbarer Zeit in das idylische Brügge fahren werde um die beiden dort zu besuchen. Morgen werden wir uns wiedersehen und mal schauen was wir so machen. I look forward to it! :)

Mit all diesen netten Menschen habe ich bzw. verbringe ich gerade eine wunderbare Zeit. Es ist ein großartiges Erlebnis solch ihnen immer wieder zu begegnen!

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Zum Abschluss meines Berichtes möchte ich noch auf einige Neuigkeiten den Blog betreffend aufmerksam machen. Zum einen gibt es jetzt auch ein Suchfeld (das eines Tages einfach im Blog auftauchte, keine Ahnung wieso XD) das wir eigentlich ein Finden- Feld nennen sollten. Zudem gibt es immer wieder mal etwas „Trash“, der seinen Weg zwar nicht in die Beiträge aber in den Blog gefunden hat. So zum Beispiel einige Zitate und ein kleines Rezept. *grins*

Außerdem möchte ich euch einen neuen kleinen Blog mit ganz reizenden Beiträgen wärmstens empfehlen: Der Reiseblog meiner lieben Freundin Farina, die seit etwa einer Woche in Äthiopien verweilt und dort ein Praktikum macht. :) Den Link zu dem Blog findet ihr rechts unter Links unter dem Namen „Fines Blog“. Mein schweizerischer Freund Mirco, ohne den dieses Blog in dieser Form nicht existieren würde, hat mittlerweile seine große Amerika- Reise beendet und ist wieder im heimischen Gebirge angekommen. Mirco, es war mir eine große Freude dich so oft (und an so vielen Orten so unvorhergesehen) zu treffen! Wir sehen uns in der Schweiz! :D

So, Tee (Kakao, Kaffee) und Kekse dürften nach diesem langen Bericht aufgebraucht sein. Ich danke euch für euer Interesse. Bis zum nächsten Bericht wird es definitiv keinen ganzen Monat dauern. :) Liebe Grüße!

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Galerie

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On the Road

Hallo alle zusammen!

In den letzten zwei Wochen hat sich so manches interessantes zugetragen von dem ich euch nun berichten möchte. Um gleich mit der Tür ins Kartenhaus einzufallen: Seit dem fünften Mai diesen Jahres arbeite ich als Food & Beverage Server (= Kellner) in einem der Restaurants des Banff Centers. Ja, ich habe es endlich geschafft! :) Der Weg dorthin war nicht von der Art wie ich angenommen hatte das er verlaufen würde. Es gab so manche Kurve, die sich nach links wand von der ich dachte sie würde nach rechts verlaufen; und umgekehrt. Im Folgenden berichte ich euch von diesem seltsamen Weg, auf dem ich viele neue Dinge gesehen und einige nette Menschen kennen gelernt habe……und in dem ich in zweieinhalb Tagen fast 17oo Kilometer zurück gelegt habe.

Vorweg möchte ich mich noch bedanken. Bei wem? Bei euch, meinen Lesern! Immer wieder erreicht mich von verschiedensten Seiten außerordentlich positives Feedback (so auch in den Kommentaren) zu diesem Blog, sowohl zum gesprochenen Wort als auch zu den Photos. Ich freue mich immer sehr (!) darüber und es zeigt mir, dass es es wert ist, beim Schreiben und bei der Auswahl der Bilder Sorgfalt walten zu lassen. Vielen Dank also für die netten Worte!

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Die Ereignisse von denen ich nun schreiben werde sind so unverhofft und plötzlich eingetroffen, dass ich über alle Maßen überrascht davon war. Begonnen hat meine kleine Odyssee (die im Vergleich mit den fabelhaften Reisen des ehrenwerten Odysseus eigentlich noch nicht einmal diese Bezeichnung verdienen ;)) damit, dass das HI- Hostel, in dem ich bisher wohnte, keine Plätze mehr für einen Sonntag frei hatte. Somit musste ich mich auf die Suche nach einer neuen Unterkunft begeben. Dabei war ich allerdings nicht alleine unterwegs, denn überraschenderweise ist auch mein alter Freund Mirco in Banff eingetroffen! Yay! Es hat uns beide erstaunt, dass wir uns hier getroffen haben – Canada ist groß und das wir wieder zur selben Zeit am selben Ort waren war schon sehr erstaunlich. Vor allem, da wir dieses Zusammentreffen nicht im Mindesten geplant hatten! Mirco ist leider auch genauso schnell wieder abgereist wie er angekommen war (Mirco, du hättest ruhig ein wenig länger bleiben können ;)). Wir haben eine nette Wanderungen zusammen mit einigen anderen Leuten aus dem Hostel zum Sundance Canyon gemacht und einen angenehmen Tag miteinander verbracht, der aber irgendwie viel zu kurz war.

In Banff waren bis auf das Samesun Hostel alle Budget- Unterkünfte belegt. Ich hatte also keine große Auswahl. Zu diesem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht, dass ich am nächsten Tag in einem Auto zusammen mit drei lustigen Koreanern auf dem Weg nach Vancouver sitzen würde.

Was?? Ja, ihr habt richtig gelesen! Noch am selben Tag machte ich die Bekanntschaft von Han Su, Ju und Gü En Te, drei Koreanern, die über das Wochenende die Rocky Mountains besuchten. Das Gespräch drehte sich um westliche und koreanische Kultur und war höchst spannend. Noch am selben Abend lernte ich ein bisschen koreanische Schriftzeichen und es stimmt was Han Su sagte: Das koreanische Alphabet lässt sich in grob geschätzt 12 Stunden vollständig erlernen. Man weiss dann zwar noch nicht was die Worte bedeuten, welche man da gerade liest, aber man kann es zumindest aussprechen. ;) Der Abend war sehr nett; am Ende stellte sich heraus das die drei am nächsten Tag über Japser zurück nach Vancouver fahren würden. Sie hatten ein Auto gemietet. Da es nicht so ausssah als würde sich das Banff Centre noch melden und ich ein wenig gelangweilt vom langen Warten war habe ich ohne große Umschweife gefragt ob ich mich den dreien anschließen dürfte. Ich war begeistert von diesem spontanen Entschluss und noch mehr freute ich mich als sie ohne zu zögern zustimmten!

Am nächsten Morgen waren wir dann auf dem Weg nach Vancouver. :D Die Fahrt war großartig, geprägt von spannenden Gesprächen und haufenweise Witzeleien. Die drei hatten einen tollen Humor und wir hatten eine Menge Spaß zusammen. Das Wetter war uns zudem wohlgesonnen und dieser Abschnitt des Trans- Canada- Highway 1 (später dann der Highway 93), den wir fuhren, gilt als eine der schönsten Strecken Canadas. Und führwahr, das ist er auch! Geduldig schlängelt er sich durch das Tal, vorbei an hohen Bergen und weißen Gletschern. Er hat mich ein bisschen an den Alaska Highway erinnert, der ebenfalls eine der eindrucksvollsten Straßen des Landes darstellt. Auf dem Weg nach Jasper haben wir nicht nur Bergziegen gesehen, sondern auch die Sunwapta und die Athabasca Falls. Beeindruckende Wasserfälle, die nahezu direkt neben dem Highway liegen! Jedem der die Rocky Mountains besucht lege ich sehr nahe auf dieser Straße bei Sonnenschein durch den Nationalpark zu fahren – es lohnt sich!

In Jasper haben wir eine kleine Wanderung im Maligne Canyon gemacht und waren lediglich für ein paar Stunden in der Gegend. Dann fuhren wir Richtung Westen weiter durch den Mt Robson National Park nach Vancouver. Wir erreichten unser Ziel gegen Mittag des nächsten Tages. Übernachtet haben wir auf irgendeinem Parkplatz (keine Ahnung wo genau…^^) neben dem Highway im Auto. XD Diese von Spontanität geprägte Fahrt war ein wahres Vergnügen!

Han Su, Ju und Gü En Te waren sehr freundlich und haben mich direkt vor der Tür des Youth Hostels in Vancouver abgesetzt. Eigentlich hatte ich geplant in Vancouver oder alternativ dem nahen Victoria eine Weile zu bleiben. Doch es sollte anders kommen. Meine Zeit in der multikulturellen Stadt war kurz und ich habe dort lediglich den weithin bekannten Public Market auf Granville Island besucht, was ich bei meinem ersten Besuch in der Stadt versäumt hatte. Ein überaus lohnender Besuch – auch wenn das Fish & Chips Restaurant (von Lonely Planet empfohlen ;)), bei dem es sich eher um eine ebenso abgefrackte wie einladende Imbiss- Bude handelte, an genau dem Tag als ich dort war nicht geöffnet hatte. Schade, die Fish & Chips sollen die besten der Stadt sein. Die Aussicht war überaus nett und ich habe eine schöne Galerie gesehen. Allerdings nur von außen, da auch diese unvorhergesehenerweise an diesem Tag geschlossen hatte. *gruml* Exklusive Besucher *gruml*. ;) Zum Glück hatte selbige große Fenster, sodass ich einige der Austelluingsstücke durch diese hindurch betrachten konnte. Ein schöner, erholsamer Tag, an dem ich mich pudelwohl fühlte – wieder in Vancouver, diesmal mit schönem, leicht sonnigen Wetter und einem ganzen Rucksack voller Ideen was ich die nächsten Wochen unternehmen könnte.

Am nächsten Tag erreichte mich dann eine email vom Banff Centre, in der ich zu einem Interview eingeladen wurde. Ich war erstaunt, irritiert und hatte generell im ersten Moment keine Ahnung was ich davon halten sollte. Es war großartig und idiotisch zugleich. Ich hatte das Gefühl irgendwer oder irgendwas erlaubt sich gerade einen Spaß mit mir. Vor allem galt es jetzt eine rasche Entscheidung zu treffen – denn im Fall eines Interviews wollte ich das Banff Centre ungern warten lassen. Ich wusste die ersten Minuten nachdem ich die email erhalten hatte nicht was ich tun sollte…..ich war ein wenig verwirrt. Daher entschloss ich mich das einzige zu tun was mir in dieser Situation einfiel: Sich einen ruhigen Ort zu suchen und nachzudenken. Und so tat ich eben dies. Einige Zeit später stand mein Entschluss dann fest: Ich würde zurück nach Banff fahren, auf dem schnellst möglichen Wege und versuchen den Job zu bekommen! Noch am selben Abend saß ich in einem Greyhound Bus der mich praktisch über Nacht nach Banff brachte. So kam es also, dass ich wieder in den Rocky Mountains verweile, obwohl ich diese erst zwei Tage zuvor verlassen hatte. So viel zu meinem Rucksack voll mit Ideen für Vancouver und Umgebung. XD

Schlagen wir nun den Bogen zurück zu dem Beginn meines Berichtes. Seit etwa einer Woche arbeite ich als Kellner im Banff Centre. Ich bin gerade dabei mich einzuleben und lerne jeden Tag neue Menschen kennen. Die Arbeit macht mir großen Spaß und die Leute die ich treffe sind (fast) alle sehr nett. Das Banff Centre ist gut mit einer kleinen Universität zu vergleichen und es gibt auch Staff Unterkünfte auf dem Gelände, in denen ich seit Anfang Mai wohne. Das Leben und die Arbeit an diesem Ort bieten zweifelsohne viel Stoff für neue Erzählungen. Was genau meinen Arbeitsbereich umfasst, was ich in dem Banff Centre alles erlebe und was es sonst Neues gibt…..

…..wird in meinem nächsten Bericht zu lesen sein. XD

An dieser Stelle beginnt sozusagen ein neues Kapitel meiner Canada- Reise. Blättern wir also um und schauen was uns auf den nächsten Seiten erwartet! Liebe Grüße an euch alle zu Hause und viel Spaß beim Anschauen der Photos! :)

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Zum Abschluss noch einen Hinweis auf eine kleine Neuerung im Blog: Auf der rechten Seite findet ihr jetzt einige Links zu meiner Meinung nach interessanten Webseiten. Wenn ihr mit der Maus für einen Moment auf dem Link innehaltet, wird angezeigt, worum es sich bei diesem im Detail handelt. So muss man die Links nicht mehr in den Beiträgen suchen. ;)

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Galerie

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